Eichener ZamilieiibMer
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Zahrgang 1935 Zreitag, den 24. Mai Nummer 40
daß als
erregend den Rücken hinab.
„Komm doch näher!" rief gestreckten Hand die Tiere in inb zahm wie Lämmer. Hast „Nein!" anwortete Mira deranzutreten.
..... „„„ , j, ohne Zweifel und Zögern ...!
Er atmete schwer und fast keuchend. „Ncktürlich wird sich das finden! viederholte er nach einer Weile und setzte hinzu: „Billy wird dafür brgen ..."
Thiele ihr zu, während er mit der aus- Schach hielt, ohne sie zu berühren. „Sie du wirklich Angst vor ihnen?
böse und zwang sich, ganz nahe an sie
„Wer ist Billy?"
Die nüchterne Frage schien ihn aus seinem Traum zu wecken. „Cm lieber und guter Mensch, der nur den Fehler hat, auch Theater spielen m wollen, obgleich sie für alles andere viel mehr Talent hat und Iie mir hilft, wo sie kann!"
„Weil sie in dich verliebt ist?"
Nein ... vielleicht ... Ich weiß es nicht ... Warum sagst du das, Nira^"
Er konnte ihre Augen nicht sehen, als sie antwortete: „Ich bin nicht "^Aber^jetzi weiß ich wieder, was ich hier wollte!" rief er plötzlich
Sie blieb also bei ihm diese Nacht? Bot ihm sich selbst und diese flacht als ein selbstverständliches, kostbares, großartiges Geschenk — mit iin paar einfachen Worten? — Oder bargen sie nur den anderen, un- icrsönlichen Sinn? — Großer Gott, warum zweifelte er und deutelte :n diesen Worten herum? Hing sie nicht zärtlich an seinem Arm, hin- legeben, träumend wie er und stumm, nachdem alles gesagt war? War Iie ihm nicht gefolgt aus der Stadt, in der Nacht, bis hierher, und leichte ihm jetzt freiwillig das Letzte, von dem er an diesem so über- leichen Tag geträumt hatte? — Jeder Traum ging in Erfüllung. 2er höchste Gipfel war erstiegen, und alles, was vor einem Jahr roch als unauflösbarer Schatten zwischen ihnen gestanden hatte, selbst in den schönsten Stunden, war ausgelöscht und verschwunden. Sie gehörte zu ihm und sprach es selbst aus, ohne Zweifel und Zögern ...!
ut, daß Du da bist
ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR
lopyright 1933 by August Scherl G. m. b. «5V Berlin
(Fortsetzung.)
„Es werden sich doch in deinem Gasthof noch zwei Zimmer finden ässen für mich "und Aenne?" sagte sie mit unwillkürlich gedämpfter Stimme, die ihm sofort ins Blut drang und ihn aufwühlte. „Ich mag ücht mehr eine Stunde am Steuer sitzen in der Nacht. Es ist reichlich bät — oder besser: srüh!" fügte sie nach einer kleinen Pause hinzu.
„Sicherlich gibt es droben ein Zimmer für dich!" murmelte er und :ing wie im Traum weiter, wandte sich nach links und folgte einem jchmaleren Weg, der in einiger Entfernung an der Hinteren Front jles. Hauses entlangführte.
laut und verändert. v . ,. ..
„Ich wollte dir meine Lieblinge zeigen. Pitt und Fox. Die hatte ich tcimals noch nicht. — Komm! — Da stehen sie schon und zittern vor Aufregung am ganzen Leib." .
Sie hatten sich der Garage genähert. Dicht davor standen zwei nächtige, unbewegliche Schatten, phosphoreszierten Zwei Paar Augen in der Dunkelheit. Und jetzt, beim lauten Klang von Ludwigs Stimme, drach ein Höllenlärm los, so daß Mira, blaß vor Schrecken, ein paar "^Di^Hunde^sti^en an einer langen stählernen Kette, die sich an einem Enbe spaltete und sie dicht nebeneinander festhie t. Als Thiele E chmn ° ngekommen war, sprangen sie mit wilden, h^'st^en Lauten gegensei g «eg und tanzten um ihn herum, wie besessen vor Freude, und das Surren !er langen Kette verstärkte noch diesen tollen Lärm. ,, h hi
„Ruhe!" brüllte Thiele. Auf das schrille Kommando ftanben d e toben Tiere wieder wie angewurzelt. Nur ihre sanken wogten wie Blasebälge, und ihre dünnen, harten Schwänze schlugen zuckend hm " Die^Nacht vergrößerte ihre hochbeinigen, gefleckten Umrisse, so Mira sie zuerst für gefangene Tiger hielt und sie erst am6 Doggen erkannte. Doch auch jetzt noch lies ihr em Angstschau h -3
Sic beiden Doggen ließen ein leises, gefährliches gurren Horen.
„Aber ich mag sie nicht, und sie mögen mich auch nicht, fugte sie hinzu und wandte lief) ab. o
„Unsinn!" lachte Thiele und kommandierte: „Legt euch.
Nur widerstrebend folgten die Tiere dem Befehl und legten sich lang vor Miras Füße, bereit, im nächsten Augenblick wieder aufzuspringen.
Da faßte Mira Thieles Arm, zog ihn zurück in die schwarzen Schatten des Hauses und warf sich ihm plötzlich an den Hals. Ihre Lippen suchten einen Mund und saugten sich daran fest in einem langen, fiebrigen Kuß. Er umfaßte sie und hob ihre schlanke Gestalt mit dem einen Arm vom Boden hoch, hielt sie an seine Brust gepreßt und wankte unter der Last und seiner eigenen Erregung.
16.
festhielt, merkte er, daß irf.
darüber zu sagen." .
„Sagen Sie mir ruhig, daß ich völlig talentlos binl Mrr tut das nicht mehr weh. Ich habe es eingesehen, gerade heute, und gerade weil die andere, die Adelheid, auch nicht viel mehr kann, nur viel besser aussieht und eine große Routine hat. Die werde ich nie bekommen — die Routine meine ich." ,
„Mach dir keine Sorgen, Kind! Es wird schon gehen. Du bist mehr wert als die meisten, die bei uns herumwimmeln. Jetzt kann ich dir noch viel mehr Helsen als bisher. Das werd' ich auch tun."
„Nein, Ludwig! Gerade das ist es, was ich Ihnen heute sagen wollte: Sie sollen gar nichts mehr für mich tun am Theater. Ich mag nicht mehr, und ich kann nicht mehr."
, Das wird sich wieder geben, Billy."
„Ich glaube nicht. Ich will weg, fort und etwas anderes anfangen — etwas, was ich wirklich kann."
„Was ist denn das?"
„Das weiß ich noch nicht."
Ich will dir was sagen, Billy! Ludwig lachte.
"Laß mal vorläufig alles so, wie es ist. Ich versteh' dich — glaub mir! Und ich hab' auch schon eine Idee." Er schob seinen Arm unter den ihren und ging ein paar Schritte auf die Tür zu. Dicht davor blieb er noch einmal stehen und sagte: „Du bleibst einfach bei uns. Lisa und ich werden ja nun bald das Haus haben da drüben. Du kennst es. Dort werden wir dich noch viel mehr brauchen als hier. Ich habe sowieso ein schlechtes Gewissen dir gegenüber. Du opferst dich für uns auf. Aber das wird anders werden. Verlaß dich darauf, Billy! Und Geld habe ich bann viel mehr, als wir brauchen."
Wenn ich Sie nicht so lange und so gut kennen wurde, mußte ich Ihnen das Übelnehmen!" antwortete sie mit einem Lächeln, das sie auffallend verschönte. , , ,, ..
Quatsch, Billy! Du verstehst mich schon richtig, auch wenn ich mich nicht richtig ausdrücke. — Abgemacht: Du bleibst bei uns! — Hast du Frau von Alten gesehen?" v s r .. .„
Sie ging soeben hier vorbei und in den Saal zuruck. ,
^Willst du mir einen Gefallen tun?'
Reden Sie schon, Ludwig!"
"Sie sagte mir, daß es ihr zu beschwerlich sei, jetzt in die Stadt zurückzufahren. Laß doch für sie und ihre Kusine — ine Lange, Magere, weißt du — droben zwei Zimmer Herrichten!"
Aus der Terrasse stand ein junges, unschönes Mädchen in einfachem, billigem Seidenkleid und spähte in den Garten hinaus. Sie mochte fünfundzwanzig Jahre alt fein und befaß eine lange, sehnige Gestalt, die nur ein wenig zu mager war. In ihrem unregelmäßigen Gesicht mit der zu hohen Stirn und der zu kurzen Nase fielen allein die Augen auf: in einem fleckenlosen ovalen Weiß große, dunkel schimmernde Pupillen, die im allgemeinen voll Güte und stiller, beherrschter Schwärmerei blickten, jetzt aber von einer bekümmerten Spannung erfüllt waren.
Mira war an ihr vorbeigeeilt, ohne von ihr Notiz zu nehmen. Als jetzt auch Thieles Gestalt aus der Dunkelheit austauchte, machte das Mädchen eine rasche Bewegung, als wollte sie unbemerkt in den Saal zurück. Doch Thiele hatte sie schon entdeckt, fuhr sich, wie erwachend, über die Stirn und faßte sie am Arm.
„Was tust du hier, Billy ...? Ich glaube gar, du spionierst mir nach?" fragte er in einem übertrieben barschen Ton.
Sie hatte Mühe, die Tränen zurückzuhalten, die ihr jäh in die Augen schossen. Am Zittern ihrer Hand, die er festhielt, merkte er, daß er viel zu weit gegangen war mit seinem Vorwurf.
„Verzeih ...!" sagte er leise, ließ die Hand los und strich ihr sanft über die braunen Haare. „Ich weiß ja, daß das nicht der Fall ist. Ich bin etwas betrunken. Sogar mehr, als ich zugebe ... Außerdem habe ich dir noch zu danken. Lisa hat mir gesagt, daß du es warst, die den Tisch so schön hergerichtet hat."
„Nicht der Rede wert, Ludwig. Ich habe ihr nur ein wenig geholfen.
„Das kenne ich bei dir. — Und dann: du warst wirklich sehr nett heute abend als Zofe in deiner Szene mit Adelheid.
„Das habe ich nur Ihnen zu verdanken, Ludwig. — Uebrigens weiß ich genau, was mir fehlt!" antwortete sie rasch und sah ihn mit ihren großen, dunklen Augen offen an so daß er auswich.
„So, so ... Das weiß du, Billy? Dann brauche ich dir ja nichts mehr


