Ausgabe 
11.3.1935
 
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gibt es denn auch dumme Postboten?", und der Vater

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Verantwortlich: l)r. Hans Tbyriot. Druck und Der lag: Brühl'sche llniverlitäts-Duch» und Steindruckeret, R. Lange, Giesten.

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Jedoch Vater aus man's ihr losgeheult

wurden erst länger, als es Segelbooten und Walfischen man der Mutter nur einen an dich. Und ob du Bella nämlich die Beine verloren

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Das Taxi hatte keine allzugroße Geschwindigkeit gehabt, das wurde dem Chauffeur von allen Augenzeugen mit größter Bereitwilligkeit bestätigt. Lerr Leo Grillinger war direkt hineingerannt.

Nachdem das Getös schon vorüber war, der Donner und der Pütz und der'Riß, schlug er auf der Bahre noch einmal die Augen auf. Es war alles ganz fremd und starr, eine Mondlandschaft. In der ersten Dämmerung konnte man noch die steifen schmutzigen Häuserfronten erkennen. Eines von den vielen Gesichtern beugte sich über ihn und fragte ihn etwas. Es tat aber nicht mehr not, zu antworten. Er blickte durch das fremde Gesicht hindurch in die versteinerte Landschaft.

Aber Vroni bekam noch Jahre lang ihre Post von ihm. das wußte er, als er dann endlich hgchqehoben wurde und die Augen schloß, Post von weit her. Von drunten kam immer wieder das Weiche hoch und spült« immer wieder mit kindlicher Macht und Herrlichkeit die Versteinerung hinweg.

hinübergesahren war. Aber dann mußte Brief diktieren-Lieber Vater, ich denke wieder getroffen hast? Weil meine Bella

Droben schrieb die Mutter an Tante Vera:Dein Zettel in dem Paket klingt ein wenig ungehalten, weil ich es immer noch durchhalte? Nein, ich lasse die Pausen nicht größer werden. Im Gegenteil, ich bitte dich, gleich wieder eins zu schicken, der blöde Postbote hat sich ver­plappert, obwohl ich ihm neulich eine Mark Trinkgeld gegeben habe dafür. Ich lege dir einen Zehnmarkschein bei, bitte eine Mundharmonika und ein neues Märchenbuch. Tu mir den Gefallen, vielen Dank, und laß alles andere meine Sorge sein, die Ausgabe und die Lüge. kann's mir jetzt gerade leisten, weil ich jetzt sieben Pfennige für Eier bekomme statt sechs. Und wenn sie erst lesen kann, kommt Wahrheit und Versteinerung von selber. Anna Grillinger."

Bei Herrn Leo Grillinger war die Wahrheit und Versteinerung, seine Witwe es nannte, damals schon in der zweiten Woche seiner Reise gekommen. Zweimal hatte er gefühlt, daß in seinem Schicksal etwas Weiches und Himmlisches mit etwas Starrem und Versteinertem hin und her rang. Einmal, als Vroni so schrecklich losgeheult hatte am Wagenschlag, aber er hatte die himmlische Welle schnell weggetan in sich, denn er mußte auf dieser Reise seine Gedanken beisammenhalten, wenn er das Kapital für die Vergrößerung seiner Farm wirklich aus­treiben wollte. Und das andere Mal, als er den Fahrdamm überschritt.

Allmählich wu'de es zur Sitte, daß in bestimmten Abständen die Pakete vom Later eintrafen. Die Pausen hieß, daß er über ein weites Meer mit

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Sie durste dabeistehen und die blaue Uniform studieren. Einmal kam einNeuer" und hielt sie in ihren blauen Leinenhosen für einen Jungen. Er sagte Bubi zu ihr. Sie sagte hinterher zum Vater:Der **** xa»m a«14^ x<»w»a ooaxaaw * wx xav fnaiai*

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Aus den Karten und den Briefumschlägen stand-Für Vroni!" Die Mutter gab ihr einen Handschlag, daß es wirklich darauf stand. Der Vater schrieb:Ich drücke meine kleine Vroni an mein Herz, der Brief muß gleich mcct weil ich heute ein kleines Mädchen mit Streichhölzern traf, daß hieß Bella und sah genau aus wie du". Und dann die Pakete!

Die Sachs mit den Paketen kam erst richtig in Schwung, nachdem das große Durcheinander gewesen war. In der ersten Woche kam nur ein Päckchen mit Zuckerwerk und einem Kletteraffen mit Räderchen, der nach fünf Minuten kaputt gegangen war. Dann kam das große Durcheinander Zuerst gab es ein sogenanntes Telegramm, Has war ein Bries, den der Postbote zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit brachte, abends, nachdem die Hühnerschlupfe schon geschlossen waren. Dann kam Tante Vera und blieb vier Tage als eine Art Mutter da, weil die echte Mutter vier Tage lang verreisen muhte. Oh, das schwierige Ein­schlafen am Abend, obwohl Tante Vera viel länger am Bett saß als die Mutter und einen rolzte und kitzelte und mit Gewalt zum Lachen brachte, wenn man weinen wollte. Und dann erst, als die Mutter zurückgekommen war und alles wieder seinen ordentlichen Gang ging, trafen die richtigen Pakete vom Vater ein.

Traumritt.

Von Lina Staab.

Lange war ich vom Bergsturz der Tage begraben, unterm Geröll der Stunden erstickt und versteint.

Ich will ein Traumroß satteln. Ich will in die Sterne traben. Groß ist die Nacht und ern himmlisches Feuer scheint.

Hinter mir flattert der dunkle Mantel Vergessen, brausend von allen Winden der Welt gebauscht.

Zauberisch klirrt mir das Zaumzeug. Unermessen Ziehen die Straßen. Wer hat mir die Länder vertauscht?

Ich weiß nicht, wohin mich die rasenden Hufe tragen.

Ich locke das Echo: Noch keines der Länder war mein. So muh ich den endlosen Weg zu meinem Herzen wagen. Das Land, das ich suche, muß tief in mir selber fein.

poft von weither.

Erzählung von Max Mohr.

In die einsame Hühnerfarm am Ende des Tales kam der Post­bote nur einmal am Tag. Im Dorf drunten kam er zweimal, in der Früh und am Abend. Hier kam er nur einmal.

Solange Vroni noch fo klein war, daß sie nach dem Mittagessen vollständig ausgezogen und ins Bett gelegt wurde, hatte sie dieses Ereignis nicht miterlebt. Die Sache begann erst in jener Epocheohne echten Schlaf", als sie nach dem Mittagessen nur noch eine Stunde lang still liegen und verdauen mußte, in den Unterkleidern, auf dem Diwan im Kinderzimmer im ersten Stock

Sie horchte durch den dünnen Zwischenboden hindurch gespannt ins Wohnzimmer hinunter. Endlich kam der Postbote und redete mit den Eltern. Manchmal knarrte der alte Diwan, lbenn man sich aufsetzte, um besser zu hören Dann wurden von drunten ein paar schlimme Drohun­gen heraufgerufen.Du kommst von heute ab wieder ins Bett wie ein ganz kleines Baby, wenn du nicht sofort die Augen zumachst!" Dann war es ein paar Minuten still bei den Eltern drunten, die Mutter sagte:Ich verstehe nicht, baß du dieses Zeug noch lesen magst!" Der Vater raschelte zur Antwort mit dem Papier. Die Mutter sagte:Ich lese jetzt viele Jahre lang keine Silbe mehr." Und Vroni konnte sich nicht beherrschen, da es sehr heilig geklungen hatte und holte sich Auskunft. Hast du dein Papa jetzt einen Handschlag daraus gegeben, Mama?" krähte sie hinunter.Die rechte Hand? In echt?" Aber statt der Aus­kunft kam wieder eine Verwarnung

Sfeftem wieder, von hier weg läuft sie geradeaus dem Walde ju. Hasenfährten kreuzen sie, einmal schlüpft ein Wiesel vor nur in den Busch Still ist bet Wald, noch grün und saftig das Moos und Stauden- zeua zwilchen den Stämmen. Ich krieche durch das Unterholz, die frische ^Kälte brennt mir in den Lungen und weiter oben verliere ich die Spur im Jungwald einer Lichtung. Der Himmel bricht auf, der weite Himmel über den Wipfeln, bald wird die Sonne kommen und 6a3£)abe9im iüll/ich eine große Schüssel mit Hafer, die stelle ich in das Gartenhaus Dann nagle ich die zwei Latten verstohlen wieder fest, aber das Gatter öffne ich weit, und so soll es bleiben.

hat und krank ist, brauche ich eine neue Bella. Deine getreue Tochter Vroni." Und dann kam zwei Tage später das Paket mit der neuen Bella.

Im Herbst und im Winter ließ es aber wirklich nach und im darauffolgenden Sommer war es ganz schlecht. Nach dem Roller mit der Klingel war eine ewige Pause. Der Vater war über ein zweites Meer mit Segelschiffen und Walen gefahren. Endlich schickte er dann das Tamburin, das Springseil, die Federball-Garnitur, alles in einem Paket.

An dem Tag, als es ankam, war die Mutter wieder einmal ein bißchen krank und mußte sich nach dem Mittagessen em wenig hm- legen. Vroni schlenderte zur Postzeit von den Huhnerstallen und Kuken- plätzen an den Zaun und stellte sich in Positur. Sie sah schon von weitem daß der Postbote etwas großes Braunes an der Lenkstange angebunden hatte. Es war derNeue", der sie damals für einen Junge» gehalten hatte, jetzt war er schon ein alter Freund. Es war ein heißer Tag und er wischte sich umständlich den Schweiß, ehe er das Paket los- tnotete und überreichte.

Für mich?" rief Vroni.

Selbstverständlich, mein Fräulein", sagte der Postbote,für wen bensas^ift von meinem Badbal", schrie sie und nahm das Paket in Empsiing. ^cht ÖOn beinern Babba", sagte der Postbote* und

grinste ein überlegenes Grinsen.Das ist von Frau Doktor studierte die Begleikadrefse, aber er kam nicht dazu, den Namen zu ent- Ziffern, die Mutter hatte die Begrüßung gehört und war die Treppe hinuntergestürzt und stand schon neben ihnen am Zaun.

Es ist nicht vom Babba", sagte Vroni enttäuscht.

Laß man sehn!" sagte die Mutter und nahm dem Postboten die Begleitadresse weg.Natürlich ist's vom Babba!"

Aetsch!" sagte Vroni zum Postboten.Siehst du, ich hab s doch gewußt!" Und dabei sah sie gerade noch, wie die beiden Erwachsenen über ihr sich in die Augen schauten, ein seltsamer starrer Blick.

Richtig, natürlich vom Babba", sagte der Postbote.Heute ist eine Hitze, daß ich schon gar nicht mehr lesen kann! Da werden deine Hühner bald harte Eier legen, wenn's noch heißer wird. Er schaute der Mutter noch einmal mit einem starren Blick in die Augen und

I schwang sich aufs Rad. ....

Der ist wirklich dumm!" sagte Vroni und lief in die Küche, um ein Messer für die Paketschnüre zu holen.

Die Mutter wartete vor dem Haus. Sie trug heute ein hellgrünes städtisches Kleid und sah wie ein fremdes Fräulein au» der Ferne aus, weil sie fönst immer in Hofen ihre Arbeit tat. Heute war alles fremd und starr.: _

Bei einem Sonntagsfrühstück hatte sie den Eltern den Traum ihrer Nacht erzählt.Heute nacht hab' ich geträumt, daß eine ganze große blaue Katze in euer Schlafzimmer gekommen ist. Handschlag, ganz groß und blau. Und bann habt ihr alle zwei so gemeint." Sie machte nach, wie die Eltern geweint haben.Handschlag, daß ihr so geweint habt, ich hab' es ganz deutlich gehört." Damals hatte sie den gleichen starren Blick zwischen den Eltern aufgefangen wie heute zwischen dem Postboten und der Mutter Bald flog der Ball aufs Dach. Beim Herunterkollern blieb er in der Dachrinne hängen. Zuerst wollte sie losheulen vor Schreck. Dann beherrschte sie sich. Jetzt hatte sie etwas Interessantes für den Brief, den sie der Mutter nach dem Abendstall als Danksagung an den Vater diktieren mußte.Ich hab gar nicht gemeint, wie er auf einmal nicht mehr runtergekommen ist. Ich hab einfach gelacht, extra. Deine getreue Vroni."

wunderbares Lachen.

die ganz große Zeit mit der Post setzte erst ein, als der die Reise gegangen war. Tatsächlich, es kam genau so, wie tröstend vorausgesagt hatte, als sie beim Abschied so schrecklich hatte Sie bekäm jetzt selber Post, eigene, echte Post.