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„Atter Schwede...t* würde man ihn ansprechen. ___
Aber man tut io etwas in der Fremde nicht. Und damit man sich gar nicht erst in Versuchung geführt fühlen kann, spricht sedes Volk seine C*9 Unb^eU^man die fremde Sprache nicht versteht, gehe ich in jedes Geschäft-und erstehe eine Kleinigkeit. Es gibt nichts Luftigeres als die
verantwortlich: Dr. Kans Thyriot. - Dcucl und Verlag: Brühl sche Universitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange,Giehen.
® Bittet gehen Sie einmal in ein Papiergeschäft und erstehen Sie sich ein kleines Oktavheft. Aber nicht mogeln und triumphierend mit einer Ansichtspostkarte vom Stadttheater herauskommen! Nein, solange gestikulieren bis Sie genau das überflüssige Oktavheft m der Hand halten, um das die Wette geht. Auch nicht große Geschäfte aufsuchen, in denen man alle Sprachen radebricht, nein, einen kleinen Laden, in dem die Schulkinder ihre Werkzeuge erfeilschen. Nichts ist schöner, als wenn bald hinter dem Ladentisch die kleine Stockholmer Ladnerin errötet, bald ich meine Zeichen mit den Händen unter ihren triumchen Blicken etnfteUe, um tief Atem zu holen. Aber welche Freude, wenn wir nach zwei bis drei Stunden zufällig auf das Oktavheft stoßen. Wie wird diese Entdeckung eingepackt, als ob es unser gemeinsames Findelkind wäre.
Wir nehmen Abschied voneinander fürs Leben. Ja, wir erleben beide melancholisch, als wenn ein Schlager dezent dazu seufzte, daß wir fürs Leben Abschied voneinander nehmen müssen, obgleich wir uns nun doch am Ende gerade so gut verstanden haben...
Meine Fran jammert immer, daß wir auf diese Weise unsere Reisekasse sinnlos plündern, denn sie teilt meine Schwäche. Und es geht uns wie Spielern, es bleibt nicht bei den Oktavheften.
Die fremden Städte haben es an sich.
Du gehst in deiner Heimatstadt und du denkst nicht daran, — plötzlich etwas Unnötiges zu kaufen. Die Schaufenster können nach deinem Portemonnaie girren, wie sie mögen. t ,
Aber in einer fremden Stadt, gor im Ausland, ist das ganz etwas anderes. Plötzlich interessiert dich jeder alte Kramladen, jeder Juwelier ist für dich da, Kücheneinrichtungen bringen dich nächtelang um den Schlaf, Autobestandteile scheinen dir tägliches Brot ... kurz, das Abenteuer hat dich am Schopf und wirbelt dich willenlos von Ladentisch zu Ladentisch, bis du atemlos nach deiner Rückfahrkarte tastest.
Nun, ganz soweit läßt es meine Hanne nie kommen. Sie ist eine , Nürnbergerin, und ich habe sie im Verdacht, daß sie es in ihren ehrlichsten Stunden mit den Schotten hält.
Scheinbar unvermittelt verweist sie mir mein Kavalkaden Romantik und äußert ihr Bedürfnis nach Museen.
Museen sind nämlich in allen Städten der Welt das Billigste. Außerdem verbinden sie wohltemperierte Räume mit schönen ständen, die man nicht kaufen kann.
Ich folge ihrem Rus.
In Museen gibt es nun freilich eine andere große Gefahr: Ich dann immer die Städte, die Länder, die Museumsdirektoren, die Wärter.
Undx während ich äußerlich im Anblick eines Rembrandt versunken scheine, überlegt sich meine Seele backbords, das ist die Schlagseite, die auf Kriminalromane abonniert ist, wie man dieses Gemälde flauen könnte. Oder noch teuflischer: Ich lasse eine hundertprozentige Kopie malen, hänge die mit dem Gesichtsausdruck von Harald Lloyd auf und trage unter dem Mantel das Original in mein Hotel ...
Die Leute haben ihren Rembrandt und ich meinen.
Halt!' Meine Betrachtung ist unbedingt in das Unsittliche abgeglitten. Doch das liegt nicht an mir, das liegt im Wesen dieser protzigen Museen. Gehäufter Besitz geht jedermann auf die Nerven. Um die Museen hat die ganze Antike gekämpft. Athen plünderte die Museen von Kleinasien. Rom die von Athen, und Rom wurde von den Goten geplündert und Deutschland ... von den Schweden. Zwar sagt jedes Volk und seine Kulturgeschichte, sie hätten diese Kunstwerke vor dem Untergang bewahrt ... sie „gerettet" sozusagen ... aber ...
„Sjanns!" sagt zu solchem Betracht meine Hanne, „du bist frivol!
Ich weiß nicht, was sie gegen diese Perspektive meiner weltgeschichtlichen Auffassung hat, aber sie wirst mir ihren strengen Blick zu.
„($afce und Geber stets euch zu eigen.*
Aus der Geschichte des Eherings.
Von Dr. K u r t W a r n e ck e.
Eine jahrtausendalte Geschichte hat der schlichte Ring, den die Eheleute am Finger tragen, und viele Mythen und Sagen verbinden sich mit ihm. So wird Prometheus, der den Göttern das Feuer raubte, um es auf die Erde hinabzutragen, als der Urheber und erste Schmied eines Ringes gepriesen: nach anderer Deutung soll der Ring, den er besessen hat, ein Glied jener Kette gewesen jein, mit dem er an einen Felsen des Kaukasus geschmiedt war, um die grausame Strafe der Götter zu erleiden. So sind es die Himmlischen selber gewesen, die dies magische Symbol geschaffen haben. Alte Bildwerke zeigen Ahuramadda, den Beherrscher des Reiches vom „anlanglosen Lichte", der als Zeichen seiner Allmacht einen Ring in der Hand hält, und der Gott Vishnu trägt in einer seiner vier Hände den Ring Sudarsim, von dem ein überirdischer Glanz ausgeht. Auch im altnordischen Sagenkreis haben Ringe eine besondere Bedeutung, sei es als Zauberringe, denen geheime Kraft innewohnt, wie dem Ring der Nibelungen, sei es als Symbole unverbrüchlicher Treue, zwischen Führer und Gefolgsmann oder zwischen Liebenden und Geliebten. Man hat seine sinnbildliche Kraft dahin gebeutet, baß sein einschließendes und zusammenhaltendes Rund dazu dienen solle, die Seele im Körper festzuhalten ober bas Einbringen böser Geister zu verhinbern: bann versinnbildlichte der Ring, da er kein Ende hat, die Ewigkeit, und wenn er zum Pfand gegeben wurde, bedeutete er Treue und Liebe bis in den Tod.
Seinen Platz am Finger erhielt der Ring zunächst wohl als Siegelring: er wurde ein gerichtlicher Ausweis, der nicht anzuzweiseln war.
und ein Bestandteil des Rechtswesens. Jrn klassischen Hellas finden wir den Ring alsdann auch als Verlobungszeichen, das hier, wie bei anderen Völkern in älterer Zeit, vielleicht zunächst sogar als ein Symbol des Ab- schlusses eines Rechtsvertrages angesehen wurde, durch den die Frau in eine bindende Beziehung zum Gatten trat. Der Verlobungsring wurde alsdann nach Vollzug der Ehe zum Ehering, wie noch heute. Auch im alten Rom wurde der Braut dm Tag des Eheversprechens vorn Braut,- qam ein Ring an den vierten Finger der linken Hand gesteckt. Zur Zeit des Plinius was es ein eiserner Ring, dem zuweilen ein Magnet eingefugt war, um darzutun, daß das Mädchen von nun an aus ihrem Lebenskreis in den des Mannes hineingezogen werden solle. Für die Wahl des vierten Fingers der linken Hand als des eigentlichen Ringfingers gab es Die Er- tlärung: ein besonderer Nerv laufe von diesem Finger zum Herzen und verbinde Herz und Hand miteinander, der an dieser Stelle getragene Ring fei also dem Herzen am nächsten! Seltsamer Weise galt dagegen der Mittelfinger als ein „schlechter Finger" zum Tragen von Ringen, mit denen bald ein großer Luxus getrieben wurde.
Als Beispiel für die Vorliebe für Ringe im späteren Rom läßt sich anführen, daß vornehme Römer und Römerinnen oft der Jahreszeit ent- sprechende Ringe trugen. So zog man winters einen Ring mit weißem Stein vor, einen kirschbraunen Ring dagegen im Frühling, einen gelben im Sommer und einen hochroten im Herbst. Schließlich wechselte man di« Ringe allmonatlich, und von dem römischen Kaiser Heliogabal wird berichtet, daß er an jedem Tag des Jahres neue Ringe trug unö leben Ring nur ein einziges Mal an den Finger steckte. Zu dieser Zeit schmückte man die Ringe übrigens schon mit einem Anker als Sinnbild besonderer Treue. So äußerte der Dichter Propertius: „Der Anker, metn Weib, ist mir eine sichere Stütze!" .
Auch bei den germanischen Völkern war der Ring als Pfand der Treue ein geheiligtes Liebeszeichen und das Symbol eines Versprechens, das nicht gebrochen werden durfte. In der christlichen Kirche wurde denn auch dem Ring bei der Zeremonie der Trauung eine wichtige Rotte em» geräumt. Im frühen Mittelalter galt die Vorschrift, daß der Mann einen goldenen, die Frau einen silbernen ober eisernen Ehering tragen mu t, wob! als äußerliches Zeichen, daß die Frau dem Mann untertan jein solle Aber diese Bestimmung wurde nur selten eingehalten und geriet bald in Vergessenheit. Je nach Stand und Vermögen wurden die Ringe aus den verschiedensten Metallen hergestellt und oft seltsam ausgeschmuckt, So waren manche Ringe mit Edelsteinen verziert, denen man besondere Zauberkraft zuschrieb. . m
Oft wurden die Ringe in den merkwürdigsten Formen von den Goldschmieden geschaffen: man konnte Ringe in Gestalt von Schlangen finden und solche, die aus zwei verschlungenen Händen gebildet waren, da der Händedruck die Verlobung besiegelte. Eheringe aus dem 16. Jahrhundert enthielten zuweilen in einem Medaillon ein Wickelkind und em Skelett: die Träger des Ringes sollten dadurch an Geburt und Tod, an die Vergänglichkeit alles Irdischen gemahnt werden. Mancher der mit einem Medaillon geschmückten Ringe enthielt auch das Bildnis des Gatten oder es war ein Schlüssel in ihm enthalten, als Symbol von Häuslichkeit und Sparsamkeit. Auch trugen die Ringe schon damals auf der inneren flachen Seite zuweilen Widmungen.
Sprüche wie „Amor vincit omnia“* oder „Tout tnon coeur“** waren keine Seltenheit: auch fanden sich Inschriften wie „Gabe und Geber stets euch zu eigen" und andere Versicherungen ewiger Liebe und Treu,-. In einigen Gegenden Englands maß man dem Finger, an dem der Verlobungsring getragen wurde, eine besondere Bedeutung bei. So hatte der Freier den Ring am ersten Finger der linken Hand: als Verlobter steckte er den Ring an den zweiten Finger, als Ehegatte aber schmückte er den dritten Finger seiner Hand mit diesem Liebessymbol. Trug ein Mann einen solchen Ring aber am vierten Finger, so tat er damit kund und zu wissen, daß er nicht geneigt war, eine Ehe einzugehen und daß er cs vorzog, ein Hagestolz zu bleiben. Dementsprechend trug ein heirat^ luftiges Mädchen einen Reis an dem ersten Finger ihrer linken Hand, nach dem Verlöbnis wanderte der Ring an den zweiten, nach der Hochzeit — wie beim Gatten — an den Dritten Finger. Auch sie schob einen Ring über den vierten Finger, wenn sie allen etwaigen Freiern deutlich anzeigen wollte, daß sie der Ehe abgeschworen hatte und lieber ledig bleiben wollte.
Auch im Volksbrauch spielt der Ehering eine große Rolle, wobei sich mancher alte heidnische Ringzauber hinter der späteren Sinngebung oer< birgt. So wird den jungen Mädchen zum Fidestag, dem 6. Oktober, nach altem Brauch folgendes angeraten: Am Morgen dieses Festtages sollen sich drei Mädchen zusammensinden, um gemeinsam einen Kuchen zu backen. Solange der Kuchen im Backofen ist, dürfen die jungen Mädchen fein Work sprechen, sondern müssen darauf bedacht sein, ihn dreimal umzuwenden. Ist der Kuchen gut geraten, so wird er in drei gleich große Telle geschnitten. Jedes Mädchen zerteilt nun sein Stück neunmal und schiebt durch jeder Kuchenstreifchen einen Ehering, der von einer sieben Jahre I glücklich verheirateten Frau entliehen wurde. Beim Aufessen der Kuchen- I stückchen muß jedes Mädchen eine bestimmte Bitte an die Gottheit sprechen, bann wird sie den zufünftigen Bewerber im Traum erblicken fönnen.
An solche Wunderwirfungen des Eheringes wollen wir heute nicht mehr recht glauben, aber auch für den modernen Menststrn ist der Ring nicht nur ein äußerliches Zeichen, dessen Gestalt man willkürlich ändern kann. So hat der Ehering seit vielen Jahrhunderten seine schlichte Form als schmuckloser Goldreif' behalten, wenn auch immer wieder angeregt wurde, ihn mit Edelsteinen zu schmücken und ihn so dem übrigen tfinger- schmuck völlig anzugleichen. Gerade neben kostbarem Schmuck hat der einfache Goldreif eine besondere Wirkung, und ebenso gereicht er der soim schmucklosen Hand zur höchsten Zierde. Auch seine Bedeutung als Sinnbild für ein bindendes Versprechen und als eine Versicherung der Treue hat er bis zum heutigen Tag behalten.
■■ * Die Siebe besiegt alles.
, | ** Mein ganzes Herz.


