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Sophie Wahnke sieht, daß sie einen großen Schreck bekommen „Nein", sagt sie jetzt, „nein, nein, ganz unmöglich. Unmöglich, heirate doch. Ich sagte es Ihnen ja. Jawohl, ich heirate morgen."
Sophie schiebt die Freundinnen aus dem Zimmer. Man muß L... bara allein lassen. „Nein, ich will absolut nicht. Niemals ..." Das ist das Letzte, was die Mädchen zu hören kriegen.
Barbara steht allein im Zimmer. Sie sagt nichts mehr. Aber drüben Rauthammer spricht. „Warum haben Sie es mir nicht gleich gesagt, daß Sie heiraten", flüstert er, „warum waren Sie so geheimnisvoll? Warum sagen Sie es jetzt plötzlich? Sind Sie noch da? So sprechen Sie doch ein Wort! Ich bitte Sie. Also wenn Sie nicht sprechen, so hören Sie wenigstens. Ich muß Sie sprechen. Haben Sie verstanden? Ich wußte nicht, wie wichtig es für mich ist. Ich dachte auch, man hat Zeit. Aber da sieht man es wieder: Nie hat man Zeit. Nie. Man muß immer gleich zupacken. Es ist natürlich meine Schuld. Das gebe ich zu. Aber Sie können mich jetzt nicht einfach hier sitzenlassen ..."
„Ich will nun abhängen", sagt Barbara, „ich will nichts mehr hören. Cs ist alles doch ganz einerlei. Nicht wahr ...? Ganz einerlei ..."
„Ich muß Sie sprechen!" sagt Rauthammer ganz böse. „Haben Sie mich verstanden? Ich muß Sie sprechen. Also werde ich Sie sprechen ..."
Weiter hört Barbara nicht. Denn sie hat den Hörer aufgelegt.
harmonische, herrliche Frau. Die drei Frauen, die eigentlich gekommen sind, um aus ihren recht jämmerlichen Erfahrungen einiges mitzuteilen, nicken. Aber sie begreifen nichts. Es wird sehr ungemütlich. Man tauscht Erinnerungen aus. Anderes hat man nicht auszutauschen. Es ist eine Erlösung, daß Barbara am Telephon verlangt wird. „3a , Barbara unwillig, „ich bin hier."
dem Spiel! Du kommst in eine ganz fatale Lage. Du siehst wie schuldig aus. Zufällig Herrn Rauthammer getroffen? Schon. So etwas kommt vor Aber hast du auch zufällig mit ihm in einem Cafe gesessen? Wie? Und hast du früher mit deinem Alfred über Rauthammer geiHrochen. N-in' Natürlich nicht. Die Schreiners sprechen nicht über Herzensangelegenheiten. Also in allem Ernst: Du kannst hinterdrem m einem guten Augenblick die Geschichte auslührlich erzählen, aber letzt m der Hetze UniB°arbara ist aufgestanden. Sie hat sich über die Brüstung der Veranda gelehnt. Sie sieht in den Frieden des sommerlichen Gartens, m d e Sonne, die rosenrot durch den Vlutahorn aus den Rasen scheint. Sie sieht dem Geschwätz und Gezänk eines Spatzenpaares zu dem Wmd, der sanft durch die Pappeln des Nachbargartens geht. Es ist alles ganz einfach. Warum soll dieses eigentlich nicht einfach fern? „Ach wollte es Alfred schon auf dem Bahnhof erzählen", fagte sie leise, „aber der Zug kam eine Minute zu früh, und er kam zwei Minuten zu spat. Da ging 65 "‘dqs war Schicksal", unterbricht Frau Schreiner, „ihr Schreiners glaubt doch alle an das Schicksal. Na also!"
Es kommt nicht zu einer Entscheidung. Denn die Brettwitz fahrt dazwischen und hat viel zu fragen und zu berichten. Pakete Päckchen, Telegramme sind gekommen, Blumen mit Briefen dran, Klima und Azalee, Rofenstöcke und ein Fliederbäumchen. Die Wohnung wird allmählich in eine Gärtnerei verwandelt.
Es ist drei Uhr. Barbara packt schnell ihren ersten Kosser. Sie legt die medizinischen Zeitschriften unten hinein. Dann kommt das Bild der Mutter, das zarte Pastellbild einer schmalen Frau, von der Barbara die breiten Backenknochen hat, den sehr großen Mund mit den feder- dünnen Lippen (aber die Hellen, ins Grünliche schimmernden Augen hat sie vom Vater), sie nimmt von ihren Büchern zwei medizinische Fachbücher mit und zwei Liebesromane, weil' sie sich denkt, es muh ganz komisch sein, die wirkliche und die beschriebene Liebe nebeneinander zu erleben. Und bann kommen Schuhe und Kleider und Wäsche.
Vier Uhr. Sie muß einen Sprung machen zur Schwiegermutter, Frau Generalmajor Meimberg, und bann hinüber zu Sophie Wahnke, Freun- dinnenabschiebskaffee. Die Brettwitz ist entsetzt. Jetzt vor bem Polter- abenb kann doch Barbara nicht mehr wegfahren? Aber Barbara muß diese Besuche erledigen. Sie hinterläßt die Telephonnummer von Sophie Wahnke und fährt los.
Eigentlich ist es Unsinn. Frau Meimberg schickt sie gleich weiter, nachdem sie ihr einmal in die Augen gesehen und feierlich genickt hat, und mit der Freundin Sophie kann sie nicht reden. Denn die drei anderen Freundinnen find junge Ehefrauen, kichern und gackern und fühlen sich der Braut geheimnisvoll überlegen. Sie sind durch eine Wand ehelicher Erlebnisse von.den „beiden Mädchen" getrennt. Sie sagen immerfort: „Mein Mann". Sie sagen: „Wenn er nach Hause kommt und die Suppe steht noch nicht auf dem Tisch", ober „Ein paar Mark vom Wirtschaftsgeld muß man übersparen, wovon soll man sonst Strümpfe und einen Lippenstift kriegen", ober „Eigentlich soll ich ja nicht mehr ohne ihn ausgehen." Ober „Hier, meine Kleine — golbig. Unb neulich sagte sie schon . "
Und dann flüstern sie wieder untereinander und tun, als wenn Barbara durch das Heiraten in eine ganz ungewisse, ganz unerhörte, noch von niemanden außer ihnen erlebte Sache hineinkäme. Bis Sophie Wahnke böse wird und ihnen ihre Meinung sagt. Daß sie noch nichts verstanden habe, weder als Frauen noch als Mütter. Daß sie sich nichts drauf einbilden sollen, daß sie zufällig einen Mann gekriegt haben. Daß sie alle drei schöne Mädchen gewesen sind und sich nun mal in den Spiegel sehen sollen. Sehen doch alt und verbraucht aus neben Sophie und Barbara, und man könnte meinen, daß die Ehe eine Folterkammer sei und eine Altersanstalt. Denn auch die Männer, die man auf den Bildern bewundern durfte, find, um die Wahrheit zu sagen, nicht schöner geworden, sondern beleidigte Dickbäuche, hochnäsige Gockel, sauer lächelnde Väter. Sie, Sophie, dankt für so was. Und Barbara sagt dasselbe in ihrer Art, zarter also und klarer: Wenn man sich ansieht, wie die Menschen durch Ehe, Liebe usw. werben, kriegt man wirklich Angst. Aber bie Frage ist: Muß man so werden: Sie sagt: Nein, nein. Man muß auch schön und schöner werden können. Wie ihre Mutter immer schöner wurde, leuchtender, herzlicher unb trotz aller wilden, turbulenten Ausbrüche eine
ganz klar", fährt Rauthammer In feinem Hotelzimmer fort, „erfl w«nn ich Ihnen gesagt habe, was ich sagen muß, können Sie midj weqschicken. Nein, so einfad) kann man bie Sache nun doch nicht bt= enben. MÄn muß schon soviel Mut aufbringen ..."
Sa merkt er, baß er in ben toten Apparat hmemspricht. Er legt schnell! auf Er wählt noch mal. Er wartet. Drüben stehen Sophie Wahnke unb Barbara Schreiner vor bem tlingenben Telephon. Barbara hat bie Hach ber Freunbin auf ihr klopfenbes Herz gelegt.
„Ist bas alles (o schlimm?" fragt Sophie. I
Barbara nickt. „Ja ... boch ... es ist fchlimm. Ich habe gar mch« mehr an Rauthammer gebucht. Und nun merke ich eben ...
„Was merkst du ...?" drängt Sophie.
„Nun merke ich, die ganze Sache hat doch immer weitergelebt. Des ist doch verrückt: Man dk'nkt, es ist ganz und gar aus ..."
, Und da ... jekt", sagt Sophie und zeigt auf den klingelnden Apparat ' da jetzt hört" man: Es ist doch nicht aus. Klingelt und klingelt"
In Wirklichkeit", antwortet Barbara, „ist es noch verwirrter. Jtz liebe nämlich ganz allein Alfred. Das ist die Wahrheit. Das jchwöi- ld) Der Apparat klingelt immer noch. Bricht ab. Beginnt von neuem zu klingeln. Denn Rauthammer hat abgehängt und neu gewählt.
„Wir werden einfach nicht hinhören", sagt Sophie, „der Mann kaim uns'doch schließlich nicht zwingen, zuzuhören."
Die drei andern, die jungen Frauen, kommen wieder herein. Gis umstehen zu fünfen ben tlingelnben Apparat wie ein ungezogenes Babi, Sie lachen, sie schieben ein Stück Papier in bie Klingel. Sie bewundern die Hartnäckigkeit des Klinglers und bewundern Barbaras Nerven, bis bas Klingeln aushält, ohne abzuheben. Sie können schließlich nicht bas Enbe ber ganzen Sache abwarten. Unter großem Gelächter und Mi gleichbleibendem Läuten verabschieden sich alle unb gehen.
Sie kommen aus bem Haus: vier lachende, gut angezogene, nette Frauen. Die Sonne scheint noch immer. Es ist sehr heiß. Von einer Spät- linde kommt ein betäubender Duft. Adieu, adieu! Sie umarmen sich» Alles ©ute! Ach, man braucht Barbara gar nicht „alles Gute" zu wüa-» fchen. Sie funkelt ja förmlich vor Glück. Ihre Augen leuchten, und sie hat Farben ... herrlich ...
„Mach, daß du nach Haufe kommst", sagt die eine.
Und die andere: „Er läutet immer noch. Hört mal!"
Wirklich: Man hört den Apparat bis auf die Straße schrillen. Dam hört man Sophie sprechen. Was die sagt, ist nicht zu verstehen. Sie hor- chen. Sie lachen. Barbara winkt den andern und fahrt im Autobus at.i Oben aber sagt Sophie in den Apparat: „Barbara ist fort, Herr Raut- Hammer. Es wird auch alles umsonst fein, was Sie anstellen. Glaubm Sie mir. Sie machen höchstens sich und ihr das Leben schwer. Mehr kam nicht herauskommen." , i
„Sehr freundlich", antwortet Rauthammer, „sehr nett van Ihnen, mm einen Rat zu geben. Vielleicht können wir die ganze Sache noch einmal! miteinander bereden. Ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht. W« meinen Sie? Ach, jetzt haben Sie keine Zeit? Nachher auch nicht? Mor- gen ... wie, bitte? Morgen ...da muh sich doch irgendeine Zeit finbeir lassen. Oder doch besser jetzt gleich? Nein? Also wir werden sehen? wir werden sehen. Vielen Dank."
5.
Alfred Meimberg kommt mit bem Kollegen und Sozius Dr. Weppeir aus ber letzten Konferenz. Die Sonne brennt, als wollte sie die Steina kochen. Aber es gelingt ihr nur, den Asphalt zu schmelzen. Der Spifjftod,', den Dr. Weppen stets bei sich trägt — als sei der Gang auf die Gerichts ein Spaziergang — sticht kleine Löcher ins Pflaster.
„Es ist eine Schweinerei", seufzt Dr. Weppen, indem er in Meimdergss Auto einsteigt, „daß Sie nun mit Ihrem Auto einfach davonfahren. Segll kann man sich wieder in die Droschken setzen. Jeden Tag einen anbeniti Chauffeur."
„Entschuldigen Sie nur, daß ich heirate lacht Meimberg, „® tut mir aufrichtig leib ..."
„Natürlich tut es Ihnen leib", murrt Weppen, indes der Wagen lang-’ fam anfährt, „selbstverständlich ist Ihnen jetzt kolossal mulmig zumut!. Trotzdem werden Sie heiraten und werden Kleesand und Mich als ein geköpftes Trio, als verlaßene Junggesellen in Berlin zurücklassen ..
„Sie können ja auch heiraten", antwortet Meimberg, „ich sage Jhnenz es ist überraschend einfach." I
Der Wagen hält mit einem Ruck. Denn das rote Licht sperrt bis Durchfahrt; Weppen sieht mißmutig zum Bürgersteig hinüber, über ben die einkaufenden Frauen scharenweise flanieren, elegante und halbelegant!/ eilige und langsame, hübsche unb häßliche Frauen. „Bitte", sagt Weppen unb zeigt auf bie Frauen, „ba ist so eine Auswahl. So etwas soll man heiraten? Natürlich: Sie haben Ihre Barbara Schreiner. Das ist etwas anberes. Sagen Sie selbst ..."
Der Wagen fährt von neuem an. „Ich sage es selbst", antworte!! Meimberg, „ich bin auch in meinem ganzen Leben nie auf bie Idee g<:! kommen, zu heiraten, bis ich eben Barbara Schreiner tennenge(erntl habe ... Das ist Tatsache ..." i
Der Wagen biegt nun in eine stillere Seitenstraße ein. Meimberg prescht los. Der Fahrwind beginnt zu heulen. Weppen muß seinen festhalten, unb die Worte werden ihm vom Munde gerissen. TrotzdM spricht er weiter, etwas bellend wie immer unb ein bißchen anklagens: „Ist bas wirklich wahr? Nie auf bie Jbee gekommen, eine anbere zui heiraten? Wie ist bas nur möglich? Ich komme jeben Monat einmal mi-! bie Jbee, zu heiraten. Aber bann packt mich immer rechtzeitig ber natur' liche Schreck. Immer eine Frau in ber Wohnung. Wenn man nach Haw» kommt. Wenn man von Hause weggeht ... immer eine Frau! Vielleicht mag sie auch licht, baß ich Zigarren rauche, ober ist böse, wenn ich ein“ Kognak trinke — ,bas bekommt dir nicht, mein Lieber', weiß ich oo™ allein —, oder sie mag nicht, wenn ich arbeite, ober sie findet es mm richtig, wenn ich mal nicht arbeite. Vielleicht liebt sie Konzerte. >- Symphonien von Brahms ... denken Sie! Oder gar mit Liedern Stieg ...I Oder___I* (Fortsetzung folgt)


