Ausgabe 
15.2.1935
 
Einzelbild herunterladen

Nummer 13

Hreitag, den 15. Februar

Jahrgang 1935

Bertold

Wassers

5(4)®«*

schwelende Und sie

Gesichter blickten Bertold an.

sangen zu dritt, während der alte Knecht meckerte:

Anna, wellewanna Kastanna Wellewanische Anna."

jaule er )fe noch Ser. Sie ant! 6s daß fi( ie gan;! d unter >n Nähr ruh, als ne fiele« ; Unter rach ben nie, do« so weil ugte bei

r Eise»' an uni

gab bet InglW* \mW'1 i Felfei 15. Roch sie tot Wieuiel!

hm, die e Boote drängen, gst über weitet* t Armen ruj des e( gegen legungs. ihr Ge­ieiwasser einzigen : Natur-

Aermel auf.

Die Mägde taten ebenso, um ihn zu verspotten, und fragten:Bist du stark?"

Bertold pfiff durch die Zähne und sprach:Eine von euch nehme ich und schlage die andern damit tot."

Das war das Zeichen zum Angriff.

Die Mägde packten mit flinken Armen an. Bertold ließ sich durch die pfeilenden Hände nicht verwirren und warf eine nach der andern auf das Stroh.

Da lagen sie zappelnd und schrien vor Zorn, da sie nicht in sein Gesicht konnten, und schämten sich vor dem alten Knecht. Sie wurden still und kleinmutig und baten Bertold, er soll sie loslassen. Da ließ er sie fahren. Der Drefchkasten war inzwischen fast leer geworden. Die schätzende Garbenwand war gelichtet und die Garben flogen jetzt ruhig und gleichmäßig von Hand zu Hand. Auch. Anna hatte wohl ihre Tränen vergessen. Sie kam zu Bertold und fragte ihn:Hast du keinen Durst?"

Durst hätte ich schon", sagte Bertold,aber die Garben kann ich nicht melken."

Dann tu ein paar Ziegel fort, daß ich in den Hof rufen kann", antwortete Anna.

Bertold zog soviel Ziegel ein, daß genügend Platz war. Es wurde Morgen draußen Er schlang seine Arme um Annas Knie und hob sie hoch. Er war so groß, daß ihre beiden Köpfe aneinanderlagen. Unten vor der Haustür stand Birge und hieß einen jungen Mann eintreten, der eben angekommen war.

Als Anna ihn erblickte, fing sie an zu zittern und sagte zu Bertold, er solle sie schnell herunterlassen und selber rufen. Bertold ließ sie aber nicht los, sondern rief Birges Namen in den Hof hinunter. Birge schaute heraus, Bertold machte ein Zeichen, daß er trinken wolle: Birge lachte glänzend und arglos zu ihm herauf. Der Herr, der neben ihr stand, wandte sich ebenfalls gegen die Scheune und Bertold erkannte in ihm einen Mitschüler, der die Prüfung mit ihm gemacht hatte. Er hieß Hott, war der Sohn eines Viehhändlers und wollte Tierheilkunde studieren.

Anna hatte ihr Gesicht, als sie den Fremden erblickt hatte, unter den Ziegeln versteckt. Bertold winkte nun auch ihm zu, er möge einmal heraufkommen, fand aber keinen Anklang, denn der andere deutete auf feinen schönen neuen Gummimantel, den er nicht verstauben wolle. Als Anna an ihm herunterglitt, schaute er ihr ins Gesicht. Sie sah schnell fort und floh vor ihm. Er lief ihr nach und trug sie auf eine schöne breite Garbe, die aus dem Gehäuse herausstand und sagte:Jetzt brauchst du nichts mehr zu tun, ruhe dich nur aus, ich will die Garben allein werfen."

Da sah ihn Anna traurig an und sprach, indem sie seinen Kopf streichelte:Weißt du, Bertold, ich wollte, ich wäre tot."

Sie riß sich los, ließ Bertold stehen, ging an einen Pfosten und weinte. Es war ihm, als fahre er aus großer Höhe im Blitz auf die Erde. Da stand er, glühend, allein, die Hände »leer, die Brust kalt, auf einmal, er, Bertold. Was war geschehen? Warum weinte sie? Birgel Wußte sie von Birge? Was hatte er getan? Teufel, wo war er gewesen?

Wie eine Hölle brüllten Dampfer und Drescher auf. Der Staub siel vom zitternden Gebälk, die Dachziegel flimmerten. Er wollte zu der Schönen, von der er nicht einmal den Namen wußte, hinstürzen, fragen, warum sie geweint habe. Aber schon weinte sie nicht mehr. Sie tarn aus ihrer Tränenecke und bückte sich zu den Garben nieder, als ob nichts geschehen sei

Es war hohe Zeit. Durch die Wand von sieben Garben schoben sich die roten Fäuste der Mägde. Sie warfen das Bebau um und drei

rifchauf- tschöpfen Geschrei iflattern. aimmen- ;t fielen ! können n Unter-- ge. Ben

verstand von alledem nichts. Er blickte auf Anna, die schöne Anna, die vor Zorn lächelnd eine Garbe am Bund hielt.

Da stellte er sich zwischen sie und die Mägde und streifte die

(Fortsetzung.)

Birge hatte Ernsteres zu tun. Sie tummelte sich in der lampenhellen Küche mit den Mägden und sah mit gezwungenem Anstand an dem Liebhaber vorbei; als er jedoch so beharrlich an seinem Posten stehen- blieb, nahm sie ein brennendes Scheit aus dem Herd, schwang es vor sich her und wollte ihn hinausräuchern.

Bertold blies aber mit vollen Backen den Rauch in ihr Gesicht zu­rück, verfolgte sie in die Küche und drückte ihr die Arme an den Leib.

Während er so voll Eifer Unruhe stiftete, klopfte ihm plötzlich jemand auf die Schulter. Es war der Pate. Er fragte ihn hager und geärgert, ob er auch da fei. Bertold fragte ihn ebenso gescheit zurück, ob er schon aufgestanden sei. Nach dieser Begrüßung ging der Pate in den Hof. Die Mägde lachten und spotteten, Bertold soll sich nichts einbilden, es komme heute noch ein Student, da sei er nicht der einzige, aber Bertold drehte ihnen den Rücken zu und begrüßte die Gäste, die jetzt den Flur betraten, jeden mit einem Spruch, als ob er der Hausherr sei.

Besonders ein Mädchen fiel ihm auf, als er die Schar willkommen hieß. Ihr Gesicht war ausnehmend zart und feingebildet, mehr weiß als rot ihre Wangen, die Hüsten schlank und die Äugen groß, fromm und einladend. Er nahm sich vor, den Tag über womöglich in ihrer Nähe ;u arbeiten, da sollte die stolze Birge schauen, wenn er mit dieser gut würde; er ging in die Stube und schaute sie an, bis sie seinen Blick aufnahm.

Dann gingen alle an dem summenden Dampfer vorbei in die Scheune. Der Pate wies die Plätze an. Es sollte wohl so sein, daß Bertold neben die erwünschte Schöne in der äußersten Ecke des Daches zu stehen kam. Er mußte mit ihr, einem alten Knecht und drei Mägden die Garben Öen Kornboden entlang bis vorn auf den Drefchkasten befördern. Der Knecht schlief noch halb und schaute weder rechts noch links, die Mägde waren ans Gehorchen gewöhnt. So glaubte Bertold mit der Schönen allein zu fein in einer holden Finsternis.

Als der Dampfer mit dumpfem Baß anhob und mit Kraft in höhere Töne hinaufging, bis er metallen und gleichmäßig in der rechten Höhe rortfummte, jubelte Bertold. Jetzt ging es an. Er riß ungestüm die Garben los, überreichte sie aber in lockerer Ruhe feiner schönen Nach­barin, die sie ebenso gelassen roeitergab. Sie hatte das Kopftuch um Stirn und Mund geschlungen und schien manchmal in der Verhüllung ju lächeln.

Sie stand, sein blühendes Gegenbild, in der von Saus und Braus erschütterten Scheune und rührte sich kaum; nur ihre Augen sah er zu­weilen, wenn er sich unter sie bog. Sie funkelten verstohlen im schwar­zen Zwielicht und schlossen sich schnell wieder, wenn er zu heftig in sie bringen wollte. Und waren sie so erloschen, dann war es um so ängst- I kicher und geheimnisvoller in der dunklen Scheune; dann stand der Knecht wie mit grauem Moos behangen in dem plumpen Garbenschwall, i bann kam von den dumpfen Leibern der Mägde eine Lohe auf Bertold ju und umschlang ihn. Seine Brust brannte, seine Stirn war staubig wie ein alter Balken.

Das ertrug er nicht mehr. Er nahm eine schlanke Garbe, die fühlte sich an wie ein Mädchen, drückte sie, als die Stille herschaute, an seine Brust und berührte, indem er sie ihr sachte zureichte, mit den Aehren ihre Knie. Sie fuhr leicht zusammen und machte eine reizende Knie- oeuge. Da entfesselte er einen Sturm. Er packte zwei, drei Garben auf einmal um den Leib, schleuderte sie den Mägden in den Schoß und warf io lange, bis Knecht und Mägde von den Garben völlig eingehüllt waren und für die nächste Viertelstunde genug zu tun hatten, den Wall weiter- juschießen.

Dann stellte er flugs eine Wand von sechs, sieben Garben zwischen bie Mägde und sich. Jetzt waren sie allein und abgeschieden. Er ging ihr entgegen, sie wich einen Schritt zurück ... stand einen Augenblick mit qefentter Stirn vor ihr. Sie legte die Arme über ihr Gesicht Er warf bie Arme um sie. ßgrm und Staub waren plötzlich versunken. Da atmeten sie ineinander und wußten voneinander nichts mehr.

Auf einmal kam von irgendwoher aus einem Gang der Erinnerung ein Schmerz auf das Mädchen zu. Er war in die Gestalt eines Mannes geschlüpft und drohte ihr Unheil.

,cn. wo, ®tilanb, Ritzten '?en bie ''e unter Rollen d>e @e= Um. cn g-° I,le mit. eblenbet, der. Die Wen.

te- Man °us dein Däne bis m Leich, nd Big? aus der r furcht-

Die Hochzeitskuh

Roman einer jungen Liebe von Josef Magnus Wehner

Copyright 1 928 b y Georg Müller Verlag A.-G., München

-n es f t m# r durchs s Werd

!k N

@iip- e( deä» b-r d-«

GleheimZamilienblälter

Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger