Ausgabe 
26.8.1935
 
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Das gute Ziel.

Don Martin Opitz.

Wer Gott das Herze gibet, So nie sich von ihm trennt, Und eine Seele liebet, Die keine Falschheit kennt, Der mag öhn Sorgen wachen Mag schlasen, wie er will, Weil seine rechten Sachen Gehn auf ein gutes Ziel.

Laß böse Zungen sprechen Was ihnen nur gefällt, Laß Neid und Eifer stechen. Laß toben alle Welt, So wird er dennoch machen, Was sein Gemüte will, Weil seine rechten Sachen Gehn auf ein gutes Ziel.

Ich lege Neid und Hassen Beständig unter mich. Und stelle Tun und Lassen, O Gott, allein auf dich. Du wirst es alles machen. Tun, was mein Herze will. Weil seine rechten Sachen Gehn aus ein gutes Ziel.

Verantwortlich: vr. Hans Thvriot. Druck und Drrlag: Brühl'sche UniversitätS-Buch« und Steindruckerei, R. Lana«, Vietze«.

krgentzelnrs roTfben InMnerstamMs befreien Halle, Tonbern ben Boden eines gewaltigen, hochkultivierten, seiner Macht sicheren Reiches. Dieses Ahnen wurde zur Gewißheit, als ihm die aztekischen Herren von der Größe und dem Reichtum dieses Landes der blühenden Agave erzählten, von der Erhabenheit und der Machtsülle des Gott-Kaisers Montezuma und von der Pracht der großen inmitten eines weiten Sees auf Inseln und Pfählen sich erhebenden Kaiserstadt Tenochtitlan.

Jeder andere hätte daraufhin sein Häuflein Abenteurer erschreckt wie­der in die Karavellen gepackt und darauf verzichtet, weiterhin ungebeten auf dem Boden eines so selbstbewußten Staates zu lagern. Doch Cortez gehörte zu jenen Großen, di« das Unmögliche lockt. Und als Montezuma, entsetzt über das scheinbare Eintreffen uralter Weissagung von der Wiederkehr weißer Götter, in Furcht versetzt durch Kometen und Meteore, auch noch den Fehler beging, zu versuchen, die Eindringlinge durch mär­chenhafte Geschenke, durch goldene Prunkteller, wunderbare Feder- arbeiten, Stosse und kostbare Waffen, durch bis an den Rand mit Gold- körnchen angesüllte Helme zur Umkehr zu bewegen, war Cortez ent- schlossen, dieses Wunderreich zu erobern. Nichts vermochte ihn mehr von seinem Wege abzubringen.

Als Teile der Mannschaft meuterten, weil sie es begreiflicherweise für Wahnwitz hielten, mit 400 Mann und 16 Reitern erobernd durch ein volkreiches, musterhaft geordnetes, von einem gewaltigen und sichtlich wohlorganisierten Heer beschütztes Reich zu ziehen, ließ Cortez sein Ge­schwader zerstören und versenken. So nahm er sich und seinen Gefährten jede Möglichkeit zur Umkehr und Kleinmut. 130 Mann ließ er zum Schutze seiner Etappe an der Küste zurück. Mit etwas über 300 Beglei­tern begann er dann feinen heroischen Zug. Es war in den Tagen, da die deutschen Kurfürsten in der Bartholomäuskirche zu Frankfurt im letzten Augenblick« statt des französischen Königs Franz I. Maximilians Enkel, den niederländischen Karl, zum Herrn des Reiches wählten. Zwei Jahre später war das Reich der Azteken dahin.

Es ist kaum faßlich. Nach unvorstellbaren Schlachten, in denen Cortez und seine Gefährten gegen hundert-, ja zweihundertfach« Uebermacht glänzend gerüsteter, etwa nach antiker Fechtweise und Schlachtordnung kämpfender Heere aztekischer Bundesstaaten gesiegt hatten, zogen die 300 Spanier wahrhaftig in Tenochtitlan ein. Doch war das mehr Ver­derben als Glück. Wohl fügte sich der Willensschwäche Montezuma dem Ansinnen seines Bezwingers und schwor dem fernen Herrn der Welt Karl V. Unterwerfung und Gehorsam. Aber der aztekische Adel, steif­nackiger als sein schwacher Kaiser, der fanatische Fremdenhaß des Volks, der Soldatenstolz der Kaisergarde von Tenochtitlan, die so etwas wie ein kriegerischer Hetdenorden war, drohte das Häuslein zu vernichten. Und als gar Cortez das Wagnis unternahm, sich der geheiligten Person Montezumas als Geisel zu versichern, stieg die Wut der Azteken zu solcher Höhe, daß Rückzug oder Untergang unabwendbar schienen.

Dazu kam, daß Cortez die Nachricht empfing, es seien im Auftrage des kubanischen Statthalters 18 wohlbesetzte Karavellen gelandet, um I Cortez gefangen zu nehmen und die Eroberung Mexikos zur höheren Ehre des Don Velasguez selbst zu vollenden. Da ließ Cortez eine kleine Schär in Tenochtitlan zurück. Mit dem Rest jagte er zur Küste, schug das kubanische Expeditionskorps, dessen Soldaten nun, berauscht von dem Zauber dieses großen Führertums, dem Glückssterne des Cortez folgten.

Als dieser aber mit seinem so glücklich verstärkten kleinen Heer wieder vor der Kaiserstadt erschien, loderten dort schon um das Quartier der Spanier die Flammen des Freiheitskampfes. Wohl vermochte sich Cortez I noch zu den Seinen durchzuschlagen. Dann aber brandeten Tag und Nacht die Sturmwellen der Aztekenkrieger gegen das spanische Quartier. Und als dann Cortez im Schutze eines dunklen Abends den Rückzug aus Tenochtitlan versuchte, kam es zur berüchttgtentraurigen Nacht des 1. Juli 1520. In der Flut der in rasendem Hasse kämpfenden Azteken versank auf der zwei Stunden langen Dammstraße, die die Kaiserstadt mit dem Ufer verband, Cortez' kleine Macht bis auf wenige Mann.

Mit diesen Wenigen aber schlug er das ihn verfolgende Heer zurück, erreichte die Küste, empfing dort Mannschaft, Pferde und Munition, die ihm kubanische Freunde schickten, verstand es, den Heerbann des aztekischen Bundesstaates Tlaskala für sich zu gewinnen, baute eine Kriegsflotte und griff ein halbes Jahr nach der traurigen Nacht, verstärkt durch die Ilaskalaner, Tenochtitlan vom Wasser her an. Wochenlange heroische | Kämpfe folgten. Immer wieder lehnte die Kaiserstadt die Unterwerfung ab. Keiner ihrer Krieger wollte den Untergang des Reiches überleben. Erft als die Spanier die Wasserleitung, auch sie ein Wunder aztekischer Kultur, zerstört hatten, auch Hunger die Stadt befiel, kam das Ende.

Zum Statthalter vonNeu-Spanien" ernannt, zog Cortez in einem Triumphzuge, der noch den des Kolumbus überstrahlt haben mag, an den Hof Karls V. nach Toledo. Nach Versuchen neuer Eroberungen, nach Enttäuschungen aller Art, unter denen auch die kaiserliche Ungnade nicht fehlte, ist der Eroberer Mexikos in seinem 63. Jahre nahe von Sevilla gestorben.

War Cortez auch Feldhauptmann der deutschen Majestät, später kaiserlicher Statthalter, beendete er auch seinen Glückszug unter der I Standarte des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, so ist es ood) nicht dies allein, das feine Gestalt fo unvergeßlich mit der Reichsgeschichte verbindet. Bedeutsamer ist ein anderes. Die Kraft, die ihn bewegte, der geheime Zauber, der ihn trug, strahlte, abgesehen von seinen Anfängen, nicht von dem Diadem der spanischen Könige aus, sondern von jenem höchsten Symbole damaliger irdischer Macht: von der Krone der Deut­schen. Aus dem Ursinne der Kaisergewalt: Gottes Schwert, oberster Richter und Vogt auf Erden zu fein, erfüllte Cortez feine Sendung, ihm wirkte nach der mystische Zauber mittelatterUchen Kaisertums, isur Cortez war der Träger der Krone des heiligen römischen Reiches oeui- scher Nation noch der Herr der Wett, dem alle Kaiser und Könige zu ge> I horchen hatten.

Ferdinand Cortez.

Zu feinem 450. Geburtstage.

Von Alfons von Czibulka.

Kaum zwei Kompanien spanischer Soldaten haben jenen kriegsgewal- itigen Staatenbund der Azteken niedergerungen und erobert, der als em machtvolles Reich von der Größe des heutigen Deutschland festgefugt ruhte zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Stillen Meere. Es ist das tollste Abenteuer der Weltgeschichte. ..

Diese Tollkühnheit attspanischer Abenteurer und Glucksoldaten wäre allein chon Grund genug, in dem Jahre, in dem zum 450. Male seine Geburtsstunde wiederkehrt, des seltsamen Mannes sich zu erinnern, der zugleich Entdecker und Eroberer Mexikos, Urheber, Führer und Vollender dieses gigantischen, unfaßlichen Zuges gewesen ist. Um so mehr aber muß für uns Deutsche dieses Gedenkjahr Anlaß fein, wieder einmal das «roße berauschende Leben des Fernando Cortez vor uns erstehen zu I jassen als seine Tat nicht anders als die erste Erdumsegelung des Ma- oalhaes zu den peripheren Geschehnissen deutscher Reichsgeschichte gehört. Nicht so sehr darum, weil Spanien und das heilige Reich der Deutschen damals unter Karl V. einem Herren gehorchten und über der Schar des mexikanischen Eroberers und den Schiffen des Magalhaes die deut­sche Kaiserstandarte wehte, als vielmehr deshalb, weil die einzigartige Tat des Fernando Cortez getragen worden ist von dem Glauben ans Reich.

Als Ferdinand Cortez, der als der Sohn eines armen Hauptmanns des Fußvolks im Jahre 1485 in einem Städtchen der spanischen Pro­vinz Estramadura geboren wurde, fast noch als Knabe nach Haiti ging, | weil er in der hohen Schule von Salamanca nicht gut getan hatte und die Abenteuer in der eben entdeckten neuen Welt ihn lockten, wußte noch Niemand von dem Wunderlande der Azteken. Auch als dann anderthalb Jahrzehnte später spanische Karavellen Pukatan entdeckten, ließen es sich ihre Kapitäne nicht träumen, daß diese Halbinsel das Tor war in ein Märchenreich. Da übertrug der Statthalter von Kuba, Don Diego Velasguez, seinem ehemaligen Geheimsekretär, dem zweiunddreißig- sährigen Ferdinand Cortez, der nach mancherlei Jugendeseleien nun als reicher Grundbesitzer auf der Insel lebte, die verlockende Aufgabe, mit einem kleinen Geschwader die Küsten von Dukatan unter spanische Ober­herrschaft zu bringen. 400 Abenteurer und Glücksritter, die Handgeld an den Werbetischen genommen hatten, 16 Panzerreiter und 14 bron­zene Feldschlangen, die besser donnerten als trafen, das war die Kriegs­macht, mit der Fernando Cortez auszog, ein Reich zu unterwerfen, von dem er selbst noch nichts ahnte.

Während er entlang der Küste Pukatcms hinsegelnd bald sanften Ein- ?eborenen begegnet war, die sich willenlos unterwarfen, bald wilden riegerischen Stämmen, die erst in gewaltiger Feldschlacht bezwungen werden mußten, erlebte er an der Stelle des heutigen Veracruz fo etwas wie eine Sensation. Als feine Karavellen sich hier dem Festlande näher­ten, glitten, wie man es schon gewohnt war, Pirogen an die spanischen Schiffe heran. Diesmal aber entstiegen ihnen keine nackten, barbarischen Wilden. Ein hochgewachsener Mann in weißrotem Mantel und kostbarem Federschmuck begehrte herrisch den Befehlshaber der Fremdlinge zu sprechen. Als er vor Cortez geführt wurde, fragte er höflich, aber in der kalten, fachlichen Art eines wohlgefchulten Beamten nach dem Be­gehren der Fremden, nach dem Woher und Wohin. Und als bald darauf die Spanier das Land betraten, tarn ihnen, geleitet von Dienern, die das Hoheitszeichen vor ihm hertrugcn, in prunkvollem Staatskleid ein an­derer hoher Verwaltungsbeamter entgegen, der sich als kaiserlicher Statt­halter der aztekischen Küstenprovinz vorstellte und kühl und bestimmt jedes weitere Vordringen verwehrte. Alle Anzeichen, die militärische Machtsülle, über die schon dieser Statthalter zu verfügen schien, die Kleidung, das würdevolle, gesittete und selbstbewußte Auftreten der aztekischen Beamten liehen Cortez ahnen, daß er hier nicht bas Gebiet