paar Works, feucht von so segensreichen Tränen, daß sie wie rote, gelbe, blaue und weihe Weihnachtskerzen eine lange Kindheitsnacht hindurch glänzten und nie erloschen und erst mit uns erlöschen werden; sofern sie nicht auf die eine oder andere Weise weiter leben.
Weihnacht der Kinder.
Von Axel Rasmussen.
Selige Weihnacht der Kinder, die noch nicht sorgen und denken, die nehmen, was wir ihnen schenken, den Baum, die Lichter, den Winter und alle Freuden der Welt.
Für sie ist das alles bestellt.
Für sie ist alles gemacht.
Sie stehen mit klopfendem Herzen unter den brennenden Kerzen und spüren mit wohligem Zittern, wie zwischen goldenen Flittern ein offener Himmel lacht.
Ihnen beut alles sich dar.
Ihnen hängen die Bäume noch voll seliger Träume. Schwankender Stern auf der Spitze, schaumgoldner Nüsse Geblitze, alles ist echt und ist wahr.
Ruhend im Schoße der Zeit lauschen sie bebend dem Singen der Engel, dem Glockenklingen. Und vor dem Kind in der Krippen jauchzen unschuldige Lippen: Weihnacht, Weihnacht ist heut.
Die Weihnachtsböcke von Langer»-.
Von Marie Hamsun.
In die heitere Welt glücklichster Kindheit führt Marie Hamsuns herrlich erfrischende Erzählung „Die Langerud- Kinderim Wrnte r", die in einer reizvoll iluftrierten Neuausgabe im Albert Langen - Georg Müller - Verlag in München erscheint. Dem Entgegenkommen des Berlages verdanken wir die Veröffentlichung des folgenden Abschnitts.
Die Wsihnachtsferien nahten sich ihrem Ende. Bald sollte die Schule wieder ansangen, und bald sollte Henry heimfahren. Die Zeit war viel zu rasch vergangen, jedenfalls für die vier Buben, wie das immer der Fall ist, wo Leben und Tätigkeit herrscht. In den letzten Tagen hüpften und jubelten die kleinen Mädchen: „Wir dürfen als Weihnachtsböcke gehen! Ja, ihr auch! Der Vater hat gesagt, er will mittun und ehe Henry abreist, noch an einem Abend mit uns Weihnachtsbock machen."
„Hat er gesagt?" Wie Wilde rannten sie alle zum Vater hinein, der sich kaum Gehör verschaffen konnte, um seine eigenen Worte zu bestätigen.
Und als Zeitpunkt wurde der kommende Tag festgesetzt, und zwar vier Uhr nachmittags.
Mit fieberhaftem Eifer begannen nun die Vorbereitungen für den kommenden Tag. Vater wollte mittun! Das war ja das allerfchönste, denn sie wußten, daß dann alles feinen ordentlichen Gang ging und nicht lauter Unfinn dabei herauskam.
Zunächst wurde nun beschlossen, daß man nicht zu den nächstgelegenen Höfen gehen wollte, weil man dort sofort erkannt würde, nein, man wollte mindestens so weit gehen, daß keiner ausgerechnet an sie denken würde.
Dabei entstand aber nur die eine Schwierigkeit, daß der Heimweg am Abend für die kleinen Mädchen recht weit würde ... Wenn sie nun den Falben geliehen bekämen und fahren dürften?
Und Jakob und Henry und Klein-Anna gelang es wirklich, das Pferd hevauszubetteln. Ja, sagte Jakobs Vater, da ein erwachsener Mann bei diesen Narrenstreichen mittäte, sollten sie in Gottes Namen das Pferd nehmen.
Aber so großartig das auch war — jetzt entstand eine andere Schwierigkeit: die Leute würden sie ja sofort an dem Pferd erkennen.
„Ich hab's!" rief Henry, „im Kino hab ich einmal gesehen, wie ein paar Räuber ein Pferd so veränderten, daß keiner es wiedererkannte."
Und so zeigte es sich, daß Henry wirklich allerhand Nützliches im Kino gelernt hatte und nun sich und auch den anderen helfen konnte: die Räuber Im Kino hatten nämlich dem Pferd einen weißen Fleck auf die Stirn, weiße Socken an die Beine gemalt und ihm Schweif und Mähne abge- schnitten.
Große Zustimmung! Das war das Schlaueste, was sie je in ihrem Leben gehört hatten, sie wollten dem Falben sofort einen weißen Fleck
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Derlag: Brühl
und weiße Socken anmalen. Aber Schweif und Mähne abschneiden? Nein, das ging nicht, das wagten sie nicht, man mußte sich darauf beschränken, dem Pferd heute abend in Schweif und Mähne noch kleine Zöpfe zu siechten, dann würden die Haare am nächsten Abend, wenn man die Zöpfe aufmachte, kraus sein. Jedenfalls würde das ungeheuer festlich wirken.
Jakobs Vater ging leise brummend auf diesen Plan ein — alle Einfälle in Ehren, aber ... Und er war sogar freundlich und brachte Kalk zum Malen herbei, so daß der Fleck und die Socken sofort angemalt werden konnten und Zeit hatten, bis zum nächsten Tage zu trocknen.
Am Abend aber fiel es dem Vater ein, daß vier Uhr vielleicht ein wenig zu früh sein könnte. Es wäre da kaum schon ganz dunkel, und dunkel mußte es doch sein, wenn die Weihnachtsböcke loszogen. So war es am besten, sich auf fünf Uhr zu verabreden. Ola und Einar waren unterdessen bis über die Ohren in ihre Näharbeit vertieft, sie wollten sich aus alten Arbeitsschürzen der Mutter Hemden machen, darum wurden die kleinen Mädchen mit der Nachricht wegen der Verschiebung um eine Stunde zum Nachbarhof geschickt. Die Buben hatten ja selber mitgeholfen, den Falben anzumalen, Jakob und Henry hatten versprochen, die Zöpfe allein zu flechten. Einar aber fühlte sich ein wenig beunruhigt, daß diese Arbeit nicht ordentlich gemacht werden könnte, wenn er nicht selber dabei war, und zur Sicherheit und damit sich überhaupt kein Mißverständnis einschleichen konnte, gab er den beiden Boten folgenden schriftlichen Bescheid mit:
Liber Jakkop!
Körnt morgen um fünf Uhr statt um fier Uhr, gelernt und geschrupt und oergeft nicht heute Abend den Schwans zu vlechten, dein Freund Einar.
Arn folgenden Nachmittag stand auf ßangerub das ganze Haus merkwürdig auf dem Kopf. Fünf Menschen sollten so verwandelt werden, daß auch die schärfsten Augen sie nicht wiedererkennen konnten. Ola und Einar sollten Negermädchen sein und Jngerid und Martha Chinesenbuben, der Vater aber sollte ein schönes junges Fräulein mit Apfelwangen und einem Kirschenmund werden.
Negermädchen pflegen wohl nicht viel Kleider anzuhaben, es war aber ziemlich kalt, so daß die Buben diesem Negerbrauch nicht so ganz folgen konnten. Sie schlüpften darum zunächst in ihre eigenen Frieskleider, darüber aber zogen sie ihre felbftoerfertigten Blaudruckschürzen und rote Nachtjacken van der Mutter an, und dazu band jeder sein glorreiches Taschentuch um den Kopf.
Die kleinen Mädchen waren in den abgelegten Kleidern der Brüder und mit den gut unter den Zipfelmützen versteckten Köpfen naturgetreue Buben.
Soweit war alles in Ordnung. Viel schlimmer war es, die Kleider zu finden, die für bas Fräulein paßten, sie hatte eine etwas schwierige Figur. Die Röcke der Mutter reichten der Dame nur bis an die Knie, und selbst die längsten Blusenärmel waren ein paar Zoll zu kurz. Das sah nicht gut aus mit den hellgrauen Frieshosen unter dem Rock und den langen haarigen Armen zu der feinen Damenbluse.
Die Mutter und die Kinder lachten sich schief. „So können wir das nicht lassen", brachte die Mutter endlich heraus. „Wenn du eine Dame fein willst, dann darfst bu’s dir nicht so leicht machen, du mußt natürlich darunter auch Damenkleider anhaben."
„Ja, ja," meinte der Vater, „bann such mir eben etwas Schönes heraus!"
Die Mutter stassierte ihn aus, unter anberem machte sie aus alten Vorhängen Rüschen für seine Aermel. Er sah nun einigermaßen so aus, wie ein Fräulein heutzutage aussehen muß, flach von oben bis unten, langbeinig unb mit kurzem Rock. Darüber trug die Dame einen großen Mantel, an den Füßen hatte sie Lappenfchuhe, unb bas Gesicht schaute kokett aus einer blauen Kapuze mit grauer Pelzverbrämung hervor.
„Wenn bu nur ben Burschen im Dorf nicht gefährlich wirst!" sagte die Mutter lachend.
Schlag fünf Uhr tarnen sie vom Nachbarhof mit dem Pferd herüber, das in voller Kriegsbemalung war und dessen Mähne unb Schwanzhaare wie eine Wolke um Kops unb Hinterteil standen, breit unb rauschenb wie ein Weibengebüsch. „Habt ihr schon einmal so einen Streithengst gesehen? fragte ber Nachbar. Er brachte bas Tier selber her, benn ber Falbe hatte sich gegen bie Weihnachtsböcke gesträubt unb sich nicht von ihnen führen lassen wollen. Er merkte wohl, baß bie Stimme Jakobs Stimme war, rote es in ber Bibel heißt, aber bas war auch alles, was er merkte. Im übrigen war Jakob nämlich in ein roeißes Laken eingehüllt, er sah beinah aus rote ein schönes altmobisches Gespenst, eines von ben langen, bünnen, bie. in alten Häusern burch geschlossene Türen gehen. Der einzige Staat an ihm war ein langer, brauner Zopf, ber ihm über ben Rücken baumelte. Dieser Zopf hatte, seit Jakob benten konnte, in Mutters Kommobe gelegen, unb jebes Haar barin hatte einmal auf Mutters Kopf gesessen, dann aber waren sie ihr während einer Krankheit ausgefallen — sie hatte früher fo wundervolles Haar gehabt —, und das war nun der Rest. Jakob warf ben Zopf auf Mädchenart hin und her, er war stolz auf feinen Schmuck, und — keiner würde ihn damit erkennen.
Der Vetter unb Klein-Anna waren Buden, sie trugen beibe Kleiber von Jakob, aus ber Zeit, wo er noch um eine Elle kürzer gewesen war als jetzt. Der Vetter hatte keine richtige Maske, jonbern nur eine lange rote Nase unb eine Brille ausgesetzt, benn man kannte ihn ja nicht im Dorf, barum brauchte er weiter nichts.
Den Nachbarn kam boch bas Lachen an, als er das schöne Fräulein von Cangerub sah. „Jetzt füllte man ein junger Bursch und Spielmann sein!" sagte er.
Wie verabredet, fuhren sie erst weit fort, ehe sie endlich auf einem Hof Haltmachten. „Vielleicht sollten wir mit dem Küster anfangen?" schlug ber Vater vor. Dies jagte einen Schauer bes Schreckens unb ber Freube durch Neger, Chinesen und Weiße — denkt nur, gleich beim Küster! Aber wenn ber Vater babei war, wagten sie es schon ...
jche UniverfitätS-'Luch- und Eleindruckerei. R. Lange. Gießen.


