Ausgabe 
15.2.1935
 
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hörte er die Mägde tuscheln. Sie flüsterten über in der Gewalt", sagte die, die das Scheit in den sein", versetzte die, die im Suppenkessel rührte.Ich

Und wer siegt, führt die Braut heim", fügte er hinzu.

Bertold lieh die Leute reden. Cr hatte Furchtbareres zu denken als diesen Ringkampf, vor dem ihm nicht Angst war. Er wollte Hott, wenn

Das sagte sie gleichsam in die Luft. Bertold fuhr herum, drückte ihre Hand und sagte halb im Zorn:Immer tust du so, als hattest du etwas auf dem Herzen. Aber sagen---1 Meinst du, ich konnte

dir nicht helfen?" .

Kein Mensch kann mir helfen , sprach Anna.

Dann wollen wir es lassen, wie es ist, wenn du so meinst, sagte Bertold nun im Aerger.

Das habe ich gewußt, das habe ich gleich gewußt, sprach Anna tonlos und glitt von der Garbe herunter.

Ein goldgelber Scheitel tauchte über die Brüstung des Kornbodens. Birge stieg aus der Scheune herauf. Als sie oben angekommen war, ließ sie sich einen Krug nachreichen, nahm ihn an die Brust und wehrte die Mägde ab, die zuerst trinken wollten. Sie ging auf Anna zu und bot ihr den Krug: Anna trank und gab Bertold den Krug weiter; er trank aber nicht, sondern blickte zur Seite. Er hatte auf einmal kernen Durst mehr, fei es, daß Birge ihn abgekühlt hatte, oder er wollte den fchonen Kuß von Anna, der ihn jetzt doppelt brannte, nicht vom Mund fortspülen. Birge schlang ihren Arm um Annas Schulter und sprach: Der Herr Hott läßt dich schön grüßen. Er hat gleich nach dir gefragt und will dich heute abend heimbringen."

Der?" stieß Anna heftig hervor.Richte ihm nur aus, ich will heute abend allein heimgehen."

Als Bertold die Mägde getränkt hatte, trug er den Krug mit ver­legener Feierlichkeit vor Birge. Sie lachte ihn an und wifchte ihm mit der Schürze den Staub aus dem Gesicht; dann nahm sie den Krug an ihre Brust und stieg leicht und schlank die Leiter hinunter.

Als es Mittag pfiff, fragte Anna ihr wortloses Gegenüber:Bertold, führst du mich an den Tisch?"

Bertold antwortete schnell:Wenn du mir sagst, was du auf dem Herzen hast."

Anna besann sich eine Weile, dann sprach sie:Heute abend, wenn du ein Stück mit mir gehst"

Dabei sah sie Bertold fragend an. Sie war sehr demütig geworden, die stolze Anna.

Das muh ich erst Birge sagen", erwiderte Bertold. Im selben Augenblick aber reute es ihn, daß er nicht gleich ja gesagt hatte. Er sprang, als die Mägde den Boden schon verlassen hatten, auf Anna zu, wirbelte sie jauchzend in die Luft und ries:Freilich, geh ich mit dir heim, du dumme Annal"

Sie gingen Arm in Arm über den Hof. Hott stand unter der Haus­tür und grinste ihnen mit seinem gelben Gesicht entgegen. Er streckte Bertold die Hand hin und sprach:Ich begrüße dich, alter Saufkumpan. Ich habe schon gehört, auf welche Universität du gehst; selbstverständlich gehe ich da auch hin, was?"

Bertold sand das gar nicht so selbstverständlich, daß das bleiche Krummbein auf seine schöne Universität kommen wollte. Aber er ärgerte sich noch mehr, daß Anna, klein und zusammengekauert, hinter ihnen stand und nicht an Hott vorüberzugehen wagte. Er sprach:Geh ein wenig auf die Seite, die Leute fürchten sich vor dir."

Ach Anna", lachte Hott,nimm dich vor dem in acht, der hat schon mancher den Hals gebrochen."

Anna schlüpfte an Hott vorbei und verschwand in der Stube. Hott schlug die Beine übereinander und sagte gezwungen-Es ist ein Kreuz mit den Bauernmädchen. Hast du gesehen, sie stand wie verhext da." Kennst du sie schon länger?" fragte Bertold.

Und ob", erwiderte Hott.Sie war meine. Erste. Aber weißt du", und hier sprach er gedämpft,ich bin wegen einer anderen hier."

Wen meinst du?"

Sag ich nicht."

Dann verachte ich dich "

Aus deiner Verwandtschaft."

Bertold rollte sich zufümmen.

Birge trat jetzt zu den beiden und wollte sie in die Stube drängen. Sie klatschte in die Hände und umkreiste sie. Hott fing ihre Arme und drückte sie rückwärts in die Stube. Bertold lehnte sich wütend an den

Küchenpfosten. Da Anna und Hott.

Er hat sie ja Herd schob.

Das sollte ich

ginge ins Kloster, dann wäre ich ihn los."

Wenn sie schon ein Kind gehabt hat von ihm."

Bertold bebte. Er riß die Küchentür auf, daß die Mägde ausein­anderstoben; die Verräterin aber packte er am Zopf und tunkte sie zu Boden, bis ihr Gesicht vor der Herdtür stand. Sie schrie laut. Der Pate kam heraus und schimpfte, Bertold fei ein richtiger Mädchenjäger; er soll machen, daß er in die Stube komme. Er ging. Die Magd schrie ihm nach, was wahr sei, sei wahr, und was sie gesehen habe, habe sie gesehen, und wenn sie gleich in die grasgrüne Hölle tarne.

Als Bertold in die Stube trat, wollte ihm Hott neben sich Platz machen. Er setzte sich aber unten an den Tisch neben die Mägde, die mit ihm gerungen hatten. Die waren darüber sehr stolz und nahmen ihn in die Mitte, redeten auch laut über den Tisch herüber, wie stark er sei. Da lachte Hott höhnisch und rief:Es wird wohl noch mancher in der Stube fein, der stärker ist als Bertold, was?"

Und damit klopfte er einem ungeschlachten Kerl, der neben ihm sah, aus die Schulter. Das war ein Pferdeknecht, der beim Holzholen die Baume allein auf den Wagen hob und beim Holzspalten keinen Keil brauchte: wo er hinhieb, sprang der Klotz von selbst auseinander. Fran- zlskus, so hieß der Knecht, sah Bertold von der Seite an, rülpste und sagte unter dem Lachen der Bauern:Den ich zum Frühstück".

Bertold lächelte und Hott machte aus, daß nach dem Essen hinten im Garten gerungen werden soll.

es Nacht sei, erschlagen, wo er ihn treffe, und bann in ein fremdes Land gehen. Er hatte wohl begriffen, was zwischen Anna und Hott vorgegangen war, und hatte lange vergeblich auf eine List gesonnen, wie er Hott in seine Gewalt bekommen könne. Aber er fand nichts als jenen zu töten. Sein Vater? Birge? Sie mußten es erleiden.

Die Gesellschaft brach in den Garten auf, nur die alten Leute blieben in der Stube. Ein lauer Föhnwind hatte sich erhoben und streifte lustvoll über die verlassenen Gelände, auch die Sonne war da und brannte zuweilen aus den Wolken. Hott lief geschäftig hin und her und steckte den Kampfplatz ab. Er hielt große Reden und versprach Franziskus ein Goldstück, wenn er siege.

Bertold legte seinen Hut ab. Er freute sich. Er lachte und sprach wohlwollend, als alles bereit war:Ich muß mir erst den Stärksten suchen. Hopp, lauft der Reihe nach an mir vorbei. Nur Franziskus soll stehen bleiben, mit dem ist es mir ernst."

Da liefen die Burschen, die einen steif, die anderen gelenker gegen Bertold an. Er legte sie, einen nach dem anderen, leicht übereinander, ohne daß er je aus feiner Ruhe ging. Da sahen sie, daß ihm das nur ein Spiel war; die Mägde nahmen heftig Partei für ihn und gaben sich Mühe, ihn jedesmal zu warnen, wenn ein neuer Gegner anlief, aber sie tarnen meistens mit ihren Rufen zu spät.

Nun schwang Franziskus seine Arme im Rad er war breit und groß und feiner Sache sicher und stürzte sich mit vorgehaltenem Kops auf Bertold.

Bertold nahm den Daherstürmenden seitlich mit der Schulter auf, so daß Franziskus in einem riesigen Bogen um Bertold herumgeschleu- dert wurde und auf ein Knie fiel.

Zu knien brauchst du vor mir nicht", rief Bertold.

Wo willst du liegen?" brüllte Franziskus vor Scham und Wut, nahm Bertold auf die Arme und trug ihn hoch herum. Den Mädchen fchlugen die Herzen.

Aus dir, Franziskus", antwortete Bertold und ließ sich ruhig herum» tragen.

Hott war ganz gelb geworden, er stand unter den Mädchen und blies seinen Atem von sich. Da stellte sich Franziskus sperrbeinig hin, hob Bertold in die Luft und schmetterte ihn herunter. Bertold stand. Er war gut gesprungen, biß die Zähne zusammen und stieß jetzt selbst vor. Er fühlte beim ersten Griff, daß Franziskus nicht stärker war als er selbst, so rang er ruhig und lachte, und als er den Burschen genug hatte tanzen lassen, ließ er ihn los und holte zum letzten Angrif aus.

Franziskus schäumte schon vor Zorn. Bertold durfte ihn nicht gemein werden lassen, er nahm leicht Anlauf und sprang dem Knecht mit einem gewaltigen Satz gegen die Brust. Franziskus taumelte und fiel auf den Rücken. Bertold kniete nur einen Augenblick auf ihm. Dann sprang er auf, packte Hott, eh er sich besinnen konnte, an den Knien und trug ihn im Lauf in den Hof. Dort am Dampfkessel stand ein großer Bottich mit gewärmtem Wasser. Hott flog, von Bertold geschleudert, da hinein, die Burschen wieherten, die Mägde schrien, Hott schnappte.

Der Pate stürzte aus dem Haus, hinter ihm die alten Leute. Er sprang schimpfend an den Dampfer und ließ den Hahn pfeifen. Die jungen Leute flohen in die Scheune, die Arbeit begann wieder. Nur von Zeit zu Zeit lugte ein Kopf aus den Ziegeln und wollte nachsehen, wie es Hott gehe.

Der lief aber längst in Gummimantel und Holzschuhen in der Küche herum, trocknete seine Kleider und genoß das Mitleid der Mägde. Indem er die Sache als eine unanständige Ueberrumpehmg hinstellte, die er mit Zinsen heimzahlen wollte, verbreitete er bei den leichtgläubigen Küchenmägden allmählich einen Schein von Unheimlichkeit um sich, der feinem gelben Gesicht und den Geschichten, die von ihm erzählt wurden, wohl anstand. Die Mägde dienten ihm voll Neugier und Furcht. Birge ging ihm aus dem Weg.

Es war, als ob der Ringkampf allen Leuten neue Kraft gegeben hätte. Die Garben sausten, Bertold mußte hart arbeiten und hatte kaum Zeit Anna anzusehen. Auch sie sah nicht her. Sie schien Furcht vor ihm bekommen zu haben. Erst gegen Abend wurde sie gesprächig. Aber Bertold war kurz. Der Kerl würde sie jetzt schon in Ruhe lassen, dachte er. Die Sonne ging unter. Die Leute atmeten erleichtert auf, die harte Arbeit ging zu Ende.

Aus einmal, als das Lachen und Scherzen fröhlicher aus allen Win­keln der Scheune scholl, fragte Anna ihr Gegenüber:Du, Bertold, wohin gehst du eigentlich auf die Universität?"

Er nannte ihr die Stadt. Sie fragte weiter:

Warte nur, wenn das Heimweh kommt unter an den fremden Menschen."

Ach", sagte Bertold,das ist gerade schön. Und wenn ich jemand haben will, dann hole ich ihn mir."

Meinst du, er kommt dann auch?" fragte Anna lächelnd.

Wenn ich will, muh er wohl", antwortete Bertold.

Bertold!"

Anna war ganz nahe gekommen. Sie sah Bertold von der Seite lockend an und sprach über ihr Hüste: ,Zch lasse dich heute gern mit mir heimgehen."

Hott wird uns schon aus dem Weg gehen. Schau", und Bertold deutete durch die Luke,da sitzt er in der Küche und schaukelt die Magd."

Wenn er aber doch kommt?"

Dann gehe ich erst recht mit dir."

Ja?" Anna lachte glücklich. Ihre Augen blitzten, ihre Zähne schim­merten.

Beim Abendesien ging Hott seinem Studiengenossen aus dem Weg. Als abgeräumt war, machten die Bauern ihre Späße, wie sie seit Jabr- hunderten üblich waren: sie schwärzten Ahnungslosen die Gesichter, führ­ten Prügel- und Schimpfszensn auf und hakelten sich mit den Beinen. Auch Birge spielte voll Anstand in einem kleinen Stück mit. in dem sie einen Bettler vorstellte, der vor dem abweisenden Gu-i-m sich "'^tz- lich als Herr der Welt entpuppt.

(Fortsetzung folgt.)