Ausgabe 
25.3.1935
 
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labe.

schlossen und sich für den Tanz schön ge der Tochter der Wirtin.

sst nur sehr scht."

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rst leicht bcrau

nie

sie lachte ihn mit blanken Zähnen an lein führen. Aber kaum halte er mit

.. /tosten und Ihr in die Augen geschaut, da ergriff Ihn die Unrast nach 'BIrge.

am Arm eines lachenden Burschen tanzen. Sofort griff er sich die Schönste, die ihm In die Augen fiel, heraus und drehte sie linksherum durch Den Saal; das gefiel ihr wohl, st unb liest sich von ihm abseits zum Wc ihr angcslof

Ebenso erging es 'Birne. So kam es gegen Mitternacht, dost BIrge und Bertold sich ohne Tänzer gegenüberflanoen.

Sie maßen sich mit den Augen. Bertold ging auf BIrge zu. Sie mich iljm Iroijlg aus (Er umkreiste sie Die Leute wurden aufmerksam und zogen [Ich auf die Bänke zuriirk Die Musikanten traten mit Ihren Instrn- menten an hie Rampe der Brüstung, bereit, leben Augenblick in bas bc- ginnende Schauspiel hineinzuwettern

.^klolb hotte BIrge sestt In der Mitte beo Saales gefrdft. Sie beschrieb MltJ|d)neII Figuren, nm ich in irgendeine Ecke htudurchzuianzen, beim sie roar auch von der Macht des Augenblicks ergriffen. Aber wo fle auch hlnausmollte. immer tanzte Ihr Bertold entgegen und trieb sie in die Mille a> , L f|e ,e,"bllrf) wie gebannt. Ihre Nüstern bebten Sie wollte Beitnlb nicht ansehen und drehte sich Immer schneller um sich selbst

(vchiust folgt.)

macht. Die Kleider waren von

Was irinffl du denn da?" fragte sie Bertold.

Süßen allen Wein", sprach er und gost ihr ein. wenig davon trinken, denn ich slirchte, du wirst lei,

Und wenn ich berauscht bin?" lachte sie.

Dann mürbe ft bu nur von selbst so viel Küsse geben, als bu Knöpfe

Regenwolken stürzten um den Zug. BIrge und Bertold sasten warm nebenehmnb. r und «festen die Regentropfen an den Scheiben zerrinnen.

So zogen fle in» Gasthaus und fragten nach Zimmern. Es war nur nocb ein einziges frei BIrge aber sträubte sich, im diese vom Schick, lat gestellte Falle zu gehen. Sie erklärte der Wirtin, die Bertold gut tunnk, sie wolle untre allen Umständen allein bleiben. Und wehrte sich iotanae bis die Wirtin sagte, heule abend kämen die Gebirgler zu ihr zum Tanz, da könne sich |a das Fräulein einen schöneren Burschen als Bertold zum Heimgehen heraussuchen, der Herr könne ihretwegen mit ihrer Tochter tanzen, auch mit ihr selbst, wenn er Lust habe.

'BIrge wurde, obwohl ihr die freie Sprache der Wirtin nicht recht munden wollte, doch kleinlaut. Sie schleppte seufzend, da Bertold kein Wort mehr verlor, ihren Rucksack die Treppen hinaus, verstaute ihn un er dem 'Bett und besaht dann Bertold mit Würde, in die Wirtsstube hin- unter zu gehen Diesen Beseht führte Bertold grostsourig aus.

(Er bestellte sich unten eine Flasche süsten alten Weines.

Es dämmerte schon, da sah er durch die Türe ein schönes Mädchen in reicher Tracht kommen. Er hatte sich kaum gewünscht, die Schöne möchte sich neben ihn setzen, da kam sie auch schon, gab Ihm die Hand und sprach; Nur die Schuhe waren mir zu grast, ich habe bafür ein paar rotbraune samtene von der Magd anziehen müssen." .......

Es mar 'BIrge, die jetzt lächelnd vor Bertold stand. Sie hatte plötzlich Freundschasl mit der Wirtin geschlossen und sich für den Tanz schön ge-

in deinem Mieder hast."

Ich dir?"

Das werden wir sehen "

Aber du, wirst du denn auch meine Knöpfe noch zählen können." Wenn mir keiner davonspringt."

Das wirst du nicht erleben."

Gilt das Knöpsezählen?" schlost Bertold.

Nur wenn ich berauscht bin," sagte BIrge.

Sie senkten Wein und Augen gegeneinanber. InBlrges Augen lachte es, als sie trank, aber Bertold hasste die Wette dach fo zu gewinnen, dast er küssen könne, (o viel er wolle. Aus dem Gnmnaslurn hatte er sich einmal mit verschiedenen Freunden verschmoren, die Küsse zu zählen, die ihre Mädchen aushalten könnten, und es halte sich damals ergeben, dast er am wirkungsvollsten küssen konnte, sein Mädchen war schon beim fünf» len Kust halb ohnmächtig gewesen. Wenn demnach 'BIrge auch fünf Knöpfe hattet Aber fle hatte ja mehrt

(Er schenkte ihr tapfer ein, sie wurde aber nur Immer übermütiger. Es wäre Ihm lieber gewesen, sie märe ein wenig schwermütig geworden. Sie nannte ihn schließlich nur noch Knovszähler, er sprach sie In einem sörm- Hißen Prozeß weinselig Aber wie oft er sie auch mit starken Augen ansah, er drang nie auf den Grund Ihrer Seele. Da merkte er, dast fle Ihm ge­wachsen war. Aber da war sie Ihm auch schon entschlüpst In den Saal jen­seits beo Flures, aus bem Ländlerklänge erschollen.

Er ging nach einer Welle ebenfalls In ben Tanzsaat und sah BIrge

Er trank aus, eilte In den Saal, nahm die Zweitschönste und wirbelte sie Im Tanz. Durch den taumelnden Schleier fiel ein Augenblitz Birges auf ihn Aber er tanzte noch fort, als die Musik schon ausgespielt hatte, und lud endlirh seine Tänzerin an dem Tische ab, wo die Schönste noch säst und aus ihn wartete.

Schönste und Zweitschönste sahen sich zuerst misttraulsch an. Als ihnen aber Bertold icherzend von der Allerschönsten erzählte, die Ihn heute abend treulos verlassen habe, da mürben beide gemeinsam eifersüchtig auf 'BIrge unh gemeinsam verliebt In Bertold In holder Pein stiesten fle mit ihm an. Dann sastte er sie unter und ging mit Ihnen durch den Saal.

BIrge saß mit ihrem ersten Tänzer In einer Ecke denn Wein. Ihr gold­gesticktes Mieder blitzte, die roten Bänder leuchteten über ihre Hüsten herab, ihr armer Bursche aber lächelte hilflos mit roten Ohren; er schien nüßt viel Glück bei Ihr zu sInden, ihn sich aber Irgendwie zu betätigen, Hieß er iifler mit Ihr an, als Ihr (leb fein mochte, denn sie mußte ihm jedesmal, wenn auch kleinen Bescheid tun.

®r war ihr so lange anhänglich, bis cs BIrge zu bunt war. Sie maßlte jetzt selbst einen Burschen nach dem andern, mußte mit jedem wenigstens einen Schluck trinken und wurde davon so wild, daß sie jeden Täiuer matt tanzte.

«uiß Bertold tat das Seine. Mell aber kein Mädchen dauernde Gnade 'ei ihm sand, sah er sich schliestUch allein, beim mit keiner wollte er imelmal tanzen

Walzer.

Don Novalis.

Hinunter bie Psabe bes Lebens gedreht, Pausiert nicht, ich bitt euch, solang es noch geht. Drückt sester die Mädchen ans klapsende Herz, Ihr wißt, wie flüchtig ist Jugend und Scherz. Laßt fern von uns Zanken und Eifersucht sein Und nimmer die Stunden mit Grillen entweihn. Dem Schutzgeist der Liebe nur gläubig vertraut, Es finbet noch jeber gewiß eine Braut.

Oer Zauberkünstler.

Eine Geschichte von Frank F. Broun.

Der Stationsvorsteher auf bem Brüsseler Norbbahnhos gab schon bas Abfahrtszeichen, als Jens Jensen aus den Bahnsteig gestürzt kam. Em Schassner riß ihm buchstäblich im letzten Augenblick eine Abteilungstür auf, und Jens Jensen stolperte in den Wagen. Er betastete sich; herz­nahe knisterte bie Briestasche; rechts bje Zigarren; in ber Hand die kleine Reisetasche; ber Spazierstock. Er atmete aus unb roanbte sich in ben Wang, schritt an den Abteilen entlang und stellte befriedigt sest, daß dieser frühe Schnellzug nach Köln nicht sehr stark besetzt sei. Er wählte das Abteil gleich hinter dem Speisewagen, In dem ein belgischer Leutnant allein faß. Er grüßte und nahm Platz.

Der Leutnant betrachtete ben neuen Mann, bann mußte er gähnen. Jens Jensen lächelte stärker.(Eilt verslucht srüher Zug", sagte er. Der Leutnant nickte.Ich muß heute abend in Köln austreten", fuhr Jens Jensen fort,in einem Barietä, wenn es Sie interessiert; für mich gab es keine andere Möglichkeit".Glauben Sie, Ich reise zu meinem Ber- gnügen zu solcher Zelt? Ich muß morgen srüh in Warschau fein."

Sie blieben allein. Sie langweilten sich. Es gab noch keine Morgen­zeltungen. Die Langeweile wuchs sich zur Beklemmung aus. Jens Jensen entschloß sich; er erzählte Anekdoten und warb um 'Beifall. Der Leut­nant taute sachte auf. Diefer Zivilist schien ihm nicht dumm; vielleicht ein gutbezahlter, gesuchter Künstler? Man erfuhr nicht viel aus dieser anderen Welt. Er gab sein Lächeln bei, erzählte selbst. Kurz hinter Lüttich mußten sie voneinander Namen und Berus. Der Leutnant staunte. Zauberkünstler", sagte er,ich korrigiere eine vorgefaßte Meinung, ich hatte diese Leute nie für voll genommen" Jens Jensen nickte gutmütig. Es Ist viel Anhub in unserem wie in jedem Berus", sagte er.

Zaubern Sic einmal", meinte der Leutnant lachend,zaubern Sie mir Ihre Briestasche unter meinen Wassenrock ober machen Sic, baß statt bes Säbels Ihr Svazlerstvck an meiner Seite hängt."

Das kann ich nicht , geftanb Jens Jensen.Zaubern ist bekanntlich nicht Hexerei, sonbern Fingerfertigkeit. Aber wenn Sie ben umgekehrten Beweis fordern: stecken Sie meine Brieftasche ein, ober nein, bie benötige ich in Herbestahl bei ber Kontrolle, stecken Sie meine Zigar­rentasche ein, nehmen Sie, ja; tun Sic sie unter den Wassenrock, knöpfen Sic zu. So. Bor Köln will ich sie vor Ihren Augen aus meiner eigenen Brusttasche holen und Ihnen aufweisen."

Der Leutnant strich ben nebelgrauen Rock glatt und schloß die letzten Knöpfe.Das dürste unmöglich sein", sagte er,fünf Knöpfe tnüffen Sie öffnen, um bis in die Innentasche zu gelangen. Unb bas fotzte ich nicht merken?"

Sie merken nichts", versicherte Jens Jensen; bann erzählte er eine verblüffenbe Geschichte von einer Dame, ber er bie Ohrringe auf ber Bühne ausgehakt hatte und die .. Aber er kam nicht zu Ende. Der Zug fuhr langsam unb hielt halb ganz. Die Grenze war erreicht. Jens Jen­sen nahm seine Handtasche.Ich muß hinüber zur Paß- unb Zoll­kontrolle. Sie bürfen als Militär sitzen bleiben. Glücklicher." Der Leut­nant sah ihm lächelnb nach. Er beugte sich tzum Fenster hinaus, betrach­tete die Mcnschenschlange vor ben Amtsgebäuden, sah auch bie Bamtcn kommen, bie ben Zug rcuibierten. Sie grüßten, betrachteten kurz bas Abteil unb ber Führer sagte:Gepäck, Herr Leutnant?"Reift separat." Der Grenzossizicr sah in ben Pas, unb salutierte.Gesandtschaft , sagte er unb ging mit den Zöllnern hinaus. Da plötzlich kam dem Leutnant die Idee, diesem Zauberkünstler einen kleinen Streich zu spielen. Er griff in bie Brusttafche, entnahm dem Zigarrenetui das Ihm anver- (raut war, eine Zigarre unb ziinbete fle hastig an. In bas leere Fach, neben die vier anderen Zigarren legte er ein Zettelchen, was sollte er daraus schreiben, irgendeinen Scherz. Wir zaubern selbst, schrieb er. Dann brachte er das Etui wieder In ber Brufttasche unter.

Jens Jensen tarn zurück. Er schien ein bißchen mitgenommen. Schweiß stand ihm auf der Stirn Er fehle seine Handtasche in das Gepäcknetz, tastete über (einen Spazierstock, ber da lag und nahm Platz.

Menschen Hefen brausten am Zug entlang. Beamte riefen sich ab­gerissene Worte zu; Polizisten ftanben bereit.Dav bauert Ja ewig", oerzwetselte Jens Jensen,ist benn etwas geschehen?"

Was soll denn geschehen sein? Beamte find niemals Zauberkünstler.

Ja, das find nette Sprüche", sagte Jens Jensen unb saß horchenb, horchte nach innen mit verkniffenen Auacn. Endlich fuhr der Zug an. Die Räder knirschten, ein Pslfs gellte auf. Jens Jensen atmete auf und sand ein Lächeln.Ich reife nun schon so viele Jahre, aber immer bin ich bei Grcnzilbcrschreitungcn nervös. Die Zollbeamten vermuten hinter mellten kleinen Scherzapparaten jedesmal Höllenmaschinen." Der Leut­nant blies Ihm den Ranch der Zigarre mitten Ins Gesicht Sic schmeckte Ihm nicht, er beschloß, sie wcgzulegen, aber er sagte erst noch:Ver­gessen Sie Ihre Zigarren nicht bei mir." Sein Lachen, harmloser Spott, mochte Jens Jensen stutzig. Er sah dem Leutnant aus den Mund. Diese Zigarre, sehr dunkel, mit der Leibbinde ..., seine Gedanken überschlugen sich; er erschrak zutiefst. An der Leibbinde erkannte er seine Zigarre.

Er starrte zu Boden. Ihm war heiß geworden, wahrhaftig sehr Heist.(Jicftaltcn Sie einen Augenblick", bat er unb öffnete bas Fenster. Der Zug suhr wohl gerade eine Kurve, Jens Jensen jedenfalls verlor die 'Balance und stolperte. Er wollte sich noch sesthalten, aber er griff