Ausgabe 
27.9.1935
 
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Friderizianischer Humor.

Bon Dr. Adolf Peter Paul.

Friedrichs des Großen Volkstümlichkeit beruht nicht zum wenigsten auf feinen wundervollen rein menschlichen Eigenschaften, die ja in un­zähligen Anekdoten, echten und erfundenen, bis heute im ganzen Volke lebendig geblieben find und die ihn so in Westfalen fast zu einem Mythos werden ließen. Alle diese Eigenschaften, um derentwillen wir ihn lieben: feine erfrischende Grobheit und seine bezaubernde Liebens­würdigkeit, seine innere Sauberkeit, Geradheit, Einfachheit, Bescheiden­heit, Sachlichkeit, seine persönliche Tapferkeit und erschütternde Selbst­kritik sind bei ihm besonders liebenswert, da er sie mit warmem lächeln­dem Humor oder auch mit klugem Witz darzubieten versteht. Nur selten, nur in hochoffiziellen Erlässen und Befehlen und in Schriftstücken rein staatspolitischen Charakters sind Friedrichs Aeußerungen ganz sachlich; in allen anderen Fällen leuchtet hell ein warmes gesundes Menschentum durch seine schriftlichen und mündlichen Aeußerungen hindurch.

Kaum ein Brief an Verwandte oder Freunde, in dem der König nicht seinem Humor, feinem Witze, seinem drastischen Spott, seiner oft schar­fen Satire freien Lauf läßt. Wenn er vor dem dritten Schlesischen Kriege durch den Feldmarschall Keith seine in Karlsbad kurmachenden Offi­ziere zurückrust, so geschieht das mit den Worten:Die Karlsbader Luft ist für die Preußen nicht mehr gesund. Sie werden sämtlich wohltun, am

Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Aniversitäts.Buch, und Steindluckerei, D. Lange. Giebe».

«nuner die wegen des Windes verschobene Illumination draußen am Kanal mit architektonischen Ausbauten von tausenden Lämpchen und der Devise ^Vivat Sophia Dorothek'' nachgeholt werden. Man tanzte «l-der bis drei Uhr morgens, doch wurde trotzdemschon um elf Uhr tm Freien gefrühstückt. Bei dieser Gelegenheit entdeckte Amalie eine lunge Oranienburger , Buschnymphe", die ihr als Zofe gefiel und die nut dem freudigen Einverständnis des Vaters gleich ihr Bündel schnürte, um bet

Nach einem letzten,^besonders .schweren Diner fuhr Sophie Dorothea am 22 April um vier Uhr von Oranienburg nach Berlin ab, roo sie am gleichen Abend mit denselben Personen, die sie begleitet fjatten, weiter hielte und soupierte. Die Prinzen August Wilhelm und Heinrich erhielten e einen wertvollen Ring von ihrer Mutter als Andenken und, wenn man aus den folgenden häufigen Besuchen rückschließen darf, die Verstche- ^"^i«lleicht^st^de°? Kreis"aber so froh nicht wieder vereint gewesen. In Oranienburg gestalteten sich die Familienverhaltnisse immer unerqui^ licher- 1758 starb der Prinz im Unfrieden nut dem König, ein Jahr nach dem Tode der Mutter. Amaliens Lebensgluck war zerbrochen Prinz Heinrich verherrlichte in Rheinsberg, Friedrich zum Trotz, das Andenken August Wilhelms. Unser Berichterstatter Pollnitz schließlich wurde bei seinem Tode 1775, wie sich Friedrich der Große gegen Voltaire aus- drückt, von niemandem als seinen Gläubigern betrauert

Friedrichs des Zweiten Kutscher.

Von A u g u st K o p i s ch.

Des Alten Fritz Leibkutscher soll aus Stein Zu Potsdam auf dem Stall zu sehen sein Da fährt er so einher, Als ob er lebend wär:

Aller Kutscher Muster, treu und fest und grob, Pfund genannt, Umschmeißen könnt er nicht: das war sein Lob.

Mordwege fuhr er ohne Furcht, sein Mut Hielt aus in Schnee, Nacht, Sturm und Wasserflut Ihm war das einerlei.

Er fand gar nichts dabei;

In dem Schnurrbart fest und steif blieb fern Gesicht, Und man sah darauf kein schlimmes Wetter niemals nicht..

Doch rührte man an seinem Kutscherstolz, War jedes Wort von ihm ein Kloben Holz; Woher es auch geschah, Daß er es einst versah

Und dem Alten Fritz etwas zu gröblich kam, Wessenhalb derselbe eine starke Prise nahm

Und sprach: Ein grober Knüppel, wie Er ist, Der fährt fortan mit Eseln Knüppel ober Mist! Und so geschah's. Ein Jahr Bereits verflossen war,

Als der Pfund einst Knüppel fuhr und guten Muts Ihm begegnet der Alte Fritz; der frug:Wie tuts?"

I nun, wenn ich nur fahre", sagte Pfund, Indem er fest auf seinem Fahrzeug stund, So ist mirs einerlei

Und weiter nichts dabei.

Ob's mit Pferden ober obs mit Eseln geht. Fahr ich Knüppel ober fahr ich Euer Majestät."

Da nahm ber Alte Fritz Tabak gemach

Und sah den groben Pfund sich an und sprach: Hüm, sindk Er nichts dabei

Und ist Ihm einerlei. Ob es Pferd, ob Esel, Knüppel ober ich Lab Er ab unb spann Er um, unb fahr er roieber mich."

10. kommenden Monats zurück zu ein" In einem Brief an bas Ober, turatorium ber preußischen Universitäten heißt es: Pedanten und faule Bäuche schaden mehr als sie nützen!" In einem Kriegsbericht an den Generalleutnant von Bernern schreibt er (1756): "D,e f^en

an solche Sprünge zu machen wie ein Hase, den man butjiret hat, wann es balbe zu Enbe geht." Sehr beutlich und grob urteilt er über seine Feinde im Siebenjährigen Krieg (an seine Schwester Wilhelmine):

Schließlich zwingen mich diese Schurken von Kaisern, Kaiserinnen unb Königen, noch dieses Jahr auf dem Seile zu tanzen. Ich tröste mich darüber in der Hoffnyng, den einen oder den ""deren kräftige Schlage mit der Balancierstange zu geben ... Seydlltz soll ihm Bericht geben:Mir nur von allem berichtet, lieber Seydlitz; ich lauere wie eine Katze auf der Maus." Beim Präsidenten von $) ot) en in ber ®raf- chaft Mark beschwert er sich über bie unnötigen Berichte ber Kriegs- rate:Die Kriegsräte können nichts als schreiben relatio ad rege , aber ich will sie bei ad regem!" Ober aus gleichem Anlaß an ben Ge- Heimen Rat von Branbt:Er schreibet dem Teufel em ohr ach er Sol nicht Schreiben als man es ber muhe Wehrt ist. Recht drastisch inb oft seine Randverfügungen: ,Menn Huzaren Weiber nehmen So Seindt Sie Selten noch dan ein Schus puloer wert, ober er schreibt auf ein Gesuch eines Generals um eine Präbenbe für eine [einer Tochter: Er soll hübsch Jungens machen bie kann ich alle unterbringen aber mit die Madames weiß ich nirgends hin."

Friedrich würdigte kein Borrecht des Standes und der Geburt wenn sich der Betreffende irgendeines Fehlers oder einer Nachlässigkeit sch bin aemadit hatte. Der General von Finck bekommt (1758) zu Horen. Essen, Trinken und Nichtstun ist die Devise der Manche nicht der Sol­daten." Dem General von Puktkamer schreibt er (1759) Ob er meinet, daß er mit 1500 Pserde dasteht, um sich die Hosen zu kratzen? Er soll um sich greifen und nicht faulenden! General v o n Sch me t tau muß sich sagen lassen:Es ist Ihnen gegangen, wie es meinen Generalen gewöhnlich geht: in dem Augenblick, wo ihnen H°"ung not. tut, verlieren sie sie." An ben Ma,or © u t d) a r b , ber fidj। Q»« Jcilius nannte, unb ber im Auftrage des Königs das sächsische Jagdschloß Hubertusburg (als Vergeltungsmaßnahme) ausgeplundert hatte schrieb er auf eine Eingabe um Vergütung von Werbegeldern:Seme Offiziers haben wie die Raben gestollen. Sie Kriegen nichts!" Dem ehemaligen Kriegsrat W i n ck e l m a n n gestattet er, eine ähnliche Staatsstellung in Frankreich anzunehmen, mit den Worten:hat er hier geftolen, so kann er immer dahinn gehen und auch Stelen."'Einem kranken Ober­sten bedeutet er auf sein Abschiedsgesuch:Mir geht es auch nicht immer wie ich es gern haben möchte, deswegen muß ich immer König bleiben. Rhabarber und Geduld wirken vortrefflich."

Dem Prediger der franzöfifchen Kolonie in Berlin, ber um Gehalts­erhöhung bittet, läßt er schreiben, er möchte feine Wunsche besser auf den Himmel richten als auf irdische Dinge:Erinnern Sie sichi nur daran, daß die Apostel barfuß gingen und keine Einnahmen hatten. Einem ähnlichen Gesuch eines Predigers Pels schreibt er an den Rand: Die apoftelen Seindt nicht geroin Süchtig gewesen Sie haben umb Sonst gepredigt, der Herr Pels hak keine apostolische Sehle und denket nicht das er alle gühter in der Welt vohr nichts ansehen muh. Einen Pots­damer Hofprediger, der an ben Berliner Dom versetzt werben will, be- scheidet er:Jesus saget mein Reich ist nicht von bieser Welt. So müssen bie prebiqer auch denken, denn Predigen Sie nach Ihren Thodt im Duhm vom Neuen Jerussallem"; einen Feldprobsk, der bittet, Feld- Prediger selbst einsetzen zu dürfen, was sonst nur Regimentskomman­deuren zustand:Sein Reich ist nicht von dieser Welt." Ein Geistlicher der dem König eine Schrift über die Sünde wider den heiligen Geist übersandt hatte, erfährt diesen köstlichen Dank:Seine Sunde wider den heiligen Geist habe ich richtig erhalten, und ich bitte Gott, daß er Seinen Verstand in seine gnädige Obhut nehmen möge..."

Der Humor, der Witz, der Spott des Königs machte auch vor seiner eigenen Majestät nicht halt So schreibt er 1752 an den Prinzen von Preußen:Was mich betrifft, so habe ich es verboten, mich nach dem Tode zu öffnen. Es ist genug, wenn man bei Lebzeiten den Leuten Stoff zu Witzeleien gibt, und es ist zu viel, mit feiner Milz, feiner Leber und feiner Lunge nach dem Tode Komödie spielen zu lassen." In Briefen an Voltaire finden wir (1742):Ich bilde mir ein, Gott hat die Esel, die dorischen Säulen und uns Könige dazu geschaffen, die Lasten dieser Welt zu tragen", und (1776):Man erweist mir viel Ehre, wenn man in der Schweiz von mir spricht; die Zeitungsschreiber müssen ungeheuren Mangel an Stoff haben, da sie meinen Namen benutzen, um ihre Blatter zu füllen." Wie wenig er verlangte und daran glaubte, daß das Volk ihn um - feiner Verdienste und seiner Größe willen liebe und feiere er hat einmal an den Marquis d'Argens geschrieben, es sei feine lieber- zeugung, daß die Fürsten auf Erden nur dazu da sind, Undankbare zu machen, geht aus der Bemerkung hervor, bie ber alte König 1785 in Breslau machte, als ber Professor Sarne bagegen protestierte, bah der König die MengeKanaille" nannte:Setze er einen alten Assen aufs Pferd und lasse er ihn durch die Strafen reiten, so wird das Volk ebenso zusammenlaufen."

Wie unheroisch dieser in jedem Belang heroische Mensch von sich sel­ber dachte, entnehmen wir zwei Briefen, die noch dazu an eine Dame geschrieben sind, die Gräfin Camas, Witwe feines einstigen Gesandten in Paris. Nach der Schlacht bei Torgau schreibt er:Ich schwöre Ihnen, es ist ein Hundeleben. Kein Mensch außer Don Quixote unb mir haben so gelebt. Mein Gesicht ist voll von Runzeln wie ein Frauenkleid voll Falken, der Rücken so krumm wie ein Fiedelbogen, und mein Inneres so traurig wie die Seele eines Trappisten." Und einige Tage nach dem Abschluß des endlichen Friedens, der eine der heroischsten Taten der Weltgeschichte beendet hat:Sie werden mich gealtert und fast schwatz­haft finden; ich bin grau wie meine Esel, verliere alle Tage einen Zahn und bin halb lahm vor Gicht; aber Ihre Nachsicht wird die Schwachen | bes Alters ertragen, unb wir werben von ber alten Zeit reben."