Nummer 84
Montag, -en 28. Oktober
ahrgang 1935
„Ja, es ist recht", sagt Sdphie leise. Sie schwimmt nun wider
standslos mit.
14.
ifdjer Freund hat aui besessen von einem
SietzenerZamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
chlagen." _
„Ich will Sie ja gar nicht schlagen, Rauthammer", ruft Sophie ganz »erzweifelt. „Ich will nur, daß Sie nicht geradeswegs sich kaputtmachen. 3d) will, daß Sie noch alles fertigmachen, was Sie können: ich null ... !ch will alles Gute für Sie ... Denn ich ... ich • ■ • ja, ich muh es Ihnen ja sagen ... denn Sie würden es nie merken: Ich liebe Sie. Aber Sie brauchen darüber keinen Schreck zu kriegen. Ich bin nicht wie andere Menschen ... Ich will nichts dafür haben. Gar nichts.
„Mein Freund, der chinesische Kaufmann", antwortet Rauthammer 'ast feierlich, „hat gesagt, daß nur diejenigen lieben, die auf den Geliebten gerne verzichten, falls es zu seinem Besten ist. oie smd noch im einen Grad weiter, Sophie. Denn Sie meinen, daß es zu meinem Schlechten ausschlagen muß. Sie halten es eben doch ilir Kommen Sie her! So. Geben Sie mir Ihre -and! So ...Mein chine- lifcher Freund hat auch gesagt, daß wir Europäer alle wahnsmnig hn . Besessen von einem Wahn oder von einem andern. Vielleicht hat er recht. Aber es kann ja auch sein, daß man dem Leben am nächsten ist, »enn man im Wahn lebt. Ich habe es doch ^sehu,na leben
Menschen herauskommt, die nach Vernunft nach Berechnung leben. Meine ganze Liebe zu Barbara soll also Wahnsinn sein - und n »eroifer Weise ist sie es bestimmt — meinen Sie oafe es für wich besser ist, so zu enden, statt als Kaufmann 'nMandschukuo und eis reicher Mann ... Und haben Sie habet wirklich "°ch A"A um Barbara ...? Ist es denn nicht entweder jur sie ganz ,gleich, ob ich ’omme, und dann schadet es nichts ... oder es istnicht gll ch ... dann ist es doch für sie gut, wenn es ausgefochten wirb ... ...
Sie werden mir also die Adresse geben, nicht wahr ...
Sophie Wahnke hat neben Rauthammers Stuhl °"f der Erde ge- essen. Sie hat, ein bißchen in der Art e,nes großen Jagbhund-s hr Kinn auf seine Knie gelegt und sieht ihn gespannt an wie e.n Kmd -'nen Märchenerzähler. Sie hat ein paarmal gemctt 3a ... Das tj Ules richtig. Es hat keinen Zweck, sich gegen diese Liebe zu wehren. Hein, mehr, man muß diesem Liebenden helfen.
Daus Rebstock. Die Pension der anspruchsvollen Menschen mit geringen Mitteln. Persönliche Zimmer. Individuelle Bedienung. Flußbad.
„Ich bin Ihnen von -erzen dan bar , jagt Rauthammer. „-mir *5Ä54S -e*
«».. rnu O.m
Hauthammer. „Schön! Das wäre ... heute abend um elf. Recht ...
Es ist der erste Juli, der Tag nach der Ulmer Fahrt, der Tag nach dem endgültigen Abschied Rauthammers von Professor Schreiner. Die Sonne scheint wieder über dem Flußtal. Schon in den Hellen Morgenschlaf hinein dengeln die Senfen. Das ganze Flußtal hinauf und bis in die Waldwiesen hinein stehn die Mäher, in halbärmeligen -emden, mit Leinenhüten ober das Taschentuch als Mütze über den Kopf geknotet: gehn die Mäherinnen hinter den Sensen der Männer her und Harken das Gras, wenden das Gras, Harken das -eu. Der Fluß, der in der Sonne glitzert, im Schatten schimmert, steht mitten im betäubenden -eugeruch.
Meirnbergs verbringen den Vormittag auf der Wiese unter einem der bunten Schirme des -auses Rebstock. Alfred schreibt an Kleesand und Weppen in Sachen der Arztfreundin, Barbara an ihren Vater, an Sophie Wahnke, an Tante Anna Schreiner. Dann arbeiten sie ein bißchen. Er in seinen Akten, sie in den medizinischen Zeitschriften. Das ist schön und friedlich. Sie wissen nun so ungefähr, wie ihr Alltag aussehen wird. Jeder hat seine Arbeit, hat feine Gedanken. Die persönlichen Angelegenheiten werden auf ihr natürliches Maß zurückgeführt werden.
Wer wird — so denkt Alfred Meimberg — in vier Wachen nach an Rauthammer denken? Man kann deshalb diese Angelegenheit, die im Augenblick überschärft ist (einerlei, durch wessen Schuld), zurückstelleii und zu gelegenerer Zeit wieder aufnehmen. Und Barbara denkt auch, daß sie jetzt etwas Zeit hat. Viel Zeit vielleicht, nachdem sie kein Geheimnis mehr vor Alfred hat.
Sie sprechen davon, daß sich Meimberg schon ein bißchen nach Berlin sehnt. Nach dem verräucherten Anwaltszimmer im Landgericht, mit den durcheinander redenden, Witze machenden, 'rauslaufenden, 'reinkommenden Kollegen. Nach feinem scheußlichen Büro in der Kurfürstenstraße. Aussicht: Eine Mauer, ein Saum, eine Sandsteinvase.
Und daß sich Barbara schon bin wenig auf die kleine Wohnung am -ohenzollerndamm freut, mit den Hellen Wänden, den alten Blumen- stichen, den guten, schlichten Möbeln. Sie sprechen darüber, wie sie aus dem Leben von Arbeitspferden, das sie beide bisher geführt haben, in ein Leben hinüberwechfeln können, das feine täglichen Ferien, Erholungen, Genüfse haben kann. Und sie sprechen also kein Wort von den Gespenstern des Tages zuvor, kein Wort von der Turmbesteigung, von dem reichen -olländer, der seiner Frau den Revolver an die Schläfe hielt, kein Wort von Rauthammer.
Mittags ziehen sie in das -olzhäuschen hundert Meter flußauf. Das hat ein großes Zimmer mit zwei buntgeblümten Bauernbetten, einen Schreibtisch, zwei Waschbecken, einen Spiegel, zwei begueme Stühle und einen Kleiderschrank. Alles also, was man braucht. Es riecht noch ein wenig nach dem letzten Mieter, dem abgereiften Bankrat Meidam, nach Zigarren also, nach Veilchenseife, Kölnisch Wasser und nach dem Iran, mit dem der Bankrat seine Stiefel jeden Tag der -altbarkeit halber em wenig einfettete.
Meidam wird mit Fleur de rose, mit Zigaretten und mit Zugwind bekämpft. Danach kann man schon den ersten Nachmittagsschlaf in dem -äuschen wagen. Das Tannenholz schwitzt in der -itze -arz. Der Fluß, der unmittelbar an der -litte vorbeiläuft, gluckert und schnurrt. Sie liegen auf ihren Betten, lesen, horchen auf die Stille.
„Deine Augen sind schon soviel blauer geworden", sagt Barbara, „du'gehörst ja gar nicht an einen Schreibtisch, Junge!"
Alfred antwortet: „Vielleicht hast du recht. Aber was nutzt es? Ich glaube, man kann nur mitten im heutigen Leben stehn ober mitten in der Natur. Da muß man wählen."
„Das glaube ich nicht", meint Barbara, „und wenn es so ist, ist es falsch und muß bald anders werden."
Meimberg beugt sich über sie. „Aber bis dahin , lächelt er, „bis dahin wollen wir in unferm Berlin leben. Ja?"
gai nickt Barbara und lächelt zurück. Und sie denkt: Unter all dem unsinnigen Kummer gestern bist du mir schon wieder «in Stuck naher ans -erz gerückt. Ich fange an, zu begreifen, warum die Menschen soviel Wesens von der Liebe machen. Man kommt über viele Klippen unb Schwierigkeiten immer wieder leicht zueinander.
Meimberg sagt jetzt: „Deine Augen sind auch soviel Heller geworden. Ich glaube, du bist eigentlich ein ganz fröhlicher Mensch.'
Barbara lacht ein ganze Melodie, und es klingt wie die Zweite Stimme w der Melodie des Wassers, das vorüberschurrt. „Komm mal her , jagt sie, „sieh mir mal in die Augen! Ganz nah. Noch naher.
So9 fragt Meimberg und legt sein linkes Auge ganz fest auf ihr rechtes. „Vorsicht ... du ... jetzt sehe ich dir auf den Grund deines -erzens ..." ... ------
Liebesroman
GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE
Von Walther von Holländer
Copyright 6g August Scherl S.m. 6.Y., Berlin
11. Fortsetzung.
Sie steht auf unb geht in bie Küche, um Kaffee zu kochen. Während sie wartet, daß bas Wasser kochen soll, spielt sie mit einer Ansichtskarte. Ein Flüßchen ist darauf zu sehen, niebrige Walbberge, ein -aus mit pielen Baikonen. Sie schiebt bie Karte unter ben Kuchenteller des Tabletts.
„Nun", sagt Rauthammer, „was haben Sie sich da draußen zurecht- gebadjt? Sie sehen ganz böse aus. Sie schütteln Den Kops? Sie schütteln überhaupt immer ben Kops über mich. Finben Sie mich so verrückt?"
„Nein, ich finbe Sie nicht so verrückt", antwortet Sophie Wahnke, .aber begreifen kann ich Sie auch nicht ganz. Wenn Sie durchaus hinter Barbara herfahren müssen ... bitte ... falls Sie sie finden ... bitte .. Sie sollen nur nicht so tun, als hinge Ihr Leben davon ab. Sie haben doch immer getan, was Sie wollten. Sie sind doch immer ein selbständiger Mann gewesen. Sie haben alles erreicht, was Sie erreichen tonnten. Ist dies nicht einfach eine trotzige Kinderei? Weil Meimberg, veil ein anderer bie Barbara gekriegt hat?"
„Es kann ja fein", sagt Rauthammer, „baß es eine trotzige Kinberei ff. Aber bamit ist nicht viel gesagt. Wieviel an meinen großartigen Ge- chästen in China, wieviel an meiner Eroberung bes -oses von Man- sichukuo war auch nichts anderes ... Also damit können Sie mich nicht
* Si L d-i k r ei füllt f «Imnuttilp * J|. Mrt f M Ml ™ 1)0! JL Nbrti B geblieititlE । eine MF n «ns 1« li not btt|l ''ne 3*|| °ß, wurb> * 1 Mr, naiijl Wuchst! i nun bo|| die gelb» I ■ juitnhn, || ns laulltp| zle er IIP | eine $1|| unb Pelt, | überbot« || nullten sit |
lal mar ti ging, sitz | d ehe sitz I hrsreichst« | die getobt H i zerfuhr« | ig, jrieblif I tanze Stab: | ne, der bit | Rann leint j ter (taut I tm KW I nach H | Ball. W I überzeug!« I den hinür I schrei ihn I enfter M I ufjbenfliik I -nnstM ft I its. W« | nbelfe * I ite. M" | ig tam. > o tollte I' Ob er •■■■
bergiiiH' >as ShiA eigene5 o- in den * 1mit®f* sieben A ubtnigsbn'i' rotten. '
:eute l«*1 gtino#’ (ein E
Sri;* i, die de i" märtet g hindnrch >ehr°°l!^ r”'“ uni«" eilet J'9 et B-ll g !!.»"
»iS#


