Boden der Heimat quillt

blieben auch fortgesetzten Angriffen gegenüber siegreich, weil sie mit ihrer Heimat aufs innigste verbunden waren: die Schweizer, die Dithmarscher.

Diese geschichtliche Wahrheit mutz in allen Deutschen der Jetztzeit den Willen stärken, wieder mehr mit dem Heimatboden zu verwachsen, seine Tier- und Pflanzenwelt, seine Berge und Täler, seine Walder, seine Geschichte und Kultur immer besser kennen und verstehen und damit mehr lieben zu lernen, damit wir allesamt den mächtigen Auftrieb deutschen Wesens, den die beiden letzten Jahre dem ganzen Deutschtum des In- und Auslandes brachten, mit immer größerem (Erfolge unterstützen können.

Keine Nahrungsquelle ist sicherer und fördernder als die, die aus dem Boden der Heimat quillt und Kraft und Freude bringt für Körper und

Zwei (Ströme.

Don Ina Seidel.

Feierlichkeit der großen Strombegegnung!

Wenn Fluß in Fluß drängt und sich strudelnd mischt, Bis einer sich des Unterganges Segnung Stumm hingibt und im Größeren erlischt.

Daß seine Wasser, Lava und Basalt, Im Gletschergrün der mächtigeren Flut Verschmelzen, und nun einig, Blut in Blut, Ein neuer Strom ein Sohn von hier an wallt.

Der deutsche Mensch und die Heimat.

Von A. Kneipp, Gießen.

Die Vöglein im Walde, Die sangen so wunderschön: In der Heimat, in der Heimat, Da gibt's ein Wiedersehn!

So sang das seldgraue Heer mehr als vier Jahre lang und schützte die Heimat vor feindlichem Einbruch. Die Heimat! Die Heimat!

Nicht jeder, der über den Heimatboden schreitet, gehört damit auch ganz zu ihm; er muß mit ihm verwurzelt sein. Erst die Verwurzelung gibt die echte Liebe zu ihm und zu den Menschen, die an dieser Verwurzelung teichaben. Die Heimat ist gleichsam ein großes lebendes Wesen, besten Blutstrom alle durchflutet, die mit ihm verwachsen sind, das sie anregt und stärkt. Mächtige germanische Völker des Altertums, die Goten und Vandalen, gingen unter, weil sie in fremdes Land kamen und hier den Kampf um Leben oder Tod ausnehmen mußten, ohne dort verwurzelt zu sein.

Kleine germanische Stämme boten übermächtigen Feinden Trotz und

Geist.

Eine Sage aus der Götterlehre der Griechen liefert dazu ein deut­liches Bild:Der Riese Antäos, dessen Mutter nach dem Glauben der Alten die Erde war, stand im schwerem Ringkampse mit Herakles, dem Sohne des Zeus, des obersten Gottes der Griechen. Es gelang Herakles mehrmals, Antäos niederzuringen; aber immer, wenn dieser bei seiner Niederwerfung die Erde, seine Mutter, inniger berührte, stärkte sie ihn, so daß er sich erneut seines Gegners erwehren konnte, bis Herakles die Hilfe, die Antäos von der Mutter Erde empfing, erkannte, mit seinen gewaltigen Armen den Erdensohn vom Boden hochriß und ihn so, entfernt von seiner Mutter, in der Luft erwürgte."

Wer sich vom Heimatboden völlig löst, stirbt der Heimat ab, stirbt.

Die obenerwähnten großen germanischen Volksstämme (Vandalen, Ost- und Westgoten) überrannten bei ihrem 'Vorwärtsdrängen gewaltige Ge­biete des Römerreiches und gewannen sie für sich. Sie gaben aber dabei die Bindung an die altgermanische Heimat und ihre dortigen Volks­genossen auf. Sie verloren damit den Schutz und die Unterstützung durch die Heimaterde und gingen unter. Wertvollstes deutsches Blut ging damals dem Deutschtum für alle Zeiten verloren.

Das Wissen von diesem Tatsächlichen mutz uns veranlassen, alle die, die heute deutschen Blutes sind, dem Deutschtum zu erhalten, sie immer wieder in der Heimat zu verwurzeln, selbst wenn sie weit draußen >m Ausland sich angefiebelt haben; denn:Wir Deutschen alle lieben das Land der Väter, darin wir geboren sind, dessen Sprache wir sprechen, dessen Luft wir atmen, dessen Teil wir sind gleich Baum und Strcmch, Wald und Wiese, Vogel und Fisch. Wir lieben das Vo k dessen Blut unser Blut und unserer Frauen Blut und unserer Eltern Blut und unserer Kinder Blut ist, das denkt wie wir, das empfinbet rote mir, von bem rotr uns nur lösen lassen burch Zwang, unb nach bem wir, wenn von ihm getrennt, immer unb immer Heimweh behalten , schreibt ® rt mm in seinem großen WerkeVolk ohne Raum . Unb em Mecklenburger Bauer, ber etliche Jahrzehnte vor bem Weltkriege als Neunzehniahriger nach ben Vereinigten Staaten von Nordamerika auswanderte, schrieb vor dem Kriege*:Wir tragen alle etwas Erde aus unserem Heimatdorf an den Stieseln mit uns ins fremde Land. Das macht unfern Gang in der Fremde nicht leichter, aber ich möchte die Heimaterde an den Stiefeln nicht misten, denn mit das Beste in meinem Leben ist doch die alte Heimat." Und nach dem Kriege schreibt er: ®tr hier (m ben Ber» einigten Staaten) glauben nicht, bah es mit ber Auswanderung nach hier wieder in Ordnung kommt. Es tut uns leib. Da gingen >mmer durch Auswanberer viele alte gäben unb Stricke hinüber unb herüber Da brachte beinahe jeher Sommer Grüße aus ber Heimat Unb bas alles hat der Krieg zerrissen. Der Friede wird es auch wohl nicht »'^er fünfen Die Sehnsucht nach deutscher Art, das Heimweh nach deutschem Boden ist in all diesen Ausländsdeutschen beim einen mehr, beim andern weniger vorhanden. Aber es ist da! Und an uns ist es, die noch vorhandenen Fäden und Stricke" nicht zerreißen zu lassen; da aber, wo s" Zerrissen sind, ohne Unterlaß zu versuchen, sie wieder anZuknupsen, damit ine Heimatbinbung wieber werbe unb bleibe, bannt Fisches Blut " ) wieber wie zur Zeit ber Völkerwanberung ber Vernichtung verfalle.

* NachJürnjakob Swehn, ber Amerikafahrer" von I. G i l l h o f f.

Der Schriftsteller Adam Müller-Guttenbrunn, der Schwade» abkömmling im Banat (an ber unteren Theih unb ber Donau, im heutig« Subflawien unb in Rumänien), roo Tausende und aber Tausende Deutsch» heute noch deutsche Sitte und Sprache hochhalten, hat eines seiner schönst« Bücher überschrieben:Die Glocken der Heimat." Unsere deutsch« Glocken läuten heute noch wie vor 150 unb 200 Jahren ben Banater Schwaben ins Lanb hinein unb bringen Beglückung unb Erbauung. Das beutsche Bolt aber muß auch bie Klänge der Glocken ber Kirchen be» Banats unb ber anberen deutschen Kirchen im Ausland zu sich herüdev- klingen lassen. Es darf nicht müde werden, sich mit Wort und Tat immer wieder der Brüder unb Schwestern jenseits ber sogenannten Reichsgrenze» ju. erinnern, bamit sich niebie Heimaterde völlig von ihren Stiefeln löse".

Alles was deutsche Bolkskunde, Naturkunde, Baukunde, Kunst und Geschichte uns aus dem Bolksleben der Vergangenheit zeigen, führt uns ein Bild der Entwicklung bis zu unseren Tagen vor, zeigt uns, daß die deutsche Heimat bei all ihrer Wandlung von der ältesten Zeit bis auf uns eine Einheit darstellt, die auf uns kraft- und freudefpendend zu wirke» vermag. Wirken aber kann nur etwas, was lebt. Was aber lebt, ist ein Organismus, unb ein solcher wieber beruht auf der lieberem,timmung aller seiner Teile. Soll deshalb die Heimat gesundend und kräftigend wirken können, so mutz sie unversehrt sein. Das erfordert Heimatfchutz und damit Naturschutz in weitgehendstem Maße. Konrad Guenther jagt in seiner Heimatlehre:Die Tiere und Pflanzen unseres Landes sind nicht zufällig zusammengeworfene Dinge, sondern sind auf bas Kunstvollste eingepaßt in die Natur wie die Mosaiksteine in ein Mosaikbild". In dieses Mosaikbild gehört auch ber beutsche Mensch. Er muß sich harmonisch eingliebern in den Dienst des deutschen Seins und Werdens. Er mutz in sich und andern die Freude an ber Natur stärken, bas Leib in ihr minbern helfen. Ehrfurcht vor allem, was lebt, Ehrfurcht vor jebem Tier, jeber Pflanze muh stets in uns rege sein, benn Pflanze unb Tier sind Wunder, die keine Technik nachmachen kann. Jedes Tier und jede Pflanze ist in unserem Lande von Bedeutung. Wenn es die Verhältnisse erfordern, jo mutz selbstverständlich die Zahl mancher Tiere oder Pflanzen hier und da eingedämmt werden durch Menschen, die etwas von dieser Notwendig­keit wissen und verstehen, aber gänzlich ausrotten sollte man sie nie. Die Ehrfurcht vor allem, was lebt, fördert die Ehrfurcht vor dem, der das Leben gibt. Deshalb ist sie eine Grundlage der Religion. Ihr folgt von selbst die Liede zu allen Lebewesen, der Grundlage des Christentums. Hüte deshalb jeder [eine Heimatnatur mit Liebe, damit sie ihm Siebe zurückgebe!

Beim Kaiser von Abessinien zu Gaft.

Von Paul Lieberenz.

Die Augen der ganzen Welt sind auf die Vorgänge gerichtet, die sich gegenwärtig im Reiche des Negus Negerti abfpielen. Das im Verlag Reimar Hobbing GmbH., Berlin, erschienene BuchDas Rätsel Abessinien" von Paul Lieber enz, dem langjährigen Begleiter Sven Hedins auf feinen Reifen durch Jnnerasien, vermittelt ein anschauliches Bild von den Verhältnissen in diesem Lande, bas für uns noch immer un« burchbringlichster Orient ist.

Früher, als wir erwartet hatten, ließ uns ber Herrscher Äthiopiens zu sich rufen. In tabellofer Strafjentleibung rytit blankgeputzten Stiefeln zogen wir hoch zu Roß zum Gibbi. Der Kaiser hat sich in einen großen Park ein hübsches Haus mittlerer Größe bauen lasten. Auch biefes Gibbi ist, wie alle Wohnsitze ber Großen bes ßanbes, durch eine seste Mauer, die in großem Umkreis sämtliche zum Besitz gehörenden Beamtenhäuser, Wirtschajlsgebäude und Wachhäuser umschließt, gesichert. Am äußeren Tor stehen Wachposten, und ein Ossizier führte uns zum Tor ber inneren Mauer, bie bie eigentlichen Wohngebäube bes Herrschers umschließt. Hier nahm uns ein Hofmeister in kleidsamer abessinischer Tracht in Empfang und geleitete uns die Treppen zum Palast hinauf, wo er uns einem anderen Würdenträger übergab. Dieser endlich bat uns in bas einfach, aber geschmackvoll eingerichtete Wartezimmer einzutreten, wo er bebauernb etflärte, bah ber Kaiser noch nicht anroefenb fei unb wir boch etwas war­ten möchten. Nach einer Biertelftunbe rollte ein Fordwagen vor bas Haus, aus bem ein schmaler, mittelgroßer Mann in ber einfachen ßanbes« tracht Selassi I., gefolgt von einem gleidjgetleibeten Begleiter, stieg. Der Kaiser hat zwar von bem italienischen König einen rounberbaren Fiat-Wagen zum Geschenk erhalten, jeboch benutzt er meistens einen bescheidenen Fordwagen. Kurz darauf öffnete sich unsere Tür und mit einer tiefen Verbeugung geleitete uns ber Diener in ben Empfangsraum, wo Selassi I., auf einem thronartigen Sessel sitzend, uns erwartete. Der uns bealeitenöe Abessinier wars sich auf den Boden, erhob sich aber auf einen Wink des Herrschers und stellte uns vor. Freundlich unb liebens» roürbig begrüßte uns ber Kaiser unb sagte jedem von uns in französischer Sprache, die er ausgezeichnet beherrscht, einige ßiebensroürbigteiten. Zu­nächst ging es jedoch noch sehr ofsiziell zu. Die Unterhaltung vollzog sich nie direkt, sondern nur über den Dolmetscher hinweg, der das Gesagte in aethivpijcher Sprache roeitergab. Ein kurzer Vortrag gab dem Kaiser, der selbstverständlich schon über uns informiert war. Zweck unb Ziel unserer Reise bekannt unb enbete mit ber Bitte, biete Expedition zu unterstützen. Nachdem noch über jeden einzelnen Teilnehmer der Expedition ein kurzer Bericht gegeben war, schien die trennende zeremonielle Eisdecke zu schmelzen. Der Kaiser klatschte kurz in bie Hände, und wie aus der Erde gewachsen standen weißgekleidete Diener da, die uns Gästen sofort Back­werk, ßikör und den in Abessinien unvermeidlichen französischen Sekt anboten. Dann sprach der Herrscher direkt mit uns, während der Dol­metscher stumm und ehrerbietig im Hintergrund stand; bald wurde aber auch dieser mit einer kurzen Handbewegung entlassen. Wieder warf er sich auf die Erde und entfernte sich dann mit tiefer Verbeugung. Als wir nun mit bem Kaiser allein waren, nahm bas Gespräch einen persönlichen Charakter an. lieber eine Stunbe unterhielten wir uns über viele Dinge, bie uns bie Vielseitigkeit bes Kaisers erkennen ließen, bann wurden wir