Ausgabe 
21.10.1935
 
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Nummer 82

Montag, den 2[. Oktober

Jahrgang 1935

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Es gibt Wichtigeres!"

Alfred:Na schön! Dann rede doch ... bitte ...! Ich höre gern zu!

Barbara (weinend):Glaubst du wirklich, daß ich letzt von Dingen sprechen könnte, die entscheidend zwischen uns stehn?"

Alsred:Ich sehe das nicht ein. Ich höre wirklich gern zu.

Aber Barbara sagt natürlich nichts. Sie hat genug darnit zu tun, ihre

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Frauen ..." .

Barbara:Ich wollte auch nicht über Frauen sprechen und schon gar nicht über Fehrjche Frauen ..."

Alfred:Aber wir müssen doch den Fall Fehr auch mal zu Ende ^Barbara (sehr heftig):Also bring es zu Ende! Aber ich sage dir:

Freunden stehst. ----- , ,

Barbara:Ich fand Fehr nicht unter allem Niveau längst schon über seinem Niveau. Weißt es nur nicht ..

Alfred:Das ist mir zu spitzfindig. Fehr hatte doch recht: Die

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Barbara fragt:Bist du ärgerlich, daß ich über so was nachdenke? Sag mal ehrlich!"

Aergerlich ..." Alfred zögert und gibt es damit zu. Ja, er ist etwas ärgerlich über Barbaras vieles Sinnieren und Grübeln. Das Leben ist doch gar nicht so rätselhaft. Das heißt: Ganz innen mag es ja rätselhaft und unerklärlich sein. Aber draußen, dort, wo man atmet und lebt und sich entscheidet, da ist es ganz einfach, wenn man es nur lebt Das ist feine Ansicht. Freilich hier auf dem Urlaub, zwischen lauter Nichtstuern und nur damit beschäftigt, einer schönen jungen Frau zu dienen, hat er auch manchmal komische Gedanken. Die Ehe das gibt er zu f>at ihn überrascht und etwas unsicher gemacht. Wodurch ... das sagt er noch nicht. Kann es noch nicht ganz ausdrücken. Es ist aber wohl das, daß er zum erstenmal einen Gleichklang zwischen seiner Seele und seinen Sinnen erlebt hat und gesehn hat, welche Lebenskraft in einer Frau steckt. Da­vor hat er ein bißchen Angst. Er denkt noch, er könnt« von sich weg- gezogen werden, von seinem Beruf, seinen Aufgaben, seinem Zentrum.

Wir werden uns schon einigen", sagt Alfred.Ich werde was von dir lernen, nämlich, wie man es schwer nimmt, und du was von mir, nämlich, wie man es leicht nimmt."

So ... dies Thema ist also erledigt. Oder bleibt noch was darüber zu sagen? Er will nicht als der robuste Mann dastehn, der jede Diskussion ablehnt.

Nein", flüstert Barbara,darüber ist nichts mehr zu sagen, aber ich muß dir endlich etwas sagen, das wir nie zu Ende bringen."

Alfred zündet die kleine Nachttischlampe an, die kümmerliche rote Leuchttulpe, die auf allen Pensionsnachttischen blüht. Er möchte eine Zigarette rauchen. Bitte sehr. Barbara auch eine? Bitte sehr. Der Regen hat nun das Haus ganz eingehüllt. Er riefelt über das Dach, er flieht über die Wände. Er gluckert in allen Rinnen, er zischelt im Laub der Esche. Die Fensterbretter vibrieren ganz leise unter dem Regenschlag.

So nun können wir aber wirklich sprechen", sagt Alfred.

Du mußt aber genau wissen", beginnt Barbara,daß ich dich jetzt noch viel mehr liebe, als bevor wir geheiratet haben."

So", sagt Alfred.Woran merkst du denn das?"

Woran sie das merkt? Das merkt sie daran, daß sie mit ihm auch einverstanden ist, wo sie nicht einverstanden ist. Daß er zum Beispiel mit allen Menschen auf ihrem Niveau spricht, statt auf seinem, daß findet sie nicht gut. Denn bann merkt er eines Tages vielleicht nicht,

Magst du nicht auch liegen?" fragt Barbara.

Komm ich rücke ein Stückchen!"

Alfred legt sich vorsichtig zu Barbara Er streckt sich. Er schiebt behut­sam seinen rechten Arm unter ihren Kops, ffitne Traufe an. 3 fingen. Blechern und eintönig, wie eine Operettensangerin. Aus Die zmk- beschlagenen Fensterbretter trommeln die Trapseni leife unb ern^'"91 Einmal geht noch eine Tür, vorsichtige Mannerschritte tapsen über ben Flur. Ein schlechtes Gewissen ist unterwegs.

Warum schläfst bu noch nicht?" fragt Alfreb.Was ist bas für eine

Biarbara lacht. Die Wänbe finb bünn. Die Türen haben «palten. Der Regen ist schuld. Das Wetterleuchten. Meine Uhr. Augerdem denke ich nach."

Worüber denkst du denn nach?" fragt Alfred.

Barbara denkt über vieles nach. Zum Beispiel, warum die Menschen hierherfahren, wenn sie doch fest entschlossen sind, von der _Batur feinen Gebrauch zu machen und im sonnigen Flußtal Zwischen Wald ,e unb reisenben Kornfelbern genau die gleichen Dummheiten z ) Zu Hause. Alfred findet das auch komisch. Wer es >s «hm«bisher mch ausgefallen, und er hat sich über solche Dinge Niemals den Kopf zer brochen. Man muß die Menschen - findet er so 'Een wie sie sind und die Bäume auch, wie sie sind, und den Fluß °uch- Wozu trau g fein, daß es in einem Walde anders hergeht als in einer Pension.

Tränen zum Versiegen zu bringen.

, Barbara", versucht Alfred noch einmal,Barbara, Barbi ... Dann liegt er eine Weile schweigend, dreht das Licht aus und tastet sich, nach­dem er Barbara flüchtig die Stirn gestreichelt hat, in sein Zimmer hm- ^Seber liegt nun überwach, trotzig in seinem Bett. Der Regen schüttet draußen. Der Fluß ist unter seinem Rauschen nicht mehr zu Horen Der Hund vom Sägewerk heult ohne Pause. Barbara ist es recht kläglich ,wmut. Dieser dumme Streit! Ist es denn nicht verständlich und sogar richtig daß die Männer sich gegenseitig verteidigen? Soll sie sich nicht lieber freuen über die treue Kameradschaft ihres Mannes? Das ist doch wirklich alles nicht schlimm ... dies bißchen Streit. Nein, schlimm ist nur, daß sie wieder nicht von Rauthammer gesprochen hat. Wenn das nun rum Drittenmal scheiterte, muß es doch ihre Schuld mit sein. Und außer­dem- Wenn sie nicht bald spricht, kriegt die ganze Sache zum Schluß noch eine Wichtigkeit, die ihr nicht zukommt. Kriegt dieser Rauthammer doch noch eine Macht über ihr Leben und ihre Ehe ... Sie muh also

Alfred hat nie darüber nai nicht schön oder nicht schlecht fin! eine Waldregenlaubluft hereingc

wieviel er ist ... *

Ich bin nicht hochmütig", sagt Alfred gereizt.

Nein, sicher nicht", erwidert Barbara,eher zu vertraglich ...

Das geht wieder auf Fehr", seufzt Alfred.Du verstehst eben von einer bestimmten Art von Männern nichts."

Mag fein", gibt Barbara zu,aber ich wollte von etwas Wichtigerem sprechen ..."

, Es ist aber höchst wichtig", fällt Alfred ein,wie du zu meinen Freunden stehst. Wenn du sie so unter allem Niveau findest .V

Liebesroman

GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE Öon Walther von Hollanöer

Copyright 6y August Scherl G.m.b.tz Verlin

9. Fortsetzung.

Sie geht hinein. Sie legt sich wieder ins Bett. Merkwürdig waren diese drei Tage. Man merkt erstz wie überflüssig es meistens ist, mit anderen Menschen zu sprechen. Was Haden fie beide zum Beispiel mit Frau Görnewitz gemeinsam, was mit den beiden Kichermädchen, was mit Bankrat Meidam? Nichts. Ihr Leben will was anderes und ist was anderes. Und es ist nur merkwürdig, wie man das verschieden aufnimmt: Alfred ist immer liebenswürdig, sreunblich, interessiert scheinbar. Sie, Barbara, wirkt immer hochmütig, abweisend und kalt. Zu dumm! Sie findet sich gar nicht besser als die andern Menschen. Sie findet sich nur anders. Das Dümmste aber ist: Sie findet Alfred zu liebenswürdig, und Alfred findet sie zu hochmütig. Da hat man also wieder einen kleinen Grund zum Streiten. Wie? Sie streiten sich? Nein, aber sie kabbeln sich, sie ärgern sich ein bißchen übereinander, und sie müssen sich öfter aus- sprechen, als es ihnen lieb ist. Ist das nun schlimm? Sie hort nebenan durch die offene Tür Alfred Meimberg gleichmäßig und ruhig atmen. Sie härt an der offenen Balkontür die Regentropfen gleichmäßig fallen. Schlimm? Nein, sie ist glücklich. Sie schließt die Augen. Sie schläft ein.

Der Regen draußen verstärkt sich. Der Wald rauscht auf. Die Baume seufzen und werden unter dem sanften Regen still. Das ferne Gewitter ist ausgelöfchi. Nun löschen die Lichter unten im Speisesaal aus, die Stufen knarren, die Türen schließen sich. Im Sägewerk unten am Fluh wacht ein Hund auf und bellt, ein anderer Hund antwortet, Dann ist

alles still.

Es scheint, als ob AlsreD Meimberg von Der Stille geweckt ist. Er tastet Durch Die Dunkelheit. Er setzt sich vorsichtig aus Barbaras Bett. Er nimmt ihre HanD.Es regnet", sagt er leise,mächtig."

Barbara ist gleich wach.Schön ist der Regen", flüstert fie,nicht wahr?" llnö fie finbet, Dah Die Ehe doch eine ausgezeichnete Einrichtung ist, weil man alles DaDurch neu erlebt, Dah Der andere zum erstenmal Dabei ist. Regen zum Beispiel, eine Regennacht hat sie noch nie so erlebt.

Bei uns", sagt AlfreD,war Regen zweitklassig. Meine Mutter ist immer gekränkt, wenn es regnet. Unb Vater faßte Regen als eine Be- rufscmgelegenheit auf, eine Solbatenfache. Wegen fur bieBaume gab es nicht, fonbern nur Kafernenhofregen, Setänberegen unb Manoverregen. Unb das Dienstalter richtete sich nach den Kubikzentimetern Regen, die der Offizier auf das Fell gekriegt hatte. Die Generalftabsoff>z>ere hatten des­halb für ihn fein Dienstalter."

Und bu?" fragt Barbara.Wie findest du Regen?"

ichgedacht. Regen kann man doch eigentlich finden. Hier im Zimmer natürlich, jetzt, da

. /...mgeweht, ist Regen angenehm unb unter-- haitlich. Man braucht aber nichts barüber zu sagen.