GiehenerZamilieiMtter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Nummer 50
Montag, den 15. April
ahrgang 1955
nehmen will.
Oie Achatschleife.
Von Johann Otto Bringe-u.
Elfenruf.
Von Knut Hamsun.
Nacht legt sich über die Wiesen, Hüllt alles in Dunkelheit.
Ich horche hinaus In die Leere: Es icfyroeigt die schwebende Schwere, Die Uhr steht still und die Zeit.
Da höre ich Stimmen rufen Aus der Stadt der Elsenfrau'n, Mir gilt ihr Suchen und Sinnen: Ich komme, ihr beiden hier drinnen, Zurück beim Morgengraun.
So ging ich hinaus ins Dunkel, Mich zog ein Gefühl von Glück — Gnad' Gott euch, ihr Männer und Frauen: Wohl kehrtet ihr, doch mit Grauen Und krankem Herzen zurück.
.. Das Wasser müht sich an dieser Stelle mit geschäftiger Beharrlichkeit durch eine schmale Furche, die es in den Steinriegel ge chliffen < ; v r? ___ i-„11. r- smaz. fnzt+rt Ttor Cronon stillt einer UnQCTU*
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Der alte Schleifer, der letzte einer langen Reihe von Geschlechtern, die in der harten Holzmulde vor dem zentnerschweren Schleifstein lagen und Achate, Mondsteine, Amethyste und Bergkristalle schliffen, ist Stein unter Steinen, Baum unter Bäumen, ist Welle unter Wellen geworden in den vielen Jahren, die er hier sitzt und arbeitet. Das Alter und die Einkehr zu sich selbst haben ihn gebildet, das Schauen in die Dinge und die Kenntnis von dem Leben um ihn her, das sein Leben ist, wie er sagt. Haben ihn so gebildet, wie eigentlich bilden heißt, also geformt nach den Größen, deren Maße ihm feine Umwelt zeigt. Der schmale Kopf über breiten und hageren Schultern ist grausilbrig wie das Holzdach der Schleife. Die Augen haben den kurzen festen Blick des Tal- menschen, der die wenigen Dinge um sich her klar und nah sieht. Die Fragen nach dem, was sich dem Auge darstellt, haben es bis zur Antwort nicht weit, und wer sein Leben im Tal verbringt, kann leicht in einem kleinen Bezirke Meister werden in den Dingen, die ihn selbst angehen, wie in jenen anderen, deren gleiche schlichte Einfachheit in der großen Welt nur darum problematisch erscheint, weil sie mit querem Blick gesehen werden. Die Hände, von der Arbeit am Schleifrad vielfach verwundet und zerrieben, sind schmal und langfingerig, weil plumpe Hände den edlen Stein nicht bearbeiten können. In dieser Form gab sie Geschlecht an Geschlecht weiter, als Zeichen einer Adelslinie des Handwerks, die weit in die Geschichte zurückreicht, wenn auch die Chro- nik nichts über ihre Herkunft zu berichten weiß; wie sie auch von dem Hingang dieses letzten der Linie nicht melden wird.
Wo das Wasser laut über das große Rad hinschwatzt lernt sich das Schweigen besser als das Reden. Es ist sonst still um das Haus, das ohne Umzäunung und ohne Hof so wie ein grauer Stein, der den Abhang herniederrollte, in der Talmulde liegt. Ein Schleifstein lehnt an der Huuswand, groh wie ein Tor, doh es oer Kraft von fünf Man» nern bedurft hat, ihn aufzurichten. Durch die Oefsnuna eines anderen, der am Boden liegt, ist ein Holunderbaum gewachsen, so alt und grau von Stamm, wie die Giebelmauer der Schleife, die er mit seiner breiten Krone noch überwölbt. Es ist hier aber alles so, wie es sein muß und es ist auch ohne Zufall, daß dieser Baum hier aufwuchs, dessen matter und Zweige nicht wispern oder rauschen können wie die anderer Baume. Seine Geheimnisse und die der Zukunft enthüllt er nur denen, die unter ihm schlafen ober stille vor sich hinträumen, das wußten schon die frühesten Bewohner des Landes; und auch dies, daß dem, der unter ihm lärmt oder sonst Schabernack treibt, in Kürze schweres Unglück treffen würde.
Die Geschichte eines Karneols, der in den Türfturz der Schleife eingemauert ist und den ihre Besitzer als kostbares Familienerbe be- hüteten, weiß von einem jungen Mainzer Edelmann zu berichten, der auf der Reise nach Paris bei einem Vorfahren des Schlei ers aus- fnonnen ließ, um sich mit seinem (Befolge hier auszuruhen. Eine junge Dame die mit unter der Gesellschaft war, wünschte ihren Reisewagen mit den weihen Blüten des damals schon stattlichen Baumes zu schmücken und hieß ihren Begleiter die Dolden pfücken In fröhlichem Uebcrmut plünderte der Edelmann den Baum trotz der Warnungen des Schleifers bis nahe an den Wipfel hin, wo er die größte Blute nicht erreichen konnte. Man beschloß darum, um die ßuftbartot zu vergrößern, mit Pistolen nach dem Stengel zu der Blute zu schießen; für den Sieger setzte das Fräulein als Preis einen schonen Karneol aus, den fic in der Schleife erhandelt hatte. Der Knappe der Dame stieg lei e auf das Dach des Hauses, um dem Ziele näher zu fein, schoß und traf auch die Blüte; als man ihn im Triumph mit dem edlen Steine belohnen
wollte und dabei den Edelmann vermißte, fand man ihn nach kurzer
Suche mit zerschossener Schläfe bet dem Berge oon Bluten legen
die er von dem Holunder gebrochen hatte. Ob er durch Zufall n die
Schußrichtung gekommen war, oder ob der Knappe seinen Platz mit klugem Bedenken so gewählt hakte, um eine eifersüchtige Tat als em unbeabsichtigtes Geschehen deuten zu lassen, hat jener alte Schleifer wohl auch nicht erfahren. Tatsache ist nur, daß in der Verwirrung und der Hast des plötzlichen Ausbruches der (gesell chast der Karneol mit her letzten Blüte des Holunders, so wie beide im Entsetzen aus den Händen des Fräuleins gefallen waren, auf dem Platze liegen blieben unb bann roieber in ben Besitz bes Schleifers tarnen. Seit biefer Zeit trägt der Wipfel des Baumes keine Blüten mehr.
Aber auch von dieser Geschichte ist im Tal hinaus unb hinab nicht viel bekannt geworben. Sie gehört zu bem grauen Hause unb zu den Menschen, bie bnrin lebten unb arbeiteten unb starben, in aller Stile roie der Türstrksz über dem schmalen Eingang mit bem eingemauerten Karneol. Darüber zu schweigen ist besser, denn viel bavon zu reben. Der Baum blüht und trägt Früchte unb veAlert seine Blatter im fierbft ohne ein Wesen baraus zu machen. Der Bach strömt marfjtig zu Scbneefchmelze, er ist flach im Sommer unb schweigsam im Winter und er ist es so nach seiner Natur Das Hous steht still und grau unter I seinem niedrigen Dach, das Rad dreht sich unb bie fdweren Schleis-
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bat, her sich ihm breit in ben Weg legte. Der Felsen sollt, einer ungesu «en Rippe gleich, im jähen Absturz von ber steilen «-rgse. e bes Tales iib, burchkriecht bie Mulbe in mäßiger Hohe unb steigt Allmählich b>e lanftere Lehne der südlichen Talflanke hinauf. Dort, wo ihn der Fluß trifft, war er wohl schon immer von einer Spalte -zerrissen, die das Wasser in langer Zeit zu einer Rinne ausweitete unb blank schliff, daß |ie roie poliert glänzt. Ein kleiner, in feiner Tiefe glasgruner Stausee hat sich vor bem natürlichen Wehr geb Übet. Seine Ufer: finb oon Wanzen mit fetten Blättern üppig bewachsen Er en unb Weiben beugen sich tief zu ihm nieber, bie Sonne finbet nicht leicht zu ihm hin. So bicht ist das Geäst ber Bäume unb das Zweiggewirre von Hasel-
' lauschen, bie ihre braunen unb blanken Gerten weit über das Wasser
I fiter ist eine stille Zuflucht von Vögeln unb ein guter Pirschgrunb lür Raubzeug aller Art. Die fchweren Forellen, die unbeweglich zwischen i ben» Wurzelwerk der Weiden unter dem ausgewaschenen Ufer stehen, t kennen bie Schliche ber Füchse unb die Taktik bes Otters zu gut, um ihnen leicht zur Beute zu werben. Sie find in ihrer Borstcht alt unb Plug geworben, ihre breiten Rücken schimmern über ben b afirokn Tupfen schon moosig unb sie fürchten auch ben Hecht nicht wehr, der leinen schmalen Kops, ber lang ist wie der Schübel eines jungen‘ ^l>ga° tors, langsam aus ber Grotte schiebt, in ber er »ber Mittag steh-Aber Den plumpen unb gefräßigen Barben gluckt es nicht -mm r, sich zur
i rechten Zeit vor bem raschen Prankenfchlag zu retten, mit bem ber rotpehiae Angler sie geroanbt aufs Ufer schlägt unb vor bem Otter stürzen ^sie im Schwarm verstört unb ziellos davon, ben spärlichen Schlamm aus bem steinigen Grunbe des Beckens zu dünnen Wolken custroühlenb. Den schwersten greift der glatte Taucher ebnen schmale mit jungen silbernen Schuppen riß der rlesige dunlle P mit sich [fort, ber unter bem Otter hin in ben sliehenben Schwarm ft,eß unb em blaßschillernber Leib mit ausgerissener F'anke, den ber Otter M'ug , . ber Ihm über ber schwereren Beute entfiel, treibt chnell bem Ourchvrucy
I Sin" « u ««'!«,«-» «uf bl. »,.lllp-lch-- b« rabes, bas von bem schiehenben Gewässer getr.eben w.rb
Das Nab ist alt unb groß unb mächtig, aber es breht sich leicht I unter bem kurzen Anprall bes schnellen Wasser^ Leicht unb langsam unb mit leisem Geräusch, das bem Schnurren
aber bem Schnarchen ber Wolbkouze, bie dicht bei der S^tofe ßorfkn. Es ist eigentlich aus bem Tale gewachsen, silbergrau von Alter, m Ä, "L “r?iS'&ÄbeÄ SÄ-V'S
I SS&'ä»»*« □Silbe, als bas' jene sich darbietet, in ihren formen iinb barm, mMie arbeiten unb leben unb atmen, nichts anderes gew s „ . u wieder dazu geworden. Die Jahreszeiten im Tal sind ipre 3ahres3etten bie Winter unb bie Sommer unb die Herbste wit ihren be^nd Farben, mit ihrem Schwelgen und den ’Ponnigf )i
Hellen Tagen unb in tiefen Nächten, wenn der Winter hier kein Ende


