Sie einem Umstand zu banken, der schon viel Konfusion angerichtet hat: ich trage nämlich denselben Vornamen rote mein im Kriege gefallener Sohn. Bewahren Sie ihm ein gutes Angedenken! Ihr ergebener Theodor
$ Die Zigarre, schrie ich, als ich diesen Brief gelesen hatte. Vergessen mußte sie noch in der Westentasche stecken. Ich rannte zum Kleiderschrank, Packte den Reiseanzug, griff in die Tafche... Es war kerne Zigarre. In memer bebenden Hand hielt ich ein Jnfanterlegeschoß.
Oie Sorglichen.
Von G u st a v Falke.
Im Frühling, als der Marzwind ging, Als jeder Zweig voll Knospen hing, Da fragten sie mit Zagen: „Was wird der Sommer sagen?"
Und als das Korn in Fülle stand, In lauter Sonne briet das Land, Da seufzten sie und schwiegen: „Bald wird der Herbstwind fliegen."
Der Herbstwind blies die Bäume an Und ließ auch nicht ein Blatt daran.
Sie sah'n sich an: „Dahinter
Kommt nun der böse Winter."
Das war nicht eben falsch gedacht, Der Winter kam auch über Nacht. Die armen, armen Leute, Was sorgen sie nur heute?
Sie sitzen Hinterm Ofen still.
Und warten, ob's nicht tauen will, Und bangen sich und sorgen
Um morgen.
„Welt-Kanäle^ einst und jetzt.
Von Dr. Gustav W u f s o w.
Bor kurzem ist die Nachricht durch die Presse aller Länder gelaufen, daß sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit dem Gedanken beschäftigen, neben dem Panama-Kanal, der den Anforderungen nicht mehr voll entspreche, noch einen zweiten Kanal-Durchstich durch Nikaragua auszuführen, für den die Kosten auf rund 720 Millionen Dollar veranschlagt werden. In Japan ist diese Mitteilung mit großer Erregung ausgenommen worden, denn dort wird dieses Projekt weniger von seiner wirtschaftlichen Seite, sondern mehr als eine strategisch-militärische Maßnahme gegen Japan betrachtet. In der Tat sind Kanalbauten dieses Ranges, wie die mit dem Suez-Kanal und dem Panama-Kanal gemachten Erfahrungen gezeigt haben, von so weittragender Bedeutung, daß es keine Uebertreibung ist, zu behaupten, durch sie werde das Gesicht der Welt verändert. Wenn man trotzdem noch nicht früher daran geg-anaen ist, di« nicht nur Jahrhunderte, ja Jahrtausende alte Idee solcher Bauten zu verwirklichen, so liegt das in einer großen Reihe von Schwierigkeiten begründet, die man damals überschätzt hat, oder zu deren Ueberwindung erst die technische Entwickcklung der letzten Zeit die Mittel bereitgestellt hat.
Als 1798 Napoleon I. sich mit dem Gedanken beschäftigte, den Suez- Kanal, ein altes Problem, in Angriff nehmen zu lassen, wurden auch Niveauberechnungen für das Mittelländische Meer und den Arabischen Meerbusen angestellt, deren Ergebnis zur Aufgabe des Planes führten. Damals hinderte also die im übrigen längst als falsch widerlegte Berechnung der Niveauunterschiede der genannten Meere den Bau dieses wichtigsten und ältesten aller Kanäle. Wir haben eine authentische Urkunde über einen Suez-Kanalbau, den der Großkönig Darius von Persien unternehmen ließ. Darin heißt es: „Es spricht der König Darius: Ich bin ein Perser. Von Persien aus eroberte ich Aegypten. Ich befahl, diesen Kanal zu graben, vom Nilarme, der in Aegypten fließt, nach dem Meere das von Persien ausgeht. Dieser Kanal wurde gegraben ..." Also technische Sajroierigteiten der Art, wie sie Napoleon befürchtete, bestanden nicht, und Arbeitskräfte waren, wie ja die Pyramiden beweisen, in den despotisch regierten Reichen billig. Wir sehen aber auch schon aus diesem Bericht, öer durch andere Quellen ergänzt wird, daß Darius nicht der erste war °?r den Kanak plante oder ausführte. Man vergegenwärtige sich die Ge- schichte Aegyptens, und man versteht, daß solche Unternehmungen wohl durchgesuhrt, aber nicht erhalten werden konnten. Der Nil mit seinen Schlamimassen drohte jeden Kanal sofort zu versanden. In einem da- maligen Ber cht ist geschrieben: „Von der Pelusischen Mündung geht ein künstlicher Kanal bis zum Arabischen Meerbusen und dem Roten Meer Mit dem Sm des Kanals befaßte sich zuerst König Necho (616 bis 600 t>or Chrfttus), des Psammetichos Sohn, nach diesem Dareios, der Perser Unter dem zulehtgenannten war das Unternehmen schon bis auf einen gewissen Punkt gediehen: schließlich ließ er es aber doch unvollendet. Er war naml ch »an einigen belehrt worden, daß er durch die Durchstechung der Landenge eine Ueberfchwemmung Aegyptens veranlassen roerbe- denn man rotes ihm nach, daß der Spiegel des Roten Meeres höher gelegen
fei als Aegypten selbst. Später aber vollendete Ptokemäus II. (285 bis 247 vor Christi) das Werk und brachte an der geeignetsten Stelle eine kunstvolle Schleuse an, die er nur öffnete, wenn er sie passieren wollte, danach aber rasch wieder schloß, indem er sie nur so lange offen ließ, als es durchaus nötig war. Der Fluhlauf, der durch diesen Kanal fließt, heißt nach dem Erbauer der Anlage Ptolemäus, an der Mündung liegt die Stadt Ärsinoe." Also der Irrtum von 1789 findet sich hier auch schon; hier befürchtete man eine Ueberschwemmung des Deltagebietes durch das Rote Meer, das durch den Kanal Zutritt in einen der Nilarme bekäme.
lieber die Niveauverschiedenheit hat man sich bis in die neueste Zeit ganz abenteuerliche Vorstellungen gemacht: man meinte, daß sich bei einem solchen Durchstich eine ungeheure Flutwelle ergießen werde, die alles überschwemmen und fortreißen müsse. Inzwischen ist erwiesen worden, daß gewisse Niveauunterschiede, z. B. zwischen Nordsee und Mittelländischem Meer, zwar bestehen, die Differenz beträgt aber hier nur etwa 15 Zentimeter. Derartige Niveauunterschiede sind z. B. eine Folge der Windverhältnisse; bei den gewaltigen Wasserflächen staut der Wind das Wasser an dem einen Ufer an, >das er dem anderen entzieht. Derartige Berechnungen wurden früher viel zu hoch angosetzt. Freilich spöttelte schon der Zeitgenosse des Augustus, der griechische Geograph Strabo, über diesen Aberglauben, den selbst ein Geograph wie Eratofthenes (um 280) teilte. Eratosthenes berichtet nämlich, so sagt Strabo, auch Demetrius (um 300 vor Christus) habe den Isthmus von Korinth zu durchstechen unternommen, um feinen Schiffen eine Durchfahrt zu verschaffen; hieran hatten ihn aber feine Ingenieure gehindert, die ihm auf Grund von Messungen gemeldet hätten, das Meer im Korinthischen Busen (im Westen) stehe hoher als bei Kenchreä (im Osten)."
Für Korinth war die Anlage eines Kanals vom Adriatischen Meer zum Aegäischen Meer besonders wichtig, wurde aber erst in neuerer Zeit durchgeführt. Die Fahrt um den Peloponnes war nämlich nicht nur zeitraubend, sondern für die antiken Segelschiffe oder Ruderkähne höchst gefahrvoll wegen der Winde an der Südiispitze jener Halbinsel. Schon tnt peloponnesischen Priege finden wir ein Mittel erwähnt, das eine Verbindung der beiden Meere ermöglichte: Es war die Anlage einer sogen. Schleifbahn. Dieser , Diolkos" verband die West- und Ostküste und ermöglichte durch die Anlage einer Walzbahn nicht nur den Transport von Waren, sondern auch von Schiffen. Natürlich war die Anlage nur möglich, weil der Rücken des Isthmos im allgemeinen niedrig zum Meere liegt; die Schwierigkeiten des Durchstichs lagen hier in der Bodenbeschaffenheit; es ist hier fester Kalkfelsen zu durchgraben, an der höchsten Stelle 80 Meter. Einen mit großem Pomp und theatralischen Gesten ins Werk gesetzten ernstlichen Versuch, den Isthmos zu durchgraben, unternahm dann Kaiser Nero. Dieser machte eine Reise nach Griechenland und beschloß hier, den Isthmus durchstechen zu lassen, um den Verkehr, der in der Tat den Landweg über diese Enge fast allgemein der Fahrt um Malea vorzog, zu erleichtern. Er hielt eine Ansprache an seine Garde und ergriff auf ein Trompetensignal hin selbst den Spaten, tat den ersten Stich und trug in einem Korb das Erdreich auf seinen Schultern davon. Als Arbeiter verwandte er 6000 Kriegsgefangene, die eine Reihe von Monaten an diesem Unternehmen arbeiten mußten. Wie Funde bei dem 1881 durch die Franzosen, dann 1889 durch eine griechische Gesellschaft in Angriff genommenen und 1893 beendeten Kanaldurchstich zeigten, war dieser Versuch Neros recht weit gediehen; er blieb aber ein Versuch, denn man fürchtete auch hier für Aegina. Der Weg von Triest nach Athen ist durch diesen Durchstich der Landenge von Korinth um 185 Kilometer abgekürzt worden. Die Länge dieses Kanals beträgt habet nur 6,3 Kilometer, während z. B. der Kaiser-Wilhelm-Kanal (1887 bis 1895 erbaut) 98 Kilometer lang ist, der Suezkanal sogar 160 Kilometer.
Während schon beim korinthischen Kanal-Problem die gefahrvolle Umsegelung des Peloponnes den Bau in erster Linie ratsam machte, verdankt ein antiker Kanal dem Bericht zufolge diesem Umstande überhaupt seine Entstehung. Als König Dareios mit Athen Krieg führte, entsandte er seinen bewährten Feldherren Mardonios auf dem Landweg durch Thrakien gegen Hellas (492 o. Ehr.). Die perstsch-phönikifche Flotte segelte in steter Verbindung mit dem Landheer längs der Küste; das Landheer wurde von den wilden Bergstämmen der Thrakier aufgerieben, die Flotte scheiterte am Berge Athos. 480 wiederholte sein Nachsolger Xerxes den Zug auf demselben Wege wie einst Mardonios. Um diesmal seine Schiffe glücklich herumzubringen, schickt er schon drei Jahre vor dem Zuge Leute aus um die Halbinsel Akte auf der Ehalkidike zu durchstechen. Sem gesamtes Heer, so berichtet unsere Quelle, muhte unter beständigen Geißelhieben einen Graben machen, in dem sich die Leute gegenseitig ablosten. Auch die.umwohnenden Volker zog man mit zur Frohnarbeit heran. Die Technik war folgende: Die Perser teilten die einzelnen Abschnitte einzeln den Aufgeboten der verschiedenen Völkerschaften ihres Heeres zu. Beim Tiefergraben standen einige unten, die gruben, andere reichten die ausgehobene Erde wieder andern zu, die höher auf Leitern standen, diese wieder anderen, bis sie zu den obersten kamen; diese schassten die Erdmassen zur Seite. Alle machten sich dabei doppelte Arbeit, außer den Phönikern, denn der Grabenrand fiel ihnen stets ein, weil sie die Grube unten und oben gleich weit angelegt hatten. Die Phöniker aber bewiesen wie auch sonst ihre Geschicklichkeit. Sie machten nämlich an dem Teil, der auf fie bei der Verteilung gefallen war, die obere O ess nun g doppelt so weit, als der Graben selbst werden sollte. Im weiteren Verlauf ihrer Arbeit machten sie den Graben allmählich enger, und wie sie den Boden des Kanals erreicht hatten, war ihre Arbeit mit den übrigen gleich." Es ist außerordentlich aufschlußreich wie weit die Phöniker in der technischen Geschicklichkeit den anderen Völkern voraus waren. Der alte Kanal ist in seinen Spuren noch heute erkennbar. Im übrigen vermutet schon der antike Gewährsmann, daß Terxes den Graden nicht des Athos wegen habe anlegen lassen, sondern um auch im Kanalbauen seinem Vater Darius nicht nach- zuftehen denn eine Schleifbahn hätte auch genügt, zumal die höchste Hö!>e nur fünf Meter beträgt.
'verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche Univerlitäts-Vuch» und Sleindruckerei, A. Lange, Gießen.


