Ausgabe 
25.10.1935
 
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Unterhaltungsbeilage zum Lietzener Anzeiger

Jahrgang 1955 .

Zreltag, den 25. Oktober

Nummer 85

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Liebesroman

GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE

Von Walther von Hollonöer

Copgtigfjt 6y August Scherl G.m.b.y., verlin

10. Fortsetzung.

Ich muß dir doch die Geschichte erzählen, mit der Weppen und Klee- sand mich ehrenhalber beauftragt haben", sagt Alfred,ein verzwickter Fall, eine Erbfchaftssache natürlich. Eigentlich, finde ich, sollte niemand erben. Aber wenn man die Leute schon zum Erben erzieht, muß man die Sache auch durchfechten. Also: Ein Arzt aus Stuttgart, der aber schon seit zehn Jahren in Berlin lebte, hat seiner Freundin, die seine Arbeit, sein Leben, sein Haus mit ihm geteilt hat, die Hälfte feines Vermögens vermacht. Die Ehefrau, hier in Stuttgart, von der er sich trennte, als er nach Berlin ging, die sich aber nicht scheiden ließ, hat die andere W ie bekommen. Nun hat die Ehesrau geklagt. Sie will bas ganze Vermögen haben. Und sie hat ein paar Reichsgerichtsurteile für sich, nach denen Vermächtnisse auf Grund unsittlichen Zusammenlebens nichtig sind. Was meinst du dazu?"

Man könnte an den Frauen verzweifeln", sagt Barbara.Wie kann man sich nur hinter Reichsgericht und Moral verstecken? Was die Stutt­garterin vor allem will, ist ja ganz klar. Sie will der anderen eins auswischen, weil sie geliebt wurde. Es ist ... komm schnell . - - um auf den Münsterturm zu klettern."

Sie klettern eine enge steinerne Wendeltreppe hinauf. Die Hacken hal­len. Barbara erinnert sich ganz genau, wie fie mit dem Baier und der Mutter auf diesen Turm flieg. Der Vater hatte verlangt, die Mutter sollte ihreMauerangst" undHöhenangst überwinden. Die Mutter klet­terte mit zusammengebisfenen Zahnen. Die Schultern Hütte sie vor Angst vargebogen. Sie rief nach dem Bat-r, aber der konnte i- nicht mehr Haren.Es ist wirklich greulich", flüsterte sie und lehnle ch b Mauer,es gibt eben doch Dinge, mit denen man nicht ^'g wirb. Wer diese Angst nicht kennt, begreift sie nicht." Sie klammerte M^mamia der Vierzehnjährigen und stieg mit ihr weiter. Und die achtundzwanzig jährige Barbara 'tlettcrt jetzt an der Schattenhand letz en hundert Stufen, als müsse sie die langst Tote auch noch heute beschützen

Sie stehn nun endlich zusammen oben. Barbara ^r Schatten un Alfred. Die Wolken sind höher gerutscht. Man kann d>e türm te winttig^, gichtige Stabt Überschauen. Man kann die Donau sehen und d'e Ebene dahinter. Alles wie damals. Barbara beugt sich über d'e Brüstung. Der Schatten neben ihr beugt sich und starrt m die Tiefe auf den m Jigen Marktplatz, auf die stecknadelgroßen M-nfchem Barbara beg \ den Blick: Es steckt nicht nur Abgrunbangst dann, andern aurti L b n angst, Eheangst Man lebt zwei Jahrzehnte m.teinand r --fo> fd)mt °er Schatten zu sagen - in großer Liebe sogar unb bann zwmgt ber eme^oen andern zu einer Sache, die er wirklich nicht kann. . - ' $ fie kanm Barbara greift Über ben Schatten nach A red ^anb^ Mmi soll sich so viel Gutes, tun, wie man kann Man soll re nem r i nisje groß werben lassen. Sie muß also letzt schste f jagt' fie

mußt bie Geschichte von Karl Rauthammer wirklich kennen , lagt jie, »sonst machst bu bir vielleicht ein falsches B,lb von mir

Ich mache mir kein falsches Bild von - /m°r , ünb fange wirklich an, bich zu kennen. Man ist nicht urnsom z Y g zehn Nächte verheiratet. Nicht wahr?" h s,n

Barbara nickt. Obwohl sie hier auf dem uns e aufs

Schatten ber angstvollen Mutter neben sich, tc,n fanrt, bas

Letzte betrachtet, sogar zwansig Jahre umsonst verheiratet sein rann, heißt, sich nicht kennt unb sich deshalb llrwlt- unb deshalb

Es war wunderschön in diesen zehn Tag fag I . bespricht, habe ich es auch nicht für so wichtig gehalten Da« nwn Iage

^lber nun muß ich dir doch erzählen, daß sh haben bann in

vor unserer Hochzeit getroffen habe. Ganz äutalt.g. -w

einem Cafe gesessen ..." . , . mrhnras ftanb. Er beugt

So", sagt Alfreb unb löst seine W .i^rdings boch sagen sich weit über bie Brüstung.Das hattest bu mir allerbtngs ;

^ü|fen . haben toir über man5

Du hast recht", nickt Barbara,aber schuehUch ya

üjes anbere auch noch nicht gesproßen ... ziemlich gereizt.

,Es hanbelt sich nicht um Sprechen ruft attreo i 9 zehn

»sondern um Berfchmeigen. Du triffst diesen Rauthammer, Tage später kommst bu bamlt heraus ... Sag 1 I

Er wirb ben

mltBerUtSenberb Stuttgart gibt Tänze zum besten, ber Senber Berlin be­rühmte Tenöre. Gigli singt ausTosea . Frau Gornewitz erzählt ben

l°» 'n den na*TOdmb'ergsnhab"en°sich mit'©Briefes zusammengefunben. Der ^auph mann macht Barbara schon beshalb ben Hof weil sie wie seine Schuhs heillae beißt bie Artitterieheiliae. Er ist. wie lieh heraussk°llt weniger ein Oifiz'er als ein Ar'illeriewisienschaktler, ber ebensogut Makhevmsiker fehl könnte wie auch Musiker. Er setzt sich ans Klavier. Er 'viel «ach. Sehr eratt unb ein buchen tragen. «°me Frau singt wie er sagt sehr schön. Aber niemals vor Menschen.

Alfreb Meimberg ist bie Stufen hinuntergejagt unb steht atemlos auf bem Platz. Er benft: Ich bin sicher ein bißchen zu hart gewesen. Weis für ein Unsinn, zu glauben, baß ganz erwachsene Menschen m die Ehe hereinkommen wie die Kinder, unberührt auch in ihren Gefühlen. Sie hätte es mir natürlich auch gleich sagen sotten. Aber wer weiß, was dazwischenkam. Na, wir werden die Sache gelegenttich mit aller Groß-

Das sage ich selbst", seuszt Barbara,unb über bie Grünbe können wir ein anbermal genau sprechen ... Aber bie Hauptsache ist ..."

Es hat also seine Grünbe", unterbricht Alfred,da bin ich ja ge- pannt. Da ..."

Barbara kann nicht verstehen, was er sagt, denn er hat sich Immer noch so weit heruntergebeugt, als wollte er zu einer Volksmenge auf dem Münsterplatz sprechen. Außerdem hat sich ein Wind ausgemacht, der die Worte wegpustet.

Wir wollen gehn", sagt Barbara kurz,es kommen auch Menschen.

Zwei Lehrerinnen sind auf der Szene erschienen, freundliche, runde Mädchen, asthmatisch die eine, mit dem Kopf des Großen Kurfürsten die andere.Famos!" ruft der Große Kurfürst und zeigt auf das Land, als hätte fie es erobert. Die Kleinere lacht: , Man muß eben nur losgehn. Dann hört jeder Regen auf. Siehst bu bie Donau?"

Natürlich sieht auch bie Größere bie Donau. Alfred und Barbara gehn an ihnen vorbei.Reizend ... der Junge", sagt der Große Kurfürst, als sie verschwunden sind.Die Frau hat so gescheite, warme Augen', agt die Kleinere.Gut, daß es solche Ehepaare gibt.

Ehepaare!" lacht der Große Kurfürst.Du bist unverbesserlich! Er hat ihr so vorsorglich die Hand gereicht ... bas ist fein Ehepaar ...

Barbara steht im engen Turm allein auf ber Wendeltreppe. Wenn sie etzt achtzehn wäre unb nicht achtundzwanzig, würbe fie voller Verzweif­lung ben nächsten Zug von Ulm nach Berlin nehmen. Allein. Aber wie ber Schatten ber Mutter ihr vorhin Aengste bereitet hat, so bringt er ihr jetzt Trost. Die Mutter ist boch so sehr glücklich geworben. Ueber alle Ent­täuschung weg. Es wirb schon gehn. Die Hauptsache ist, baß sie Überhaupt einmal über Rauthammer gesprochen hat.

zügigkeit ordnen. Merkwürdig ist es aber doch. Trifft ihn und »er schweigt es. Wie eine Ehebrecherin. Wie eine beliebige junge Dame. Es ist allerdings natürlich, daß man sich zuletzt die vergangenen Lieben an- oertraut Ich möchte auch nicht zu ausführlich werden. Ware geschmacklos und verräterisch. Habe mit Bedacht alle Bilder unb Briefe verbrannt. Allerbings auch alle Brücken. Ich .. ich würbe also nicht basfelbe tun, was sie tat Das ist klar ... . , , .. _

Wo bleibt sie nur? Bin ja mächtig gerannt. Gleich tommt bie Sonne. Da' Dies Münster scheint mir ein Sonnengebäube zu sein. Wie das Ge­stein gleich lebenbig wirb! Wie hoch soll ber Turm fein? 161 Meter. Hatte "'1 VnMi-h° tritt§Barbara aus dem kleinen lurmeingang. Sie hat sich die Tränen längst gut weggewischt, und die Wangen sind zart uberpubert.

sßuber nicht merken, wie auf ber Hochzeit ber bumme Bmael Er wirb vielleicht benten, daß ber zarte Duft nach Malglo-hhen von ber Gärtnerei bort drüben komme. Vorgestern nacht sagte er: Man riecht die Rosen bis hierherauf!" Es war aber Fleur de.rose. 211 fo, wir werden denn nachher von vorn anfangen unb noch vorsichtiger. Ich will bie Geschichte heute zu Enbe bringen.

Sie geht lachenb auf Alfreb zu Sie umarmt ihn auf bem Marktplatz Sie küßt ihn Natürlich kommen in bleiern Augenblick bie beiben Lehrerin neu aus bem Turm. Sie haben sich Giebel Türme unb Donau aenur angesehen unb sind sehr erfreut, noch diese Kußszene zu erwisck'en.Sieh! du" sagt ber Große Kurfürst befnebigt.boch nicht verheiratet.

Auf ber Rückfahrt ist bas Wetter schon ganz schon aber abenbs schick' bas irlänbische Tief noch einen Abjchiebsreaen. ber hinter ben Fenstern raschelt. Das macht aber für bas Haus Rebstock gar nichts, ^^u Garne witz weiß auch bei Regenwetter ben Frohsinn unb bie Gemütlichkeit (ja

WÄl!»«., --»n» -'TSÄ meli sie alle Pensionäre. (Entschulbigungen mit Kopfweh unb Mudlgke werben bei Regen nicht entgegengenommen.) Das Grammophon spiel