Ausgabe 
18.1.1935
 
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Volton bereit ihn im Arm, wandte sich der nächsten St-'Ne zu, an der er das lockende Blinken bemerkt hatte, und sah mißmutig, dxiß Garrison bereits dorthin eilte und etwas Schimmerndes aushob, bevor er selbst heranzu­kommen vermochte. Schnell lies er auf einen dritten Punkt zu und traf keuchend von dem Kauf bei einem dritten Brocken, der noch größer als die beiden ersten war, nut Garrison zusammen. Gleichzeitig wollten beide danach greifen, bückten sich und prallten hart mit den Köpfen zusammen. Fluchend rieb sich Bolton den Schädel.

So geht das nicht, Garrison. Ueberhaupt", noch einmal schaute er sich prüfend nach allen Seiten um. Von mehr als zwanzig Stellen blinkte es ihm aus größerer und geringerer Entfernung entgegen.Ueberhaupt brauchen wir hier etwas anderes, um den Segen aufzulefen. Mehr als die drei Brocken hier können wir ja kaum schleppen. Wollen die mal erst zum Wagen zurückbringen und sehen, wie wir es weiter machen."

Polternd sielen in dem Raupenwagen drei Erzbrocken, zusammen wohl einen halben Zentner schwer, in eine Kiste, und schon liefen die beiden Amerikaner wieder ins Freie hinaus. Zu groß war ihre Gier nach dem kostbaren Erz, und in der Eile wollte ihnen kein besserer Weg einfall'en, es zu holen. Doppelt so lange Zeit wie beim ersten Male blieben sie diesmal fort. Jeder brachte zwei große Brocken herangeichleppt, als sie in der Nähe des Wagens wieder zusammentrafen.

Ich glaube, Garrison", stieß Bolton zwischen heftigen Atemstößen heraus,wir haben eine. Stelle entdeckt, an der sich's lohnt. An wenigstens hundert Punkten habe ich es funkeln und blinken sehen."

Ich auch, Bolton", bestätigte Garrison seine Entdeckung.Der Bolide muß hier krästig gestreut haben. Aber lange Zeit wird es in Anspruch nehmen, bis wir das alles zusammensuchen und in den Wagen bringen. Wer weiß, ob Captain Andrew uns die nötige Zeit dafür läßt. Sehen Sie, der Funkmast wird schon wieder eingezogen, gleich wird die Fahrt weiter­gehen."

Wie eine gereizte Bulldogge fuhr Bolton empor.

Andrew wird ivarten, so lange es uns beliebt."

Sie stiegen in den Wagen, um ihren F-ünd in Sicherheit zu bringen. Zeit, Gentlemen", empfing sie Andrew.Wir wollen weiter." Mit einer schroffen Bewegung hielt ihm Bolton das Erz vors Gesicht. Was sagen Sie dazu, Mr. Andrew?"

Prüfend beugte sich Andrew noch dichter darüber.

Meteoriteisen, wenn ich mich nicht irre. Vermutlich Nickeleisen--"

Nickcleisen oder sonst ein Eisen", siel ihm Bolton ins Wort,jedenfalls ist es hier in Mengen zu finden, und wir wollen kein Stück davon liegen lassen."

Vergeblich versuchte Andrew zu widersprechen. Bolton zog seinenVertrag aus der Tasche und deutete auf eine bestimmte Stelle darin. Es war ein kleiner, aber schwerwiegender Paragraph, den Andrew mit allen andern Paragraphen des Vertrages damals unterschrieben hatte, ohne ihm beson­dere Aufmerksamkeit zu schenken. Aber genau besehen besagte er nicht mehr und nicht weniger, als daß Mr. Bolton die Bewegungen der Expedition zu bestimmen hatte, sobald sie in ein Gebiet kamen, in dem Meteoritenerz lag.

Nach kurzem Ueberlegen gab Andrew das Schriftstück zurück.

Sie haben recht, Mr. Bolton. Wenn hier Erze liegen, muß ich Ihnen die Zeit lassen, sie auszicheben sie aufzuheben berücksichtigen Sie das wohl so ist der* Wortlaut unseres Vertrages. Von irgendwelchen Fahrten, um das Erz zu entdecken, steht nichts darin."

Ist auch nicht nötig, Eaptain. Es liegt hier. Soweit man sehen kann, blinkt und blitzt esBolton hielt es für angebracht, etwas zu übertreiben. an tausend Stellen."

Dann heben Sie es in Gottes Namen auf", sagte Andrew und machte sich an feinen Instrumenten zu schaffen.---

Naturgemäß hatte Hein Eggerth keine Ahnung von dem Vertrag zwischen Captain Andrew und feinen Partnern, aber wenn er ihn Wort für Wort gekannt hätte, hätte er nicht zweckmäßiger verfahren können, als er es getan hatte. Läßt man aus einem sich mäßig schnell bewegenden Flugzeug aus 6000 Meter Höhe Erzbrocken von der hier benutzten Größe herausfallen, so streuen sie bei ihrem Sturz bis zur Erde recht hübsch nach allen Seiten. Etwa tausend Tonnen der blinkenden Lockspeise hatte ,St 11 aus seinen Flügen ausgewvrfen. Mehr als hunderttausend Brocken waren es, die ziemlich gleichmäßig verteilt, ein etwa fünf Kilometer breites und drei­hundert Kilometer langes Gelände bedeckten. Nicht Tage, sondern Wochen mußte es beanspruchen, diese Erzmenge auszusammeln.

By allein Uebersluß bog die derartig gesalzene Strecke unter dem 75.Grad südlicher Breite nach Westen ab. Wenn die beiden Erzliebhaber ihr, wie Hein Eggerth es vorausfetzte, folgten, mußten sie sich wieder von der deut­schen Grenze entsernen.

Die nächsten Tage brachten den Beweis, daß der Plan geglückt, der aus­gelegte Köder angenommen worden war. Wie die deutschen Funkpeilungen ergaben, rückte die amerikanische Expedition nur noch sehr langsam vor und schwenkte unter dem 75. Grad nach Westen ab.--

Gelungen! Mr. Volton hat angebissen", rief Hein Eggerth und machte einen Freudensprung.

Hoffentlich kommen die Herrschaften nicht aus den Gedanken, gleich das spezifische Gewicht ihrer Funde zu bestimmen", warf Reute ein.

Hein Eggerth lachte.Und wenn sie es zehnmal täten, Herr Ministerial- direktor, es würde sie doch nicht davon abbringen, den blanken Brocken nachzulausen, joiveit sie sie glänzen und blitzen sehen."

Er behielt mit seiner Prophezeiung recht. Wie hypnotisiert folgten Bol- ton und Garrison dem schimmernden Köder, den ,St 11 ihnen über den Weg gestreut hatte.

Andrew ließ sic gewähren, ohne sich selbst irgendwie an dieser mühevollen Arbeit zu beteiligen. Schweigend beschäftigte er sich mit seinen Instrumenten und wissenschaftlichen Auszeichnungen, und ebensowenig waren der Fahrer Parlett und der Funker Bowson geneigt, das Spiel mitzumachen.

Mit Muhe erreichte es Bolton, daß Andrew über die reichen Funde von Meteoritenerz nichts sanken ließ. Für die Welt, soweit sie aus Funksprüche angewiesen Ivar, befand sich die Andrews,he Expedition in langsamem Fort- k 1'idwestlicher Richtung, eifrig mit wissenschaftlichen Arbeiten und Entdeckungen beschasilgt.

Nur kn der deutschen Kraterstation wußte man über ihre wirkliche Tätig­keit Bescheid. Für mehrere Monate waren die Herren Bolton und Garrison hinreichend beschäftigt, und man brauchte sich vorläufig nicht weiter um sie zu kümmern.--

Die Welt wußte wenig über die wirkliche Tätigkeit der Andreivschen Expedition, aber noch weniger über die deutschen Arbeiten in dem neuen antarktischen Kolonialgebiet, nämlich gar nichts. Es war tatsächlich gelungen, die Errichtung der großen Station am Krater vollkommen geheimzuhalten. Wie bereits gesagt, hatte man ausgesuchte Leute dorthin geschickt, auf deren Verschwiegenheit und Zuverlässigkeit das Reich sich nach ihrer ganzen poli­tischen Vergangenheit unbedingt verlassen konnte. Die Löhne für die zwei­hundert Mann, die in der Kraterstation arbeiteten, waren jo hoch bemessen, daß sie reichlich davon nach Hause schicken, und darüber hinaus schöne Er­sparnisse machen konnten. Weiter hatte man mit allen Mitteln der Technik und Hygiene Lebens- und Arbeitsverhältnijje geschaffen, die irgendwelche Unzufriedenheit und Sehnsucht nicht aufkommen ließen. Und schließlich alle Beteiligten hatten sich dem freiwillig und gern unterworfen hatte man eine Zensur für die Korrespondenz in die Heimat eingeführt. In allen Briefen, die aus der Antarktis nach Deutschland kamen, stand nur zu lesen, daß man eifrig mit Schürf- und Abteufarbeiten beschäftigt sei und stellen­weise bereits abbauwürdige Kohle gesunden geworden sei.

Begreiflicherweise ließ es sich nicht vermeiden, daß solche Briefe in Deutschland von Hand zu Hand gingen und daß gelegentlich der eine ober andere auch einmal in unrechte Hände geriet. Aber ihr Inhalt war infolge der Zensur so unverfänglich, daß weder im Inland noch im Ausland irgend jemand den wahren Sachverhalt ahnte.

In den ausländischen Zeitungen erschienen hin und wieder ironisch ge­färbte Artikel über deutsche Kohlenfunde in der Antarktis, verbunden mit Berechnungen, welche die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit derartiger Unter­nehmungen Überzeugend zu beweisen versuchten. Mit der Erwerbung der antarktischen deutschen Kolonie hakte man sich in den andern Staaten längst abgesunden. Es lohnte sich nicht, um diesen Fetzen vereisten Landes noch diplomatische Noten zu wechseln, es wäre schade um das dabei ver­schriebene Papier gewesen.

So war die allgemeine Lage, als der Tag sich jährte, an dem die ersten Bauten an dem Krater entstanden waren und die ersten Maschinen dort zu arbeiten begonnen hatten. Unablässig waren seitdem die Stratosphären­schiffe mit ihrer kostbaren Last nach Deutschland geflogen, zuerst noch mit Goldbarren, seit Monaten schon nut gemünztem Gold beladen. Nach reif­licher Ueberlegung hatte sich die Reichsregierung entschlossen, auch die Aus­prägung der Goldmünzen in der Antarktis vorzunehmen, weil nur dort absolute Gewähr für die Geheimhaltung gegeben war. Stetig war der Gold­schatz in der Reichsbank dabei gewachsen, bis an die Gewölbedecken ihrer Keller war die goldene Flut gestiegen.--

Da kam die große Ueberraschung, die der internationalen Hochsinanz für Tage die Sprache raubte und die Welt den Atem anhalten ließ. Drei kurze Zeilen im Reichsanzeiger waren es, welche diese gewaltige Wirkung hervorriefen:

,Die Verfügung vom 2. August 1914 wird aufgehoben. Die Reichsbank ist wieder verpflichtet, ihre Banknoten in Gold einzulösen/

Dunkel kam den älteren Leuten die Erinnerung an längst versunkene Zeiten vor dem großen Kriege, da noch funkelnde Goldstücke von Hand zu Hand gegangen waren. Die jüngeren wußten nichts davon, hatten noch niemals in ihrem Leben ein goldenes Zwanzigmarkstück gesehen.

Vater, was sind Goldstücke? Mutter, was heißt das, Goldmünzen?" fragten die Kinder.

Soll es wirklich wieder so werden, wie in jenen alten Zeiten? Soll man wieder bestimmen dürfen, ob man eine Summe in Papier ober in Gold haben will?" zweifelten die Alten. Nur vorsichtig wagten sie den Versuch. Hier und dort gab der eine ober anbere in einet Bankfiliale einen Schein hin, fragte zögernb, stockenb, wie benommen, ob er Gold bafür erhalten könne. Sah bann, baß kein Traum ihn narrte, baß bas Wunber Wahrheit würbe. Slingenb fprang der Gegenwert seines Bankscheines in Form blintcnber Golbmünzen auf bas Zahlbrett unb würbe ihm hingefchoben.

Wie ein Lauffeuer ging bie fiunbe von Munb zu Mund: ,es ist wirklich wahr. Man bekommt in den Banken Golb für fein Papier, für bas es so viele lauge Jahre immer nur toiebcr anderes Papier gab.*

Wer wollte noch Papier nehmen, wo er ohne Schwierigkeit Gold be­kommen konnte? Zn bittet brannte im Gedächtnis von Hunderttausenden noch das große Verbrechen der Inflation, bie Erinnerung an bie Aus­plünderung eines fleißigen sparfamen Volkes durch eine schwindelhafte Ausgabe von ungedecktem Papiergeld. Jetzt war man davor gesichert, jetzt konnte man bie ersparten Rotgroschen in gutem (Selbe anlegen.

Der Erkenntnis folgte der Entschluß zur Tat. Tagelang brängte sich bas Volk an den Bankschaltern unb in ben Wchselstuben, um seine Noten einzu- lösen; jeher von bem Gebanken getrieben, noch rechtzeitig zu kommen, noch etwas von bem goldenen Segen zu erhaschen. Denn daß der Schatz nicht ewig reichen könne, daß er bald, vielleicht schon morgen vielleicht schon in der nächsten Stunde erschöpft sein müsse, das hielten alle für gewiß. Richt nur in Deutschland, sondern auch an den auswärtigen Geldplätzen war man felsenfest davon überzeugt.

Die Reichspost konnte in diesen Tagen hohe Einnahmen verbuchen. Auf viele Stunden mieteten sich die Berliner Korrefpondenten der großen ausländischen Zeitungen die teuersten Drähte, um jede Phase der neuen Entwicklung ihren Redaktionen sofort zu melden, und geringfügige Zwischen- fälle blieben in dieser aufgeregten Zeit auch nicht aus. Hin unb toieber geschah es, baß ber Golbvorrat itgenbeiner Depositenkasse bem Ansturm nicht gewachsen war unb bie Auszahlungen unterbrochen werden mußten. Selten dauerte es länger als eine Stunde, bis bann ein Panzerauto vor ber Filiale hielt, schwere Kisten ausgelaben würben unb gleich banach wieder bas tlingenbe Spiel auf den Zahltischen einsetzte. Das gab den Berichterstattern Gelegenheit, wilde Nachrichten über bie Grenzen zu fabeln, we schon kurz banach in den ausländischen Zeitungen unter schreienden Schlagzeilen erschienen.

(Fortsetzung folgt.)