Nein, Lars brauchte keine Sorge zu haben, niemand von den dreien würde ihn hier draußen bemerken, wenn er auch so nahe ans Fenster Sekreten war, daß er Krick drinnen so deutlich singen hören konnte und de Silbe verstand. Nun sie da im Hause bereits Licht brannten, hätten sie schon die Hände an die Augen und die Gesichter dicht an die Scheiben bringen müssen... . _
Lena machte wohl schon das Abendbrot zurecht, rote? und sie wollte sich wohl nicht lumpen lassen, daß sie sogar ein paar Eier dazu tn die Psanne schlug, wenn die Eier auch um diese Zeit rar waren, und sie sonst jedes für den Verkauf zurückhielt?
Sieh doch, wie Krick Lena bei jeder Bewegung, die sie machte, mit den Augen nachging, nun er den Kleinen wieder von den Knien los war. Er ließ ja einfach keinen Blick von ihr... Er konnte sich wohl nicht beklagen, wie Lena ihn behandelte, wie? Nun, sie hatte ja keine Ahnung, das war es. Da zündete sie sogar die Hängelampe über dem Tisch im Unterschlag an. Die Stallaterne, bei der sie sonst miteinander aßen, um an Petroleum zu sparen, war ihr heute wohl nicht gut genug, wie? Und jetzt legte sie sogar ein Tischlaken auf? Ja, zum Satan, so einem rote Krick konnte man es nicht angenehm genug im Hause machen!
Wahrhaftig, da setzten sie sich drinnen in aller Seelenruhe zu Tisch. Sie erwarteten wohl nicht, daß er heute abend noch wieder zurückkehren werde, wie? Hahaha! .
Krick saß so, daß ihm der volle Schein der Lampe ms Gesicht fiel, hatte die Mutze abgenommen und kaute mit vollen Backen. Natürlich hatte Lena für jeden einen Teller aufgesetzt. Sonst aßen sie immer aus der Pfanne, und Teller gab es nur an hohen Festtagen einmal...
Nein, was fiel Krick denn nun bloß ein? Das war doch eine Flasche mit Schnaps, die er da herauszog und mit einem Schwung auf den Tisch haute, daß die Teller klirrten? Lena schüttelte den Kopf dazu, oh, er sah jede Bewegung, die sie machte, aber sie stand doch auf und holte das kleine Spitzglas aus dem Schrank...
Aber Krick war mit einem Olafe nicht zufrieden und gab nicht eher Ruhe, bis Lena auch eins für sich mit auf den Tisch stellte und mit ihm anstteh, und dann, während Krick das feine in einem Zuge hinunterkippte, sich an dem ihren verschluckte und den Husten darüber bekam, daß sie kaum wieder zu Atem kommen konnte.
Lars mußte eine Weile wegblicken, ehe er sich entschloß, endlich zu ihnen hineinzugehen, so fremd wie ihm Lena und der Kleine mit einem Male erschienen... Ein hübsches Fest, das sie da mit Krick begingen! —
Nein, er wollte nicht ungerecht sein: Lena hatte wohl nur Furcht vor Krick, und da war es zu begreifen, wenn sie für feine Frechheiten noch ein Lächeln hatte, und ihr war kein Vorwurf zu machen, daß sie dem Schurken da drinnen soviel Ehre antat...
Vielleicht sollte Krick auch nur nicht merken, daß sie sich irgendeine Sorge machte, weder um Lars noch um das Geld, das Krick zu bekommen hatte.
Worüber er sich jetzt da drinnen mit ihr wohl unterhielt? Ob er noch ein wenig näher ans Fenster ging?
„Na, Lena, komm, auf einem Bein kann man nicht stehen, lachte Krick drinnen.
„Nein, keinen Tropfen mehr, Krick! Genug ist genug!"
„Na, denn der Kleine, komm her, Jan."
„Aber Krick — was fällt dir denn ein? Das fehlte auch noch! Branntwein ist Gift für ein Kind!"
„So einer ist doch neugierig, Lena! Tu ihm ein Stück Zucker hinein. Du sollst mal sehen, wie ihm das auf die Beine hilft! Und schlafen tut er danach wie ein Ratz! Nun du ihn doch nachts bei dir im Bett hast — wie?"
Nein, verflucht, es war genug mit dem Gefasel da drinnen!
Leise tappte Lars ums Haus... Richttg, er hatte es sich doch gedacht? Die Tür zum Psevdesiall, durch die er gestern den Dünger hinausgekarrt hatte, war nicht wieder verriegelt. Lena hatte wohl kein Auge darauf gehabt.
Er drückte die Tür nach innen und trat in den Stall,
Hopla hob verwundert den Kopf und fchnob durch die Nüstern, erkannte ihn aber sofort und reckte den Hals nach ihm, um sich die Kehle kraulen zu lassen, die liebste Liebkosung, die es für ihn gab.
Zum Teufel, hatte Lena noch nicht daran gedacht, ihn für die Nacht zu versorgen! Nicht eine Handvoll Heu hatte das Tier in der Raufe!
Vorsichtig spähte Lars über die Krippe hinweg zu den dreien hinüber.
„Ich weih es nicht, Krick", antwortete Lena. „Er wird wohl in die Stadt gegangen sein, ich sagte es dir doch schon! Vielleicht, daß er sich noch Geld leihen will. Die Kuh und das Schwein hat er ja schon für dich verkauft, so sauer wie es ihm auch geworden ist. Aber die Preise sind heute niedrig, siehst du, und er hat nicht mal die Hälfte von dem wiedergekriegt, was er selber dafür bezahlt hat. Natürlich war es unsinnig, das wissen wir auch, aber nun wollte er dir doch gern alles zurückgeben^ was du ihm geliehen hast, und da hat es nun doch wohl nicht ganz gelangt, siehst bu.
„Wie?" schrie Krick und bog sich vor Lachen. ,Hahaha! Nicht ganz gelangt? Was ihr hier draußen für Spaßmacher geworden seid, Lars und du."
„Was ist denn dabei zu lachen?" fragte Sena.
„Es ist heute für niemand leicht, Schulden zu bezahlen, das kannst du mir glauben."
Nein, Krick konnte sich gar nicht wieder beruhigen, so lachte er. „Eine Kuh und ein Schwein! Hahahahaha! Glaubst du wirklich, daß ich deswegen aus Amerika wieder herübergekommen bin, wie? Hahaha!"
„Wieviel hast du denn von Lars zu kriegen?" fragte Lena, und Lars hörte das heimliche Beben in ihrer Stimme wohl, nun sie Krick fo fragte.
„Nein, steh an, haft du vielleicht das Geld hier im Haufe in Verwahrung?" antwortete Krick und prustete von neuem vor Lachen. „(Eine Kuh und ein Schwein! Hahahahaha! Lars wollte wohl nicht damit heraus, wieviel er mir schuldig ist, wie? Na, laß nur, Lena Ich werde mit ihm schon einig werden, siehst du, und ihm auch den Kops nicht abreißen. Aber er soll nicht wieder so tun, als wüßte er von nichts und andere
Flett.
(Fortsetzung folgt.)
Leute könnten gefälligst allein ausbaden, wovon er den Vorteil gehabt hat! Und einen noch dazu wie einen Hund bei Nacht und Nebel aus dem Hause zu jagen! Oder war es zuviel verlangt, als ich ihm vorschlug, daß ich hierbleiben wolle und ihr mich für das, was er mir schuldig ist, eine Weil« ins Futter nehmen solltet. Aber so ist das nun. Da hot man sich um eurethalben früher die Hacken abgelaufen, und nun man wieder» kommt, ist nie was gewesen. Deubel noch mal!"
„Aber Krick", antwortete Lena verstört, „von alledem weiß ich nichts, nicht ein Wort."
„Wäre es nicht ganz schön gewesen, wenn wir hier zu dreien beieinander gesessen hätten, wie?" Er stieß Lena verttaulich mit dem Ellenbogen in die Seite und blinzelte sie aus zusammengekniffenen Augen an.
„Ich weiß nicht", wich Lena ihm aus. „Ihr hättet euch auf die Dauer doch wohl nicht vertragen, Lars und du."
„Ach, tu nicht fo, altes Mutterfchaf!" unterbrach Krick sie und fetzte das Glas, das er von neuem geleert hatte, fo hart nieder, daß der Fuß daran zersprang. „Als wenn es dabei auf Lars angekommen wäre! Oder haft du vergessen, was mal zwischen uns beiden war, he? Denn was mich betrifft, fo weiß ich noch ganz gut, daß mal eine Zeit war, in der du nicht ganz so zugeknöpft gegen mich warst, wie heut«. Bis — ja, bis Lars kam und dich mir wegnahm."
„Nein, was sind das für Redenl" antwortete Lena und stand auf. „Denn du vergißt wohl, daß ich dich niemals genommen hätte, wie? Oder habe ich dir jemals Aussichten gemacht? Hab ich dich nicht zweimal deutlich abgewiesen, du, weißt du das nicht mehr? Einmal vorher, ehe ich heiratete. Aber davon wollen wir nicht mehr reden, nicht wahr? Und bann, als du eines Abends mal in unsere Wohnung kamst und Lars Nachtschicht hatte, und du —“
„Ach. Sieh doch an, was für ein Gedächtnis du hast!" unterbrach Krick sie gereizt. „Darf ich bann vielleicht an einen anderen Abenb erinnern, als bu weniger abroeisenb aufgelegt warst? Es war in ben Jahren, als Lars nicht recht was für dich zu beißen hatte, wenn bu bich daran erinnern willst, und bu immer hungriger warft, als du es für dich allein wohl gewesen wärest —."
„Nein, nun hör auf!" rief Sena. „Wenn du hierher gekommen bist, mir das zu sagen--!"
„Soll man sich lieber wie ein Hund hier von euch treten lassen, so vor- nehme Seute wie ihr heute seid, wie? Nein, danke. Und da meint man, man kommt nach langer Zeit zu alten Freunden! Mahlzeit! Raus mit dir! Hahahaha!"
„Ja, vielleicht war es unrecht, wenn Sars neulich so unfreundlich zu dir war. Ader er hatte gewiß feine Gründe dazu, denke ich."
„Meinst bu? lachte Krick höhnisch. „Natürlich, ein Mahner ist nirgend, willkommen, bas ist eine alte Geschichte."
„Ach, bas wirb es wohl nicht gewesen sein", antwortete Sena. „Du weißt boch, wie gut Sars sonst immer zu dir gewesen ist."
„Papperlapapp! Verstehst bu? Gut zu mir gewesen? Das ist so ein Weiberschnack, ben bu ba an den Tag bringst. Ich habe eine ganz andere Meinung von Sars, wenn du sie hören willst."
„Nein, spare deine Worte. Ich brauche deine Meinung über ihn nicht und weih allein, was ich von ihm zu halten habe."
Sie hatte den Kleinen an die Hand genommen und zog ihn jetzt vom Tisch weg. „Ins Bett mit dir", sagte sie. „Es wird Zeit für einen, rot« du bist."
Gehorsam folgte Jan und wollte tn die andere Stube gehen, wo er sonst im Wandbett schlief. '
„Nein, geh in die Wohnstube", rief Sena ihm nach. „Du schläfst diese Nacht bei mir."
„Gut, daß du ihn wegschickst", sagte Krick, der dem Kleinen mit zu- (ammengetniffenen Augen nachgeblickt hatte. „Denn jedesmal, wenn ich ihn so ansehe, muß ich denken--Na, was meinst du, woran ich bann
bentcn muß? Hahaha! Daß er gewiß ein fixerer Kerl geworben wäre, wenn bu bamals vernünftiger gewesen wärst unb statt Sars mich genommen hättest, siehst bu? Hahaha!"
„Was sagst bu ba?" fragte Sena, unb eine ftommenbe Röte stieg In ihr Gesicht. „Du bist wohl betrunken, baß bu bich nicht schämst, so etwas zu sagen, he?"
Sars hatte bie rechte Hanb in bie Mähne bes Pferbes verkrallt, als müsse er sich zurückhalten, um sich nicht auf Krick zu stürzen. Wie festgewurzelt stand er auf feinem Platze und hatte nur Mühe, sich nicht durch seinen keuchenden Atem zu »erraten.
Jetzt! durchzuckte es ihn. Warum trat er noch immer nicht heraus? War es noch nicht genug mit dem, was er sah und hörte?
Oh, nur ein paar Augenblicke Geduld noch, redete er sich zu. Er war ja da, unb nichts entging ihm. Sein Herz schlug wie ein Schmiebeham- mer, und feine Augen brannten.
„Betrunken?" lachte Krick auf. „Das glaubst du doch wohl selber nicht. So ein paar Gläschen?"
Er war Sena nachgegangen und wollte jetzt seinen Arm um st« legen. „Komm, sei nicht böse, du!" lachte er. „Du brauchst doch nicht jedes Wort gleich auf die Goldwaage zu legen, — fo gute Freunde, wie wir immer gewesen sind!"
„Nein, laß mich los!" rief Sena und stieß ihn mit dem Ellenbogen zurück, daß er taumelte. „Was meinst du eigentlich, wen du vor dir hast? Ich will nichts mit dir zu tun haben, wenn bu bas noch nicht weißt, hörst bu? Nichts!^
Sars hatte ein Brausen vor ben Ohren, unb vor seinen Augen flimmerte es. Ader nun löste sich ber Krampf der Eifersucht, ber ihn gequält hatte. Slufatmenb stieß er die Tür auf, die vom Stall auf die Diele führte, und trat aus dem Halbdunkel in den Sichtschein der Sampe im


