Ausgabe 
25.3.1935
 
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Oie Philosophen.

Eine Bubengeschichte von Per Schwänzen.

Es war noch vor dem Weltkrieg, als die kriegerischen Auseinander­setzungen zwischen der männlichen Jugend oes Auemertels und des Stadtteils Wehlheiden zu Kassel unter meiner gutrgen Mltwr^una statt- fanden. Unsere Truppe des Aueviertel umfaßte dle 'narinlrche Jugend zwischen zehn und vierzehn Jahren von der Wittichstraßej bis zum Philosophenweg und wurde der Einfachheit halber kurzdie ^l,o,op*e" genannt. Auf einem freien Platze an der Aue, aus dem noch der Bau­schutt eines abgerissenen Häuschens lag, bauten wir unsere Burg, eine meterhohe Ringmauer und Schießscharten, mit Brettern, Tee p pp Lehm gedeckt. Hier hockten wir, falls wir nicht gerade unter unserer blauweihen Fahne und der Führung Wilhelm Luschkes kämpften, rauch­

stand auf, einen geschliffenen weißen Stein, wie er als Einsteiner in Ringen denkbar war.Was ist das?" rief er verdutzt. Der Stein war heiß, er mußte ihn auf das Polster legen. Jens Jensen griff fofort da­nach.Ja", meinte er langsam,das kommt davon", und er fand sein erstes Lächeln wieder.Sie wollten einen Spaß machen, aber Sie ver­gaßen, Herr Leutnant, daß Sie mit einem Zauberkünstler reisten. Die Zigarren sind präpariert. Ich muß Ihnen einen Barietetrick verraten. Die fünf Zigarren enthalten je einen Edelstein, einen Glasstein, meine ich natürlich, die lasse ich auf der Bühne verschwinden."

Und in den Zigarren tauchen dann die Edelsteine wieder auf??" Jens Jensen nickte. Der Leutnant knüpfte feinen Rock aus ut^b reichte die Zigarrentasche zurück.

Hier", sagte er,nehmen Sie sie wieder, womoglrch zerdrücke rch Die Dinger noch, und das wäre ein Verlust für Sie."Danke", sagte Jens Jensen. Er belächelte den Zettel und steckte an seine Stelle den Glasstein, der ans Licht gekommen war. Sie fuhren, fuhren... Jens Jensen er­zählte wieder Theaterwitze.Haben Sie noch mehr solche Scherzartikel?" fragte der Belgier. Sie rauchten jetzt wieder beide, aber andere, des Leutnants Zigarren.

Scherze wie die Zigarren", Jens Jensen stand am Fenster.Köln", sagte er, endlich Köln." Er drehte sich um, sah den Leutnant an und muhte lachen. Er hatte das Gefühl, wirklich auf einer Bühne zu stehen. Der Zug fuhr schon langsamer, da griff er in das Gepäcknetz, nahm seinen Stock und schraubte den Handgriff ab.Dies ist noch so eine präparierte Angelegenheit, Sie reisten mit einem erstklassigen Künstler, Herr Leutnant." Und während der Zug in die Bahnhofshalle ernfuhr, zog er aus dem hohlen Stock eine lange Perlenkette, lieh sie eine Se­kunde im Licht blitzen und versenkte sie wieder.Natürlich auch unecht , sagte er, schraubte die Krücke wieder fest und schloh heiter:Ein Bluff dies alles, Sie begreifen, Herr Leutnant, man muh auf die Naivität der Menschen spekulieren." Der Leutnant lachte, Jens Jensen bot ihm die Hand.Gute Reise."Danke, viel Glück."Das soll ein Wort fein , sagte Jens Jensen und stieg aus. Er tauchte unter im Gewühl der Leute, war augenblicks verschwunden.

Der Leutnant blieb im Wagen. Er hatte noch eine lange Fahrt vor sich Er kaufte sich alle erreichbaren Journale, endlich nun auch die Morgenzeitungen. Fette Schlagzeilen leuchteten ihm entgegen.Juwelen­diebstahl in Brüssel. Ungefaßte Steine im Werte von 100 000 Mark ge= stöhlen! Eine Spur führt zum Brüsfeler Nordbahnhos. Wahrscheinlich versuchen die Täter nach Deutschland zu entkommen. .

Der Leutnant saß zurückgelehnt. Ein Vorhang ging hoch^ Variete Ein Zauberkünstler trat aus. Der Leutnant hatte das Gefühl, die Hand heben zu sollen und zu applaudieren. Aber dann erhob er sich mit einem Ruck, trat an das offene Fenster und winkte dem Stationsvorsteher. Herr, wollte er sagen, dieser Juwelendieb, den man sticht, fuhr bis hier mit mir im Abteil, er hat mir die Steine und die Perlen gezeigt. Mit meinen Augen sah ich das alles. Aber er sagte das nicht, er (chami? sich wohl der Rolle, die er hatte spielen müssen; fern gekranktes Selbst­gefühl verlangte Schweigen. Als der Stationsvorsteher vor ihm stand, tat er eine Frage nach einem Zuganschluß, die ihm gern b^mtwortet wurde. Diesen Zauberkünstler zu verraten, schien ihm schmählich. Der Mann Hal mich mit beispielloser Kühnheit übertölpelt. Seme Brillanten waren gut versteckt, aber er wollte ganz sicher gehen und gab sie mir, unterm Waffenrock brachte ich sie ihm sicher durch alle Zoll- und Polizei- kontrollen. Dazu half ihm der Schwindel, er sei Zauberkünstler, dazu half ihm meine Erwartung auf das Zauberkunststuck. Als der Zufall den einen Stein ans Tageslicht brachte, als die Entdeckung an einem Se,den- faden hing, denn ich war doch stutzig geworden, gewiß! rettete ihn die plausible Lüge, daß es sich um vorbereitete Zigarren für eine Vorführungen handle. Aber welch ungeheuerliche Frechheit, mir zuletzt noch die Perlenkette zu zeigen! Wie sicher muß ?r gewesen fein, daß ich ihm alles glaubte. Bin ich so naiv? Oder war dieser Mensch wirk­licher Künstler in seinem Fach. In feinem Fach ... , . -

Der Leutnant stand noch am Fenster, als der Zug schon anfuhr. Er sah den Bahnsteig langsam zurückfallen. Der Mann mit ber roten Mütze wurde klein und unwefentlich. Aber noch leuchtete Weüibrand- reklame an der Außenseite der Halle. Em Mann war da aufgemalt, führte ein Likörglas zum Munde und lächelte. Dem Leutnant war, als erkenne er dieses Lächeln, als kenne er auch den Mann "verdammter Kerl", sagte er im Durcheinander der Empfindungen Aber dann zogen sich langsam feine Mundwinkel hoch. Er lächelte zuruck, bis em Häuser­block sich vor das Bild schob und es verdeckte.

fen Zigaretten und tafelten. Die Atzung bestand immer aus sauren Gurken und Himbeerwasser. Es standen zwei Eimer in der Burg, und alle hatten dafür Sorge zu tragen, daß der eine stets mit Himbeerwasser, der andere mit sauren Gurken gefüllt war. Unser Pioviantchef war Hermann Ecke, der im Felde weniger tauglich, aber sonst ein sehr inter­essanter Mann war. Er besaß eine alte Hündin Lotte, die wir trotz ihrer schon ergrauenden Schnauze als Kriegshund gegen die Wehl- heider abrichteten. In der kriegerischen Rangordnung hatte ich als Adjutant von Wilhelm Lujchke die zweite Stelle inne.

Soweit war unsere Ueberlegenijeit über die Wehlheider in zahllosen Treffen erhärtet. Da aber kam die Dummschnute.Die Dummschnute' war ein neuer Junge. Er war zwei Jahre älter als unsere reifsten Krieger. Er war mit seinen Eltern aus Hann.-Münden zugezogen, er- Sien eines Tages vor unserer Burg und begehrte in ziemlich groben orten Einlaß. Wir beratschlagten, ob wir Lotte auf ihn Hetzen oder ihm einen Gegner stellen sollten. Schließlich ging Wilhelm Luschke und wurde verprügelt. Der Fremde knallte ihm noch eine richtige rein, dann stand er auf, ging wortlos. Wilhelm Lujchke mußte sich zum ersten Male einem Mehrheitsbeschluß beugen. Wir brauchten diesen Mann, schon damit ihn die Wehlheider nicht kriegten. Tags darauf sah der Fremde bei uns, trank Saft, Gurken und quatschte Wir sanden ihn ziemlich blöd und schwiegen betreten. Er aber grinste und sagte, wir sollten ihnDummschnute" nennen, so habe er schon in Hann.-Munden geheißen. DieDummschnute" riß die Führung an sich. Ich haßte ihn.

Da nahm der Geschichtslehrer mit uns die Geschichte der Spartaner und Athener durch. Die Spartaner waren nur ein rauhes Kriegervolk, die Athener dagegen wußten heldische und künstlerische Gesinnung $u vereinen, sie waren Soldaten und Philosophen. Wir erkannten uns in den Athenern wieder. Ich sammelte als Haupt der hochgeistigen Ver­schwörung meine zuverlässigen Freunde um mich. Und sie waren zu allem entschlossen, als ich in der Burg das Wort ergriff und eine Rede redete, wir wir Philosophen im Gegensatz zu den lächerlichen Wehlheidern, die den Spartanern an Blödheit nicht nachständen, uns mehr mit den Idealen beschäftigen müßten. Ohne die Musen könnte, wie Lehrer Watermeier richtig erklärte, auf die Dauer kein Staatswesen bestehen. Und überhaupt müßten wir einen Areopag wie die Athener wählen. Das sei nämlich der Rat der Aeltesten fügte ich, zu der Dummschnute gewandt, bei der Besten des Stammes, und vorn eigenen Worte geschwellt, schlug ich vor, Wilhelm Luschke wieder in seine alten Rechte einzusetzen und einen Aropag der vier stärksten und gewieftesten Philo­sophen zu wählen. Beifall der Verschworenen, stumme Pause, allge­meiner Beifall die Dummschnute war gestürzt. Er stieß den Eimer mit den sauren Gurken um und ging ohne Gruß. Natürlich ließ er sich sofort bei den Wehlheiedern anwerben.

Ich saß im Areopag. Luschke und ich regierten. Die drei weiteren Ratsmitglieder, Walter Pabst, Gottftied Trampeda und Henner Schminke folgten blind. Ich beschwor planmäßig eine kulturelle Blütezeit unserer Truppe heraus. Es wurde eine Vereinszeitung gegründet, die >n der Burg handschriftlich vervielfältigt wurde Kunst, Dichtung, Spart, Mili­tärisches. Henner Schminke war als militärischer Erneuerer unserer Truppe ein williges Werkzeug meiner attischen Phantasie. Peltasten hießen die attischen Leichtbewaffneten, die vor dem Angriff ber Hopliten, der Schwerbewaffneten, den Feind in losen Schwärmen angriffen und feine Reihen verwirrten. Im Gegensatz zu den Hopliten, die mit Knüp­peln und massiven Holzschildern ausgerüstet waren, bewaffneten wir die Peltasten mit Turnschuhen, Zwillen und leichten Rohrstocken. Ich führte den rechten Flügel. Henner Schminke leitete die Ausbildung tm Schießen mit der Zwille, einer Steinschleuder aus Astgabel und Gummischnuren, und ich trainierte die Spezialtruppe im Laufen, Springen und Rohr- stockfechten. Großes Gewicht legte ich auf rasches Ueberflettern von Zäunen. Der Erfolg unserer Jnstruktionsarbeit war überwältigend. Bei einem Manöver vor der Burg führten Schminke und ich dem Generalissi­mus unsere Truppe vor. Während die Hopliten sich gegen den Gefchotz- hagel der Zwillen mit ihren Schilden noch einigermaßen deckten, ließen sie bei der Rohrstockattacke unter lautem Wehgeschrei ihre schweren Waffen ^Slber auch ine anderen waren nicht untätig. Es ereilte uns die Nach­richt daß Wehlheiden fieberhaft aufrüste. Die Dummschnute hatte die Ausbildung der gegnerischen Truppen übernommen. Schorsch, ein Schrei- nerssohn aus der neutralen Karlstraße, hatte einen größeren Auftrag an Latten erhalten. Einer unserer Leute hatte das Waffenlager der Wehl­heider auf einem Hinterhof ausgekundfchaftet. Die Wehlheider benagel­ten mannshohe Schilde mit Blech, und somit war die starke Nachfrage nach leeren Konservenbüchfen restlos geklärt Vorläufig kam es zu einem Vorpoftengefecht auf dem schwarzen Berg, bei dem ein Briefträger durch ein verirrtes (3efd)of3 eine ^opfbeule bovontrug. Äber olles brängte gewaltsam zur offenen Feldfchlacht. Sic sand in der Aue statt.

Der taktische Sieg unserer Waffen war vollkommen. Wir waren beiberfeits an die fünfzig bis sechzig Mann stark. Unsere Schwerbewaff­neten waren bereits handgemein geworden, als unsere Spezialtruppe aus dem Hinterhalt vorstürmte, seitlich in die feindlichen Reihen em- brach und sausende Hiebe austeilte. Die Wehlheider mit ihren langen Holzlatten und plumpen Schilden waren saft wehrlos. Die Truppe floh in regelloser Unordnung, und es gelang uns, die Dummschnute gefangen SU nehmen Er wurde wegen Hochverrats zur Lieferung von dreißig sauren Gurken verurteilt. Unser Sieg war somit überwältigend. Und wie so oft erschütterte er die sittliche Grundlage unseres Staatsgefuges, die .Hybris" ergriff uns. Nachdem sich die Ueberlegenheit der attischen über" die dorische Kriegskunst wieder einmal erwiesen hatte, wurde der Areopag von einem kulturellen Fieber ergriffen, und ich bekenne mich heute schuldig, der Spaltpilz des jetzt einsetzenden Verfalls gewesen zu sein Ich schlug vor, der allgemeinen militärischen Ausbildung eine geistige anzugliedern. Jeder Junge hatte ein selbstverfaßtes Gedicht bei- sufteuern, das von einer Jury geprüft wurde, ob es Aufnahme in unserer Zeitung finden könne. Wer dreimal ein untaugliches Gedicht einlieferte, könne aus der Truppe ausgeschlossen werden, es fei denn, daß feine sportlichen Leistungen nach der alsbald aufzustellenden Tabelle

ins Leere, oder sand keinen Halt; denn die Zigarre, die er dem Leutnant aus ber Hand schlug, hielt ihn nicht. Er fiel in die Polster.Verzeihen Sie", sagte er sofort und bückte sich, die Zigarre aufzuheben, aber ber Leutnant kam ihm zuvor.Schabe", jagte er unb lachte, er hielt bie be­schmutzte Zigarre in der Hand, drehte sie rechts und links herum und war im Begriff, sie in den Aschenbecher zu legen da geschah es. Die glühende Spitze verkrümelte sich etwas plötzlich und etwas Rundes, Helles fiel zu Boden.

Jens Jenfen faß erstarrt. Der Offizier bückte sich unb hob ben Gegen- gefd;liffenen weißen Stein, wie er als Einsteiner in mar.Was ist bas?" rief er verbüßt. Der Stein war