auf.
etwas
wunderte sich sehr, in die Wohnstube
machten dann gar nicht ab« ja heute fort
nirgends zu sehen. Wasser gegangen.
„Heute abend gehst du mit mir {ort, Birge!"
„Meinst du?"
Arge wollte tapfer lachen, unerwartet kamen ihr aber die Tränen, sie schaute Bertold an und weinte, ohne daß sie es wußte.
3n diesem Augenblick kamen ein paar Holzschuhe um die Ecke gegangen. Sie gingen so langsam und heimlich, daß man hätte meinen können, es sei nur ein Holzschuh. Darin stak ein Bursch von zwanzig
Birge war blitzschnell zur Türe hinaus. Bertold sprang aus dem Bett und kleidete sich an. Als er kam, war der Tisch festlich gedeckt, Birge aber war Er glaubte in jähem Sck>reck zuerst, sie sei ins HCyu,.Hriu
Dann siel ihm ein, daß hier oben nur der Brunnentrog voll Wasser sei: er schaute aber doch zum Fenster hinaus und stellte fest, daß Birge nicht im Brunnen verschwunden sein könne. Er fand sie in der Küche. Sie stellte verschiedene Topfe durcheinander und wieder zurück an ihren alten Platz. 0 *
„Schlag’ die Trommel Birge", rief Bertold und verließ die Stube .?ar verschwunden. Bertold ging an die Ecke des Gartens bietl(S ?n6U?Cr ®a“n unb beobachtete Hans, der nun wieder gemeßen ?lL entlang ging unö dann ziemlich siegreich dreinschauend in le *!e.n etnbog. Friedrichs Garten lief bis an Matthies' Hof Hans drehte M) um und legte sich ebenfalls an feiner Lieblingsstelle neben eihncm er Utber ben 3aun- Da sah er plötzlich Bertold sich gegen« u!d spuckten SmÄn* ,id) abEr 9(Cid) einen fürchterlichen Mut
„Willst du unsere Blumen düngen?" fragte Bertold.
„Da kommt er, Hans", rief Birge und verschwand in der Echlaf- bes .Köters. Dort nahm sie unter der alten Trommel Auf- nehen 9f»tn esnbOH ? aJer dem Siebziger Krieg mit heimgebracht und Imtm hn6 ® L8eban9 ^te. Hans ging langsam. Bertold merkte es kaum daß er schon eine Weile vor dem Fenster stand
„Guten Morgen Hans", rief er endlich und riß das Fenster "Mom grollte Hans unsicher. Er hatte volle Apfelbacken.
„Wolltest du etwas bei uns borgen, Hans?"
„Bei euch? Ich wollte nur sehen, wer alles zu Haufe ist."
„Birge und ich. Fährst du heute nicht auf den Acker?" m?Aann mir einrichten, wie ich will?"
„Paßt dir etwas nicht?"
„Komm doch heraus, wenn du etwas willst."
»Was ist das für ein Spiel?" fragte Bertold.
„Das Topfguckerlspiel", antwortete Birge.
Sie aßen bann und tranken, nicht viel, ertappten sich oft dabei, wie sie sich unermüdlich und fromm in die Augen schauten, und einen künstlichen Aufruhr gegen den armen Kuchen, der nehmen wollte. Plötzlich dachte Bertold daran, daß er müsse zu seiner Tante.
hatte er sie schon am Handgelenk. Sie schrie nicht auf, so erschrocken
— wollte ja nur Nachsehen, ob du schon ausgestanden seist."
Nein, liebe Birge", sagte Bertold. Es war ihm beklommen zumut, doch wollte er sie nicht loslassen. Er bat sie endlich, sich ein wenig auf fein Bett zu fetzen
Sie tat es arglos, doch fetzte sie sich genau auf den Rand unb erzählte auf feine Frage, baß bie Brüder und die Schwester aufs Feld feien.
„Unb der Vater?" fragte Bertold. Birge seufzte.
„Er ist mit dem Nachbar in die Stadt auf ben Markt. Er kommt manchmal sehr spät heim. Sie trinken gern, bie zwei. Hast bu Hans fdjonjjortfäbren hören?"
„Wer ist Hans?" Birge errötete.
„Hans? Das ist hoch dem Nachbar feiner, ber älteste."
„Warum bist bu da rot geworden?" Birge schwieg. Bertold fragte: „Soll ich es dir verraten?" Ihre Augen wurden dunkel, bann sagte sie: „Das haben sie eben unter sich ausgemacht, daß ich hinüberheiraten soll. Der Vater will es so."
Es würbe Bertolb kalt. Dann sprach er jäh: „Du mußt bem Vater nicht gehorchen, Birge. Besser es brennen bie beiben Häuser ab, seins unb eures, als bah dein Herz verbrennt. Glaubst du denn, ich —".
Er suchte nach einem Wort, um ihr zu sagen, daß er ihr bis zum Aeußersten Helsen werde. Da sah sie ihn voll an. Er tat einen heimlichen Schwur gegen den Paten, den dürren Trinker, der vielleicht heute in einer geschwätzigen Schenke mit dem prahlenden Dicken über Birges Haupt bie Würfel warf. Dann bog er ihr süßes und strahlendes Haupt an seinen Mund. Er sah ihr in die Augen. Alle Freude, Frömmigkeit unb Kraft ihrer Seele strahlte jetzt aus ihrem Blick, unb im Grunde ihrer Augen lag, blau unb fern, uralter Ernst unb Treue, bie keine Lüge kennt.
„Willst bu mir bein Leben erhalten, Birge, so wie ich dir bas meine erhalten werbe?" fragte er.
„3a", sagte Birge unb legte seine Hanb auf ihre Brust.
Sein Herz schlug mit bem ihren zusammen einen leisen Doppel- gefang. Er brückte ihr Haupt an fein Gesicht. Sie lauschten bem jubeln« ben Föhn unb schwiegen. Sie brückten sich die Hände und wurden ganz voller Feuer. Er glaubte einen zarten Schrei von ihr gehört zu haben, mitten im Kusse.
Birge ging zum Fenster und schaute ihn an. Sie sprach: „Weißt du, warum ich vorhin gerufen habe, Bertolb?7'
„Nein, Birge."
„Ich habe meine Mutter bei bir stehen sehen."
„Warum solltest bu ba erschrecken?"
„Ich habe meine Mutter bei mir stehen sehen."
„Unb weiter boch nichts?"
Hans stieß einen verächtlichen Lacher aus unb blinzelte einladend zu feinem Hackklotz herunter, in dem ein Beil stak. Das war zu viel. Bertold ging kriegerischen Schrittes zu Hans, zog, ohne daß dieser sich muckte, das Beil aus dem Klotz und ließ es zum Spott auf feiner Hand tanzen. Dann hieb er es zischend ins Holz; es war ihm leid geworden, den unglücklichen Burschen zu kränken. Schon wandte er sich zum Gehen. Aber Hans, der nicht locker lassen wollte — vielleicht schaute Birge durchs Küchenfenster — warf sich von neuem auf und rief: „Du brauchst gar nicht so frech zu fein."
„Eigentlich nicht."
„Es gibt noch mehr Studenten wie dich."
„Zum Beispiel?"
„Hott." Hans brüllte fast unter Tränen den Namen heraus. Bertold zuckte. Was wollte Hans mit Hott, Hott mit Hans? Wer wollte dem anderen helfen, Birge zu gewinnen? Hans fuhr fort, von feinem Schutzherrn zu erzählen, er wolle in ben Ferien hier herauf zu ihm kommen, ja, sie wollten sich sogar Briefe schreiben, Hott von der Universität herab!
„Ihr paßt ja auch ganz gut zusammen", sagte Bertold. „Hoffentlich werdet ihr euch auch gut vertragen."
„Besser als mit dir", drückte Hans heraus und ging auf den Stall zu. Mitten im Hof aber blieb er stehen, gurgelte ein Gelächter, das recht boshaft fein sollte, aus seinem Hals und rief, indem er sich auf die Schenkel schlug: „Bettelstudent, Bettelstudentl"
Als Bertold anlief, flog Hans schon über den Mist in den Statt; dort machte er sich an der Krippe des großen Bullen zu schaffen. Der Bulle stellte ben Buckel hoch unb sah böswillig auf Bertolb, ber in ber Stalltür ftanb.
„Gegen so zwei kann nur eine Kuh ankommen", rief Bertolb unb warf bie Statttür zu, baß ber Riegel klirrte. Dann ging er langsam unb mit feiner Wut kämpfenb burch ben Baumgarten auf ben Stoppelacker, auf bem ein Lager Holzer eingerichtet war, unb warf fo lange Steine unb Stämme, bis er ben Bettelftubenten hinuntergeschluckt hatte. Mit Hott wollte er aber boch reben, wenn er ihn einmal auf ber Universität treffen würbe: mit der Waffe in ber Hanb!
Als er am Brunnen ftanb, sah er Birge vom Feld her durch den Garten kommen. Sie mußte sehr schnell gelaufen sein. Er fragte sie, woher sie komme und sie antwortete, das werde er am Abend schon noch erfahren, sie verrate jetzt kein Sterbenswörtchen.
Am Nachmittag schien die Sonne, als fei sie von gewaltigem Wind aus ben Wolken gepreßt, strahlenb unb voll. Es gab sich fast von selbst, baß Birge unb Bertolb zusammen auf ben Bobcn gingen in Birges Kammer. Bertolb fetzte sich vorsichtig, währenb sie ben Schrank aufsperrte, auf ihr Bett, bann zog er bie bunteibunten Vorhänge über bas kleine Fenster, baß nicht einmal bie Sonne in Birges Geheimnisse hineinschauen konnte. Sie zeigte ihm alles, was sie hatte, unb bebecfte mit (eibenen Tüchern, Schürzen, Gold- und Silberschmuck alle Stühle, Truhen und ihr Bett. Bertoib würbe es wunberlich zumute in biefem wallenben Garten von schonen Kleibern. Er umpreßte in Gebanken Birges Brust mit ben golbenen ©Hebern, schlang bie Schnüre unb Ketten einzeln um ihre Gelenke und spannte bie flammenden Kleider um ihre Hüften. Wie gern hätte er sie in jedes Kleid gesteckt und wieder herausgezogen. Das Gewoge und Geflute von den Kleidern unb getrockneten Riechkräutern würbe schließlich so stark, bah er aufstanb, um, wie er sagte, im Schranke frische Lust zu schnappen. Denn Fenster unb Tür hätte er nie aufgemacht.
Da stürzte sich Birge mit einem Schrei auf ihn. Aber er hatte es schon gesehen, das hellblaue Seidenkleid an ber bunfelften Bauchwand des Schrankes. Er griff banach. Sie war bem Weinen nahe, faßte sich aber schnell und sagte: „Nun kannst bu's auch wissen, es ist nun boch verraten. Das wollte ich anziehen, wenn ich bich einmal auf ber Universität besuchte."
„Dann zieh' es wenigstens jetzt einmal an", sprach Bertolb ungerührt. „Es muß zu beinern gelben Haar prachtvoll stehen."
„Meinst bu?" Birge war roieber versöhnt. Sie schickte Bertolb hinaus, unb als sie ihn roieber hereinrief, ftanb sie schlank unb schön im Fenster, unb bie Selbe zitterte an ihren Hüsten.
Das war roieber eine anbere Birge! So fest unb fein in bie Höhe gebaut! Bertolb nahm ihr Hänbe unb tanzte leise mit ihr. Das rau- schenbe Licht brausten, das Murmeln des Brunnens, die Linde im Hof und das brausende Blut, alles verwirrte die beiden selig. Sie tanzten und küßten sich. Da fragte Birge zart: „Bertolb, soll ich mein Kleid jetzt wieder ausziehen?"
„Nie, in Ewigkeit nicht", antwortete Bertolb unb hals ihr alle bie anberen Kleiber unb Tücher roieber einräumen.
Die Sonne war untergegangen. Cs kam eine milbe Nacht mit fernem Wetterleuchten. Unb beibe waren sie ganz in einer fremben unb boch heilig nahen Welt, als sie plötzlich bie Gäule in den Hof knarren hörten. Da sprach Birge schnell zu Bertolb: „Geh' nach bem Essen heimlich durch ben Grasgarten, daß bich niemanb vom Nachbarhof sieht, unb warte beim Wiesenpsad auf mich. Da habe ich beinen Ruck ack schon hin- gelegt."
Geschwister und Knechte stampften herein, als der Mond schon im Apfelbaumgarten ging. Sie fetzten sich müde um den Tisch und sahen kaum, daß Birge, die das Essen auftrug, ihr neues Kleid anhatte.
Bertolb aß mit ihnen. Sie schliefen schon halb Dann ftanb er auf unb tagte, er müsse jetzt schnell fort, wenn er vor Mitternacht noch bei ankommen wolle. Die Brüber schielten zweiflerisch über ihre Milchlöffel, bie Schwester rieb bie Hand an ihrer Schürze, endlich legten alle drei die Lössel klappernd nieder, streckten ihm fast gleichzeitig die Hand hm unb sprachen: „Ja, ba mach's halt gut"
Hinter ber Scheunenecke aber, bie in ben Garten geht, ftanb Birge schon unb spähte heimlich nach Bertolb.
(Fortsetzung folgt.)


