Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Nummer 81
Hreitag, den 18. Oktober
Jahrgang 1935
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den ganzen Tag auf den Beinen. Man .. ."
„Du hast ganz recht", sagt Alfred, „wenn du nichts mehr von unserer
Reise hören willst. Das ist es doch?" _ „ _
Richtig: Alfred hat den Nagel auf
sicher famos. Herrlich, mit so einem „Fraule
(Ich werde ihn „Männle" nennen, denkt Barbara, wenn er nii dem „Fraule" läßt.)
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auf den Kopf getroffen. Die Reise war ,em „Fraule" durchs Land zu fahren, icht von
Gut also. Man bricht die Erinnerungen ab. Man sängt an zu politisieren. Das heißt: Alfred und Fehr geben ein Bild der Zeit — so, wie sie sie sehen. Barbara versucht zuerst, mitzusprechen. Aber' Fehr hort nicht zu, wenn sie etwas sagt. Er wartet ungeduldig, daß sie mit ihrem Satz fertig wird, und redet dann seinen Satz weiter. Darum lehnt sich Barbara etwas im Stuhl zurück und sieht zu zwei ganz jungen Meuchen hinüber, die am Nebentisch sich seit einer Stunde ansehn, lächelnd, ernst, aufmerksam, forschend, glücklich.
War es nicht gestern, daß sie so mit Alfred in Frankfurt saß und die halbe Nacht tanzte? Ohne ein Wort fast die ganze Zeit? War das nicht vorgestern, daß sie mit Alfred auf der Mainbrücke in Würzburg stand und in den Fluß starrte, bis sie beide auf der Brücke den Fluß Hinabuhren. von den Laternenketten der Ufer wie von Zügeln gezogen? Hat nicht vor drei Tagen Alfred — wo war es? Einerlei! Ein alter Giebel Äaute ins Fenster, ein Hund heulte, ein Radio gab Tages- und Sportnachrichten — hat da nicht Alfred gesagt: „Die Welt hat für mich ein neues Licht bekommen. Dich, Barbara. Ich sehe Dinge, die rch vorher gar nicht sah ..." t ~ .
„Man mutz", schreit Fehr, „den Mut haben, die Frauen aus den Stellungen hinauszujagen, in die sie nicht hineingehören! Das öffentliche Leben war feminisiert. Man will Männer sehn. Männliche Gedanken und männliches Handeln sollen die Welt lenken."
„Es ist wirklich schwer", unterbricht Barbara noch einmal die Männer" „wirklich schwer für eine Frau, einen Beruf zu haben. Und vielleicht meist nicht richtig. Aber Sie können doch nicht sagen, daß die Frauen zuviel ins Weltregiment hineingeredet hätten. Nein ... nun lassen Sie mich mal das zu Ende sagen! Ja? Wenn die Welt eine Aktien- qesellschaft wäre, dann hätten wir Frauen doch eine kleine Aktienmajorität nicht wahr? Und was die Aktienmajoritäten sonst machen ... das wissen Sie doch. Finden Sie also nicht, daß wir Frauen sehr bescheiden sind? ..." —
Fehr sieht „das Fraule" ganz verdutzt an. Das klingt ja höchst verwegen. Das ist eine ganz tolle intellektuelle Falle. Aber er Fehr, laßt sich nicht mit Diskussionen einfangen. Was er meint, ist doch sonnen- tlQr Bon Frauen versteht Fehr nichts", sucht Alfred zu vermitteln dafür "ist er Frauenarzt. Aber auch sonst bist du ein bißchen übertrieben, Fehr. Du willst doch schließlich nicht wieder zum Stockpflug zuruckkehren?
Doch", sagt Fehr trotzig, „das will ich! Meinen Weinberg kannst du sowieso nicht mit dem Traktor bearbeiten, und der Weinbau bestimmt die Kulturhöhe. Das verstehst du nicht? Ist doch klar ... aber nicht so wichtig. Hauptsache ist, daß wir zu den natürlichen Grundkraften zuruckkehren Man darf nicht gestatten, daß der Mensch von seinen Schöpfungen beherrscht und aus dem Leben gedrückt wird ..."
Sicherlich", sagt Barbara ungeduldig, „aber man muß doch erftmal klären, warum die Menschen sich haben von den Maschinen an die Wand Krücken lallen und ob das nötig war ..." .
Fehr lacht donnernd. Er tätschelt Barbaras Hand. Klaren. Nein, er will gar nichts klären. Jetzt muß gehandelt werden. Man hat jahr- zehntelanq geklärt, und es ist nichts herausgekommen. In der Medizin ... versteht Barbara vielleicht was von Medizin?
„Nein", sagt Barbara mutlos, „von Medizin verstehe ich gar "^Schade* sagt Fehr, „sonst könnte ich Ihnen Beispiele der Klärung nennen ' Nein ... Intuition ist alles ... Naturblick muh man haben " Er wendet sich damit endgültig an Alfred zuruck. Meimberg muh doch einlehn, daß man nicht mit den bisherigen Methoden wester- kommen konnte? Meimberg nickt. Daß das Leben sich dem Kräftigen doch beugt ... Meimberg nickt. Daß die Zwirnsfaden des Intellekts die von der vorigen Generation gesponnen wurden zerrissen werden müssen, von oer vor g Das ist ja die Ansicht aller jungen Seute.
Wenn man aber ins einzelne geht ... Und so beginnen sie denn, sich in schwierige Einzelfragen der Wirtschaft zu vertiefen .
Barbara hört zuerst noch zu. Sie denkt, sie konnte Alfred noch besser
Liebesroman
GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE
Von Walther von Hollanöer
lkopgrlght 6y August Scherl G.m.b.y., Serlin
8. Fortsetzung.
Er gibt dem Geschäftsfreund die Hand. Er geht auf die Straße, taucht unter zwischen den Spaziergängerinnen und Einkäuferinnen, als müßte er sich verstecken. Er geht bis zu seinem Hotel, kehrt um, marschiert um das Häuserviereck. Wieder bis zum Hotel. Nochmals ums Viereck. Er geht immer schneller. Es muh sich doch schließlich feststellen lassen, was er eigentlich will. Will er nach Mandschukuo zurück? Nein! Ueber- Kins Ge chüft zurück? Nein! Was also will er? Er geht in eine honzelle. Er ruft Sophie Wahnke an. Er muß sie sprechen. Sie ist eingeladen? Das geht leider nicht. Es ist lebenswichtig. Für wen lebenswichtig? Nun, natürlich für ihn, Rauthammer. Na, also? Um neun Uhr? Gut, um neun Uhr.
Lebenswichtig? Er nimmt seinen Gang wieder auf. Jawohl, lebenswichtig. Wenn er noch sechs solche Tage in Berlin sitzt, in seinem Hotelzimmer, in Cafes, Restaurants, in Kinos ... dann wirdter oor Lartger- weile eingehn. Oder? Oder ist es vielleicht umgekehrt? Will er melle,cht sterben, und langweilt ihn deshalb alles? Alles, was er getan hat? Alles, was er tun kann? Jeder Plan, jede Arbeit, jede Erinnerung, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Er steht gerade vor emem Re, eburo. Er studiert den Dampfer, der im Schaufenster ausgestellt ist, mit dem er mal aesahren ist, dort in der Kabine 112 mit seiner Frau, Leonie Rauthammer, der alle Männer den Hof machten. Vorbei. Tot. Einerlei.
Sicherlich werde ich bald sterben, sagt er sich endlich mit oller Deutlichkeit. Das kann gar nicht anders sein. Ich brauche nicht zu diesem Prosessor zurück und mir Trostworte und Pillen verabreichen zu lassen. Wenn ich mir noch helfen will, so kann ich mir bestimmt am ehesten selber Helsen. Mein Freund, der chinesische Kaufmann, hat mich die Atemkunde gelehrt. Man kann länger leben, wenn man atmen kann.
Es handelt sich also einfach darum, ob man länger leben will oder nickt Ob es noch etwas gibt, das man zu erjagen trachtet? Jawohl, ms aibt es Wenn es das aber gibt, dann, Rauthammer müssen wir es erjagen! Er tritt noch einen Schritt naher an das Schaufenster heran. Er sieht fick schattenhaft gespiegelt über dem Dampfer, mit dem er ernst aefahren ft und er denkt diese Sache, Blick in Blick mit sich, folgendermaßen zu Ende: Wir wollen die Liebe eines Mensche» haben, der einer äderen WAt gehört. Schlimmer: Wir wollen die Liebe, d.e einem ""Wolletwir'uns durch eine Frau, durch diese Barbara, retten? Mel- leicht. Vielleicht aber ist es noch schlimmer, und ww wollen weller nicht
bekommt ja Liebe nicht, wenn man nicht mit gleicher Münze bezahlen
es a(i0 dieses? Rauthammer, der schattenhafte Befragte antwort Rau?hamme1 dem Fragenden: „Ich glaube, ich b.n ,o weit, daß
* SyiÄrtÄlmb.ro IW in SWt rt.n l«
tiger Alemanne mit donnerndem Lachen, b mannigfach
LSr m? im" «lmondschein gelb und
kränklich aussehen. Acht Tage sind fast verga g . 9f<« v
sechs junge Mädchen sangen vierstimmig. Die DorshunM kamen g l,u|,n Uf5nLÄ“4rtM™.n SrtWl«-. «nlerbrrtt W «;f »SÄ 'S- SÄ’tSÄtÄ.V**- ">">
das Nest." Man sitzt da in einem lustig ausgemalten Cafe. Und es g.or
Silben 'W I )m folgen I stah, uni I >on MS»' I
einer düsteren Bauernburg oder Lemgo mit einem Puppenmarktplatz aus lauter alten Häusern
„... In Weimar, weißt du noch", lacht Alfted, „das prinzessinnen- hafte Stubenmädchen oder der Jazzkapellmeister in Frankfurt gestern abend oder Herr Franz, der lustige Pikkolo im Waldhaus, ober ber Tankwärter bei Würzburg ..."
„Haaaahaaaa", gähnt Fehr, „haaaa ... Entschulbigung aber man ist ben ganzen Tag auf ben Beinen. Man ..."
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