bleiben, ich müßte sonst doch alles wieder dorthin bringen, wenn ich in sechs Monaten zurückkomme."
Bolton saß wie auf glühenden Kohlen. Vergeblich versuchte er Andrew unter dem Tisch auf den Fuß zu treten, um ihn zum Schweigen zu bringen. Der Captain zog seine gefährdeten Extremitäten einfach zurück und sprach in dem Sinne wie bisher ruhig weiter.
Bolton vermochte nicht länger an sich zu halten, er wollte losplätzen, als Hein Eggerth von sich aus auf das Thema zu sprechen kam, das seinem Gegenüber so am Herzen lag.
„Sie haben recht, Captain Andrew, Ihre Vorräte lassen Sie am besten an der Küste. Aber meines Wissens haben die beiden andern Herren im Verfolg ihrer geologischen Untersuchungen verschiedenes Material gesammelt, das sie vielleicht doch lieber gleich mitnehmen möchten."
„So ist es, Mr. Eggerth!" rief Bolton. „Garrison und ich haben allerlei Erz- und Steinproben gesammelt und neben Captain Andrews Depot aufgestapelt. Wir wären Ihnen außerordentlich verpflichtet, wenn Sie es an Bord der ,City of Boston* bringen würden."
„Ich glaube, Bolton, Sie sind übergeschnappt", fuhr Andrew dazwischen, „das dürfen Sie nicht verlangen, es hieße die Freundlichkeit Mr. Eggerths über alle Gebühr beanspruchen. Allerlei GesteinspLvben — wissen Sie, was das in Wirklichkeit bedeutet", fuhr er zu Eggerth gewandt fort. „Annähernd hundert Tonnen eines schweren, wie es scheint, in der Antarktis häufiger vorkommenden Erzes."
Die Gesichtsfarbe Boltons wurde um einige Töne dunkler. Am liebsten hätte er den Captain in diesem Augenblick niedergeschlagen. Ueber die Züge Hein Eggerths huschte ein leichtes Lächeln, während er weitersprach.
„Aber ich bitte Sie, meine Herren, das ist für ,St II* eine Kleinigkeit. Hundert Tonnen können wir bequem mitnehmen. Es soll uns ein Vergnügen sein, die Bitte von Mr. Bolton zu erfüllen. Sowie wir Ihren Wagen ab- geseht haben, kehren wir zur Küste zurück und bringen dem Dampser das Gewünschte nach."
Während der letzten Minuten war ,St 11*, ohne daß die drei im Salon etwas davon merkten, aus der Stratosphäre wieder nach unten gegangen und strich in einer Höhe von wenigen hundert Metern über das Wasser des Roßmeeres dahin. Ein dumpfes Brausen und Heulen kam auf, die Sirene der ,City of Boston* meldete sich. Die Scheinwerfer von ,St 11* blitzten auf, ihre Lichtbalken huschten suchend über die See.
Sie trafen auf dunkles, fast unbewegtes Wasser, dessen Fläche hier und dort von großen Treibeisschollen unterbrochen war, dann blieben sie an etwas Grauem, Massigem hängen, sie hatten den Dampfer gefunden. Die .City of Boston* fuhr mit aufgebänkten Feuern und geringster Maschinen- kraft, sie machte eben noch gerade soviel Fahrt, um steuerfähig zu bleiben. Wenige Sekunden später hing ,St 11* über dem Schiff, während feine Funkstation unablässig arbeitete. Verwundert las Kapitän Lewis die Funksprüche, die man ihm auf die Kommandobrücke brachte. Das deutsche Flugschiff hatte nicht nur Andrew und seine Leute, sondern auch den gewaltigen Tankwagen an Bord? — Die .City of Boston* sollte die große Lädeluke für den Wagen klarmachen und die Reling runternehmen? — Er ließ erst noch einmal rückfragen, bevor er Befahl gab, die deutsche Anordnung auszuführen.
Kaum war es geschehen, als , St 11b* langsam niedersank, während seine Scheinwerfer die Umgebung tageshell erleuchteten. Sein gewaltiger Rumpf lag quer zu der ,City of Boston*. Kapitän Lewis hielt den Atem an. Jeden Augenblick erwartete er, daß das Deck feines Schiffes von der Last des Riesenflugzeuges eingedrückt werden müsse. Die wenigen Zentimeter, die das Stratosphärenschiff noch über dem Deck der ,City of Boston* hing, konnte er von seinem Standort nicht wahrnehmen; ebensowenig, wie die sechs Greiferarme, die den Tankwagen schnell und sicher durch die Luke in den Laderaum senkten und dort absetzten. Er sah nur, wie das Flugschiff plötzlich wieder emporstieg, starrte ihm noch erstaunt nach, als thm ein neuer Funkspruch gebracht wurde:
.Tankwagen mit Andrew-Expedition auf .City of Boston* abgefetzt. Luke schließen. Andere Luke für hundert Tonnen Gestein öffnen. Kommen schnellstens zurück. St ]lh.‘
Kapitän Lewis lief von der Brücke hinunter auf das Vorderdeck und schaute durch die offene Luke in den Laderaum; er rieb sich die Augen, wie wenn er einen Traum verscheuchen wolle. Da unten stand tatsächlich der große Raupenwagen an seinem alten Platz, als ob er den Bauch der .City of Boston* niemals verlassen hätte, und aus der geöffneten Tür !t?^te Andrew so seelenruhig, als ob die ganze Geschichte die selbstver- standlichste Sache auf der Welt wäre. Da begriff Kapitän Lewis, daß es angebracht fct, auch den weiteren Anordnungen dieses unbegreiflichen «irnlosphärenschiffes nachzukommen, und gab er die entsprechenden
In Boltons Kops war nur der eine Gedanke. Werden die Deutschen wiederkommen? Werden sie mir mein sauer erworbenes Erz wirklich ab- llcsern? Ungeduldig lief er neben Kapitän Lewis auf der Kommandobrücke hin und her, während die Zeit verstrich. Eine Stunde und n»ch eine
. bI'Wen die Scheinwerfer des Stratosphärenschiffes zum zweiten Male die .City of Boston* an. Wieder schwebte es kurze Zeit dicht über D°ck des Dampfers. Wie aus einer geöffneten Schleuse ergossen sich blinkenden Metallcs aus dem Flugschiff rasselnd und Polternd m die offene Luke des Dampfers.
eirl’rm\mnth^','r-aAti<S8r.ett^^ Ia$enb zu Hein Eggerth, der neben ihm im (iw-n.nn! ’rA , ßmi?' »e-gentlich Hütten wir das Erz gleich beim Garrison ünb Ä tid°SCle'£t,"nnen- ^»"den
m..ßte7benfVlachen°' °6” ^-"satts besser", meinte Eggerth und . Zu seinem Glück konnte Bolton dies Gelächter nicht hören Es aina in dem Dröhnen des niederstürzenden Erzes unter. Er sah nur den schimmern" Ichü.?den"Gc7inn'7^7^!pharenschifs in den Dampfer fallen und über- willig ven Gewinn, den er ihm bringen sollte.
< s ir.aruJnJ,T.^en dw Deutschen das erstemal auf jener verwünschten Insel 9bf/rA7fiaIten'„ roatum butten sie es ihm diesmal Wied7rgeg7ben? Im Augenblick kain ihm der Gedanke an diese Frage nicht. Auch" noch Nicht
während der Wochen, in denen die .City of Boston' die Andrewsche peditiou nach Frisko zurückbrachte.
Erst viel später, als er seine Beute in den chemischen Werken von Detroi verarbeiten ließ und aus der ganzen gewaltigen Masse nur eben eine Tonn: Platin und ein wenig Silber gewann, begann er sich Gedanken darübe zu machen, aber da war es zu spät. Für die nächsten Monate wenigstens schützte die lange Polarnacht das Geheimnis der Antarktis.
Neudeutschland in Afrika.
Die Obstbäume, an deren duftigem Flor Dr. Wille und seine Leute sic bei ihrer Rückkehr nach Deutschland erfreut hatten, waren verblüht und di Früchte an ihren Zweigen begannen sich zu runden. Dem Frühling war de Sommer gefolgt und überall ging in die Ferien, wer die Zeit und das Gek dazu hatte.
Ausnahmen von der allgemeinen Ruhe- und Ferienstimmung wäre: nur in einigen Aemtern der deutschen Reichsregierung zu finden, in bene;1 man sich mit gewissen immer dringender werdenden Fragen beschäftigte Minister Schröter hätte den Ministerialdirektor Reute und Professor Eggert zu sich gebeten, um im kleinen Kreise noch einmal die Fragen durchzuspreche« die auf der Tagesordnung der nächsten Kabinettssitzung standen.
Reute war dazu besönders von der Kraterstation nach Berlin gekomme: und erst vor kurzem eingetroffen. Er brachte die neuesten Untersuchungei der dortigen Sachverständigen mit, über die er eben Vortrag hielt.
„Das Gesamtergebnis unserer Gutachter", sagte er zum Schluß seine Aussührungen, „läßt sich wie folgt zusammenfassen. Die Erzschicht auf den Kratergrund ist ein- bis zweihundert Meter stark. Unter ihr liegt das Ur gestein der Antarktis. Das Erz besteht zum weitaus größten Teil aus reinen Nickeleisen. Nur vereinzelt sind Adern eingesprengt, die Edelmetalle führen, stellenweise bis zu zehn Prozent Gold oder Platin. Im Laufe der letztei achtzehn Monate haben wir Gold im Werte von fünfzehn Milliarden Reichs mark daraus gewonnen. Unsere Sachverständigen glauben, daß noch etwi fünf Milliarden herausgezogen werden können. Danach dürfte der Gold Vorrat des großen Meteoriten so ziemlich erschöpft fein. Wir werden - vorläufig wenigstens — mit dem Gesamtbetrag von zwanzig Milliarde: zu rechnen haben."
Reute faltete das Schriftstück, aus dem er die Zahlen verlesen batte, wieder zusammen. Der Minister räusperte sich.
„Zwanzig Milliarden also, mit denen wir sicher rechnen dürfen."
Reute nickte. „So ist es, Herr Minister. Es wäre ein glücklicher, abei nicht wahrscheinlicher Zufall, wenn man doch noch auf andere Goldader« stieße."
„Wer weiß, ob es ein Glück wäre", sprach der Minister nachdenklich vo: sich hin, sagte dann zu Professor Eggerth und Reute gewandt:
„Ziehen wir das Fazit, meine Herren! Alles in allem können wir nach dem Gehörten mit zwanzig Milliarden rechnen. Zwei Milliarden stecke« in deutschen Spnrstrümpsen und werden sobald nicht wieder ans Tages licht kommen. Fünf weitere hat das Ausland in gleicher Weise geschluckt Dafür hat die Reichsbank den Gegenwert in Devisen vereinnahmt. Zm Ankurbelung unserer Industrie und Wirtschaft haben wir aber auswärtig: Rohstoffe im Betrage von vier Milliarden Reichsmark über unsere sonstige« normalen Einkäufe hinaus erworben —." Minister Schröter schrieb einige Zahlen auf den vor ihm liegenden Block, während er weitersprach: „Nach Adam Riese verbleiben uns noch eine Milliarde in Devisen und dreizeh» Milliarden in Gold, mit denen wir zweckmäßig weiterzuwirtschasten haben.'
„Gestatten Sie mir eine Zwischenbemerkung", warf Professor Eggerth ein, „zu wiederholten Malen hat man mir nicht nur in Jndustriekreisc«, sondern auch in Regierungsstellen von der Möglichkeit einer Goldiuflatio« gesprochen. Ich möchte, bevor ich auf das komme, was ich Ihnen, Hei: Minister, später unterbreiten werde, betonen, daß eine solche Gefahr nicht besteht."
Die sieben Goldmilliarden sind, wie bereits mehrfach gesagt, spurlos Versickert. In keinem Goldausweis irgendeiner der großen Banken sind si« wieder zum Vorschein gekommen. Nach wie vor beträgt der nachweisliche Goldvorrat der Welt nur fünfzig Milliarden. Bei diesem Tatbestand könne« aber unsere dreizehn Milliarden niemals eine Inflation heraufbeschwören. Rund fünf davon würde ja die Reichsbank unter allen Umständen in ihre« Gewölben behalten, was einer hundertprozentigen Golddeckung unseres Notenumlaufes entspricht. Es blieben überhaupt nur acht Milliarde«, mit denen wir unter Umständen, Wenn das Kabinett meine Ideen annehmbar finden feilte, in natura in die Erscheinung treten würden. Darf ich jetzt über diese Ideen sprechen?"
Der Minister nickte. „Bitte, Herr Professor, Herr Ministerialdirektol Reute dar, alles hören, umso mehr als sich unsere Gedanken auf halbeni Wege begegnen. Wir sind uns alle darüber einig, daß wir neuen Raum, ,ungfräuliches Land für unser Volk brauchen. Mit dem Schwerte könne« wir's nicht nehmen, also werden wir mit Gold kaufen müssen."
„Wer wird es uns verkaufen?" fragte Reute.
„Darüber sollte ich gerade sprechen", sagte Profefsor Eggerth. „Die Finanzlage der Republik Portugal ist wieder einmal eine derartige, daß die Regierung nicht aus noch ein weiß. Handel und Wandel stagnieren in dem
sich reichen Land. Die öffentlichen Kaffen find leer, der Staatsbankrott steht vor der Tür."
„Es wäre nicht das erstemal, daß Portugal ihn erklärte", warf Minister Schröter ein. „Wir würden dabei Leidtragende mit portugiesischen Devise« 'm Werte von etwa fünfhundert Millionen Mark sein, die in den Tresors der Reichsbank liegen."
Professor Eggerth fuhr fort: „Die Sachen stehen aber diesmal für Portugal schlimmer als bet früheren Gelegenheiten. Der Staatsbankrott würde in der Hauptsache die portugiesische Bevölkerung treffen, und diese besonders schwer. Die Folgen würden verheerend sein. Die portugiesische Regierung 'st Nch durchaus klar darüber und entschlossen, ihren afrikanischen Kolonialbesitz so schnell wie möglich zu jedem annehmbaren Preise zu veräußern."
(Fortsetzung folgt.)


