Hansen lag.
*
Und acht Tage später, an einem sonnigen Spätnachmittage, hielt der Chaisewagen des Senators wieder vor dessen Haustür; die Reisenden samt Kind und Kindsmagd waren heimgekehrt. Als der schlafende Erbe glücklich vom Wagen und oben in der Kinderstube untergebracht war, lies die junge Frau, wie zu neuer freudiger Besitznahme, durch alle Räume ihres Hauses, und als sie hier überall gewesen war und, dank der alten schwiegcrelterlichen Köchin, alles in musterhafter Ordnung vorgefunden hatte, schritt sie langsam den Gang hinab, der an der Küche vorbei zur Hostür führte. Ihr Gesicht war plötzlich ernst geworden, und es dauerte eine Weile, bevor sie die Klinke aufdrückte und hinaustrat.
Allein so zögernd sie hinausgegangen war, so rasch kam sie jetzt zurück; sie flog fast an der Küche vorüber nach dem Hausflur; ihre Augen strahlten: „Christian, Christian Albrecht!" rief sie. „Wo steckst du? Komm doch.
Meinung nicht vernehmen.
Frau Christine, die in stiller Freude dem Gespräch der Bruder Ai gehört hatte, hob jetzt ihre Uhr empor, die sie, noch von der Reise HM an einem schweren Gürtelhaken bei sich führte. „Vesperzeit, wenn s v°e liebet!" rief sie. „Und, Friedrich, du speisest doch heut abend bei um. Die alte Magret wird schon löblich vorgesehen haben! Freilich — oeiM perdrix aux truffes, die hast du ein für allemal verlaufen*."
seine Hand entgegen.
„Friedrich!"
„Christian Albrecht!"
Die Hände lagen ineinander; aber jetzt erhob Herr Friedrich den Kops, als ob er nach den Fenstern des elterlichen Hauses hinüberlausche.
„Woraus hörst du, Bruder?" frug ihn der Senator.
Einen Augenblick noch blieb der andere in seiner horchenden Stellung, dann ging ein Lächeln über sein ernstes Gesicht. „Ich meinte, Bruder, daß unser alter Papagei mich riefe, aber er hot es neulich abends schon getan."
Und als er das gesagt hatte, legte er die eine Hand auf den oberen Rand der Mauer, und mit einem Satze schwang er sich hinüber.
„Mein Gott, Friedrich", rief Frau Christine, indem sie einen raschen Schritt zurücktrat, „ich habe dich noch niemals springen sehen!" Und dabei, standen ihre Augen voll von Tränen.
E? faßte seine Schwägerin an beiden Händen. „Christine", sagte er, dieser Sprung war nur ein Symbolum; ich werde fünftig wieder hübsch auf ebener Erde bleiben."
omm geschwinde!"
Da trat er schon mit heiterem Antlitz aus der Schreibstube auf sie zu.
„Komm!" rief sie nochmals und ergriff ihn bei der Hand. „Ein Wunder, Christian Albrecht, ein wirtliches Wunder! Wie aus dem Döntje von dem Fischer un sine Fru! Ein schwarzer jütscher Topf, ein Haus,
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Auch aus seinen guten Augen leuchtete ein Strahl des Glückes. „Ich hauszuhalten; denn die da - und sie nidte nufjt eben eni
habe es schon gesehen", sagte er; „aber es ist kein Wunder, es ist viel alten Kausherrnhaus hinüber haben nun auch Herrn F ch d besser als ein Wunder." | ganz 'n ihren Schlingende, Ant,- Mollern,^habe tue- .dem letzteren
Und als sie dann Arm in Arm auf den Hof hinaustraten, der wieder hell und frei wie früher vor ihnen lag, da sahen sie die hohe Mauer bis aus ihr altes Maß hinabgeschwunden, und hinter der niedrigen Grenz- Icheide stand Herr Friedrich Jovers und streckte schweigend dem Bruder
ganz in ihren Schlingen; sie, ütm,e Mouern, yaoe oies uem „
rundheraus gesagt und dann zugleich auf Michael gekündigt; und d Nachbarn Jipsen erwiderte darauf, heute gleichfalls nicht zum erstem^ dah sie das alles längst vorausgesehen habe. J
Unten im Ratsweinkeller saß an diesem warmen Nachmittage » -> goldene Advokat und demonstrierte dem Herrn Stadtsekretar, der den oberen Rathausräumen zu einem kühlen Trunk berabgelties war, wie er die scharssinnigen Deduktionen seiner Klage- und . rezesse, welche denn doch über den Horizont des ehrenwerten Magisir^ hinausgingen, nun leider ganz umsonst geschrieben habe; und der i 1 höfliche Herr Stadtsekretär tupfte dem Goldenen recht freundlich aui , Schulter und sagte lächelnd: „Umsonst, Herr Siebert Sonnen • M wohl nicht ganz umsonst! Da müßten wir die Herren 3oper5 fonft ru i kennen!" — Und der Goldene lächelte gleichMs und griff behaglich "
Das Arbeiten hörte auf, und nach einigen Augenblicken trat der alte I Andreas m>t einem Spaten auf der Schulter hinter dem Pav.ll°n hervor^
„Er, Andreas?" herrschte ihn Herr Friedrich an. „Was hat®r Jn« zu schaffen? Hat Ihn mein Bruder etwa hier zur Arbeit herbeordert.
Der Alte schob seine Pudelmütze von einem Ohr zum andern. Die Frage mochte ihm unerwartet kommen; hatte er doch noch von dem seligen Herrn her einen Schlüssel zu der Gartenpforte und seit über einem Bierteljahrhundert einzig nach dem Kalender, den er m letnem Kopse trug, die Beete umgegraben, Erbsen und Bohnen nach seiner eigenen Wissenschaft gelegt und Bäume und Gesträuche angebunden und beschnitten. „Herbeordert?" sagte er endlich. „Nein, Herr; so herbeordert hat mich niemand; aber wenn's nicht alles in die Wildnis gehen sollte, jo war es just die höchste Zeit." ... ..
„Was kümmert Ihn das", rief Herr Friedrich, „ob es hier Der» ^Der Alte hatte seinen Spaten in die Erde gestoßen. „Was mich das iimmert?" wiederholte er und sah völlig verdutzt zu dem Sohne feines Iten Herrn hinüber. . .
„Freilich Ihn!" fuhr dieser fort; „denn wer wohl, meint Er, dah Ihm eine Arbeit hier bezahlen werde?" „
Nun, Herr; es wird schon alles ungeschrieben.
So schreib' Er's gleich nur in den Schornstein , rief Herr Friedrich, und vertu' Er seine Zeit nicht, die Er besser brauchen kann!'
Andreas wischte mit der Hand den Schweiß von seiner Stirne. „Wenn das Ihr Ernst ist, Herr Jovers", sagte er, „so kann ich freilich nur nach Feierabend hier noch arbeiten; das aber" — und er erhob den Spaten und zeigte damit nach dem Kirchhofe hinüber — „tu’ ich meiner alten Herrschaft da zuliebe."
Herr Friedrich sagte nichts; Andreas aber ging mit (einem Spaten fort, und bald wurde wieder das einförmige Geräusch des Grabens in der Morgenstille hörbar ....
Der andere stand noch eine Weile an derselben Stelle, als müsse er bie Spatenstiche zählen, die er drüben den alten Arbeiter machen hörte; dann wandte er sich plötzlich und ging weiter in den Kirchhof hinein, bis zu dem Grabe seiner Eltern. Hier sah er lange auf den Steinen, welche die Familiengruft bedeckten, und blickte auf den grünen Koog hm- unter und darüber hinaus auf den silbernen Strich des Meeres, wo in der Ferne die Masten des guten, ihm so wohlbekannten Schiffes „Elfabea Fortuna" sichtbar wurden.
Als es in der Stadt vom Turme sieben schlug, stand er wieder an dem alten Gartenzaune. Der vorübergehende Totengräber, dessen Gruß er nicht zu bemerken schien, gewahrte mit Verwunderung, wie Herr Friedrich Jovers mit seinem Stocke recht unbarmherzig gegen einzelne der alten Büsche stieß, während doch, wie von einem frohen Entschluß, ein stilles Lächeln auf seinem Antlitz lag.
Plötzlich aber richtete Herr Friedrich sich auf und schritt aus dem Kirchhofe in die Stadt hinein; er schritt nicht seiner Wohnung zu, sondern die lange Osterstraße hinaus, wo das Haus des Meisters Hinrich
Der Senator blickte hester (n den nun wieder frei gewordenen Luftraum Lieber Bruder", begann er mit bedächtigem Lächeln, „die ganze Mauer "war ja eigentlich nur ein Symbolum, außer daß sie denn doch leibhaftig dagestanden, und währenddem der alte Fnededohm sich [eine Federn nicht mehr schneiden konnte —" .. . . . J
fierr Friedrich unterbrach ihn: „Wenns gefällig war«, so nehmet noh einmal euere eben abgelegten Hüte und begleitet mich auf einer kurzen
Was^du willst, Friedrich!" rief Frau Christine. „Alles was dus willst'" Und da Herr Christian Albrecht gleichfalls einverstanden roar so gingen sie miteinander durch das elterliche Haus, und Herr Fnedriih führte sie den bekannten Weg hinten um die Stadt, an der grünen Marsy entlang und wieder in die Stadt hinein.
Sie hatten längst bemerkt, daß er sie zu dem in Streit befangenen ©arten führe; aber sie fragten nicht, sie gingen schweigend und tn freu, diger Erwartung neben dem Bruder her.
Am Eingänge empfing sie der alte Andreas, die Steigharke in bei Hand, ein schelmisches Schmunzeln im Gesicht. Alles zeigte sich m schon- fier Ordnung; an den jungen Apfelbäumen waren alle Blntenstiaus« °"sUerr° Medrich beschleunigte seine Schritte, während er den Muschel, steig zum Pavillon hinaus, dann aber an demselben vorbei und na» der Kirchhofseite zuschritt. Als sie hier aus dem Gebüsch hinaustrateiu stieß Frau Christine einen leichten Schrei aus, wie er sich m freudigen- Ueberraschung so anmutig von den Frauenherzen lost; denn an bei: Stelle des kriippelhasten Zaunes, welcher sonst die Scheide gegen be« Kirchhof hin bezeichnet hatte, erhob sich vor ihnen eine stattliche Maua, wie Herr Christian Albrecht sie sich immer hier gewünscht hatte. „Nm gewißlich", rief die hübsche Frau, „da steht es vor uns, auch d,e Siebe f°n2Iber fierr Friedrich nahm ihr das Wort vom Munde. „Die Frm Schwester meinen", sagte er höflich, „Meister Hansens Leute konnem wenn auch keine Berge, so doch eine Mauer recht gescheit versetzen: mck selber anbelangend, so habe ich hierbei auf des Herrn Bruders gütigen Konsens gerechnet. Und, Christian Albrecht", fuhr er in herzlichem Ion;: I fort, indem er sich zu feinem Bruder wandte, hiemit, so du gleichen-. Sinnes bist, ist unser Prozeß am Ende; du hast bas Urteil unfern! Magistrates für dich; meinen Einspruch habe ich zuruckgezogen. Tin: du nun ein übriges und bestimme als der Aelteste, rote cs mit bem ©arten soll verhalten werden! Wie du die Teilung vormmmst, ich bitt j es jedenfalls zufrieden." , ,
Herr Christian Albrecht hatte dieser Rede zugehort rote einer, welch«! zugleich einem eigenen Gedanken nachgeht. „Ist das dein Ernst, firtil rich?" sagte er, seinem Bruder voll ins Antlitz sehend; „dem wohlb§- bad)/meinrnJoUer, wohlbedachter Ernst", erwiderte Herr Friedrich ohmt ^Wun denn", rief Christian Albrecht freudig, „fo teilen mir gar nicht Bruder Friedrich! ,Jovers Garten' hat es hier von Großvaters Zett«- her geheißen, so darf es jetzt nicht Christian Albrechts ober Friedrichs ^°E?nen° Augenblick lang zogen Herrn Friedrichs bunkle Brauen ftck zusammen als ob er über einen Gewaltstreich seines Bruders zurm" müsse; bann aber würbe es plötzlich hell aus [einem Antlitz, w>e Chrtsüml Albrecht in fo raschem Wechsel es nur bei ihrem Vater emft geW i hatte. Lebhaft ergriff er feines Brubers Hand: „Topp, Christian Ä brecht! Aber wie war's nur möglich, daß dies damals keinem von unu beiden eingefallen ist?"
Herr Christian Albrecht lächelte. „Ich glaube, Friedrich, wir hab- bamals beide etwas laut geredet; da konnten wir die eigene Herzens
seinem Spitzglas Roten. , „ ..
Draußen in den Gärten aber war es in der Stachelbeerenzen, " in „Jovers ©arten" war heute überdies ein großer Familienkaffee. Herr Onkel Bürgermeister und der Herr Vetter Kirchenpropst mit w . Frauen waren da, und der alte Friedebohm und der alte Avor . waren da, jeder an dem Platze, der ihnen zukam, und 6er alte papun saß auf seiner hohen Stange vor dem Pavillon, und auch Mmche P
* Um bie hast du dich durch dein. Weglaufen ein für allemal gebra^
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