Nummer 57
Freitag, den 26. Juli
ahrgang 1935
ifj er
Großstadt
Stützen da.
du, ich will
mir Sänger
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lie Schrift in t._ --------
iin Wort wieder hin. Es verletzte
".Erzählt" man sich in London noch nichts davon? Oder sind die Leute io geschäftstüchtig, es bis zur Vorankündigung geheim zu halten,
"Eine n!u?Oper"bek°mrnt ihr, Die °lt° Haymarkewper aber neu die Leitung, neu die Ausstattung, neu der künstlerische Plan.
„Davon weih ich noch gar nichts,' f hr es Da
„Ich wußte auch noch nichts bis vorhin Eben erst erfuhr ich es, kamen zwei Männer, die mit mir verhandelten ...
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ALk-ur'd- ruhig-, und dem F,«nnd »■«■>«•" >» ““ '"L-7,r"Ä'ihü°uich,"Lg»n. Ab., Mich.-"- m 1"””” Anthems schreiben? Da sind Grenzen gezogen, Doklor, schreibe das „Dann sprenge sie! Aber bleibe dieser Mus k treu! Schrewe
Oratorium nach diesem Buch noch einmal, schrei
eine Kraft war in ihm mächtig
Sin F)ändd-Roman von Ernst Murm
Copyright 1935 by Deutsche Vtrlags-Hnstalt, Stuttgart und Berlin
(2. Fortsetzung,)
Beinahe hätte Arbuthnot die beiden Herren noch auf Händels Zim- ner getroffen, als er jetzt zu Fuß im Schloß ankam, Ihr Wagen bege^ nete ihm am Tor, er achtete jedoch nicht darauf. Als er nun aber sich lei Händel melden ließ und der ihn sofort aus dem Vorzimmer holte, 'nochmals auftischen ließ und imstande war, sogleich wieder tüchtig zu äsen mußte Arbuthnot sehen, daß der Meister sich in Aufregung befand, «reute er sich, weil der Freund so rasch mit dem geänderten Oratormm jum» Bescheiden legte Arbuthnot die Blätter erst nach einer Weile naher u Händ^ hin, doch dieser beachtete sie nicht. Da sagte der Freund, die verlangte Arbeit fertig habe. Auslachend nahm handel nun die Hand, blätterte sie zerstreut durch und — legte sie ohne um Won wieder hin. Es verletzte den Arzt nicht, esmacht-! chn nur ieforgt. Der Komponist war mit seinen Gedanken nicht hier, nicht beim Zreunde. Und leise begann dieser zu fragen:,
„Ha t du denn heute schon etwas erlebt? . hn6 „
^eht erst schien Händel aufzuwachen und daran zu denken, daß er ia jemand bei sich habe, der sich seinen Zustand nicht erklären konnte, Noch dazu war dies Arbuthnot, der stille Londoner, der von der Neuigkeit noch nichts wußte, da er eben erst ankam! •
, Goldener Doktor! Stimmt, ich muß dir ,a erst erzählen! Vor lauter
i. »-.Mb. üb« “TÄIUT®?- L “8 Ä 'S "LN',7'K-n> Ä ,°ch keine Ahnung heute ein neues Leben vor mir! Was sagst du i»azu?"
Jahrhundertelang konnte die Hauptstadt Britanniens zu beiden Seiten der Themse größer werden und um sich greifen. In einer ebenen Landschaft mit unzähligen Dörfern und Auen roudjs ber ßeib bes nad)= maligen Kowsses Bonbon wie ein junger Riefe, ber sich dehnt und reckt und besfen ©lieber, wohin sie auch tasten, einen warmen Platz> unb bas bes Crwartetwerbens finben. Zuerst war biese Stabt eine stolze Sieblung von Abelsschlöfsem unb Kaufhäusern gewesen aber die Herren , ,. , Kneckite hie Geschäftsleute Angestellte, unb bie Dienenben
forenaten bkn Ring ber alten Gedäube, bevölkerten Lanbschaften vor ber Stabt^ unb Bonbon würbe größer. Als ber Deutsche f) anbei es kennen- lernte’ war Lonbon über bie City unb bas königliche Westminster noch nickt viel hinausgewachsen, Wohl gab es schon em Volksleben am Ranbe biefer stolzen Mittelpunkte, aber es erhielt seinen Schwung, namentlich an Markts ober Sonntagen, von ben Dorfleuten, bie aus ber Umgebung Pnnbnns in besten Nähe kamen, bis borthiN, wo bas fahrenbe Vock, Theaterleute unb Schaubudenbesitzer, Musikanten und Tänzer, chrt Vor-
erk^DazN fühlte Arbuthnot, der Freund, und schwieg. Er wollte zuerst Händel nochmals warnen, auch aus äußerlichen Grunben. E-wardem Arzt ber stänbiq in Lonbon lebte, besser bekannt, welcher Geist in ber Ichtc'n Zeit bort umging. Durch ben kühnen „Sübseeschwmbel nämlich, als Laws oftinbifche^ Hanbelsgefellfchaft Unsummen Geldes 'n Umlauf brachte unb ben Begriff schnell erworbenen Reichtums m bie Kopfe ber Großstäbter pflanzte, waren biese geneigt, bei jebem Unternehmen mitzu- tunöba5 ihnen ra ch Geld einbringen konnte. Die Tugenden des langsamen Erwerbs waren in Gefahr. Nicht nur geborene Gesihastsleu e, sondern ebenso bie Angehörigen gebiegener Berufe ,a. Geistliche unb ßehrer soaar gerieten in bas Fieder ber Grunberzeit. Und bie Jiug niefter biefer Stimmung, bie Glücksritter unb Plänemacher, konnten kaum nachkommen mit bem Ausheckcn ber abenteuerlichsten Einfalle. So fanben sich Aktienkäufer einer Gesellschaft, bte aus ber Entsalzung ber großen Meere Gewinn zu schlagen versprach, wahrenb eine .anbere'durch bie Auffischung von Wracks im Nu eme neue Flotte stellen wollte uno wieber andere^ solcher Schwinbelunternehmen bie Gewinnung von Gold 7nd Silber aus Küpser ober Blei in Aussicht stellten. D.e. Krone aber biefer ungesunben Pläne ging ins Elementare, sie kam aus tiefster Seele, wo Charakter unb Lüge sich spalten im Menschen: bie urewige Flucht nor ber Tätigkeit im Schweiße bes Angesichtes, ber kühne Gebanke, Arbeit aus Nichts zü schaffen, fanb damals feinen unsterblichen Ausdruck ~ Arbu?hnot^hä'tte^vietteicht den bei aller Tatenlust die EhrsichkeU voranstellenden Händel mit der Auszählung solcher berüchtigten Gesell ickaiten stutzig machen können. Denn gewiß ging auch der Plan oes neuen Opernhauses von dem Geldsieber aus, das alle in London beherrscht" Aber ber Arzt mochte bas tiefere Schicksal ahnen, bas an ben Musiker mit biesem neuen Sprung in ben ------- , . •;■ .
herantrat. Er sprach nichts mehr von Emwanben, bat Hanbel, in Lonbon sein Gast zu fein, unb gmg still, rote, er kam. ___
Der Zurückbleidenbe konnte bie tiefen Stimmen des Schwngens nicht mehr hören. Lärm und Betrieb fausten in feinen Ohren noch ehe er mitten drinnen stand. Er spielte bie Orgel m Cannon stürmischer, ober ohne Feierlichkeit, nachbem er bem Herzog >emen Dienst gekündigt hatte Vornehm gab ihn biefer frei. Es waren nur noch zwei Sonn tage bie Hanbel auf bem Landschloß verbrachte, daß ihm nun fast drei ^adre lang Heimat gewesen war. Erft in den allerletzten Tagen vor seiner Greife Zrbe es dem Künstler bewußt, daß er hier non einem Menschen ging, bem er bie schone Musik seiner Anthems cerbantte Gr wollte Abschieb nehmen von Mary Black. Sie hatte lange nichts mit Hanbel gesprochen, obwohl sie oft in der Kirche fang. Seit einig Zeit nun ging sie mit einem Burschen ihres Dorfes, froh U"d zufrieden mit ber Bauernliebe. Gebulbig unb erstaunt horte sie auf bem Acker Händels kurze Abschiebsworte an, unb bas ßanbEinb wünschte ihm Glück von ber Erbe her ...
2. Kapitel.
Opera.
Ehrfurcht! Sage mir, bah ich anbere biblische Stucke ftw dich Zurecht- machen soll — du bist auf dem richtigen Weg! Nach den Anthems olltest du keine Opern mehr fchreiben, hast du doch die schönere Form für das gefunden, was du uns verkünden fällst..." ~ fnrinm
u nrrf. hu Lieber!" Ob ich jetzt Opern ober noch so ein — Oratorium schrecke?' es ist doch gleich! Dieselben Chöre, bieselben Marsche und nur ein onderer S ff biefer Stunde, ob er in Cannon ober in Lonbon lebL unb ek blieb auch gleich für ihn, was er (Arie & »ar bie Kraft, bie noch nicht litt. Er mußte kämpfen um ben Schein und leiden um das Wahre. Dann erst mochte er die echten Fruchte feines ßebens aus ahnungslosen, guten Vorarbeiten, wie es bie Anthems umren, zur Reife bringen. Dann konnte er ben Unterschieb zwischen Oper und Oratorium
unb hälb zu." ... ,
„Du hast es bir nicht genug überlegt! Richtig'
„Warum? Hast bu an unb für sich etwas g gen b.e Oper? Rnyng.
Du siehst, mich lieber mit Kirchenmusik beschäftigt!
„Denkst bu nicht mehr an bte Zeit vor Cannon „Das war ein wackliges Opernhaus! Für bas neue sind
bas reiche Bonbon, ber Abel — ber König.
„Was hilft bas alles beiner Kunst? »
„Sehr Diel! Ich fall künstlerischer Beiter werben. Denkst ta bie Hände in ben Schoß legen? . „
„Aber es kommen boch nur Opern in präge.
„Ich werbe sie schreiben! Besser als meine früheren!
„Es ist nicht beine wahre Musik!' .....
äs M <***» -
men! In wenigen Jahren habe ich meine Open, „Was willst bu in ihr zum Ausdruck bringen. „Das Beben, bie ßeibenschaften — allesamt!
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Unlerhattnngrbeilage zum Gießener Anzeiger________


