Gießener KmnlienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Samstag, den 20. April
Nummer 5|
Zahrgang <935
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streust du Licht und wieder Licht, stehst du still und siehst mich an? hat man deiner Hand getan, sie ein rotes Mal durchsticht? sieh, auch deine Füße ...
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Osterfrühe.
Von Ruth Schaumann.
Der Morgen lebt und tönt doch kaum. Die Berge schwingen wie ein Hauch, Gesegnet steigt wie Tempelrauch Der Amsel Lied vom Birkenbaum, Des Zweige fromm gewahrten Der Hasen Spiel im Garten.
Wo bist du Herr, wo ist dein Leib, Den wir gesalbt, den wir gepflegt? Wo hast du ihn mir hingelegt? 0 sieh, ich bin ein armes Weib, Ach, Gärtner, mit dem Spaten, Willst du mich nicht beraten?
0 Herr, daß ich dich grüße!
Und lautre Kühle macht mich rein —
1 Was stockt mein Herz, was wehrst du mir? Der aufgeftiegnen Sonne Schein Steht wie ein Schatten hinter dir. Die Amsel singt mit Beben — Du lebst und ich darf leben!
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Es war einmal ein Schustergeselle, ein geschickter Bursch, fchönsten Schuhe zu nähen und zu klapsen wußte. Aber was «lies? Da war nicht genug Arbeit in seiner Stadt, und als er . vollte, konnte und konnte er sich nicht einmal einen Hochzeitsschmaus ersparen. Er ging deshalb trübsinnig norm Tor spazieren, hatte wenig Leder und wenig Nägel und wußte nicht, was er mit seiner Zeit ansangen |»ltte. „Wenn ihr einmal Schuhe zu beschlagen habt", sagte er schließlich zu den raschelnden kleinen Unwesen im Graben unter den Farren, „wenn ihr einmal etwas zu besohlen habt, bringt es mir getrost, ich habe doch
Itnb sie piepsten ihm zu, ihr Bruder Schuhmacher sei krank, und jeder ter kleinen Herren hatte daheim etwas zu klopfen und zu nahen und i de der Frauen etwas zu pulsen und zu pochen, zu aurnen und zu fohlen, msch sollte er mitkommen. Aber der Geselle hat solche Angst bekommen, <r hat nach einer Ausflucht gesonnen. Und weil es gerade der Scnmabend ivr Ostern war und er Hose, Rack und Weste seinem Freund Schneider zum Bürsten und Bügeln gegeben hatte, konnte er erklären, wieso er vor Hier Frühe nicht aufstehen durfte. Im Hemd kann man vor so vielen Jüng
ern doch feine Schuhe nähen! ___., h
Das hat das kleine Volt denn auch emgesehen und ist rischerasche und lückehacke wieder übers Fensterbrett hinausgezogen. Aber morgen wurden f e roieberfommen, haben sie gesagt.
• Anderntags hat der Schustergeselle das Geschehen mit s«mer Vrau ? iesprochen, unb weil sie nun beide zum schonen Ostersest
j droschen in der Tasche, geschweige denn ihr Heiratsgut hatte hal der : Gefell allen Mut zufammengenommen und in ber erften DPernad)t fe bft ins Fenster offen gelassen. Wenn bas klome Volk kam, wollte er ihm folgen. Aber es sollte auch gut bezahlen, Hai er sich vorgenommen.
Was meint ihr: gegen Mitternacht finb sie, kaum zu sehen woher, auf
Vom gierigen Schuster.
Ein Ostermärchen von Hans Friedrich Blunck.
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einmal wieber über bas Fensterbrett geklommen, kleine Elwen und Unterirbifche bie schwere Menge, sogar ein bitter Hagemann ist babei gewesen. Haben biesmat auch gleich Rock unb Mantel und Hose für den Schuster mitgebracht. Unb weil es für den zu klein schien und er nach seinen eigenen Sachen greifen wollte, da haben sie ihm blitzschnell alles übergeftreift, und es paßte wie angegossen. Dann mußte er, hast du nicht gesehen, mit in die schönste österliche Nacht hinaus.
Das war schon ein buntes Geben da draußen, wie sollte es auch anders sein! Viele Tiere warteten schon aus den Schuster; kleine Katzen wollten neue Pfötchen haben, der Pudel weiße Stiesel, die Wicht« neue Langschäfter und die Elwen wünschten blitzblanken Silberschlag aus den Schuhen — was hatte ber Bursch für seltsame Kunden, und wie eilte er sich, alle zufriedenzustellen.
Selbst ein böser Berlocker kam vorbei und hielt ihm hochmütig seinen Huf hin, er solle ihn mit Leder umklopfen. „Hüt dich aber, ein einziges Mal vorbeizuschlagen", drohte der Böse und kicherte in sich hinein — es war wohl zu merken, was er erhoffte.
Der Schuster hatte alle Furcht vergessen, er beklopfte auch den Huf mit dreidoppelten Hacken. Bis er jedoch die Rechnung ausgeschrieben hatte, war der feine hohe Herr zum Tanz. Unb alle Tiere und kleinen Unholden waren auch von bannen, sie mochten ben letzten Kunden nicht, und noch keiner hatte dem Mann etwas zum Lohn in die Mütze gelegt.
Da kam, es wird wohl gegen Mitternacht gewesen sein, eine schöne Hollentochter des Weges. Aus die hatte der Wald noch gewartet; es klang und sang und flötete und trillerte ihr aus allen Zweigen entgegen, und viele Leute drängten sich schon von weitem und wollten mit ihr tanzen. Wie die Frau aber den Fremden am Rand der Wiese sah, ging sie zuerst auf den zu; mit einem jungen Gesellen hatte sie lange nicht mehr getanzt, der schien ihr besser als alle wartenden holden und unholden Herrn.
Der Schuster schaute gerade noch griesgrämig in die leere Mütze; er horchte kaum auf, als bie Waldfrau zu ihm trat.
Ob er mit feinem Geschäft nicht zufrieden fei, begann sie. Der Mann schüttelte ärgerlich den Kopf, die Hälfte des Leders, das er bei sich hatte, war schon draufgegangen. Er nahm denn auch kein Blatt vor den Mund und beklagte sich bitter über die Leute, die nicht bezahlt hatten.
„Wollen wir doch einmal sehen, ob die nicht bezahlen können", lachte die Hollentochter. Und sie nahm ben Schuster in ben Arm unb tanzte mit ihm runb um bie Wiese, immer von Schatten zu Schatten, wo kein Mond noch doppeltes Licht hineinscheinen konnte. Und alle Herren, die aus einen Tanz mit ihr gewartet hatten unb viele kleine Jungfern folgten eifersüchtig hinterdrein. Aber wie auch ber böse Verlocker mit seinen mannslangen Armen burchs Dunkel griff und beinahe die Tanzenden erreichte — krickkrack, sagte es, und er saß mit dem Huf in einem Fuchseisen. Und niemand durste ihm helfen, ehe er nicht den Beutel gezogen und bie halbe Mütze bes Schustergesellen gefüllt hatte.
Als ber Böse nun humpelnd unb schimpfend von bannen gezogen war unb die Musik wieder einsetzte — auf einmal hingen viele Spinnweben im dunklen Gras der Waldwiese. Und alle Elwen, die hinterdrein folgten, zerrissen sich bie Schuhe daran. Als sie jetzt aber zum anbernmal nach dem Gesellen riefen, da besannen sie sich unb hatten alle kleine silberne Geldstückchen zum Lohn bereit — hätte ich nur den großen Schlapphut mitgebracht, dachte der Bursche schon. Auch ber Pudel kam an, er hatte sich schwarze Wolfsmilch über bie juchtenen Stiefel gegossen, unb die Katze hatte sich die Krallen durch die Schuhe gestoßen als der Kater tarn, und ich weiß nicht, was weiter den Leuten an kostspieligen Unfällen int Nu zuaestoßen war.
Was hatte der Schuhmacher zu tun! Gut, daß ihm alles wmdschnell von der Hand ging, bas gehörte wohl mit zu solcher Zauberstunde. Und lustig mar es, wie sich ihm die Mütze füllte. Bis an den Rand war es drin gehäuft, unb was noch hinzukam, rollte schier ins Gras zurück. Ab»r am schönsten war es doch, als er zuletzt auch der Hollentochter die herrlichsten Perlen aus Spange und Lasche nähen mußte, so reich, wie er noch nie ein paar Schuhe besetzt hatte. Ja, es gelang ihm so gut, ber Schuh gleifite unb flimmerte, es mußte eine Lust sein, die schöne Frau über die Wiesen zu führen. „Nun dürfe er noch einmal mit ihr tanzen", sagte sie fröhlich, das schien ihr wohl ber höchste Lohn, unb bann müsse er eilig heim, ehe es he» werde.
Hm", sagte ber Schustergeselle, schaut« prüfend aus die Schuhe unb überlegte, wieviel bie Arbeit wohl wert sei und was er dafür verlangen könne — ein rechter Gierhahn, der er geworden war.
„Gleich bin ich so weit", sagte der Schuster mürrisch und holte seine Mütze. -n ging durch ben Kopf, daß er auch drüben jemand zum Tanzen hatte, unb daß ein Jahr viel länger ist als eine Osternacht. Er hielt also der Hollentochter zuerst die Mütze hin, und alle Leut« fingen 0,1 Mer Re schöne Eitelkeit meinte wohl, ein Tanz mit ihr fei der schönste Lohn auf Erden. Und sie war so erbost über ben unhöflichen Schuster, sie
nichts zu tun." . , , , _ 1( .
Nun weiß ich nicht, ob er es gleich fo ernst gemeint hat. Das kleine »Olk hat ihn jebenfaUs beim Wort genommen. Abends, wie der Schuster- gcfelle grabe einschlafen will, knistert es vor seinem Fenster; zimperklem unb libellustig kommt einer nach dem andern von draußen heremgehupst, Männchen und Weibchen, und will, daß er mitkommt, um Schuhe zu i räfjen. Aber der Schuster kriegt solche Angst vor dem Spuk, er zieht bie - »ettdecke über ben Kops unb gibt keinen Laut von sich, so viel die Kleinen «uch am Tuch zerren und zupfen. , r
In ber nächsten Nacht hat bas Völkchen es leiser begonnen, ftanb schon !ie ganze Kammer voll, als ber Schuster zu seinem Schrecken erwachte.


