Ausgabe 
11.2.1935
 
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Und einmal, als ein Gewitter sich immer näher an sie heranlagerte, an einem schwülen Sommertag oben in der Wildnis, da waren die Kühe von der Wiese in den still rauschenden Wald gegangen. Die Berge all ringsumher standen wie in Asche, die Wolken wurden immer schwärzer und niederer über den hageren Basaltspitzen.

Bertold stand da und schaute und gewahrte plötzlich Birge. Sie ging im Kreise auf der Wiese, die Geißel in der Hand, und summte ein Lied. Sie schwang die Geißel immer rascher in der Finsternis, und als das Wetter losbrach, da sprang sie einen Tanz, immer im Kreise, um die Haube eines uralten Steines.

Birge, Birge!" rief er voll Angst. Sie bemerkte ihn nicht, und aus

einmal hörte er sie ihre Geißel knallen. Der Regen schoß jetzt los, aber das war ihr gerade recht. Ihre Zöpfe glühten wie Feuerschlangen, sie war schön, die blonde Birge, und nein, er hatte keine Angst, er liebte ja auch das Gewitter, so lange er zurückdenken konnte. Er sprang aus dem Wald und ries ihr ins Gesicht.

Als sie ihn

über das nasse als er jetzt in nun, er sei in Wald jetzt so

betrachten.

Sie drehte sich jäh herum, lachte im selben Augenblick hell auf. Durch die Haustür, die Bertold offen gelassen hatte, blickte ihre Kuh klein­äugig und etwas schläfrig herein, indem sie sanftmütig wiederkäuend ihre großen Kiefer übereinander rieb. Es war höchste Zeit, daß sie an­gebunden wurde.

Das taten sie nun gemeinsam. Freilich hüteten sie sich, als seien sie mit Feuer geladen, im dunklen Stall auch nur mit den Kleidern anein­ander zu kommen. Ja, ihre Scheu voreinander wurde so groß, daß sich keins von ihnen entschließen konnte, zuerst die Bodentreppe zu den Schlaskammern hinaufzugehen; sie standen in glühender Verstocktheit nebeneinander, Birge die Lampe und er seinen Stock unbeweglich in der Hand. Schließlich mußten sie gemeinsam hinaufgehen, eines hüben, eins drüben.

Als Birge nach Neberwindung der Treppe wieder breiteren Baden unter den Füßen fühlte, ging sie in hoher Eile aus eine alte braune Tür zu und berührte sie mir mit dem Knöchel ihrer Hand. Einen Augen- blick sah er das rote Blut durch ihre Finger schimmern. Sie wollte noch etwas sagen, etwa:Hier kannst du schlafen, garstiger Kerl." Aber das Wort gelang ihr nur halb. Sie wickelte es in einen rasch heraufgezau­berten Husten und eilte nur um so schneller mit der Lampe in einen langen Gang hinein. Ihr Haar schimmerte golden, Augen und Füße waren unsichtbar. Sie verschwand in einer Lichtwolke in ihrer Kammer und drehte den Schlüssel zweimal um.

Er sand auch ohne sie sein Bett, aber nicht den Schlaf. Der flim­mernde Mond lag die ganze Nacht wie Birges Kopf an irgendeiner Fensterscheibe der Stube; das Bett war sehr tief, und wollte er ein« schlafen, dann wuchsen die Ohren des Kissens groß wie die Ohren der Hochzeitskuh aus seinem Kopfe heraus. Alle drei, die Ohren, sein Mund und der Mondkopf Birges müssen aber doch irgendwann in der tiefen Nacht zusammen gekommen sein, denn am Morgen war ihm, als hätte er einen Kuß bekommen, er wußte nur nicht recht, von wem

2. Kapitel.

Der Feind.

Der Dampfer draußen im Hof pfiff zum zweiten Male. Sein Schrei zischte wie ein feuriges Seil durch die Nacht, über die vielen Hügel und Wälder und trieb die Helfer, die von den Nachbargehöften her im An­marsch waren, zu höchster Eile an.

Als Bertold in die Kleider taumelte, hörte er unten die Holzschuhe klappern, unterschied lachende Mädchen, rufende Männer. Widerwillig zuerst duldete er diese Eindringlinge in den warmen Schlaf, der noch rote eine Hülle um ihn lag. Dann aber wurde er froh und wollte mit allen diesen Menschen einen starken Kampftag bestehen. Sie sollten nur kommen, er wollte jedem begegnen. Er lief an den Brunnen, wusch sich und legte sich dann mit den Kleidern, die ihm der Pferdeknecht lieh, eine tapfere Arbeitstracht an. Er knöpfte ein grauseidenes Tuch, das er eigens hierfür mitgebracht hatte, um den Hals in einen Schmetterlings­knoten und rückte den breiten Strohhut abenteuerbereit in den Nacken. Als er dachte, er fei schön und bedeutend genug, lehnte er sich an den Pfosten der Küchentür, daß ihn Birge anschauen und lieben lallte

(Fortfetzung folgt.)

Das war also vor Jahren gewesen. Er hatte Birge seitdem nicht mehr gesehen, sie mußte setzt achtzehn sein, wie er. Und als er nun im Mond neben der Kuh wieder aus den Berghos zuschriit, spann er sich einen Faden aus dem Derjafjrten Bild nach seiner Lust weiter

Bald tauchte hinter den beiden Nachbarhöfen die Wand des Berg- Hoses ans. Er horte schon den Brunnen rauschen

Da blieb feine Kuh plötzlich stehen. Er klopfte ihr auf die Schulter um fie zum Weitergehen zu bewegen, aber sie rührte sich nicht von der teile, auch fein Zureden half nichts; um keinen Preis aber wäre er ebne die Kuh auf den Hos gezogen, sie hätten ihn wohl ausgelacht, daß

Aber fest", sagte er.

Sie banden sie nicht sofort an. Vielmehr lief Birge Schrank, brachte einen geräumigen Topf heraus, schöpfte eine Schale, reichte ihn Bertold und sprach:Die Milch ist von ihr."

Er war frech genug zu fragen:Von deiner Hochzeitskuh?"

Birge antwortete nicht, ging aber auch nicht hinaus, um die Kuh anzubinden, sondern sie holte einen Laib Brot, schnitt ein Stück ab und strich Butter darauf. Diesmal sprach sie nichts, sondern legte bas Stück stillschweigend auf einen Teller und schaute, während er. zum Küchenfenster hinaus in den klaren Mond. So konnte er sie mit Muhe

finrima hielt fie inne- sie hatte eigentlich nur ihren Kopf herumgeworfen, ke? Leib war in feiner Ruhe geblieben. Gleich dachte Bertold, sie habe ihn als Verwandten erkannt und wollte sich mit ihm anfreunden. Er ging /u ihr und kraulte ihr in der Grube zwischen den Hornern. Sie lieh ihren Kops herabhängen, zog ihre Brauen hoch und sprach nad) einer Zeit, während ihre Nüstern säst in der Erde verschwanden:Denke dir, sie wollen mich schlachten I" _ , . .

Darauf hob sie langsam und schwer ihr Haupt wieder aus dem Gras hob ihre Füße aus dem Boden und ging mit nickendem Kopfe auf das Bsrghaus zu, das sich, noch fern, aus der Mondbläue schalte.

Es war sehr still, als sie den ersten Schritt tat. Hoch "" liehen Forst krachte in diesem Augenblick ein Baum. W ahnen, warum diese Tiere stumm sind. So gingen sie eine Weile auf dem weihen Weg. Plötzlich vernahm er:Morgen ist Feiertag bei uns. Es wird gedroschen, weißt du. Da gehen wir am frühen Morgen allein in den Wald, auch der Hirt wird ja mithelfen auf dem Hof. Dort können wir dann tun, was uns gefäVt, und müssen nur sehen, daß mir uns am Abend wiedersinden. Ich glaube sicher, Birge wird uns holen. Wenn wir sie den Berg heraufkommen sehen, stellen mir uns unter die Bäume, da, wo der Wald aufhört, und brüllen ihr entgegen, eine hier, die andere da. Du mußt wissen, Birge"

Dann war wieder Schweigen. Bertold gefiel das wohl, daß sie nut dem Namen Birge aufgehört hatte.

Birgel ... Das war sie, die er nie vergessen hatte, die jüngste Tochter seines Paten. Sie waren oft zusammen aus die Weide gefahren, Birge und er, er hatte mit ihren gelben Zöpfen gespielt und ihr lustige Ge­schichten erzählt, droben in der dunkelblauen Wildnis der Basalte. Ja, sie hatten zusammen getanzt, Hand in Hand um das Feuer, wenn der 1 " der Wiese sckied. Dann hatten sie ihre Holz- Flamme geschürt und waren über bas Gras

sah, würben ihre Schritte ruhiger. Ja, zart ging fie jetzt Gras unb gab auf ihren Rock acht, ging ihm auch nach, ben Wald unter eine große Eiche sprang. Da glaubte er seinem Haus unb Recht, unb wie ber inwendig warme . . schwül um ihn wehte, da warf er sich an ihren Hals. Er wußte nicht, was er tat. Birge wurde bleich und drückte sich in die Rinde des Baumes Er ließ aber nicht nach, sondern zog ihre Schultern an seinen Hals und wärmte sie. Das ließ fie geschehen. Sie lagen aneinander und hörten ihre Herzen klopfen. Er sah plötzlich nichts mehr, vor Frost und Feuer. Ihr Atem drang in sein Gesicht, und nun gaben sie sich den ersten Kuß. Ihr Mund schmeckte süß wie Walderd­beeren und ihre Wangen brannten mit ben feinen zusammen.

Lange glühten sie so aneinanber. Aus einmal erschrak er. Sie lösten sich voneinander. Ihm wurde hart und bitter im Mund unb schwer im Herzen beim er war es gewesen, ber zuerst bie Hand von ihr löste; warum, das begriff er nicht.

Aus einmal mar nun Die Welt verändert. Sie lagen nicht mehr in einem warmen Gewölbe; der Wind schnitt ins Fleisch. Bertold erhob seine Augen und schaute aufwachend ins Wetter. Da hörte er es donnern w'd rauschen, ganz in der Nähe, als gelte es ihm allein, und als er ourch die Aeste schaute und den neuen Schnee auf den Gipfeln erblickte, da hielt es ihn nicht mehr; er ging auf die andere Seite der Eiche und heulte, bis es weit in feiner Brust wurde. Als er wieder aufschaute, verflog das Weiter Über ihm.

Er nahm feinen Mut zusammen und wollte nun wie ein Herr vor ijirge treten unb zu ihr sagen:Komm, Birge, wir müssen nun heirn- treiben. Das Gras ist naß unb eisig unb nicht gut für bas Vieh." Babel wollte er Birge nur von ber Seite anschauen. Aber wie er um ben 'Baum herumroenbete, staub Birge da, rosig unb lächelnb, unb wies tn das Dickicht: unter ben Bäumen stauben bie Kühe in lockeren Grup- gen, aber immer zwei beinanber, unb immer legte bie ältere ber jüngeren ben Hals auf ben Nacken unb wärmte sie. Sie sammelten beibe bie Tiere unb trieben fie heim

er so wenig Macht habe. Er zog sie liebevoll an ben Hörnern. Sie murrte unb schaute abseits in eine Hagebuttenhecke. Da machte er es wie die Hirten: er sagte ihr ins Ohr, sie soll doch mitkommen. Wenn man einer Kuh etwas ins Ohr sagt, kann sie nicht widerstehen

Sie widerstand dennoch. Er merkte an dem dumpfen Ton, der den langen Hals wie ein Knecht die Kellertreppe herauskam, daß sie etwas aus dem Herzen habe.

Weißt du", vernahm er,Birge hat doch gewußt, auf welchem Weg du herauskommen würdest, wenn du uns wieder besuchen wolltest. Du hast es ihr lang und breit beschrieben, an jenem Abend im Stall, als ihr sozusagen Abschied voneinander nahmt. Du host es freilich ver­gessen. Ich stand an meinem Fleck, weil mich Birge dorthin gestellt hatte. Und sie hat mir befohlen, dir einen Gruß von ihr zu bestellen. Birge hat mir versprochen, ich werde ihre Hochzeitskuh."

Nach dieser umständlichen Rede ging die Kuh, ohne Bertold noch weiter zu beachten, auf den Brunnen zu und stillte ihren Durst.

Er scharrte die Schuhe aus dem Pslaster ab, um sich bemerkbar zu machen, aher die Leute waren anscheinend schon schlafen gegangen, weil es morgen vor Tag noch an die Arbeit gehen sollte. Der schwarze Dampf­kessel stand im Hof, der Riemen war schon um das Rad gelegt.

Er öffnete die Haustür und sah über ben Flur in bie Küche. Auf bem Herb stand eine Lampe. Aus einem Klotz an der Haustür aber saß ein Mädchen und schlief, ein Scheit lässig auf den Knien haltend. Es war Birge. Er schlich sich leise herzu, legte ihr die Hände über bie Augen unb fragte mit verhaltener Stimme:Wer ifts?

Birge schrie auf, baß bie Teller flirrten, bann gab ber ewige Brun­nen, ber im Eck in einen Steintrog rann, den einzigen lebendigen Laut. Birge stand langsam unter Bertolds Händen auf. Offenbar wollte sie seinen Namen nicht sagen.

Das half ihr aber wenig. Er ließ plötzlich seine Hände fahren nun stand sie vor ihm, rot bis an ihr gelbes Haar. Er konnte dummen Hackklotz, der zwischen ihnen stand, natürlich nicht auf Füße stoßen. Endlich sagte sie:Jetzt müssen wir aber bie Kühe

schuhe sortgeworfen, bie Flamme geschürt unb waren über bas Gras gesaust Sie konnte saft so gut laufen wie er, boch war er stärker als sie, unb wenn er sie gefangen hatte, nahm er sie in bie Arme unb trug sie geraberoegs aus das Feuer zu, schwenkte sie über der Lohe und schnitt Räubergesichter. Aber sie hatte sich in solchen Augenblicken nie gefürchtet, sie zeigte ihm die Zähne, was nun wieder ihn nicht schreckte; nur ihre Augen, die wurden dunkler, je höher der Abend stieg, und ihre Lippen wurden röter, je mehr es rundum taute. Das war schon eher Fürchten.