Ausgabe 
18.11.1935
 
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Mit

macht".

Oer Erzähler Ulrich Sander.

Bon Hanns Arens.

«m^twörtlich: vr. Hans Thhriot.-Druck und Derlag: Brühl',che Univerf itäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieb«»-

Ulrich Sander ist 1892 in Anklam, Vorpommern, geboren.

dieser Landschaft, den Bodden, Buchten und Inseln skandinavischer Einfluß noch heute ist Sander blutsmäßig verbunden. Am liebsten wäre er wohl früher nach Schweden und da in die Gosta-^rling- Wätder gezogen. Kurz vor dem Kriege gab er sein Studium Germa­nistik auf, da es ihm zu trocken und tot erschien. 1914 geht er als Fahnenjunker eines Pionier-Bataillons in den Krieg, den er bis 1918 als Leutnant und Kompanieführer im Osten und Westen mitmacht. Anschließend ein Jahr Grenzschutz. In den Jahren 1919 bis 1925 war er im Landbund tätig, versuchte viel für die Bauern zu tun, hatte aber ost mit dem Großgrundbesitz Streit. 1926 dann, um endlich d,e alte Sehn- ucht, eigenes Land zu besitzen, zu erfüllen, fangt er als kleiner Bündner an der hinterpommerschen Küste ganz von vorne an. Es folgen harte Jahre des Kampfes. Auch die werden überstanden. Als einer der ganz wenigen hat er schon 1922 auf einer selbstgegriindeten Bauernhochschule zusammen mit Bruno Tanzmann und Georg Stammler die Hakenkreuzfahne gehißt. 1933 beruft ihn Reichserziehungsminister Rust zum Leiter der damals neu gegründeten nationalsozialistischen Erziehungsanstalt in Potsdam. Nun lebt er als freier Schriftsteller auf seinemKotten" an der Ostsee.

Seine bisher erschienenen Bücher heißen:Pioniere", ein Front- bericht:Kompost", Roman:Das seldaraue Herz, Bekennt- ni» ^rnnHnihnfpn (ffiuaen Diederichs Verlag, Jena):Nord-

Auch wir wollen hier keine langatmigen Untersuchungen anstellen, sondern nur aus den Dichter Ulrich Sander mit Nachdruck Hinweisen weil wir glauben, er hat uns, vor allem der Jugend, viel zu sagen und ?u ge^en Und gerat« für die, die nicht im Felde waren, ßnd se.ne ^Pioniere" von Bedeutung. Daraus ersehen wir, was es heißt, Front- oibat gewesen zu sein, erfahren, viel besser als aus den weiften Kriegs- lächern, die wunderbare Selbstverständlichkeit des persönlichen Einsatzes. Begriffe wie Pflicht, Treue, Kameradschaft, Mut werden in diesem herrlichen Buch nicht etwa zerredet; sie erhalten durch die Kraft der Darstellung, durch die Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit der Sanberschen Haltung ihre unbezweiseldare Bestätigung.Die Pioniere sollten von allen denen gelesen werden, die durch Beruf und Berufung die Ver­antwortung einer Führung übernommen oder übertragen bekommen haben. Denn das Buch spricht von dieser Generation in der Führung alles ist. Sander nennt sein Buch einenFrontbericht - Diese tatsächliche Bezeichnung deckt sich allerdings mit dem erzählten Inhalt, aber als künstlerische Gestaltung eines Erlebnisses besitzt dieses Buch eine weit größere Bedeutung. Auch von dem Bekenntnis eines Frontsoldaten, dem Feldgrauen Herz", läßt sich sagen, daß es als Aeußerung eines Mannes der Front mehr innere Kraft ausstrahlt als mancher dickleibige Wälzer der sich in der Aufrollung von Problemen nicht genug tun kann. Anders bei Sander; er berichtet auch hier w seiner t aren und plastischen Sprache von den inneren und äußeren Einflüssen, die der Krieg in ihm (und vielen andern) hinterlieh. Und wenn man dieses kleine Buch von 64 Selten gelesen hat, so ist es einem als ob man einen Band von 640 Seiten in sich ausgenommen hat, so voll von Erkennt- nissen, Einsichten und Klarheiten und gültigen Formulierungen ist dieser Buch, so angefüllt mit Lebenskraft, durchstromt von der elementaren Wucht der Erlebnisfülle, daß wir Jüngeren, die w,r den Krieg nicht mehr mitmachten, jene Frontgeneration nur beneiden können ob ihres einmaligen Erlebnisses, das für alle Dauer ihres Ledens ist. So sollen wir von ihr lernen und versuchen, jeder auf einem ?°^n, uns ihrer würdig zu erweisen. Nicht in Unterwürfigkeit, sondern in Kameradschaft.

Auch Sanders BuchKompost" ist ein Kriegs-Buch allerdings in einem Anderen Sinne. Hier kämpft ein Mann um fein Stuck Land, das er nach Krieg und Revolution sich erobert hat; nun muß er es vertei- digen gegen taufend Feinde.Man mühte ein Stück Land haben - nur so groh dah ein Haus darauf stehen kann und man einen kleinen Garten und Karlofselland hinter dem Hause liegen hat. Man wäre dann ein eigentlicher Mensch." So Sander. Darum geht es ihm, um seinen Kotten". Sander berichtet nun von diesem Kotten, den Kämpfen um das kleine Stück Land, das er halten will gegen Widerstände jeöer nur möglichen Art.Wir sind durch den Krieg belehrt , sagt er imFeld­grauen Herz",dah nur d a s Volk siegen und gesund bleiben wird, das am wenigsten Büros und Fabriken, und am meisten Bauernhöfe hat, siegen nicht in einem kleinen Weltkrieg, sondern für die Ewigkeit Mit Kompost" hat Ulrich Sander vielleicht eines der wesentlichsten Bucher der letzten Jahre geschrieben, von dem man nur wünschen mochte daß viele es lesen wollten. Derb und zuweilen heftig ist seine Sprache, aber immer ehrlich, nie nurkraftmeierisch", wie es bei andern Buchern ähnlicher Art zu beobachten ist. Sander meint es verdammt ernst mit seiner Siedelei an der Küste; seinKotten" kostete ihm meSumme und erforderte durch einige Jahre einen harten "Stellungskrieg . Die Unerbittlichkeit und Hartnäckigkeit des ehemaligen Frcmto f Ziers war notwendig, um Land und Haus zu halten. Davon berichtet fein mutiges Buch, und es ist klar, dah der Dichter Sander es eben fo ernft mtt bem Schreiben meint. Auch dieser Bericht von einerFront wird vieles Überdauern, was heute als Bauern- oder Siedlerroman auf den Markt

bericht;Kompost", Roman;Das feldgraue Herz nis des Frontsoldaten (Eugen Diederichs Verlag, Jena); deutsche Mensche n", Novellen;Inge Holm , Roman (Verlag Korn, Breslau);K l i f f ( o m m er", Roman (Propylaen-Ver ag Ber- (in);Jungens, Roman (Eugen Diederichs Verlag, Jena). Neben seiner dichterischen und schriftstellerischen Arbeit malt und radiert Sander; in einem NovellenbuchNorddeutsche Menschen" (ein zweiter Band erscheint im Frühjahr 1936), sind eine Reihe Linolschnitten enthalten.

Sein erstes BuchPioniere" erschien 1933; toanber war bereits 40 Jahre alt. Man sieht, er ist erst spät zum Schreiben gekommen. Der Krieg unb bas mit ihm oerbunbene starke Erlebnis erst gab ben Anlaß zu dichterischer Arbeit. Aber wie so ganz anders schrieb er seine Bücher. Dieser Mensch, der ein sehr bewegte Leden hinter sich brachte, konnte nicht so schreiben, wie es die Literaten tun, oder so, wie es ein Lese­publikum gern haben wollte. Man muß Sander einmal gesehen und gesprochen haben, um sofort zu wissen, wie wohl seine Bücher geschrieben sind. Sie sind nichts für literarische Akrobaten, fürAestheten", die immer nur nach psychologischen Spitzfindigkeiten suchen. Nein, diese Leser sollten lieber gar nicht erst anfangen seine Bücher zu lesen. Demjenigen aber, dem ein Stück Schwarzbrot aus der Hand des Bauern besser schmeckt als das schönste Stück Torte aus der Konditorei, seien die Bücher von Sander empfohlen. Wie kann wohl das Buch eines Frontsoldaten beschaffen fein, der in den Schlachten vor Ppern und an der Marn« die ganze Fragwürdigkeit alles dessen an sich verspürte, was nicht echt, gesund und natürlich war also auch im Bereich der Literatur unb ber Kunst.Wir lehnen alles sosort ab, was nicht gesunb ist, weil es nicht natürlich ist", heißt es imFeldgrauen Herzen". So kann unb bars man nicht erwarten wie es heute immer noch viele tun baß so ein Frontsoldat, wenn er zur Feber greift unb ein Dichter ist,in Literatur

geworfen wirb.

Hier sei schon anbeutenb auf ein neues Buch von Sander hmge- wiesen:Jungens". Auch dieses Buch, das vor dem Kriege spielt, ist aus per önlichstes Erleben aufgebaut. "Jungens" ist die Generation vor dem Kriege, die vom Schicksal gewissermaßen frhon oorbereitet wird für bas was sie einmal zu leisten hat. Es ist kein Gesellschaftsroman im üblichen Sinne, fefjon beshald nicht, weil Sanber bewußt bie Wett von Heu aus betrachtet. Er sieht bie zwei Jahrzehnte vor bem Kriege immer bunt) das Blickseid des Krieges. Wenn man einen Vergleich Ziehen will, bann mit benPionieren".

Leiber finb bie zwei BücherInge Holm" unbNorbbeutsche Men- [eben" bisher nicht recht an ein breiteres Lesepublikum berangetornmen. Zu Unrecht, benn beibe Bücher, vor allem bie "Nordbeulschen Menschen, zeigen Sauber von einer ungemein starken erzählerischen .Seite. Die Novellen spiegeln Menschen und Landschaft ferner Heimat m farbigen Bildern; in ihnen offenbart sich der Dichter tn feiner ganzen g-abulter freubigteit. Aber was uns biefe Novellen besonders lieben laßt, ist ber Ton ber Sanberschen Sprache, seine Einsachheit ber Zeichnung b.e sortwährenb mitreißenbe Urwüchsigkeit feiner Haltung. Sanber erzählt wirklich; er erfinbet nur sehr wenig. Immer stehen wir mit beiben Füßen auf feiner Erbe, immer auch haben wir bas Gefühl, unmittelbar bei seinen Personen zu sein: wir vermeinen sie leibhaftig sprechen zu hören, so plastisch unb burchsichtia stellt fie ber Dichter vor uns hm. Mag sein, baß es Menschen gibt. Die bie Sanbersche ossene Art des Erzählens nichtmögen", mag fein, aber dann liegt es trotzdem weniger an dem Dichter als an dem Leser. .

Zum Schluß dürfen wir noch aufInge Holm verweisen, das von allen seinen Büchern wohl das sommerlichste ist; heiter und leichter als . seine andern. Wir. die wir seine Art besonders schätzen freuen uns über diese große Liebesgeschichte. Wir erquicken uns an dem Frühling unb Sommer, ber in biefem Buch aus eine munberbare Weise ein- gefangen ist. Aber warum noch so lange über Sanber reben? Man so» feine Bücher lesen, soll fie immer nahe bei sich haben wie gute Freunde, mit denen man auch einmal ein Wort auf Plattdeutsch reden kann, derb und saftig.

behutsam, daß die Mütze mit den Vögeln schneller fiel, härter aufschlug als der Domschüler. .. ..

Der Gerettete wie wenn nichts Absonderliches geschehen wäre, geht ftiner Mütze sicht hinein und jammert:Tot. Alle sieben tot. Arme

Erst als man den wimmernden Bertel auf einer Bahre in den Schlaffaal schleppte wurde Barthel seiner wundersamen Rettung mne, A zu de'm Domherrn, gestand" was sich, begeben hatte un b bat um feine Strafe. Der geistliche Oberherr von Kirche und Schule brachte den Mui nicht auf, den gutherzigen Dümmling zu bestrafen Er ließ nur als Warnung unb Weisung in den steinernen Sims über dem seitlichen Haupteingang der Kreuzkirche die Dohle einmeißeln.

An die Geliebte.

Von Eduard Mörike.

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt.

Mich stumm an deinem Heilgen Wert vergnüge. Dann hör ich recht die leisen Atemzüge Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt

Aus meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,

Daß nun in dir, zu ewiger Genüge, Mein kühnster Wunsch, mein einiger, sich erfüllt.

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn, Ich höre aus der Gottheit nächt'ger Ferne Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich ben Blick nach oben hin, Zum Himmel auf, ba lächeln alle Sterne; Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.