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^o^Auf^dem^ Tisch liegt ein Zettel in Medizinerschrift. Vom Vater. Zu einem riesigen Strauß Rosen.
„Herzlich willkommen bei Euch!" hat er geschrieben. _ Barbara hängt lachend an Alfreds Hais: „Her. ,
lebend dich geliebtl
starben; doch sie blieben Erden wesenlos, allen ihren Lieben Tod bk Augen schloß. •
lematfif und einen noch viel längeren haben sie vor sich. Sie wissen nun,
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wird nicht jedesmal angerufen. Es haben sich schon Menschen auf immer verirrt, die ebenso schön und ebenso stark waren rote Barbara und
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sahren kreuz und quer durch den Wald. Es wird langsam dunkel, noch ehe die Dämmerung einfäUt. Sie können noch gerade in ein Aorslyaus flächten. Sie sitzen mit der Försterssamilie um einen runden Tisch. Die Frau, eine derbe, runde Frau, hat entsetzliche Gewitterangst. Bei jedem Blitz zuckt sie zusammen, und bei jedem Donner wirft sie sich ihrem Mann an die Brust, und die beiden Kinder, fünf und sechs Jahre alt haben sich wieder im Schoß der Mutter versteckt. Der Forster raucht behaglich eine Pfeife, er umdainpft seine verängstigte Familie. „Bei Gewitter", sagt er, „lieben sie mich alle. Bei klarem Himmel ist es nicht
Indessen du dich herzlich In Lebenslust versenkst, Wie sehnen sie sich schmerzlich, Daß ihrer du gedenkst!
Sie nahen dir in Liebe, Allein du fühlst es nicht; Sie schaun dich an so trübe, Du aber siehst es nicht.
Die Brücke ist zerfallen; Nun mühen sie sich bang. Ein Liebeswort zu lallen, Das nie hinüberdrang.
In ihrem Schattenleben
Quält eins sie gar zu sehr: Ihr Herz will dir vergeben, Ihr Mund vermag's nicht mehr.
O bleibe treu den Toten, Die lebend du betrübt;
O bleibe treu den Toten, Die lebend dich geliebt!
Sie h^aben also Weimar wiedergesehn, sie haben noch einmal tm Waldhaus übernachtet, und der Pikkolo Franz hat wieder vergnügte und dann wieder traurige Ohren bekommen, sie haben den Bach wieder- qesehn in dem sie zum erstenmal miteinander gebadet haben, und nun an einem Abend, Ende Juli, sahren sie nach Hause. Die Zimmer sind fertig Die Wohnung wartet, Fräulein von Brettwitz hat eine „Perle gemietet. Sie hat Blumen aufgestellt, ein kaltes Abendessen. Vorräte für den nächsten Tag stehn im Kühlschrank. Es ist alles in Ordnung, wenn man eine Brettwitz beauftragt.
In einem zarten, sanften Regen sahren sie zum Rebstock zurück. Oben am Hang ist Licht, unten im Rebstock ist Musik. Sie telephonieren mit Sophie ob sie noch herauskommen sollen. Aber Sophie lehnt es ab. Sie fürchtet sich nicht. Sie fürchtet sich nur vor dem kommenden Sag Die Verwandten sind schon unterwegs. Sie will die letzte Nacht mit Raut- hammer allein sein und dann abfahren, sobald die andern da sind. Das Begräbnis soll das Vorrecht der Verwandtschaft bleiben.
Meimbergs müssen sogar noch eine halbe Stunde am Galaabend teil« nehmen Körner ist es, der sie überredet. Es wird nicht mehr getanzt. Der Regen nach dem Gewitter macht alle gelöst und müde. Sie sitzen zusammen und trinken Bowle. Der Globetrotter berichtet, daß dieser Herr von gestern abend, der doch noch ganz munter war und ganz geistreich, urplötzlich gestorben ist. „So ist das Leben", sagt er. Man spricht über Rauthammer. Geriete berichtet noch einmal über seine Gedanken von Wang Tao, der Selbstbemeisterung und den Lehren der Weisen. Es gibt, so stellt er fest, keinerlei Aussicht, so etwas jemals auf dieser Welt zu verwirklichen. Und es findet sich niemand, der widerspricht.
Barbara aber denkt: Vielleicht hat er recht, dieser Geriete, vielleicht aber hat auch Rauthammer recht gehabt, und man kann es nur nicht auf einmal verwirklichen. Die Lehren der Weisen ... wahrscheinlich sind das gar nicht so ferne und unbegreifliche Dinge, sondern die einfachsten, alltäglichen Dinge, die nur noch immer niemand kann. Es scheint ihr auf alle Fälle, daß man an die Verwirklichung der Letzten Dinge nicht herankommt, ehe man nicht die nächsten Dinge in Ordnung gebracht hat. Es wird also ihre Aufgabe sein, das Nächstliegende zu tun. Sie wird sich mit dem Menschen, den sie liebt, mit Alfred Meimberg, verständigen, sie wird ihn so warm und so klar lieben, daß ihre Wärme aus Alfred über» strahlt und alle seine Kräfte aufblühen und reifen.
Das erkennt sie. Und das sagt sie nachher in der Holzhütte zu Meimberg Jeder liegt in seinem Bett. Es ist dunkel, manchmal flattert noch ein Nachschein des Gewitters durchs Zimmer. Der Regen rauscht gleichförmig. Der Fluß beginnt wieder zu rufen und zu reden. Er rennt unablässig, geduldig, er verrinnt und verrinnt nicht. Denn wieder und wieder, unerschöpflich kommt Wasser aus den Wäldern geflossen.
„Liebe Barbara , sagt Meimberg ins Dunkle.
„Liebe Barbara, wie bin ich glücklich über dich!"
22.
Unfere beiden aber fahren gerade wieder über die Brücke in Potsdam. Da muh doch, ja, da muß doch der Mond stehn. Aber diesmal rückwärts über der rechten Schulter. Ja, da ist er.
„Der Mond ist wieder da", sagt Barbara, „er hat uns nach vier Wochen wiedergefunden." m ... s
Alfred muß das Auto anhalten. Sie geht wieder zum Brückengeländer.
Wieder fährt ein Dampfer. Die Bootslichter schaukeln. Alles wie damals. Und sie knickst wieder, wie es sich gehört, dreimal, und sie wünscht sich wieder dasselbe wie vor vier Wochen: den Frieden einer glücklichen Ehe, zwei Kinder, und daß sie das Herrische und Wilde der Mutier ausgleichen kann. Daß sie ihr Leben vollenden darf und nicht, wie Rauthammer, es unfertig abbrechen muh.
Sie nimmt noch schnell eine Rose, die sie im Gürtel stecken Hat - Alfred hat sie ihr geschenkt —, nimmt sie und wirst sie ins Wasser. Für men? Für die Mutter, für Rauthammer, für die Schatten aller Toten und aller Erinnerungen. Es ist der letzte Gruß an ihr altes Leben, bevor sie ihr neues Leben wirklich beginnt.
Als sie ins Auto steigt, fragt Alfred sie wieder wie damals, was sie sich gewünscht hat. Eigentlich, er weih es, darf sie es nicht jagen, aber vielleicht ist es doch erlaubt, dah sie es ihm sagt, da sie doch einander so nahegekommen sind. , ....
„Ja", sagt Barbara, „ich will es dir sagen. Den Frieden einer glücklichen Ehe, dah wir unser Leben richtig zu Ende führen, und ein Mädchen wie dich und einen Jungen wie mich."
„Das Mädchen muß aber so sein wie du", sagt Alfted. „Natürlich genau so rote du. Und der Junge..." „
Er faat nicht, daß er so sein soll wie er. Aber er wünscht sich, daß Barbara es sagt, und so sagt sie es auch: „Der Junge soll so sein, rote du sein wirst." , ..
Bald darauf wird der Himmel Berlins, der schon lange zitronen- farbig von ferne geleuchtet hat, von den Laternen abgelöft, die als Sterne und Mond zugleich über der Straße hängen.
Es ist ein feierlicher Augenblick, als sie vor dem Haus halten, als sie hie Zimmer betreten, in denen sich ihr Schicksal in den nächsten Jahren
Meimbergs sind noch drei Tage geblieben. Barbara hat Rauthammer auf dem Friedhof weit hinter dem Städtchen begraben helfen. Zwei Brüder Rauihammers waren gekommen, ein Postdirektor und ein Fahrradhändler, eine Schwester, die Gattin eines Amtsrichters. Alle dem verstorbenen Rauthammer ganz ähnlich und doch ganz unähnlich. Durchschnittliche Menschen, billige Ausformungen des gleichen Stoffes. An ihnen konnte man erst so recht erkennen, wieviel Karl Rauthammer aus sich und seinem Leben doch gemacht hatte. Sie haben den Bruder mit einigen Tränen begraben, haben sich bei Barbara vielmals bedankt für die Fürsorge und haben der fremden Dame, Sophie Wahnke, die so plötzlich abreiste, nicht viel nachgesragt. Kann man es denn wissen, ob die Fremde nicht vielleicht Ansprüche hat und Rechte geltend macht? Nein, Sophie hat keine Rechte geltend gemacht. Gott sei Dank! lieber alles andere sprechen Geschwister nicht. Es geht sie nichts
Das alles ist also sehr schnell vorbeigegangen. Barbara hatte sich gewünscht, daß Meimberg am Begräbnis teilnahm. Aber er tat es nicht. Er gehörte wohl doch nicht dazu, sand er. Dafür war Körner mitgekommen. Vor allem, um der gnädigen Frau beizustehn. Vielleicht aber auch, weil ihm die Rolle des Trauergastes im Zylinderhut und schön geschnittenen Gehrock gut stand. Es war schließlich feierlich und schön, ein sonniger Tag. Barbara ist am andern Tag noch einmal am Grab gewesen und hat einen Fliederbusch gepflanzt. Rauthammer hatte einmal gesagt, daß in diesem Busch, der aus China stammt, Europa und Asien, die Fülle und die Weite sich vereinen. Das war dann der Abschied, ein guter Abschied, weil er feierlich und heiter zugleich war.
Es kam der Abschied von der kleinen Gericke und ihrem Mann. Frau Gericke hat mit vielen, vielen Tränen durchgesetzt, daß man sich in Berlin treffen wird. Schließlich, der luftige Abschied von Körners. Körner in Glanzform, Körner wieder zweistimmig, Körner in einer Liebeserklärung für Barbara, die zweitbeste Frau der Welt (bie beste ist feine).
Nun find sie schon wieder acht Tage unterwegs. Sie sind noch einmal auf dem Ulmer Münster gewesen, aber ohne Angst und ohne die Schatten von gestern. Sie haben sich lange geküßt. Kein Mensch kam. Die Sonne schien. Das Land war weit und fruchtbar.
Sie sind weitergefahren, langsam von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Sie haben noch volle acht Tage zu verschenken gehabt, und sie haben sie sich geschenkt, Stunde für Stunde am Steuer, indes Barbara ihre Hand aus den lenkenden Arm Meimbergs gelegt hat. Stunde für Stunde in einem Wald, an einem Bach, auf einem Verg, an einem Kornfeld. Sie sind durch das reisende Land gefahren. Ueberaü war die Ernte im Gang. Sie haben in vielen Hotels geschlafen und sind zuletzt den Spuren ihrer Hinfahrt gefolgt. Sie wollten gewissermaßen die Schatten der Erinnerung abholen und auf neu polieren. Sie wollten den Schatten ein blutvolleres Leben Vorleben. Sie wollten afmeffen, welchen Weg sie inzwischen gegangen waren, einen weiten Weg, einen schweren Weg, den Weg von der Hochzeit zur Liebe. Einen langen Weg haben sie
bei uns!" *
Der Roman erscheint unter dem Titel „Die Liede, die uns rettet" von Walther von Hollander als Buch im Verlag Scherl Berlin SW 68.
O bleibe treu den Toten!
Von Theodor Storm.
O bleibe treu den Toten, Die lebend du betrübt;
O bleibe treu den Toten,


