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Doch ziehet mein Verlangen Mich weit von der Erde los" „Heimgehen, seligwerden — o wunderbares Wort.
Hohe dichterische Begabung verbunden mit inniger Wärme des Gefühls und aufrichtiger Herzensfrömmigkeit sichern der Dichterin ein bleibendes Andenken. Strahlend leuchtet ihr Name unter den Poeten des 19. Jahrhunderts. Unvergänglich bleibt besonders ihr tiefstes Lied: „Das Jahr geht still zu Ende".
Nun fei auch still mein Herz! In Gottes treue Hände Leg ich nun Freud und Schmerz, Und was dies Jahr umschlossen. Was Gott der Herr nur weiß: Die Tränen, die geflossen, Die Wunden brennend heiß."
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Hilfe beim Essen getestet zu haben. Schon bei den primitivsten Völkern bat es Messer aus Knochen, wie bet den Eskimos, aus Stein, Muscheln oder Bambus gegeben; man bediente sich ihrer für die festen Speisen, und als Vorlegemesser haben sie auf fast allen Tischen des Mittelalters aeleaen Es war aber noch nicht üblich, ein Messer für jebes Gedeck zu nehmen. Der Löffel war als Eßgerät schon in der europäischen Steinzeit bekannt. In Aegypten gab es bereits 5000 v. Ehr. Löffel aus Holz und Stein; die Griechen benutzten sie nur für die Brühe, wahrend die Romer chon weitergehenden Gebrauch von ihnen machten. In der fränkischen 3eit ist der Löffel nur bei den Vornehmen verbreitet und fand spater auch im deutschen Bürgerhaus Eingang. Von einer allgemeinen Verwendung kann für Deutschland jedoch erst seit dem.16. Jahrhundert gesprochen werden. Der jüngste Tischgenosse des Menschen ist zweifellos die Gabel, und erst sie hat der bisherigen Sitte, bei den Mahlzeiten nut den Fingern in die Schüssel zu fahren, allmählich und endgültig den Garaus gemacht. Der Gabel begegnen wir allerdings auch schon bei Öen Römern und Griechen, aber eigentlich nur zum Herausholen des Fleisches aus dem Topf, zum Anrichten und zum Anstechen. So wurde sie auch bei den Germanen der Völkerwanderung und im frühen Mittelalter gebraucht. Als Eßgerät des Einzelnen ist sie wahrscheinlich erst tm 10. Jahrhundert in Europa aufgetreten und allgemeiner erst vor etwas mehr als zweihundert Jahren verwendet worden. Die erste Erwähnung der Gabel finden wir bei dem asketischen Sittenprediger Petrus D a m i a n i, der in seinem „Liber Gomorgianus gegen Die Weltlichkeit und Fleischeslust seiner Zeit zu Felde zog. Dabei erwähnt er als eines der schlimmsten Zeichen der Verweichlichung den Gebrauch der Gabel beim Essen. Wir verdanken diesem Kirchenvater auch eine wichtige Angabe über die Herkunft der von ihm gehaßten Neuerung. Nach seiner Erzählung soll sich eine byzantinische Prinzessin, die in Venedig tm Jahre 955 den Sohn des damaligen Dogen heiratete, beim Hochzeitsmahl eines kleinen goldenen Gegenstandes bedient haben, mit dem fie auf die reizendste und zierlichste Weise die Speisen zum Munde führte. In der üppigen und verfeinerten Atmosphäre des byzantinischen Kaiserreiches waren die Tischsitten schon damals in einer Welse entwickelt d,e elbft die wohlhabenden Venezianer in Erstaunen setzte und ihren Sinn für Vrachtentfaltung zur Nachahmung reizte. 1360 finden wir die Gabel zwar auch fchon in Florenz erwähnt, aber eine weite Verbreitung war ihr in der mittelalterlichen Kultur nicht vergönnt. VKe sie bereits bei ihrem Auftauchen in Venedig mit Spottgedichten bedacht und als eine schädliche Neuerung hingestellt wurde, so wurde sie besonders von der Geistlichkeit überall als das „zweizinkige Werkzeug des Teufels" ingrimmig verfolgt.
Im 16. Jahrhundert verbreitete sich das neue Tischgerät dann auch in anderen Ländern, löste aber noch überall, wo es zum ersten Male auftrat, die heftigsten Auseinandersetzungen aus. So wie die Einführung der Gabel in dem französischen Kloster Saint-Maur einen leidenschaftlichen Streit zwischen den alten und jungen Mönchen heraufbeschwor, so wurde auch in Deutschland von den Geistlichen gegen sie gepredigt and dazu aufgefordert, die Gaben Gottes mit den Fingern anzufassen, wenn man den Schöpfer nicht beleidigen wolle. In England soll die Gabel zum ersten Male von der Königin Elisabeth benutzt worden fein. Daß bei der bisher üblich gewesenen Art, die Speisen mit den Fingern zum Munde zu bringen, die Reinlichkeit nicht immer zu ihrem Recht kam, beweist ein Buch aus dem 15. Jahrhundert über den „Anstand bei Tisch", in dem das gut erzogene Kind ermahnt wird, sich nicht „mit der nackten Hand, mit der man das Fleisch anfaßt, die Nase zu putzen. Und in der um 1480 verfaßten „Civilite" von Jean Sulpice wird geraten: „Faß das Fleisch nur mit drei Fingern an, ' Steck es nicht mit beiden Händen in den Mund. Laß deine Hand nicht zu lange im Teller. Man wird dich für schlecht erzogen halten, wenn du dir einen unanständigen Teil des Körpers kratzest, bevor du das Fleisch mit den Fingern zerteilst."
Aus den Regeln, deren Befolgung hier empfohlen wird, kann man ungefähr schließen, wie es um die Tischfitten im allgemeinen bestellt t„ar. Noch im '16. Jahrhundert mußte Erasmus sogar die vornehmen Herren ermahnen, schmutzige und fettige Finger nicht zum Munde zu führen, um sie abzulecken, und sie auch nicht am Rocke abzuwischen. „Anständiger ist es", so fügt er hinzu, „wenn man sie am Teller abwischt.' Montaigne schrieb voller Verwunderung, daß man bei den Schweizern immer so viel Löffel sehe, als Leute bei Tische feien", und ein Engländer, der 1608 nach Paris tarn, berichtete, daß Gabeln dort fast unbekannt waren. „Das Merkwürdigste ist", so schreibt er, „daß man einen Italiener nie veranlassen könnte, aus dem Teller mit den Fingern zu essen; als Grund geben sie an, daß nicht jeder saubere Hände hat. Auch ich habe diese Sitte angenommen und sogar in England beibehalten. Das trug mir mehr als ein spöttisches Wort ein."
Schon an diesen Beispielen sehen wir, daß die Gabel eine wichtige Schrittmacherin auf dem Wege zur Verfeinerung der Tischsitten gewesen ist, und bald findet sie auch am Tischtuch und an der Serviette unermüdliche Begleiter. Aber so schnell wollten die Menschen sich unter das Joch der neuen Bräuche nicht beugen, und fast jedes Jahrhundert hat sein grobianisches Zeitalter gehabt, in dem man seine überschäumende Lebenskraft Mehr oder minder geräuschvoll durch ein ungehobeltes Auftreten bekundete. Wie es beispielsweise bei Tisch unter den Studenten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zuging, zeigen die 1766 erlassenen Statuten des „Chursürstlich-Sächsischen Convictorii" auf der Universität Wittenberg. Von diesen Bestimmungen zur Wahrung eines gesitteten Benehmens bei Tisch feien nur genannt: „Art. 24. Wer vor dem anderen beym Fleisch oder Braten in die Schüssel fährt, ist in 6 Pf. Strafe verfallen. Art. 25. Die Zugemüse und Caldaunen sollen mit Löffeln getheill werden, jedoch, bei 2 Pf. Strafe, die Suppe weiter nicht unter die Zugemüse, noch die Zugemüse in die Suppen-Schüssel geschüttet, sondern jedwedes allein gegessen werden. Art. 29. Niemand soll dasjenige, was er zu seinem Theile mit der Gabel oder Messer anzesaht, ober auf das Tischtuch geworfen, wieder zurück in die Schüssel legen bei 6 Pf. Strafe.'
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und einer Verfeinerung der Ümgangsformen, die sich der menschlichen Gesellschaft als eines der wirksamsten Mittel anbot, um die ungestüme Wildheit der Leidenschaften zu bändigen, Gebärde und Ausdruck zu dämpfen und mit den Pflichten der Gemeinschaft in Einklang zu bringen. Diese Läuterung und Veredlung des Benehmens im Verkehr unter den Menschen hat sich, so sehr sie auch immer vom persönlichen Takt des einzelnen getragen wird, in der Ueberlieferung von Geschlecht zu Geschlecht durchgesetzt und ist überhaupt eine der treibenden Kräfte der Kultur; sie ist die Verklärung des Alltags, Existenznöten immer wieder die Gefahr in Kampf aller gegen alle zu entfesseln. Das deren Geietze nicht den zufälligen Launen geiftes entsprungen sind, sondern in denen
keine Schwierigkeiten bereiten, die meisten der uns , verständlich erscheinenden Regeln des Anstands und der Höflichkeit auf ein praktisches Bedürfnis und auf eine vom Leben gebotene Notwendigkeit zurückzuführen. Ritterlichkeit, gepflegtes Benehmen und eine gesittete äußere Haltung, kurzum alle die Eigenschaften, die uns als die Kenn-
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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts»Duch» und Steindruckerei. 5L Lange, (Sieben.
eines genießerischen Schön- sich ebenfalls die Erhebung ----- -------- Verlangens nach Sättigung nämlich, zur gesellschaftlichen Form vollzieht.
Mester und Löffel streiten sich um den Rang, den Menschen die erste
Gelänge es uns, den verschlungenen Wegen der
Wicklung bis in die letzten Ursprünge nachzuspüren, so würde es gewiß
Tischsitten durch die Jahrtausende.
Von Dr. Wolfgang Frahm.
Rack dem km Fahre 1884 erfolgten Tode des Fürsten Reuß kehrte die Dictzterin wieder nach ihrem geliebten Ilsenburg zuruck wo sie am Sem mber 1903 oerüarb und ihre letzte Ruhestätte fand neben der dariiaen Kirche Bei ihrer Beisetzung sang die große, tief ergriffene ÄrgeSe' bfe brei letzten Strophen ihres Liedes „Das Jahr geht ^‘%as dichterische Talent der Fürstin zeigte sich schon ^ühe. Erst zwei- unbiwanzigjährig dichtete sie auf einer längeren Fahrt durch das ver- <dmeite Land Ende 1857 unter dem Eindruck des Todes ihrer am Christabend bestatteten Freundin Marie von N a 11) u f > u s , der Gattin des Begründers der Pflege-Anstalten für Epileptische und Biode 4" Nemstedt. Vbllivv von Nathusius, das schon erwähnte Lied „Das Jahr geht still
Ende" Letzterer wär der Herausgeber des „Volksblattes für Stabt unb Land", bas einen großen Leserkreis in den christlichen Familien des nörblichen Deutfchlanbs hatte und belehrenben unb unterhaltenden Charakter trug. Auch Marie von Nathusius war Mitarbeiterin ihres- Mannes und würbe in manch guter unb viel gelesener Erzählung als „Frau Volksblattfchreiberin" gerne gehört; fie war es auch, bte in einer ihrer Geschichten „Das Baregekleid" ihrer jungen Freunbin Eleonore in einer Tbeobora" genannten Gestalt ein bleibenbes Denkmal errichtete unb auch im Jaime 1854 ber 19jährigen Gräfin ben Adbruck ihres ersten Siebes „Die Glocken der Heimat" im „Volksblatt" vermittelte, wovon bie erste" Strophe angeführt sei:
„Meister, wollest nur bereiten Festes, klingendes Metall, Gib ein Helles, frisches Läuten, Reiche Kraft dem schwachen Schall, Denn alleine
Hab ich keine, — Laß mich fein dein Widerhall "
Durch diesen ersten Versuch ermuntert, ließ die Dichterin, die gar bald empfängliche Leser gefunden hatte weitere Lieder folgen, deren erstes Bändchen im Jahre 1867 unter dem Titel „Gesammelte Blatter von Eleonore" herauskam; 1880 und 1882 erschienen zwei weitere Sammlungen „Gedichte". Im Jahre 1873 veröffentlichte sie „Die sieben Sendschreiben der Offenbarung St. Johannis in Siebern .
Aber auch auf bem Gebiete ber Biographie betätigte sich bte Fürstin. So schrieb sie eine Sebensgeschichte von Philipp von Nathusius, verfaßte weiter eine solche ber Gräfin Frieberike v. Reben, ber Freundin von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, die bekannt geworden war als wackere Helferin der um ihres Glaubens willen aus Oesterreich vertriebenen evangelifchen Zillertaler, und rvürbigte schließlich in einem umfangreichen Werke den hochkonfervatwen Politiker Adolf v. Thadden- Trieglaff. Auch darf nicht unerwähnt bleiben ihre Mitarbeiterschaft an der von D. Rudolf Kögel, D. Emil Frommei und D. Wilhelm Baur begründeten „Neuen Christoterpe .
Schier unerschöpflich rann der Born ihrer geistlichen und weltlichen Sieder, wie auch größerer Verserzählungen. Von allgemein bekanntgewordenen Gedichten seien noch besonders die beiden erwähnt:
„Ich bin durch die Welt gegangen Und die Welt ist schön und groß,


