Ausgabe 
22.3.1935
 
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Nummer 23

Freitag, den 22. März

Zahrgang 1935

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Die Hochzeitskuh

Roman einer jungen Liebe von Josef Magnus Wehner

Copyright 1 928 by Georg Müller Verlag A.-G., München

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^Unb'ein'anberer brachte schnell eine Stange herbei. Sie banden daran ein Zelttuch in der Art einer Hängematte, legten Bertold hinein und nnhmenrQ^,teen®t°nAb "durch Gestank, Brand und Erdrisse. Die Träger

hatten Offenbar ihre Kraft überschätzt. Als sie kaum eine Viertel­stunde gegangen waren, stürzten sie alle m'tsammen, als eben eine Granate einschlug, vor Schreck und Erschöpfung in ein Riefengranatloch f)'n g^ging sehr langsam vorwärts. Vor jedem ansausenden Geschoß sank die Karawane in die Knie, und die Trager ftecften ihre Nasen in den Staub, während Bertold, am Boden hmschleisend, in unmöglichen 1<1%eqen Morgen kamen sie dennoch in der Totenschlucht an. Der Arzt trat aus feinem Erdloch und musterte Bertold

Bertold wurde erst auf den Boden gelegt und bann in eine Ecke unter einen Erdüberhang getragen. Der Verband, der sehr übel roch, wurde ihm zwar abgenommen, aber weder das Geschoß entfernt noch em dauerhafter Verband angelegt.

Er schenkte den Trägern den Rest von Tabak und Rum, den er noch hatte, schrieb sich ihre Namen auf und sah sich bann rasch um. Entsetzt ^Uf)Um ihn^herum lagen lauter Tote unb solche, bie im letzten Delirium schwebten 'Da ging ihm bie grauenvolle Erkenntnis auf, baß ber Arzt auch ihn zu ben ©terbenben gerechnet hatte. Unb als er sah, rote anbere «errovnbete, bie zugleich mit ihm eingeliefert worden waren, verbunden unb von kräftigen Männern zurückgetragen würben, so blieb ihm kein

(Fortsetzung.)

In der Nacht kamen Bataillonsführer und Feldwebel zu ihm. Sie sotten ihre Sicherheit verloren und suchten neuen Mut bei ihm.

Gegen Mitternacht kam Befehl, am übernächsten Morgen weiter zu Hirmen. Frischer Ersatz rückte an. Die Nacht schlich vorüber, der Vor­mittag in langen Gesprächen, einer schüttete dem anderen seine Ver- «angenheit, aus, es waren nur noch wenige alte Leute bei der Kompanie.

In Bertold wühlte namenloser Schmerz. u s

Da sah er auf einmal das Gesicht des Feldwebels mit Blut bedeckt. Der Feldwebel wischte sich das Blut ab, entdeckte aber keine Wunde. Da beugte sich der Hauptmann über Bertold und rief ihm zu:Mensch, Ichauen Sie Ihr Knie an."

Da sah Bertold herunter. r , . ,.

Seine Hose war zerrissen, das Fleisch an seinem Oberschenkel hing herunter. Das Blut schoß heraus. Der Hauptmann verband ihn. * Während des Verbindens rief er:Sie haben ja noch eine Wunde.

Und Bertold sah in seiner Wade ein großes Loch, darin stak ein vchrapnellzünder in Faustgröhe. Er versuchte ihn herauszuziehen, es ge­lang ihm aber nicht mehr.

Der Hauptmann verband ihn notdürftig, dann kroch Bertold in ein weiter zurückliegendes Granatloch und schlief ein.

Kameraden tarnen zu ihm und wollten ihn em Stuck zurucktragen. Uber da hatte er auf freiem Felde liegen muffen bis ihn bie ©amtater polten. Er sagte beshalb, er wolle hier liegen bleiben. Man gab ihn auf "b^Ät er feinen Gürtel ab und legte Gewehr und Patronen­asche neben sich. Er lehnte sich tief in die Erde zurück; er war >etzt kampfunfähig unb wollte warten, bis es Abend werde, dann wollte er ,ach Douaumont zurückkriechen; er hoffte, wenn er in ber Nacht gut »orroärtstomme, am Morgen in ber Totenschlucht ju.fein, roo der erste Lerbanbsplatz war. Er hatte, wie alle Verwunbeten, ben festen Glauben, !«tzt könne ihm nichts mehr geschehen.

Das Granatloch, in bem er lag, war nicht sehr tief. Aber es tat un- tnblid) wohl, so unter ber Erbe zu liegen. Er horte ben Kanonendonner kaum mehr in feiner Gruft, roch kaum mehr ben schwelenben Branb- ! unb Leichengeruch. Unb wenn bie Erbe von bem zerkrachenben Eisen wankte, bann fühlte er es als leises Schaukeln. Die Sanze West ° ch 3ie Erinnerung würbe ihm unbeutlich unb floh in einem lustoollen Schauer zusammen. Auch' bie Briefe, bie er Po ab genommen unb über fein Herz gesteckt hatte, lagen bort rote em süßes Geheimnis, er wollte sie jetz^t nicht öffnen Die Seligkeit bes Sterbens kam ohne ^S^ve"rbr!Üste^bie Welt über ihm. Nicht weit von ihm schrie ein ©olbat im Tobeskampse. Eine Granate hatte ihm Leid auf gerissen. I ZS mar ein junger Bursche, unb bas Sterben fiel ihm schwer. Bertow Porte ihn Haien9 er müsse jetzt schon fort unb h^e das Leben noch nicht genossen. Mitten in feine Todesschreie aber brach der Jubel ber Lerchen bie sich von keinem Grauen beirren ließen. W.e oft hatte sich Bertold chon an ihnen gefreut. Sie unb ber Sternenhimmel gaben ihm bie Gewähr, baß Gott noch lebenbig sei.

Die einschlagenben Geschosse schmetterten bie Wanbe lemer Hohle z - I lammen. Langsam stieg er so roieber auf bie Oberwelt Er sah die feil ' iamften Rauchgestalten aus ben zersprungenen Granaten steigen, Teu I ielsbilber, häßlich unb unheimlich. Sie umrauschten ihn, aber sem H z war voll Frieben. Dieser Friebe würbe auch nicht zerstört ourw oas | I chamvolle Bewußtsein, baß die Schlacht im ganzen ver oren

baß jetzt Deutschlands Niebergang beginne. So gewiß b.e Lerchen } jubelten unb Orion am Firmament heraufstieg, so gewiß würbe Deu sch

'an2)ileeb5ran3ofen schossen Giftgase. Bertold roch es legte-aber bie Gasmaske nicht an, er wußte, baß es ihm nicht schaben ko ^Douaumont, ber einsame Sarg über ben Hügeln M im Höllen- Pcuer. Als bie Dämmerung herabschlich, richtete sich Bertold auf, um roar, wurde ihm zentnerschwer, und er konnte es nicht hm er sich

ziehen. Als er es mehrmals versucht hatte, gab er die Hoffnung auf. Er dachte, daß er hier wohl sterben müsse.

Aber er wollte nicht auf offener Erde liegen und da grauenvoll ver­wesen. Er griff nach seinem Spaten, grub rechts unb links eine Rinne unb bebetfte sich mit Erbe bis an ben Hals. Mit Gott hatte er langst abgeschlossen: sollte er sterben, bann wollte Gott nichts weiter mehr von ihm, sollte er aber gerettet werben, bann würbe das ein Zeichen fein, baß er noch viel von ihm erwarte.

Unb so lag er. Keine Seele war um ihn.

Die Kräfte verließen ihn. Er hatte feit Wochen fast nichts genossen als Schokolabe, Brot unb Rum.

Ehe ihm bie Sinne schwanben, tauchte bie Heimat, Otto, Erich unb Birge noch einmal aus schmerzlicher Versunkenheit vor ihm auf. Dann warb es still.

Er sah ein großes, blaues Meer und horte die Wellen Himmel rauschen. Und ein blendend weißer Vogel stieg von stäche gegen bie Sonne.

Bertow entschlief.

Als er roieber aufwachte, war es Tag.

Neben ihm kauerten Kameraben im Sturmgepäck, junge, unbekannte Gesichter aus ben Kälbern ber Heimat. Sie spähten in die Ferne auf das Kampfspiel, bie Artillerien rollten unb plötzlich brachen sie los. Ihr Geheul verklang in ben Lüften. ,

So ging es roieber an ben Abenb. Die Wunbe fing an zu riechen. (Befangene Franzosen schwärmten burch bas lobernbe Dunkel unb suchten möglichst schnell aus bem Feuerbereich herauszukommen. fBerrounbete auf Bahren standen um Bertold herum, darunter ein junger Gymnasial­lehrer, der im Delirium französisch sprach.

, Was wollt ihr von mir?" dachte Bertold.

Da geschah wieder ein furchtbarer Donnerschlag. Vier junge Franzosen sprangen zitternd in Bertolds Krater und suchten Deckung vor dem Feuer Sie schienen ihn nicht zu bemerken, schluckten hastig Wein und Milch und zündeten sich mit tanzenden Fingern eine Zigarette an.

Sie sprachen sehr aufgeregt, Bertold hörte, daß sie Studenten waren.

Da gab er sich zu erkennen. Er wünschte ihnen guten Abend.

Die Studenten, die in ihm einen Toten vermutet hatten, fuhren ent­setzt zusammen, aber Bertold überzeugte sie bald, daß er lebendig sei.

Da sprangen sie hoch, begeistert» Einer hob die Hand und schwur, sie würden'Bertold nie verlassen unb ihn zurücktragen, unb wenn es ihr

föiefjenerSamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger