Ausgabe 
20.5.1935
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Nummer 59

Montag, den 20. Mai

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ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR

Copyright 1933 by August Scherl G- m. d. Berlin

(Fortsetzung.)

Das scheint mir phantastisch, Ludwig ..."

Aber er blieb dabei, als ich ihn ernsthaft zur Rede stellte ... Wir c erben also das Haus kaufen, sowie ich unterschrieben habe. Und alles,

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Im Saal hatte man die ganze Tafel beiseiteaerückt bis an die eine Lingswand, um größeren Raum zum Tanzen zu schaffen. Die Harmonika hitte ein blutjunger Schauspieler übernommen, der ausgezeichnet spielte Md über ein mannigfaltiges Repertoire verfügte.

Erst nach einigem Suchen entdeckte Thiele Mira von Alten in einer licke des Saales, wo sie den Mittelpunkt einer Gruppe bildete, die sich ns Steinlen, Grolman, dem Journalisten Ollendorf und Gerda Diemer zisammensetzte. Der platinblonde Filmstar schäumte innerlich vor Wut, daß Steinlen gerade in dem Augenblick, in dem sie sich dem Direktor Grol- lan mit ihrem bezauberndsten, oft photographierten Lächeln nähern tonte, diese Frau von Alten heranführte, an die sich sofort der Journalist mit seinerinteressanten" Freundin anschloß. Man konnte nicht in Abrede feilen, daß Grolman ein gewisses Interesse für die beiden Brünetten Mgte, die sogar eine entfernte Aehnlichkeit miteinander aufwiesen, eine A-Hnlichkeit, auf die Gerda Diemer besonders stolz zu sein schien. Denn lit sing sofort an, Gesten und Sprechweise Frau von Altens zu kopieren. ®>er noch gab die blonde Schönheit nicht alle Hoffnungen auf, sondern »ersuchte so gut es ging, ihre Wut zu verbergen. Sogar zu einem kurzen Lnz ließ sie sich überreden, von ihrem ständigen Begleiter, dem Redakteur, irr schon stark angeheitert war.

In der gegenüberliegenden Ecke saß Doktor Hartl allem, nüchtern und beobachtend, in einem niedrigen Sessel. Thiele steuerte auf ihn zu und ließ sch bei ihm nieder, doch so, daß er Mira im Auge behalten konnte, lki brachte feinen Pokal mit und zwei Flafchen Wein.

Wo ist Lisa?" fragte Hartl, nachdem Thiele ihm und sich emgeschenkt Satte.Ich sehe sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr."

Wir haben ein wenig frische Luft geschöpft. Jetzt ist sie schlafen Rangen. Sie muß sich ein wenig schonen."

Ist etwas nicht ganz in Ordnung mit ihr?"

Ich kann mir benten, was du damit meinst, Otto, und kann dich Ruhigen. Sie ist weder böse mit mir wegen Mira noch krank. Ich habe hi soeben alles erklärt. Es ist etwas ganz anderes, etwas Schones, Tites sogar!"

Ludwig beugte sich zu ihm vor und sah ihm in die Augen. Der Wider­sinn der tiefen Bewegung, die ihn soeben auf der Terrasse vom lalle, lag noch über feinem breiten Gesicht.Sie erwartet ein fttnb.

,Ist das wahr?" fragte Hartl beinahe bestürzt und erstaunte innerlich !'l>st, daß die Tatsache ihn so stark erregte, und zwar zunächst gar nicht kg, sondern angstvoll und ablehnend. Gleichzeitig schalt er sich wegen

dos dazu gehört. Du wirst alles haben, wenn es so weit ist mit dem Prinzen."

Rur dich nicht. Denn da wirst du drüben (ein."

Ja", sagte Thiele gedehnt,daran habe ich noch nicht gedacht."

Du hast recht damit, da es ja nicht zu ändern ist. Ich werde schon iirechtkommen allein, wie ich dir vorhin schon sagte. Das darf bin richt bekümmern, vor allem nicht heute."

Nein!" antwortete er verändert, in seinem alten, übermütigen Ton. ^heute nicht und auch später nicht! Komm, Lisa, du kannst dich er­sten. Jetzt wölken wir tanzen. Schade, daß der Franz so jämmerlich stell. Aber er wird es nie richtig lernen. Dazu muß man an Bord uvesen fein. Komm!"

Laß mich weg! Ich werde jetzt hinaufgehen und mich hinlegen, ohne daß es jemand merkt. Ich bin zum Umfallen müde. Was sitzt noch kommt, weiß ich ja. Ich fürchte, es ist zuviel Wein da. Er ttirb wohl bis fünf Uhr reichen. Aber ich muß auch ein wenig an ben Prinzen denken, und du solltest noch einmal mit dem Direktor sprechen!"

Du hast recht, wie immer!" sagte er, küßte sie nochmals, bevor er allein in den Saal zurückkehrte.

Elisabeth aber ging rasch um das Haus herum und trat durch die tirbcre Tür in den Vorplatz, von dem eine breite Treppe nach oben j« ihren Zimmern führte.

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dieser unverständlichen Regung, so daß sie langsam einem warmen Mit­gefühl Platz machte.

Das scheint dir ja eher Sorge zu machen, alter Freund? Ueberlah das gefälligst mir!" lachte Ludwig.

Da griff Hartl nach seiner Hand und hielt sie fest.Verzeih, wenn ich es nicht gleich so erfaßte, wie ihr beide erwarten konntet! Ich bin ein bißchen schwerfällig geworden in meinem Empfinden, weißt du... Und dann der Gedanke: du und ein Kind, Ludwig!... Bei Elisabeth ist das etwas ganz anderes... Daß ich mich von Herzen mit euch freue, brauche ich nicht erst zu betonen. Aber das Ganze scheint mir eben ein bißchen kompliziert."

Du wirst immer der vorsichtige Skeptiker bleiben, der alles auf unnötige Weise schwer nimmt. Kompliziert! Was ist daran kompliziert? Ein Kind ist eine einfache runde Tatsache, ein Naturereignis, ein Wunder, wenn du willst. Aber davon kannst du nichts wissen, alter Einsiedler. Ich geb dir zu, daß ich bisher auch nicht geahnt habe, was das eigentlich bedeutet."

Auf deinen Sohn, Ludwig!... Es wird doch ein Junge werden?" Hartl hob mit einem Lächeln fein Glas und stieß mit ihm an.

Natürlich wird es ein Junge!... Aber im Grunde ist das gar nicht so wichtig. Ein Mädel ist mir genau so lieb."

Hör mal, Ludwig...", begann Hartl nach einer kleinen Pause vor­sichtig:Was soll das jetzt mit dieser Frau von Alten? Man könnte eigentlich annehmen, daß du genug mit ihr durchgemacht hättest voriges Jahr... Und Lisa auch!"

Ach, das verhält sich ganz anders! Das hab ich auch Lisa eben erklärt, und sie hat mich verstanden. Mira gehört eben auch zu mir. Das ist alles. Was soll denn daran so gefährlich fein, wenn ich mit ihr befreundet bleibe? Ich finde eher das Gegenteil unnatürlich. Und was geschehen ist, ist geschehen."

Ich glaube fast, du betrügst dich ein wenig."

Ader versteh mich doch, Otto! Du als Mann wirst das doch noch viel besser können als eine Frau. Du weißt doch, wie sehr ich Elisabeth Hebe, an ihr hänge. Sie ist der einzige feste Punkt, um den sich bei mir alles dreht. Ich brauche das, habe das eigentlich immer gebraucht und schließlich bei ihr gefunden. Ich ginge ja sonst vor die Hunde ... Sie ist glücklich dabei und ich auch. Das hat sich seit langem erwiesen in den schwierigsten Lagen. Aber das schließt nicht aus, daß ich noch andere Menschen um mich herum brauche. Männer und auch Frauen. Sieh mal, Otto... es ist vielleicht merkwürdig... aber das ist mir heute aufgegangen, als ich sie wiedersah nach so langer Zeit: Ich kann eher auf alle anderen Frauen verzichten... was ich ja auch tue... auf sie kann ich nicht verzichten und will es auch nicht! Das ist gar nicht so gemeint, wie du vielleicht glaubst. Sie ist eben für mich der Inbegriff von all dem Weiblichen, was Lisa nicht hat oder nur in geringerem Maße. Wie soll man das genau bezeichnen? Sie hat das Fremde, Unbekannte, Undurchdringliche ... Du kannst es vielleicht auch oberflächlich, unbeständig oder böse nennen ... Für mich hat sie eben etwas Unerreichbares, Kostbares, das mir fehlt, wenn sie gänzlich aus meiner Nähe verschwunden ist, selbst wenn ich gar nicht an sie direkt denke, wie es in dieser letzten Zeit tatsächlich der Fall war... Du kannst jetzt sagen, alles, was ich da zusammengeschwatzt tjabe, fei albernes, überspanntes Zeug, oder ich sei reichlich betrunken ... und das mag auch von deinem nüchternen, sachlichen Standpunkt aus richtig sein... Trotzdem ist es so, wie ich sage."

Hartl schwieg und sah vor sich hin. Dann antwortete er nachdenklich: Du weißt, ich bin kein trockener Moralist geworden, obgleich ich die Vierzig längst hinter mir habe und also bald acht Jahre älter bin als du. Eigentlich sind es viel mehr als diese acht, denn du bist innerlich sehr viel jünger geblieben als deine Jahre. Ich erwähne das nicht aus pedantischer Uederheblichkeit, die ja immer nur ein Zeichen uneingestandenen Neides wäre. Ich bin weder hochmütig noch neidisch. Nur habe ich mir angewöhnt, alle menschlichen Dinge aus einer gewissen Distanz anzusehen, und habe mich damit einigermaßen abgefunden, daß sie ganz anders sind und ganz anderen Gesetzen folgen, als wir denken und glauben. Das gelingt mir zwar nicht immer, aber ich gebe mir wenigstens die nötige Mühe. Sieh mal: Vor etwa fünfzehn Jahren waren wir beide noch, was man fo Revo­lutionäre nennt. Damals in Dresden erinnerst du dich noch fo gut an die Zeit wie ich?"

Ludwig nickte ein wenig zerstreut und mußte sich Mühe geben, aufmerksam zuzuhören.

Damals, nach dem Ende des Krieges, als die wirkliche Revolution einsetzte, alles drunter und drüber ging, außen im Leben genau fo wie in uns selbst, da glaubten wir, daß endlich auch alle die freiheitlichen und menschheitsbeglückenden Ideen, von denen wir besessen waren, ver­wirklicht werden könnten. Wir sind damit bei dem ersten Zusammenstoß mit dem Alltag kläglich gescheitert und nach jahrelangen vergeblichen Be- msthungen mit einst »erbitterten Enttäuschung und einem elenden Katzen-