Ausgabe 
28.6.1935
 
Einzelbild herunterladen

Feldeinsamkeit.

Don Hermann Allmers.

Ich ruhe still im hohen, grünen Gras und sende lange meinen Blick nach oben, von Grillen rings umschwirrt ohn' Unterlaß, von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne weihe Wolken ziehn dahin durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; mir ist, als ob ich längst gestorben bin und ziehe selig mit durch eroge Räume.

hatte

Hobbel Frank" fügte sich mit rührender Rücksichtnahme und beispiel- ?r 2)emut in bas tnilbe (Betriebe biefer 6etunbaner?QmerQbfcf)Q[t ein.

lofer Demut in bas roilbe (Betriebe biefer SekunbanerkameraoiHast ein. Es war erschütternd zu sehen, wie er wendig und verbissen versuchte mit seinem Klumpfuß bei den schnellen Spielen, bei Rennen, Schlagvall und bei den Ausflügen mitzuhalten und keinesfalls hindernd zu fein. Wenn ihm auch oftmals der Schweiß von der Stirne troff: mit einer gewal­tigen Energie, die nur aus einem heldenhaften Willen gespeist werden konnte und in manchem stillen Gebet jugendlicher Herzenseinsamkeit sich Nahrung holte, überbrückte er alle Hindernisse und kam immer mehr dem Herzen seiner Mitschüler nahe, die das gute Auge des jungenMenschen eigentlich von vornherein überwunden hatte. Immer liebevoller wurde im Laufe der Zeit der Ton ihrer Stimmen, wenn sie »Hobbel Frank riesen und immer heller ihr Auge, wenn sie ihn auf der «trahe erviick- ten und mit frohem Wink an ihre Seite zwangen.

Nur eine kleine Gruppe von Mitschülern brachte diese Sympathie des Herzens nicht auf, verfolgte vielmehr den blaffen Kameraden mit häßlichem Spott und scharfem bösem Gelächter Diese Gruppe wollte herausbekommen haben, daßHobbel Franks" Vater infolge eines^betrü­gerischen Bankrotts sich aus dem Westen des Reiches '" d'-fe Gegend verzogen hatte und sie ließ nun den Sohn ur d'e, angebliche Schuld des Vaters büßen. Besonders Walter R., ein über 'eme Jahre entwickelter schöner und auffallender Bursche, ward em unerbittlicher Feind des Schmalen, Zarten, er überschüttete ihn mit versteckten Anspiestrngen und Drohungen; roh und verwerflich, schlug er aus dem Leib -schaden den der Schwächere gelassen trug, das Kapital für seine bösen und unmensch

Hobbel Frank.

Erzählung von Hans Franke-Heilbronn.

In einem mitteldeutschen Infanterieregiment ging, kurz nachdem die ersten Freiwilligen an die Front gekommen waren und sich die grau­samen und heldisch getragenen Tage von Becelaere, Langemarck und Messines vorbereiteten, der RufHobbel Frank" bei einer Gruppe von Freiwilligen der zehnten Kompanie, deren Mitglieder der gleichen Schule entstammten, von Mund zu Mund. Diese jungen Menschen die mit ihren hochaufgeschossenen Gliedern, ihren freien jungen Gesichtern, ihren nicht immer ganz gerade sitzenden Koppeln und Helmen unter dem Rest der Aktiven unschwer zu erkennen waren, denen es Gewohnheit gewor­den war, des Abends in den Ruhestellungen, ja mitten im Graben weh­mütige Heimatlieder zu fingen oder gar auf der Harmonika zu spielen benutzten (wie man bald beobachten konnte) diesen Zuruf, um sich aus langen Märschen, im feindlichen Schrappnellseuer aufzustacheln, zu größerer Kraftentsaltung zu steigern oder einem der ihren ein helles mutiges Wort mit auf eine gefährliche Patrouille zu geben.

Wie es aber zu diesem Rufe kam, das mag in folgendem erzählt werden: Alle, die je in ihrer Jugend Indianer- und Abenteuergeschichten gelesen haben, ist die komische Figur des Hobbel Frank bei Karl May erinnerlich, jenes kleinen sächselnden Männchens, das in einem abgetrage­nen blauen Schoßrock, einen großen von einer Reiherseder geschmückten Hut auf dem Kopfe mutig und auf einem Beine hinkend die Prärien, Wälder und Kannons von Amerika durchstreift, trotz seines Hinkens bet gutem Humor.

Gut bei Humor ober absonderlich gekleidet war der kleine schmale Frank W., als er scheu und bescheiden als einNeuer" unter feinen Mitschülern stand, nun keineswegs, wohl aber hinkte er. Aus einem anderen Landstriche Deutschlands war er in diese Gegend und hier auf dieses Pennal verschlagen worden, und es währte nur eine halbe Stunde und schon hatte man den zarten und mittelgroßen Kameraden mit dem SpitznamenHobbel Frank" belegt, der von nun an für ihn zu gelten

Bas® aE märe zu tragen gewesen, »umal Hobbel Frank in einer anderen Gruppe von Freunden geborgen und beschützt ruhte. Da aber (am der Krieg! Und damit stand der armeHobbel Front von heute auf morgen in einer grauenvollen Verlassenheit Niemand kümmerte sich mehr um ihn, fast die ganze Prima meldete sich freiwillig und alle, die beim ersten Ansturm nicht genommen worden warem durften hoffen, i wenigen Monaten unter den Fahnen zu stehen. Der Sch z . . stehenmüssens hatteHobbel Frank" noch um einen Schein blas e se . Auge noch tiefer, und trauriger gemacht, °"schlo scn und emsam sah e Mitschüler und Lehrer hinter den Toren von Kasernen und D pots ve schwinden jedes Wort des Bedauerns machte ihn armer, und muoe lächelte oft fein Mund, wenn er in die begeisterten Wogen des vo h 5U$m(Mbenbarreine5 Septembertages dieses groBen Wes.

lief eine schauerliche Kunde die kleine Stadt und drang auch olsbow m die Stuben des Depots, in der die ehemaligen Mitschüler vonHovvei Frank" müde den anstrengenden Tag ihresDienstes be^ch ss . .

Die oberen Klassen des Pennals naml.ch hatten an enem son g.^ Tage einen Schulspaziergang unternommen und 'h , beenöet

gemäß an einem hoch über der Stabt gelegenen«uspuflwgfr! beenoet, wo Lehrer und Schüler noch ein Stündchen beisammen s tz , v

den Heimweg mit Gesang antreten wollte. Hierher war nach beendetem Dienst in seinem kleinen geschlossenen Auto Walter R. gefahren und hatte renomthiereni) seine junge soldatische Würde zur Schau getragen, wobei er sich nicht enthalten konnte, denHobbel Frank" als Zivil- krüppel und nicht wert des Kaisers Rock zu tragen vor aller Ohren so hämisch zu beleidigen, daß einer der Lehrer ihm diese Art kurz aber streng untersagte. Wie eine schwere Wolke von Ungeteilter hing es noch über einem Teile der Schüler, als man bann verstimmt aufbrach, Walter R. aber lächelnb unb ohne sonderliche Regung den kleinen Wagen be­stieg und in starker Fahrt die steilabschiehende Straße hinabfuhr.

Man hat es nie völlig zu klären vermocht, wie es kam, daß der Fahrer an der nahen scharfen Kurve die Herrschaft über seinen Wagen verlor, der die niedere Schranke an dieser Stelle durchstieß, eine kleine Böschung herabsiel und sich überschlagend liegenblieb, während schon die hellen Flammen über dem Wrack des Wagens zusammenschlugen. Lehrer und Schüler riß es aus ihrer sprachlosen Erstarrung erst, alsHobbel Frank" wie der Bote eines höheren Willens sich über die Brüstung chwang, ungeachtet -der prasselnden Flammen vordrang, mit einem chweren Steine die Scheibe einschlug, dem Eingeklemmten seine schmale Hand reichte und ihn mit übermenschlicher Kraft einem furchtbaren Tode entriß. Als man hinzueilte, lagHobbel Frank" von Brandwunden ent- teilt besinnungslos im niederen Gras, während der andere bleich und apathisch, aber leichter verletzt auf einem Steine hockte ...

Drei Tage daraus schritt die gesamte Schule hinter der LeicheHob- bei Franks" zum Friedhöfe. Der zarte Jüngling war noch in der Nacht nach dem Unglück seinen schweren Wunden, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, erlegen.

Was die Mitschüler und die jungen Soldaten, die ernst und aufge- richtet mit im Zuge marschierten und den Sarg des Toten trugen, längst wußten, bas klang nun aus ben Reben bes Rektors unb bes Klassenlehrers heraus; unb nur später im Selbe hat das Lied vom guten Kameraden sie so unaussprechlich und so gewaltig ergriffen wie hier vor dem offenen Grabe des kleinen großen Helden, der seinen erbitterten Widersacher dem nahen Tode entriß. Unter dem Bogen dieser brüderlichen Liebe zu einem Toten zog die junge Mannschaft dieser Schule ins Feld, und wir verstehen nun, weshalb für sie der RufHobbel Frank ein feuriger Ruf war, ein Ansporn zu höchster Tat, zu opferwilliger Hin­gabe, mit der sie selber ihre eigene tatglühende Seele der großen Gemein­schaft aller Helden verbanden.

Bismarck schreibt an Johanna von Puttkammer.

Bon Joachim von Kürenberg.

Was ich bin, hat meine Frau aus mir gemacht" bemerkte Bismarck einmal. Ein schöneres Denkmal als dieser Aus­spruch kann Johanna von Bismarck nicht gesetzt werden. In seinem im Keil-Verlag, Berlin, erschienenen BuchJohanna von Bismarck" sieht auch Joachim von Kürenberg das Lebensschicksal dieser deutschen Frau in ihrer opfermutigen Bereitschaft für ben eisernen Kanzler, dessen Wesen und Große sich in ihrer Liebe spiegelte.

Wir wollen nun schreiben, als wenn mir plaudernd zusammensitzenl" Das haben sie sich gegenseitig versprochen. Fast jeden Tag fliegen die Briefe hin und her; dabei wird beider Ungeduld auf harte Proben gestellt, denn die Post braucht mindestens vier Tage. Sie versuchen sich genau die Ankunftszeit auszurechnen, um in Gedanken dabeizusein, wenn ein Brief in bes anberen Hänbe gelangt. Manchesmal ist Bismarck über Die langsame Beförberung so wütend, daß ermit der größten Lust die ganze Post verprügeln" möchte. Zwischen Briefen, die zu den schönsten gehören, die die deutsche Literatur in dieser Art besitzt, schiebt sich hm und wieder auch einwindbeuteliger" ein. m

3um Lesen seiner Briese hat Johanna sich eine weiße Bank im Gar­ten auserwählt, wohin sie mit dem teuren Pfand eilt, umdie heben langen Buchstaben" zu überfliegen. Manchesmal dauert es ihr zu lange, bis Krischan mit der Post kommt, bann läßt sie satteln unb re^et ihm entgegen ober fährt selbst mit dem Iagdwagen nach Stolp. Dort kann sie es nicht erwarten, noch auf der Straße reißt sie das Kuvert auf und kümmert sich wenig um die Spaziergänger:Mögen sie fid) wundern!

Der erste Brief Bismarcks ist aus Jerichow, gleich am Tage nach der Ankunft am 29. Januar, geschrieben:An Fräulein v. Puttkammer, Reinfeld bei Zuckers, Hinterpommern." In feinen Anreden an die Ge­liebte bedient er sich aller Sprachen Europas: Einmal nennt er sie Angela mia" oberJuanina", bann roieber:Dearest black one ; ein anberes MalSweetest heart. Dazwischen:Einzig geliebte Jean­nette" ,Frieberike, Charlotte, Eleonore, Dorothea, Johanna! ,,Bu bessere Hälfte meiner ober unserer", ober in englisch:Better half of myself. Hin unb roieber nennt er sie auchJuanita .Jeanne a mechante,Tres chdre Jeanneton". Einmal sagt er sogarTigresse ; dann, als sie krank ist:Mein armes Kätzchen". In ihren Anreben ist sie weniger abwechslungsreich, meistens nennt sie ihnDttodjen ; hm unb wieder auchOtto der Große" oder »Mein zukünftiger Langer .

An seinen Sorgen unb Aufgaben laßt er sie lebhaft teilnehmen, so schreibt er ihr gleich nach feiner Ankunft:Ich bin glücklich hier einge- raffen habe alles abpatrouilliert unb mich zu meinem Kummer über­zeugt, baß ich viel zu früh gekommen bin.Ich bin etwas 'N Zorn, daß ich über diese Eisstopfung keine Nachricht habe, und will mich be­sänftigen, indem ich meine Gedanken zu dir lenke." Wenn er ihr einmal ellenlang über seine Geschäfte als Deichhauptmann geschrieben hat. dann setzt er am Schluß hinzu:Armes Herz, langweile ich dich mit Wasser­geschäften?" Zwischen diesem Dienst auf dem Deich sahrt er auf wenige Stunden nach Berlin hinüber, trinkt dort mit einem halben Dutzend schlesischer Grafen bis in die sinkende Nacht Sittery aus ihr Wohl, um dann im Galopp zurück an den Deich zu jagen und sestzustellen, ob alles m Süm'Berichte aus Schönhausen verfolgt sie mit lebhaftem Interesse: du armes, zerrissenes Fähnlein! Mußt du nun jede Nacht an der