Pferde lie- Leibern. „
14,1 Unb'' aebotfam steht er auf. „Weit ist die Welt", wiederholt er und am Torsbruch, da wartet einer auf mich ..Sem Schattenbricht!durch den roten Kreis, richtet sich auf an der Nebelwand und zerfließt. Wieder bre$ie Wie^nschnarre ruft hinter dem Dorf, und wir wickeln uns 'N unsre Decken. Nur David bleibt sitzen den Blick ms Feuer g^nkt Vieles aebt in feiner Seele vor, und bevor die Augen uns zufallen, fetzen wir hSÄn?'. ? Ä" »"»" !-•
b"^Der^T^g°beg,°nnt"mit Adams Schrei. Er schreit so, daß es uns saßt zerreißt, und es dauert eine Weile, bis mir es begreifen. Die braune Stute von Christophs Hof steht über ihm, und seine Nüstern suchen freundlich über sein Gesicht. So dicht neben dem Feuer und unsrem Schlaf ist ihr Körper riefenhaft, und als Adam erwacht ist hat er gedacht, der Moorwols liege auf seiner Brust. Wir lachen ihn aus und sehen uns um. Der Nebel ist fort Tau liegt auf Gras und Schilf, und über dem Walde baut ein rotes Tor sich auf.
Auch David steht auf und sieht uns lächelnd an. ,Kocht nun Kaffee , sagt er „ich hole euch einen Hecht." Ob er nicht geschlafen habe? Er schüttelt den Kopf. „Vieles war unterwegs", sagt er und b tickt nach dem Wald. „Lange Zeit war da ein graues Gesicht, und die Pferde schnaubten und waren dicht zusammengedrängt ... aber bann ging em JJiann über bas Moor, weit hinten, unb fang unb da war es fort ... nun holt noch Holz, gleich bin ich wieder da."
lind er taucht unter im Schilf und winkt uns zu, daß wir den Reiher sehen, der aus den nassen Halmen sich hebt. Die Sonne geht auf. Die 9ßfcrbe (ieqen in itjrem roten £id)t. (Ein dünner liebel fteijt über ihren Keibern. „Wie schön es ist ..." sagt Adam und sieht uns glücklich an.
(eben ihr Teufel ..." Wir fragen nichts, denn wir fürchten ihn. Boses wird von ihm erzählt, und silberne Ringe trägt er m den Ohren. Nur David sieht ihn furchtlos an. „Geh nun, Michel", sagt er, „wir wollen
Oie Waldwiese.
Von Ruth Schaumann.
Siehst du nicht die Angesichter
Nach dem Schritt der Sonne drehn Enzian und Orchideen
Unb ber Iris blaue Lichter?
Siehst bu nicht ber Bienen Zug Nach bem wilben Kirschbaum steigen?
Iebe finbet bort zu eigen Einen weihen Honigkrug.
Pan singt fern unb Echo hier. Daß bein Leben sich bebiene, Dreht mein Hals mein Haupt zu bir, Wie ber Winb ben Kelch zur Biene.
Llnter den Kletterrosen.
Eine Geschichte von Selma Lagerlöf.
Jetzt, wo bie Arbeitszeit angebrochen ist, fragt man mich oft, womit ich meinen Sommer verbracht habe. Dann gleitet alles andre aus meiner Erinnerung fort, und es will mir scheinen, als hätte ich tagaus, tagein auf der Veranda unter den Kletterrosen gesessen und Duft und Sonnen« schein eingeschlürft. Was tat ich da? Ach, ich sah zu, wie andre arbeiteten.
Da war eine kleine Tapezierbiene, die vom Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zum Morgen arbeitete. Aus den weichen grünen Blättern sägte sie mit ihren scharfen Kiefern ein zierliches kleines Oval, rollte es so zusammen, wie man eine richtige Tapete rollt, und die kostbare Bürde an sich drückend, flatterte sie fort zum Parke und lieh sich auf einem alten Baumstumpf nieder. Da vertiefte sie sich in dunkle Gänge und geheimnisvolle Galerien, bis sie endlich den Grund eines lotrechten Schachtes erreichte. In dessen unbekannten Tiefen, in die sich weder Ameise noch Tausendfüßler je gewagt hatten, breitete sie bie grüne Blattrolle aus und bedeckte den holprigen Boden mit dem schönsten Teppich. Und als der Boden bedeckt war, holte die Biene wieder neue Blätter, um die Wände des Schachtes zu bekleiden, und arbeitete so rasch und eifrig, daß es bald in der ganzen Rosenhecke kein Blatt gab, das nicht seinen ovalen Ausschnitt hatte, der bezeugte, daß es zur Ausschmückung des alten Baumstumpfes das Seinige hatte beitragen müssen.
Eines schönen Tages änderte das Bienchen feine Beschäftigung. Es bohrte sich tief in die Blätterwirrnis der Riesenrofen und schlürfte und trank aus ihren schönen Vorratskammern nach Herzenslust, und jedesmal, wenn es feinen Mund voll hatte, schwirrte es gleich hinüber zu dem alten Baumstumpf, um die frischtapezierte Kammer mit dem klarsten Honig zu füllen.
Aber die kleine Tapezierbiene war nicht die einzige, die draußen in der Rosenhecke arbeitete. Da gab es auch eine Spinne, eine ganz unvergleichliche Spinne. Sie war größer als alles, was ich bisher vom Spin- nengefchlechte gesehen habe, sie war klar gelbrot mit einem deutlich punktierten Kreuz aus dem Rücken, und sie hatte acht lange, weiß und rot gestreifte Beine, alle gleich schön gezeichnet. Ihr hättet diese Spinne sehen sollen! Jeder Faden wurde mit der äußersten Genauigkeit gezogen. Von
den ersten an, die nur zur Stütze und zum Halt dienten, bis zu dm innersten feinen Websäden. Und ihr hättet sehen sollen, wie s,e bett chmalen Fäden entlang balancierte, um eine Fliege zu haschen oben hren Thron in der Mitte des Netzes einzunehmen, regungslos, gebulbig , tunbenlang wartend.
Diese große rotgelbe Spinne gewann mein Herz: sie war so gebulbig und so weise. Jeden Tag hatte sie ihr kleines Scharmützel mit Der Iapt. zierbiene, und immer zog sie sich mit dem gleichen untrüglichen Takt aus | ber Affäre. Die Biene, beren Weg bicht an ihr vorbeifuhrte, blieb ein- 1 mal ums anbre in ihrem Netz hängen. Sogleich begann sie zu surren uni 1 ru reiften, sie zerrte an bem feinen Netz unb benahm sich ganz toll, was I natürlich zur Folge hatte, baß sie sich immer ärger unb arger verwickelt» unb Flügel unb Beinchen in bas fiebrige Gewebe verstrickte.
Sobalb bie Biene ermattet unb erlahmt war, kroch bie Spinne zu ihr heran. Sie hielt sich immer in gebührlicher Entfernung, aber mit bei äußersten Spitze eines ihrer eleganten rotgestreiften Beine gab sie bei Biene einen kleinen Stoß, so baß sie sich im Netz herumdrehte. Unb nenn die Biene wieder herumgeschnurrt und sich müde gerast hatte, bekam |i« abermals einen ganz sachten Pufs, und bann noch einen."nd noch einen:, bis sie sich wie ein Kreisel brehte unb in ihrer Raserei nicht ein noti aus wußte unb so verwirrt war, baß sie sich nicht zur Wehr setzen tonnte Aber bei biefem Herumschwingen brehten sich bie Faden, bie sie hieltm immer mehr zusammen, und die Spannung wurde so groß, daß |ie n| (en und die Biene zu Boden fiel Ja, das war es natürlich, was bi* Spinne gewollt hatte.
Unb biefes Kunststück konnten bie beiben Tag für Tag wieberholew solange bie Biene in ber Rosenhecke Arbeit hatte. Nie konnte der kleine Tapezierer es lernen, sich vor dem Spinnennetz in acht zu nehmen, un» i nie zeigte die Spinne Zorn ober Ungebulb. Ich mochte sie wirklich alle , beibe gerne leiben, bie kleine eifrige zottige Arbeiterin geradeso wie bin ! große schlaue alte Jägerin.
Es begaben sich nicht oft Ereignisse in dem Hause mit den Kletten rosen Zwischen den Spalieren konnte man den kleinen See in der Sonin.: liegen und blinken sehen. Unb bas war ein See, ber zu klein unb z«i umfriedet war, um sich in wirklichen Wellen erheben zu tonnen, ata bei jedem kleinen Geträufel des grauen Spiegels flogen taufende Neu» I Mntchen auf, die auf den Wellen glitzerten und tanzten, es sah au- als wäre die ganze Tiefe von Feuer erfüllt, das nicht heraus tonnte Und fo war auch das Sommerleben dort draußen; es war gewohnt:« ganz still, aber tarn nur das allergeringste fleine Geträufel — ach, wui tonnte es da schimmern und glitzern.
Und es bedurfte keiner großen Dinge, um uns froh zu machen. Blume oder ein Vogel konnte uns Heiterkeit für mehrere Stunden drm- gen, von der Tapezierbiene gar nicht zu sprechen. Ich werde nie Den- gellen, wie seelenvergnügt ich einmal durch sie wurde.
Die Biene war wie gewöhnlich im Spinnennetz gewesen, und Di-ii Spinne hatte ihr wie gewöhnlich herausgeholfen, aber sie hatte tuchiiu feftgefeffen, so daß sie sich ungeheuer lange herumdrehen mußte unb gon.ii zahm unb gebänbigt war, als sie bavonflog. Ich beugte mich vor, um zischen, ob bas Netz großen Schaben genommen habe. Das hatte es gim licherweise nicht, bagegen saß eine kleine Raupe im Netz fest, em fleine sabenschrnales Untier, bas nur aus Kiefern unb Krallen beftanb, unb « war erregt, wirklich erregt, als ich es erblickte.
Kannte ich sie nicht, biefe Larven ber Maikäfer, die zu Tausendei:, die Blumen hinaufkriechen und sich unter ihren Kronenblättern Den stecken? Kannte ich sie nicht und bewunderte ich sie nicht auch, diese et? harrlichen schlauen Parasiten, die verborgen dasitzen und warten, nui warten, und wenn es wochenlang dauern sollte, bis eine Biene komm in deren schwarzgelbem Pelz sie sich verbergen können? Unb wußte i« nicht von ihrer hassenswürbigen Geschicklichkeit, gerabe wenn bie rleiM Zellenbauerin einen Raum mit Honig gefüllt unb auf besten Dberfiam bas Ei gelegt hat, aus bem ber richtige Eigentümer ber Zelle unb op> Honigs hervorkommen soll, gerabe ba auf bas Ei hinabzukriechen um. unter eifrigem Balancieren barauf sitzen zu bleiben wie auf einciy- Boote, denn fielen sie in den Honig hinab, fo müßten sie ertrinken, um während die Biene das fingerhutähnliche Nestchen mit einem grunn ■ Dach bedeckt und behutsam ihr Junges einschließt, schlitzt die gelbe Jiaupy- mit scharfen Kiefern bas Ei auf unb verzehrt besten Inhalt, wahrem, bie Eischale noch immer als Nachen auf bem gefährlichen Honigsee Diene-
Aber so nach unb nach wirb bas schmale gelbe Ding platt unb groß unb kann selbst auf bem Honig schwimmen unb bavon trinken, unb wem. bie Zeit sich erfüllt hat, kommt ein fetter schwarzer Maikäser aus o • Bienenzelle. Aber bas ist es sicherlich nicht, was bas kleine Bienchen 'M feiner Arbeit erreichen wollte, unb wie schlau unb behend ber Maitazr. sich auch betragen hat, so ist er boch nichts anbres als ein fauler Schm rotzer, ber keine Barmherzigkeit verbient.
Unb meine Biene, meine kleine, fleißige Herzensbiene war mit soim einem gelben Parasiten im Pelz herumgeflogen. Aber wahrens Spinne sie im Kreise gebreht hatte, hatte er sich losgelöst unb war bas Netz gefallen, unb jetzt kam bie große Gelbrote unb gab 'Hw cv Biß mit ihrem Giftzahn unb verwanbelte ihn in einem Augenblia ein Skelett ohne Leben unb Inhalt.
Unb als bie kleine Biene zurückkam, war ihr Surren wie eine ßote- hymne an bas Leben. ,
„O bu schönes Leben!" sagte sie. „Ich banke bir, baß auf wein " die röhliche Arbeit unter Rosen im Sonnenschein gefallen 'st. Ich dir, daß ich dich ohne Angst und Furcht genießen kann. Wohl weitz '-te daß Spinnen lauern und Maikäfer stehlen, aber mein tft bte frob'iw Arbeit und die mutige Sorglosigkeit. O du schönes Leben, bu Herri'-Y-- Dasein!"
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'fche LlniversitätS.Buch. und Steindruckerei. A. Lange, Gießert


