Ausgabe 
12.4.1935
 
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Die Geburi der Heiligen Allianz.

Von Wilhelm Schwarz.

In der Reihe der Frauen, die, wenn auch nur mittelbar, so doch entscheidend in die europäische Staatengejchrchte des 19. Jahr­hunderts eingegriffen haben, steht die Gestalt der baltischen Baro­nin Julie von Krüdener an erster Stelle. Ihr Bekehrungs­eifer, der tief in den mystischen Gedankengängen des Pietismus verwurzelt war, machte auch vor der großen Politik ihrer Zeit nicht Halt. Die Heilige Allianz ist wesentlich unter ihrem Einfluß entstanden. Wie Alexander I. von Rußland, der diesen Gedanken eines Friedensbundes unter den größten europäischen Monarchen zu verwirklichen suchte, Frau von Krüdener zum ersten Male begegnete, schildert Wilhelm Schwarz in seinem bei der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachf. in Stuttgart erschienenen BuchDie Heilige Allianz".

Der Kaiser kam am Abend des 4. Juni 1815 ziemlich müde und i Mt unbesorgt über den Ausgang des bevorstehenden neuen Waffen- omaes in Heilbronn an. Er nahm eines jener dunklen Bucher zur Hand, me sie neuerdings seine einzige Lektüre bildeten:Die Wolke über dem j Migtum, oder ein Stofs, an den sich die stolze Philosophie nicht heran- I mat" Der Stoff hatte durch seine Ueberfetzung ins Russische nicht an ! Deutlichkeit gewonnen. Ja, wenn ihm jemand die tiefen Gedanken- o uae hätte verdolmetschen helfenl Er wollte schon enttäuscht das Buch biiseite legen, als ihm sein Adjutant Wolkonski den Besuch einer Dame »idete, die sich nicht abweisen lasse.Frau von Krüdenerl Frau von Lüdener!" rief ich aus. Diese so plötzliche Antwort auf meine Gedanken tunte fein Zufall sein. Mit der Wahl des Zeitpunktes war für Frau : In Krüdener der Kampf schon fast gewonnen.

Sie habe nicht mehr die schönen Augen von einst, und in der Dlitik sei sie eine unschuldige Taube, hatte sie vor Jahren einmal dem j zursten von Signe geschrieben.Alt und sehr häßlich" hat sie Gentz Cfanden Ihre großen Augen, von einem seltsamen Feuer widerleuch- !<ad die ihr Angelika Kaussmann auf dem Jugendbildnis des Louvre o geben hat, waren dagegen nach C. M. Arndts Zeugnis immer noch nächtig":Sie hatte die ganze Unruhe und geschäftige Zudringlichkeit euer Same aus der hohen Welt, die noch nicht zur Ruhe gekommen ist md das eine Auge immer noch für die Lust des irdischen Lebens osten -i haben scheint, während das andere nach dem Frieden der uber- ioischen Welt schmachtet." Abersie machte nicht den Eindruck einer Ecmklenn ober Betrügerin, fonbern einer Schwärmerin; fte hatte den sihnsüchtigen und mächtigen Zauber einer Begeisterten, welche sie wirk- I Ito war: denn sie predigte ihr neues Evangelium mit gleichem Ester bin Armen wie den Reichen, dem Kaiser wie dem Bettler. Es hing alles t>n der Stimmung und Einstellung ab, mit der man ihr begegnete. ,3ie hat auf mich eine Wirkung hervorgebracht, die ich noch nie erlebt I bitte", gestand zum Beispiel Benjamin Constant

Der Kaiser jedenfalls unterlag ihr in der nachfolgenden dreistündigen »ussprache völlig.Hören Sie auf die Stimme einer Frau, die auch ene große Sünderin gewesen ist, die aber die Verzeihung ihrer Sunden um Fuße des Kreu.zes Christi gefunden hat." Keine großen Tugenden inb Verzichte verlangt sie, nur Aufnahmebereltschaft. Aufgabe des eige- rrn Willens, rückhaltloses Vertrauen unter Verzicht auf alle Standes- türbe.Aber, Majestät, nur wenn man auf alles Persönliche verzichtet hnn ich einen Augenblick bas Werkzeug bes Heilands fein, Sie befiehlt i m nein schwächt sie nachher ab, sie labt ihn ein, sich der un- fchtbaren Kirche der Heiligen anzuschließen, dem Kreis der Auserwahlten. lenn er ist der Erwählte des Herrn, der den Drachen Napoleon innen kurzem von neuem besiegen wird. Dann aber wird die Gna i.-s Heiligen Geistes in vielen Christen lebendig werden, wirb bas »eich Christi wahrhaft beginnen.

Die Beziehungen sollten sobalb nicht mehr abbrechen. VonHeibeberg (us labt sie den Kaiser ein, nachzukommen: --S'« «erben mich in einem täuschen außerhalb der Stadt wohnen finden. Ich fr°be diese Behausung ('wählt, weil ich hier mein Banner, ein Kreuz ,m Garten gefunden labe." Ihre andere Prophezeiung erfüllt sich: Napoleon wird besiegst Mar nicht gerade durch Alexander, aber doch besiegt. Sie s°lgt ihm rach Paris und nimmt bei ihrer Freundin Lezay im Faubourg tzt. Honore Wohnung. Täglich trifft sie sich Mit demKaisersimsmige Zeit zum Gebet; sie bekommt einen Ehrenplatz der griechischen K^- plle. Ihre osfenkundige Bevorzugung durch den Kaiser macht sie noch enmal begehrt in der vornehmen französischen Gesellschaft, von mcht hrnier uneigennützigen alten und neuen Freunden. Sie tritt em für Öte Schonung Frankreichs, bas Buße tue wie Nrnwe, und dem d>e Volker ics Nordens" zu Hilfe kommen mußten Das erreichte seinen Hahe- runtt mit dem Lager von Vertus in der Champagne am 10. Septembt: , Lm^menstoge des Kaisers. An seiner Geiteunbnebenbenab fürsten wohnte sie der großen Parade und dem Feldgottesbienst der lunbertfünf3igtaufenb Mann russischer Truppen b«- dw er Huldigung isrReligion der Siebe", wodas Blut des Bundes auf freben Mttaren 1 im göttliches Erbarmen flehte", wodie Bourbonen und Frankreich - st viel Gnade erfuhren." Die Wirkung ließ kE vierzehn Tage auf sch warten:Gott bedient sich auch irdischer Mittel- das Mm'sterium »urbe aemedifett." Talleyranb trat ab unb erlaubte Alexander, non) liestimmter für eine milde Behandlung Frankreichs einzu re cn,^ e^ «r n«rfo(qe feine andere Poüiif als die fernes Gero.ff

'achten Wegs, er fei ein Jünger Ehristst marschiere mit dem Evangeliiim h ber Hand unb kenne sonst keine Rücksichten. Andere ' d !°mTugendlager" eine versteckte Drohung die Verbündet«, unb m iem französischen Ministerwechsel durchsichtige Machenschaften. So macht ! Slücher seinem biederen Herzen in einem Brief an Gne enau LufL «.Die Frömmigkeit des großen Mannes ist ein böses Zeichen, durch tägottcrie wirb man zu allen verleitest zumahl wenn W ch

los Aposiell Handwerk abgeben." .. , h m nfr.

Die Zeit bes Aufbruchs nahte. Alexander drängte,^ von dem ,,ver siuchten Paris", bergottlosesten Stabt ganz Europas, fortzukommen

Das Fähnlein der sieben Aufrechten.

Novelle von Gottfried Keller.

(Fortsetzung.,

Hui" rief die Frau,was sind das für Geschichten! Und willst bu wirklich beinen eigenen Sohn hier für einen solchen Schubiak halten? Unb ist es denn geschrieben, daß gerade seine Bruder em folches Unglud treffen sollte, das sie zu seinen Knechten machte? Sie, die sich schon selbst zu helfen wußten bis jetzt? Nein, das glaube ich doch zur Ehre unseres eigenen Blutes, daß wir durch eine reiche Heirat nicht dergestalt aus dem Häuschen gerieten, vielmehr sich meine bessere Ansicht bestätigen wurde!

, Ich will nicht behaupten", erwiderte Hediger,daß «s gerade del uns so zuginge; aber auch bei uns würde die äußere und endlich auch die innere Ungleichheit eingeführt; wer nach Reichtum trachtet, der strebt seinesgleichen ungleich zu werden" .

Larifari!" unterbrach ihn die Frau, indem sie das Tischtuch zusam­mennahm und zum Fenster hinausschüttelte;ist denn Frymann, der das Gut in Händen hat, um das wir uns streiten, euch andern ungleich ge­worben? Seib ihr nicht ein Herz unb eine Seele unb steckt immer bie Köp Das ^ft" was anderes!" rief der Mann,was ganz anderes! Der hat fein" Gut nicht erschlichen ober in ber Lotterie gewonnen, sondern Taler um Taler durch seine Mühe erworben wahrend vierzig Jahrem Und dann sind wir nicht Brüder, ich und er, und gehen einander nichts an unb motten es ferner so halten, das ist der Punkt! Und endlich ist der nicht wie andere Leute, der ist noch ein Fester und AusrechterI Wir wollen aber nicht immer nur diese kleinen Privatverhaltmsse betrachten! Glück­licherweise gibt es bei uns keine ungeheuer reichen Leute, der Wohlstand ist stemlich verteilt; laß aber einmal Kerle mit vielen Millionen ent- stehen, die politische Herrschsucht besitzen, und du wirst, sehen was bie für einen Unfug treiben! Da ist der bekannte Spinnerkomg, der hat wirklich schon viele Millionen und man wirst ihm vor, daß er em schlechter Bürger und Geizhals sei, weil er sich nichts ums Allgemeine kümmere Im Gegenteil, ein guter Bürger ist er, der nach wie vor die andern gehen läßt sich selbst regiert unb lebt wie ein anberer Mann. Laß biesen Kauz e?n politisches, herrschsüchtiges Genie fein, gib ihm einige ßiebeswurbig- feit ^Freude an Auswanb unb Sinn für atterhcmb theatralischen Pomp, lab ibn Paläste und gemeinnützige Häuser bauen und dann schau, was er für einen Schaden anrichtet im gemeinen Wesen und wie er den Charakter des Volkes verdirbt. Es wird eine Zeit kommen, wo in un­serem Lande, wie anderwärts, sich große Massen Geldes zusammen- bäufen ohne auf tüchtige Weife erarbeitet und erspart worben zu sein, dann wirb es gelten, dem Teufel bie Zahne zu weisen; dann wird es fick zeigen ob der Faden und die Farbe gut sind an unserem Fahnem tick,? Kurz und gut! ich sehe nicht ein, warum einer meiner Sohne nach fremdem Gute die Hand ausftretfen soll, ohne einen Streich darum ge­arbeitet xu haben. Das ist ein Schwindel wie ein anderer!

®s ist ein Schwindel, der da ist, so lange die Wett steht. , sagte die ftrau mit Lachen,daß zwei sich heiraten wollen, die sich gefatt»n. H'eran werdet ihr mit all euren großen unb steifen Worten nichts andern. Du M übrigens allein der Narr im Spiele; denn Meister Frymann sucht meislick xu verhüten, daß deine Kinder den feurigen gleich werb«i. 21ber bie Kinder werden auch ihre eigene Politik haben und sie durchfuhren, wenn etwas an dem Handel ist, was ich nicht weiß. . .

Mögen Sie", sagte der Meister,das ist ihre Sache, die tneimge ift, nichts zu begünstigen unb so lange Karl mmderiahrig ist. jebenfalb ^^Mit^dieser'dchlomatischen^ Erklärung unb ber neuesten Nummer des Revublikaner" zog er sich in sein Studierzimmer zuruck. Frau Hediger dagegen wollte sich nun hinter den Sohn machen unb ihn neugierig zur Rebe stellen- doch bemerkte sie erst jetzt, daß er sich ous dem Staube aemackt habe, da ihm die ganze Verhandlung durchaus überflüssig und unzweckmäßig erschien und er sich überhaupt scheute, seine Liebeshandel ^°^De°sto^zettiger°"bNeq°^r^am Abend das Schiftchen und ruderte hin­aus wo er schon viele Abende gewesen. Allein er sang fern Liedchen einmal und zweimal unb sogar bis aus ben letzten Vers, ohne daß sich

barm allerbings etwas in Wiberspruch zu ber Dielberufenen Büß­fertigkeit ber französischen Nation! Zuvor aber wollte er sich noch eines Anliegens entledigen, das er seit Wien auf dem Herzen trug. Es ging nicht an, daß jetzt, nach so viel Jahren des Krieges unb Monaten ber Verhandlungen die Herrscher auseinanderliefen, ohne die schuldigen Worte des Dankes an Gott und eine feierliche Verpflichtung der Herrscher unb Völker für bie Zukunft. Die Wiener Pläne eines allgemeinen Garantie­vertrages unb der an feine Stelle getretenen Deklaration, die ebenfalls wieder unter ben Tisch gefallen war, wirkten in der Erinnerung nach und verschmolzen sich mit der immer mächtigeren Erkenntnis, daß die Bürgschaft für Frieden und Gedeihen der Zukunft nur in einer innigen Durchdringung aller Politik mit dem Geiste wahrhaften Christen­tums liegen könne. . ,

So entwarf Alexander mit eigener Hand em feierliches Manifest an die Völker in Form eines persönlichen Vertrags der Herrsch«. Er besprach sich für die Formulierung ber religiösen Gebauten noch mit Frau von Krüdener und bat sie, mit ihrem Kreis im Gebet dafür zu wirken, daß die verbündeten Herrscher ihre Unterschrift unter die Akte setzen möchten. Auch sie fürchtete ein Scheitern, falls es nicht gelinge, die Sachevor den ungeweihten Händen der Diplomaten unb ffofleute zu bewahren. Capodistria, den er schon der Reinschrift halber zu Rate ziehen mußte, stand dem religiösen Gehalt etwas kühl gegenüber, er­laubte sich aber nur den Einwand, der Inhalt passe weniger für euren Vertrag als für eine Deklaration oder ein Manifest,die Annalen der Diplomatie hätten nichts Aehnliches aufzuweisen." Doch ließ er da der Kaiser bei seinem Vorhaben blieb, den Sleiftiftentwurf durch seinen Sekretär Alexander Sturdza ins Reine schreiben.