Ausgabe 
17.6.1935
 
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nach nicht kämmen wallte Er hatte keinen anderen Gedanken, als daß es um Elisabeths Leben ging, um das Teuerste, was er auf der Welt bt-faft. Hundertmal sagte er sich, daß er ahne Zögern sein eigenes Leben hingeben wiirdc, wenn sie durch dieses Opfer erlöst werden könnte.

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Das Schlimmste war, daß er zu völliger Untätigkeit verdammt war, nichts für sie tun kannte als dableiben und warten, während sie ihren schwersten Kamps bestand. Der einzige Trast in seiner Berzwcislung war Billys gespanntes, aber zuversichtliches Gesicht, das van Zeit zu Zeit aus dem ersten Stockwerk austauchte und dem er kurze, unwillige Berichte abzwang, aus denen er nur heraushörte, daß Elisabeth nach am Leben war. Und endlich tarn am späten Abend van ihr die befreiende Nachricht.

Hartl zwang sich, zuzuhörcn, aber es wallte ihm nicht gelingen. Die­sen Tag und diese Nacht würde er nie mehr im Leben vergessen. Er hatte die ganze Skala menschlicher Empfindungen durchlaufen, van zit­ternder Angst, hiisiaser Verzweiflung bis zum äußersten Gipfel der Freude und dankbarer Erlösung. Wenn er daran dachte, wie er am Morgen erwacht war, geweckt van einem Schrei, der sa vall tiefster menschlicher Not war, wie er ihn nur damals im Felde draußen gehört hatte, begann er von neuem zu zittern. Den ganzen Tag über war er wie ein Gefangener umhergegangcu, immer wieder den gleichen Weg vom Haus in den Garten und wieder zurück, und hatte fieberhaft ' " ~ ' scheidung gewartet, die in jedem Augenblick fallen konnte ur

Sie rief ihm lachend van der Treppe herab zu und war schon verschwunden. Alles war vorüber und war gut. Das Kind war da, ein Mädchen, und Elisabeth war gerettet, lag erlöst und glücklich in ihren Kissen.

Daß der Prasessar nicht rechtzeitig eingetroffen war, kannte er ihm i nicht verzeihen, auch jetzt nicht, wo er wußte, daß seine Anwesenheit gar nicht nötig gewesen war. Doch Elisabeth lebte, das Kind war gesund alles andere war in diesem Augenblick winzig und ohne Bedeutung.

Die beiden Aerzte erhoben sich. Man erlaubte ihm, einen Augenblick mit hinauszugehen. Wieder schoß ihm der Gedanke durch den Kopf- Man behandelt mich wie ihren Mann. Und er lächelte zerstreut vor sich hin. Von Elisabeth sah er nur das Gesicht, das ihm volltammen oerönderi erschien: fern und wie verhüllt von. einer jenseitigen Empfindung. Erst als sie für einen Augenblick die Augen aufschlug und sie ihm zuwandte, erkannte er das Gesicht der Elisabeth wieder, die er liebte. Der Professor konnte ruhig nach Hause fahren. Mit einem plötzlichen, glücklichen Ent­schluß überwand Hartl seine Abneigung gegen ihn, schloß sich ihm an und bat, ihn im Wagen mit in die Stadt zu nehmen.

Es ist zwölf Uhr vorbei. Sie werden kaum mehr Gelegenheit haben, in der Nacht zurückzukommen!" warnte ihn der Professor.

Ich habe sehr srüh in der Stadt zu tun."

Wie Sie wollen. Selbstverständlich steht Ihnen ein Platz in meinem Wagen zu Verfügung."

Sie fuhren ab.

Kern und Billy blieben allein im Saal zurück.

Nun mache ich noch eine Flasche auf!" sagte der Arzt und rückte in einiger Verlegenheit seinen Zwicker zurecht, der wieder einmal schief und vorne aus seiner Nase saß.

Warum denn das?" brummte Billy.

Das werden Sie gleich merken. Nein, nun bleiben Sie hier, Billy. Sie wissen ganz genau, daß droben für Sie nichts zu tun ist. Setzen Sie sich hierher! Ich habe eine sinnlose Freude, daß alles so gut gegangen ist. Warum ist Hartl eigentlich in die Stadt gefahren? Merkwürdig. Was halten Sie davon, Billy?"

Er wird seine Gründe haben. Cs hat ihn viel stärker mitgenommen als zum Beispiel Sie! Und ist das alles, was Sie wissen wollten? Des­halb halten Sie mich hier auf?"

Seien Sie nicht kindisch, Billy! Warum ich Sie aufhalte, ist nicht fa einfach zu sagen. Aber ich bin sicher, Sie wissen es längst."

Nichts weih ich."

Dann muß ich es eben sagen. Sie zwingen mich dazu. Gut, Billy. Als ich Sie kennenlernte, vor dreiviertel Jahren erinnern Sie sich? habe ich nicht viel von Ihnen gehalten."

Halten Sie den Mund!"

Nein. Damals waren Sie noch am Theater. Warum Sie eigentlich dorthingelaufen sind, weiß der Teufel. Es ist also Ihre eigene Schuld, daß ich damals ein Esel war."

Sie sind wohl der Meinung, daß das seitdem besser geworden ist mit Ihnen?" I

Allerdings. Ich bin, Gott sei Dank, nicht mehr so blind in bezug aus Sie. Vielleicht wieder in einer anderen Hinsicht. Aber jetzt habe ich Sie kennengelernt. Nicht nur in der letzten Zeit droben bei Elisabeth. Und Sie haben mich kennengelernt, wenn Sie auch immer grob und abscheulich gegen mich gewesen sind!"

Das war ich nicht."

Doch! Das waren Sie! Und sind cs im Augenblick immer noch." Daran sind Sie schuld. Sie haben keinen Funken von Feingefühl!" Kern lachte gezwungen.Elisabeth ist darüber ganz anderer Meinung. Sie scheinen es nur nicht bemerkt zu haben. Ernsthast, Billy: Ich habe Sie lieb."

Er rückte an sie heran und legte vorsichtig den Arm um ihre Schulter Sie ließ cs geschehen und rührte sich nicht. Kerzengerade sah sie auf ihrem Stuhl, und ihre Schuster gab auch dem sanften Druck seiner Hand nicht im geringsten nach. Nach einem langen Schweigen war Kern so oer- wirrt geworden, daß er die Hand langsam zurückzog.

Warum tagen Sie keinen Ton, Billy? ... Was ist denn mit Ihnen? Es ist mein voller Ernst. Daran können Sie doch jetzt nicht mehr zweifeln."

Da immer noch keine Antwort erfolgte, stand er beschämt und un­willig auf.Verzeihen Sie, wenn ich roieoer grob und unhöflich gewesen bin, aber ..."

Jetzt erhob sich Billy mit einem Ruck, drehte sich um und legte mit einer eckigen, ungeschickten Bewegung die Arme um seinen Hals. Ihr Mund blieb geschlossen, als er sie kühte, und ihr Körper ein wenig hölzern. Nur ihre dunklen Augen sagten ihm altes, was er wissen wollte.

Aber auch er war weder erfahren noch zugänglich im Umgang mit Frauen. Er hatte sie zuerst schätzen und dann lieben gelernt. Es hatte lange gedauert, bis er sich erstaunt und verlegen eingeftanb, daß bei (einen Besuchen in Nikolassee die kleine Billy immer wichtiger für ihn geworden war. Und auf einmal hatte er sich dabei ertappen müssen, dah der Gedanke an eine Heirat alle Schrecken für ihn verloren hatte.

Du würdest also meine Frau werden, liebe kleine Billy?" sagte er mit aller Zärtlichkeit, deren er fähig war.

Du hast mich noch nicht gefragt. Nicht einmal, ob ich dich über­haupt mag."

Das weiß ich."

So! Aber ich kann doch nicht von hier weg."

Warum denn nicht?"

Ich muß das Kind pflegen, bis Ludwig wieder da ist."

Das dauert ja nicht mehr lange. Höchstens zwei Monate. Das läßt sich doch aushalten."

Ich darf also hierbleiben, und du kommst jeden Tag heraus!" sagte Billy leise und glücklich.

Bis du ganz zu mir kommst. Sagen wir: im Oktober." (Fortsetzung folgt.)

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Gelehrten, Künstlern; eine sensationelle Sportaufnahme stand darunter, und dann folgte ein halbseitiges Bild mit prominenten deutschen Schau­spielern aus Hollywood. Ganz im Vordergrund stand Ludwig Thiele, breitbeinig, im offenen Sporthemd, und schüttelte mit lachendem Gesicht einem Kollegen die Hand. Rechts von ihm war der Direktor Grolman zu erkennen, dahinter aber Hartl erschrak, als er sie identifizierte Mira von Alten mit ihrer Kusine.

Ja, cs gab keinen Zweifel! Sie war es. Das Bild war technisch aus­gezeichnet und erfüllte vollkommen feinen propagandistischen Zweck. Ebenso klar und deutlich wie Ludwig Thiele war auch Mira zu erkennen und die lange, knochige Gestalt ihrer Kusine Aenne. Wahrscheinlich hatten die beiden gar nicht gewußt, daß der Photograph sie als einen wirkungs­vollen Hintergrund mit in sein Bild einbezogen hatte.

Hartl [egte die Zeitschrift auf ihren Platz zurück und sah sich scheu um, wie ein ertappter Sieb. Die andere, Kalte, Hochmütige wie Lisa sie genannt hatte von der sie so lange nichts mehr gehört hatten, war also drüben in Hollywood mit Ludwig und lebte sorglos mit ihm. wie vor anderthalb Jahren! Sicher war sie schon im Frühjahr mit hinüber» gefahren und hatte fern und insgeheim erreicht, was sie wollte. Jetzt aber hatte ein Zufall Elisabeth alles verraten. Sie mußte das Bild gesehen haben. Das Blatt trug noch die Spuren ihrer erregten Hände. Vielleicht wußte sie schon seit Tagen alles und hatte geschwiegen? Hastig nahm Hartl die Zeitschrift noch einmal und suchte nach ihrem Datum. Die Nummer war zehn Tage alt.

Mein Gott, sie wußte es also längst und hatte alles in sich vergraben. Sie wollte sterben, weil Ludwig sie wiederum an die andere verraten hatte. Jetzt schien cs Hartl, als ob die Zusammenhänge sich klärten. Jetzt mußte er eingreifen, sie retten. Sie durste nicht sterben. Sie mußte leben, weiterleben mit ihm, später, nachdem alle Stürme sich gelegt hatten.

Sie hatte ihm nichts gesagt von ihrem Wissen und niemandem. Aber vielleicht war es der tiefe Schmerz dieses Wissens gewesen, der sie so überwältigt hatte, daß sie gegen ihren Willen, aus halbem Bewußtsein alles ausgesprochen hatte, was in ihr vorging, auf die Spitze getrieben von ihrer tödlichen körperlichen Angst. Hatte sie darum auch allen seelischen Widerstand aufgegeben und ließ sich hilslos hinabgleiten in das purpurne Dunkel...? Das durfte nicht sein! Aber von diesem Wissen, das jetzt auch sein eigencs^geroorbcn war, durste Hartl keinen Gebrauch machen. Die Person Ludwigs, und was er drüben getan hatte, fern von ihr, durfte nicht in Hartls Händen zur Waffe werden gegen ihn. Ludwig hatte getan, was er mußte. Er mußte allein damit fertig werden, wie Hartl selbst mit sich fertig geworden war und wie Elisabeth allein und tapfer damit ge­rungen hatte. Sie allein war jetzt am Unterliegen und muhte zuerst gerettet werden...

Hartl ließ die Zeitschriften liegen, wie er sie gefunden hatte. Er ging In fein Zimmer, als er erfuhr, daß Elisabeth schlief, und erschien nicht mehr an diesem Abend.

Am nächsten Tag begannen bei Elisabeth die körperlichen Schmerzen.

Doktor Kern, von Billy telephonisch herbeigerufen, kam mit dem Professor sofort heraus. Doch sie mußten feststcllen, daß sie viel zu früh crfdjiencn waren. Der Professor fuhr nach einer halben Stunde wieder zurück. Doktor Kern aber blieb da und vereinbarte mit ihm, ihn sofort zu verständigen, sowie eine Veränderung eintreten sollte.

Die Schmerzen, die Elisabeth zu erdulden hatte, wurden keineswegs so heftig, wie alle erwartet hatten. Sic ertrug sie tapfer, und Kern kon­statierte befriebigt, daß auch ihr seelischer Zustand viel härter, nüber» standsfähiger geworden war. Wie durch ein Wunder hatte die Angst, auch als sic jetzt wiederkam, ihre schlimmsten, vernichtenden Schrecken für sie verloren.

In der Nacht kam das Kind zur Welt. Bis in die letzten heftigsten Schmerzen hinein blieb Elisabeth bei Bewußtsein und hielt durch. Es ging schneller zu Ende, als selbst die Hebamme gehofft hatte. Dann war der Augenblick da, in dem sic erlöst und verklärt in eine nie erlebte Schmerzlosigkeit zurücksinken konnte, wie in ein Meer von Stille und Harmonie.

Nebenan wusch die schwatzhafte Hebamme das Kind. Von dort kam ein hoher, dünner Laut, wie der Schrei eines kleinen hungrigen Vogels. DerPrinz" war ein Mädchen.

27.

Der Professor traf ein, als das Kind schon da war. Es blieb für ihn nichts mehr zu tun, als nach der Feststellung, daß alles normal ver­laufen war, mit Doktor Kern eine Flasche Wein zu trinken unten im großen, hell erleuchteten Speisesaal, wo auch Hartl saß. Die beiden Aerzte vertieften sich bald in ein Fachgespräch über Interessante Fälle aus der Praxis.