sehen, bescheiden, lernbe Ehre gemacht hast, so

d'erav^crtlitb: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Vrühl'sche Untversitäts.'Luch. und Steindl uckerei, R. Lange, Gießen.

da ist das höchste gewonnen; denn was der Bürgersinn nicht ausrichten sollte, das wird die Freundesliebe vermögen und beide werden zu einer ^Äe Men"hier haben ihre Jahre in Arbeit und Mühe hingebracht; sie sangen an, die Hinfälligkeit des Fleisches zu empfinden, den einen zwickt es hier, den andern dort. Aber sie reisen, wenn der Sommer gekommen ist, nicht ins Bad, sie reisen zum Feste. Der eidgenössische Festwein ist der Gesundbrunnen, der ihr Herz erfrischt; das sommerliche Bundesleben ist die Luft, die ihre alten Nerven stärkt, der Wellenschlag eines frohen Volkes ist das Seebad, welches ihre steifen Glieder wi^er lebendig macht. Ihr werdet ihre weihen Köpfe alsobaid untertauchen leben in dieses Bad! So gebt uns nun, liebe Eidgenossen, den Ehren- trunk! Es lebe die Freundschaft im Vaterlande! Es lebe die Freund-

So kst esl" sagte Bürgt,aber wir haben dadurch neuen Zuwachs bekommen, einen kräftigen jungen Schöhling getrieben! Ich beantrage, daß der Junge in unfern Kreis der Alten ausgenommen werde und fortan unfern Sitzungen beiwohne!"

Also sei es!" riefen alle und stießen mit Karl an; der leerte etwas unbesonnen sein volles (dlas, was ihm jedoch die Älten in Betracht der aufgeregten Stunde hingehen ließen, ohne zu murren.

Nachdem die Gesellschaft sich durch das Frühstück hinlänglich von ihrem Abenteuer erholt, zerstreute sie sich. Die einen gingen, em paar Schüsse zu probieren, die andern den Gabensaal und die übrigen Ein­richtungen zu besehen, und Frymann ging, seine Tochter und die Frauen zu holen, bei denen sie zu Gast war; denn zum Mittagessen wollten sich alle wieder an dem Tische finden, der ziemlich in der Mitte der Halle und im Bereich der Tribüne gelegen war. Sie merkten sich die Nummer und gingen höchst wohlgemut und aller Sorgen ledig aus»

Genau um zwölf Uhr saß die Tischgesellschaft von einigen tausend Köpfen, welche jeden Tag andere waren, am gedeckten Tische. Land­leute und Städter, Männer und Weiber, Alte und Junge, Gelehrte und Ungelehrte, alle sahen fröhlich durcheinander und harrten auf die Suppe, indem sie die Flaschen entkorkten und das Brot anschnitten. Nirgends blickte ein hämisches Gesicht, nirgends ließ sich ein Aufschrei oder em kreischendes Gelächter hören, sondern nur gleichmäßig verbreitet das hundert ach verstärkte Gesumme einer srohen Hochzeit, der gemäßigte Wellenschlag einer in sich vergnügten See. Hier ein langer Tisch voll Schützen, dort eine blühende Doppelreihe von Landmodchen, am drit­ten Tisch eine Zusammenkunft sogenannter alter Häuser aus allen Teilen des Landes, die das Examen endlich überstanden hatten, und am vierten ein ganzes ausgewandertes Städtlein, Männer und Frauen durcheinander. Doch diese sitzenden Heerscharen bildeten nur Oie Halste ber Versammlung; ein ununterbrochener Menschenzug, ebenso zahlreich, strömte als Zuschauer durch die Gänge und Zwischenräume und aim- kränzte, ewig wandelnd, die Essenden. Es waren, Gott sei Preis und Dank, die Vorsichtigen und Sparsamen, die sich die Sache berechnet und anderswo sür noch weniger Geld gesättigt hatten, dienational» hälfte, welche alles billiger und enthaltsamer bewerkstelligt wahrend die andere so schrecklich über die Schnur haut; ferner die Allzuvorneh- nftn die der Küche nicht trauten und denen die Gabeln zu schlecht waren und endlich die Armen und die Kinder, welche unfreiwillig zuschauten. Aber jene machten keine schlechten Bemerkungen und diese zeigten weder zerrissene Kleider noch böse Blicke; sondern Ine Vor­sichtigen freuten sich über die Unvorsichtigen, der Vornehmling, welchem die Schüsseln voll grüner Erbsen im Juli zu lächerlich waren, ging ebenso wohlgesinnt einher, wie der Arme, dem sie verführerisch m die Nase dufteten. Hie und da freilich zeigte sich ein sträflicher Eigennutz, indem es etwa einem filzigen Bäuerlein gelang, unbesehen? einen ver­lassenen Platz einzunehmen und frischweg mit zu essen, ohne bezahlt zu haben; und was noch schlimmer war für ordnungsliebende Augen, es entstand deswegen nicht einmal ein Wortwechsel und etn Hmaus- mCt2)er oberste Festwirt stand vor dem weiten Küchentor und blies auf einem Jägerhörnchen das Zeichen zum Aufträgen eines Gerichtes, worauf eine Kompanie Aufwärter hervorbrach und sich mit künstlich einaeübter Schwenkung rechts, links und geradeaus zerstreute. Cmer derselben fand feinen Weg zu dem Tische, an welchem die Aufrechten und Festen saßen, unter ihnen Karl, Hermine und ihre Freundinnen, Basen ober was sie fein mochten. Die Alten horchten eben eifrig auf einen Hauptrebner, ber bie Tribüne bestiegen, nachdem der Tambour einen kräftigen Wirbel geschlagen. Ernst und gesammelt saßen sie, nut weggelegter Gabel, steif und aufrecht, alle sieben Kopfe nach der Tribüne gewendet. Aber sie erröteten, wie junge Mädchen und sahen einander an, als der Redner mit einer Wendung aus Karls Rede be­gann, die Erscheinung der sieben Greise erzählte und hieran seine eigene Rede knüpfte und ausführte. Nur Karl hörte nichts, denn er scherzte leise mit den Frauen, bis ihn sein Vater anstieß und seine Mißbilligung ausdrückte. Als der Redner unter großem Beifall geendigt, sahen lich die Alten abermals an; sie hatten schon vielen Versammlungen beige­wohnt aber zum erstenmal waren sie selbst der Gegenstand einer Rede geworden, und sie wagten nicht, sich umzuschauen, so verschämt waren sie wenn auch überglücklich. Aber wie es der Weltlauf ist, ihre Nach­baren ringsum kannten sie nicht und ahnten nicht, was sich für Pro­pheten in ihrer Nähe befanden, und so wurde ihre Bescheidenheit nicht beleidigt. Um so zufriedener drückten sie einander die Hände, nachdem sie jeder sachte für sich gerieben, und ihre Augen sagten: Nur unentwegt! Das ist der süße Lohn für Tugend und andauernde Vortrefslichkeit!

Worauf Küfer rief:Nun, diesen Spaß haben wir unferm Meister Karl zu verdanken! Ich glaube doch, wir werden ihm schließlich Burgis Himmelbett zusprechen und ihm eine gewisse Puppe drein legen muffen. Was meinst du, Daniel Frymann?"Ich fürchte auch", sagte Pfister, daß er mir mein Schweizerblut abtaufen muß und feine Wette ver­liert." _ .

Doch Frymann runzelte plötzlich die Stirn und sprach:Em gutes Mundwerk wird nicht gleich mit einem Weibe bezahlt! Wenigstens m meinem Hause gehört noch eine gute Hand dazu! Laß uns, ihr Freunde, den Scherz nicht aus ungehörige Dinge ausdehnen!"

Karl und Hermine waren rot geworden und schauten verlegen m das Volk hinaus. Da ertönte der Kanonenschuß, der den Wiederbeginn des Schießens verkündigte und auf den eine lange Reihe von Schutzen, die Büchse in der Hand, gewartet hatte. Augenblicklich knalle es wieder auf der ganzen Linie; Karl erhob sich vom Tische, sagte, nun wolle er sein Glück auch versuchen, und begab sich nach dem Schießstande.Und ich will ihm wenigstens Zusehen, wenn ich ihn auch nicht bekommen soll!" rief Hermine scherzend und ging ihm nach, 'begleitet von den Freundinnen. (Schluß folgt.)

unentwegt!" , , . , , ;

Kaum hatte er diese Rede geendigt und Karls Hand losgelaffen, fo ergriff sie schnell Frymann und sagte:Gleichmäßig bilde deine Kennt­nisse aus und bereichere deine Grundlagen, daß du nicht in leere Worte verfallest! Nach diesem ersten Anlaufe laß nun eine geraume Zeit ver­streichen, ohne an dergleichen zu denken! Wenn du einen glücklichen Gedanken hast, so sprich nicht, nur um diesen anzubringen, sondern lege ihn zurück; die Gelegenheit kommt immer wieder, wo du ihn reifer und besser verwenden kannst. Nimmt dir aber ein anderer diesen Ge­danken vorweg, so freue dich darüber, statt dich zu ärgern, denn es ist ein Beweis, daß du das Allgemeine gefühlt und gedacht hast. Bilde deinen Geist und überwache deine Gemütsart und studiere an andern Rednern den Unterschied zwischen einem bloßen Maulhelden und zwi­schen einem wahrhaftigen und gemütreichen Manne! Reise nicht im Land herum und laufe nicht auf allen Gassen, sondern gewöhne dich, von der Feste deines Hauses aus und inmitten bewährter Freunde den Weltlauf zu verstehen; dann wirst du mit mehr Weisheit zur Zeit des Handelns austreten, als die Jagdhunde und Landläufer. Wenn du sprichst, so sprich weder wie ein witziger Hausknecht, noch wie ein tragi­scher Schauspieler, sondern halte dein gutes natürliches Wesen rein und dann sprich immer aus diesem heraus. Ziere dich nicht, wirf dich nicht in Positur, blick', bevor du beginnst, nicht herum wie ein Feld­marschall oder gar die Versammlung belauernd! Sag' nicht, du seist nicht vorbereitet, wenn du es bist; denn man wird deine Weise kennen und es sogleich merken! Und wenn du gesprochen hast, so geh nicht herum, Beifall einzusammeln, strahle nicht von Selbstzusriedenkeit, son­dern fetze dich still an deinen Platz und horche aufmerksam dem folgen­den Redner. Die Grobheit spare wie Gold, damit wenn du sie in ge­rechter Entrüstung einmal hervorkehrft, es ein Ereignis sei und den Gegner wie ein unvorhergesehener Bfitzstrahl treffe! Wenn du aber denkst, je wieder mit einem Gegner zusammen zu gehen und gemeinsam mit ihm zu wirken, so hüte dich davor, ihm im Zorne das Aeußerste zu sagen, damit das Volk nicht rufe: Pack schlägt sich. Pack verträgt sich!"

Also sprach Frymann, und der arme Karl saß ob all' den Reden erstaunt und verdonnert und wußte nicht, sollte er lachen oder sich auf» blasen. Aber Syfrig der Schmied rief:Da seht nun diese zwei, die nicht für uns sprechen wollten und nun wieder reden wie die Bücher!"

Sie lebe ^hoch°'Bravo!" schallte es in der Runde, und der Emp- fanqsrebner erwiderte die Ansprache und begrüßte die eigentümliche und sprechende Erscheinung der Alten.Ja", schloß er,mögen unsere Feste nie etwas Schlechteres werden, als eine Sittenschule für bie Junaen der Lohn eines reinen öffentlichen Gewissens und erfüllter Vürgert'reue und ein Derjüngungsbad für die Alten' M°Zen ste eine Feier bleiben unverbrüchlicher und lebendiger Freundschaft im Lande von Gau zu Gau und von Mann zu Mann! Euer, wie ihr ihn nennt, namen= und statutenloser Verein, ehrwürdige Manner, lebe hoch!

Abermals wurde das Lebehoch ringsum wiederholt und unter all­gemeinem Beisall das Fähnchen zu den übrigen auf die Zinne gesteckt Hieraus schwenkte das Trüppchen der Sieben ab und stracks nach der großen Festhütte, um dort sich durch ein gutes Frühstück zu erholen, und kaum waren sie angelangt, so schüttelten alle ihrem Redner die Hand und riefen:Wie aus unserem Herzen gesprochen! Hediger, Cyapper- mann! das ist gutes Holz an deinem Buben, der wird gut, laß ihn nur machen! Grad wie wir, nur gescherter, wir sind alte Esel, aber unentwegt geblieben, nur fest, Karl!" und so fort.

Frymann aber war ganz verblüfft; der Junge hatte gerade gesagt, was ihm selbst hätte einfallen fallen, statt sich nut den Jesuiten herum­zuschlagen. Auch er gab Karl freundschaftlich die Hand und dankte ihm für die Hilfe in der Not. Zuletzt trat der alte Hediger zu seinem Sohne, nahm ebenfalls seine Hand, richtete scharf unb feft fein Auge auf ihn unb sagte:Sohn! Eine schone, aber gefährliche Gabe hast du ver­raten! Pflege sie, baue sie, mit Treue, mit Pflichtgefühl, nut Bescheiden­heit! Nie leihe sie dem Unechten und Ungerechten, dem Etteln unb dem Nichtigen; denn sie kann wie ein Schwert werden in deiner Hand, das sich gegen dich selbst kehrt oder gegen das Gute, wie gegen das Scylechte! sie kann auch eine bloße Narrenpritsche werden. Darum gradaus ge= ..... ' ' gierig, aber fest, unentwegt! Wie du uns heute «.nie yC,nuU,t .,u|lf denke stets daran, deinen Mitbürgern, deinem Vaterland Ehre zu machen, Freude zu machen; an dies denke, und du wirst am sichersten vor falscher Ehrsucht bewahrt bleiben! Unentwegt! Glaube nicht immer sprechen zu müssen, laß manche Gelegenheit Vor­beigehen und sprich nie um deinetwillen, sondern immer einer erheb­lichen Sache wegen! Studiere die Menschen, nicht um sie zu über­listen und auszubeuten, sondern um das Gute in ihnen aufzuwecken und in Bewegung zu setzen und glaube mir: viele, die dir zuhoren, werden oft besser und klüger sein, als du, der da spricht. Wirke nie mit Trugschlüssen und kleinlichen Spitzfindigkeiten, mit denen man nur bie Spreuer bewegt; ben Kern bes Volkes rührst bu nur tr.it ber vollen Wucht der Wahrheit um. Darum buhle nicht um den Beifall der Lär­menden und Unruhigen, sondern sieh auf die Gelassenen und Festen,