Ausgabe 
18.1.1935
 
Einzelbild herunterladen

OJeran*ottn$. Dr. Haus Thyriot. - Druck und Berlag: Brühl fche Univerfitäts-Duch- und Steindruckerei. L. Lange. Si-ßen.

Dichter und Sprache.

Von Ina Seidel.

In den letzten Jahren haben wir in fast allen Bereichen der deutschen Dichtung ein stärkeres Bewußtwerden der großen Aufgabe beobachten können, die dem Dichter im Schoße des Volkes gegenüber dem Kulturgut der Sprache gestellt ist. So mehren sich auch die Kund­gebungen, die der erlebten und durchdachten Haltung zur Sprache, sei es in einem einfachen Bekenntnis, sei es in einer zukunftweisenden Forderung, weithintönenden Ausdruck verleihen. Im Chor dieser Stimmen verdient die Aeußerung Ina Seidels in dem bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erschienenen Sammelband Dichter, Volkstum und Sprache" besondere Ausmerksamkert.

Der Dichter und sein Volk das ist ja in erster Linie ein ganz einfacher, unmittelbarer Lebenszusammenhang, von dem jener irrt gleichen Maße abbängt wie jeder andere Volksangehörige. Er findet sich beladen und begnadet zugleich mit dem Blutserbe seines Volkes, seines Stammes, feiner Familie. Sein Körper und sein Antlitz tragen die gleiche Prägung wie die Menschen, die ihn umgeben, die Prägung letztlich, die Himmel, Klima und Bodenbeschafsenheit gerade diesem Volk durch Jahrhunderte hindurch verliehen haben, und die geheimnisvoll auf die tiefe Einheit hinweist, in der Volk und Landschaft untrennbar verbunden sind. Ihr entspricht auf dckr anderen Seite die Verwandlung des von einer Nation durch viele

M-rlch-»-»-- "»»«ch jJÄ'taS SÄE

rTs? sWä« »XÄTüsreyss

Väter »erbtenbeinem.übe^t^ gzolk ^steht, ob es ge-

sataüfvJü Schwein

Ste umsangt ihn, wenn ^r s *bn .t toirb wird er es in den engen heranwachsend stch fernes Dasems v B ' bört weit eher, als er oder werten Grenzen des Volkstui^, zu be 9^ ^^ndliche Weltall den Erbteil dre Erde über sich kreisen sieht, finden

I SjÄ Fastungskrast Au gang und Ende dort, wo der Hnnmel «ngs um den Horizont mtt dem Boden der Heimat zusammenzustoßen schemt.

di- Elemente der Blutsverbundenheit und der gemern-

I SLXtar eines Volkes ' Haben wir es jemals schon ganz ersaßt, daß wir WWW ,

WS

ffifbä*wÄRta Ausd^ck^efunden i'unb® rwar, weil toir ia von unsrer Sprache ausgehen, in den Jahrhunderten, fett Ulsüas setne Moten Brechen lehrte: Unser Vater, der Du bist im Htmmel! Natürlich aber läßt sich jeder alte, int Gebrauch noch lebendige Spruch, des Lied, jede Dichtung von einst, wenn sie noch unmittelbar von uns nacherlebt werden kann, ebenso einsetzen, um uns etwas von dem gebundenen Zauber

, der Worte ahnen zu lasten, die in aller Munde sind, dre rhren Klang ,a oft ihren Sinn mit den Geschlechtern wandeln und doch der Verbindung mit Uriiun und Urlaut so wenig verlustig gehen als das Volk des Blut- Zusammenhangs mit seinen frühesten Vätern. Eingeweihte haben zu al (len Ä.ten von einer geheimnisvollen Weltchronrk wissen wollen, rn dre alles einginge, was auf Erden geschähe: für jedes der großen mdogermamschen Völker besteht solche lebendige Chronik in feiner Sprache, die allem in den Namen und Dingworten die Schlüssel zu allen Rätseln der Vergangenheit birat wiederum freilich nur für den Kundigen (womit ich tm Augenblick tiifT t'bpn Dickter sondern natürlich die Germanisten meine X Unb tote alle Wandlungen?die'die Kultur und der Gottesbegriff eines Volkes durchlaufen haben, wie sein edelstes Streben, seme Treue gegen sich selbst, fem Helden­tum seine Frömmigkeit, sein Glaube und seine Liebe in der Reinheit seiner Sprache ihr geistiges Denkmal haben, so weilt doch auch kem anderes Aus­drucksmittel \o erschütternd die Male der Schande und der Erniedrigung, der Rot und des Untergangs auf tote die Sprache: lahrhundertelang leuch- ten die Narben und Striemen an ihrem Leibe, an den Krücken der Fremd Worte schleppen sich die Sätze daher, weil eine Lähmung m emem frühen Entwicklungszustand hemmend auf die Bildung etgener Worte für die aus fremden Kulturen übernommenen Begriffe war. Dennoch ist eine Sprache weder jung noch alt, solange f,e noch gesprochen wird und dem Leben dient. Immer im Fließen, immer wandlnngssahig, bereit, sich anzu­schmiegen, wo neues Erleben zu neuem Ausdruck drängt, immer auch m der Gesahr, zu versanden, blaß, matt, schwach zu werden, gl e i chs amzue r- kranken wenn sie nicht fortwährend aus den innersten Zellen des völkischen Lebens'gespeist wird, ist die Sprache von der Erscheinung dieses Lebens selber kaum zu trennen und zu unterscheiden. Wie sie ine ursprünglichsten Beziehungen innerhalb des Volkes trägt und vermittelt, so breitet üch feder Eultnrantrieb nur dilrch sie aus, so ist die Kultur in jeder ihrer Formen für ihr Emwicklung angewiesen aus den Ausdruck des schöpferische^ Geistes auf die Mitteilung, auf das Wort. Wo aber bte Sprache eines Volkes sich gleichsam ihrer lelbst bewußt werden, wo sie aufhören will Mittel zu sem und nun Selbstzweck drängt, wo sie kristallisieren, zum Gebild zusammen- schießen zum Gedicht werden will: da wächst ihr aus der Masse des Volkes der Mensch ni' in dem sie Gewalt werden kann. Anders wird kein Dichter, als daß sein Volk in ihm sich seiner Sprache, und in ihr seiner tiefsten, heiligsten Besitztümer, seiner höchsten, gottnächsten Wünsche und Ziele bewußt wird. Und hierin liegt für mein Gefühl die letzte und gültigste Bindung zwischen einem Volke und seinen Dichtern.

Mer nun e* e$ m^toie^denselben ^°^^RätM I ^Geheimnlssts"zugleich bic bejcefenbe^tfonIfe$ti^tfa^eet)taunem Lack Doktor Erhardt schritt aus einen p^nz anschauenden Mercedes- glänzenden, mit großen ^ÄnVurbe, die schönste, sauberste, be- wagen zu, der, als er ausgejchtosf rief Erhardt mit einem frohen lieW, meta SB««« W «"> ««*"

«

Erzieher____________

Hymnus auf die deutsche Sprache.

Von I o s e s W e i n h e b e r.

Oh, wie raunt, lebt, atmet in deinem Laut der tiefe Gott, dein Herr; unsre Seel', die da ist das Schicksal der Welt.

Du, des Erhabenen

starres Antlitz, mildes Auge des Traumes, eherne Schwertfaustl

Eine Helle Mutter, eint dunkle Geliebte, stärker, furchtbarer, süßer als all deine Schwestern: bittern Kampfes, jeglichen Opfers wert: Du gibst dem Herrn die Kraft des Befehls und Demut dem Sklaven.

Du gibst dem Dunklen Dunkles und dem Lichte das Licht.

Du nennst die Erde und den Himmel: deutsch!

Du unverbraucht wie dein Volk!

Du tief wie dein Volk!

Du schwer und spröd' wie dein Volk!

Du wie dein Volk niemals beendet!

Im fernen Land furchtbar allein, das Dach nicht über dem Haupte, und unter den Füßen die Erde nicht: Du einzig seine Heimat, süße Heimat dem Sohn des Volks.

Du Zuflucht in das Herz hinab, du über Gräbern Siegel des Kommenden, teures Gefag ewigen Leides!

Vaterland uns Einsamen, die es nicht kennt, unzerstörbar Scholle dem Schollenlosen, unserer Nacktheit weiches Kleid, unserem Blut eine letzte Lust, unserer Angst eine tiefe Ruhe: Sprache unser!

Die wir dich sprechen in Gnaden, dunkle Geliebte!

Die wir dich schweigen in Ehrfurcht, heilige Mutter!