Ausgabe 
9.9.1935
 
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Oie blaue Galione.

Von Hans Leip.

Die blaue Galione.

trägt eine güldne Krone, trägt um den Schuppenschwanz den grünen Jungfernkranz.

Hoch von den Planken dringen Matrosenfluch und Singen.

Ihr folgt bei Tag und Nacht der Bau voll Mensch und Fracht.

Sie sah der Meere Wunder, sah aller Küsten Plunder, Nordkap bis Feuerland ist alles ihr bekannt.

An ihre Brüste legen sich Sonnenschein und Regen. Es springt der Wellen Chor an ihrem Leib empor.

Wenn alle Segel krachen, hört man sie leise lachen.

Passat, Monsum, Taisun, die konnten ihr nichts tun.

Einst ward sie neu gestrichen.

Der Seemann ist erblichen auf seiner Schwebebank, siel runter und ertrank.

Und geht das Schiss zu Grunde, sie lacht der Todesstunde.

Dann fängt die Hochzeit an mit dem Klabautermann.

Er faßt sie um die Hüfte, er wirft sie in die Lüste, er reiht ihr ab im Tanz den grünen Jungfernkranz.

wieder

Stadt."

in die Nacht." er wie-

tiebcn." M

Am besten gefallen mir die Teiche mit den Seerosen.

Und mir die alten Weidenbäume am Ufer."

Ja. Es ist gut, daß es so etwas Schönes gibt m dieser

Im Park sagte Franz: r ., . _

Bald hab' ich wieder Dienst. Morgen muß ich den Zug Hauptstadt fahren. Schnell wie der Blitz. Sieben Stunden >n der Johanna schwieg. Franz dachte, sie wurde ihn fragen, wann

Oie ersten Tage einer Liebe.

Von Maria Osten-Sacken.

Sie lernten sich an einem Donnerstag kennen. Irgendjemand hatte sie an diesem Abend mit ins Bräuhaus gebracht. Sie faßen sich an einem weißgescheuerten Tisch gegenüber. Die andern, die dabei waren, lachten und redeten laut.

Sie hieß Johanna. Als alle um zwölf Uhr ausbrachen, regnete er Franz legte Johanna seine Jacke um die Schultern. Die andern gingen voran. Immer wieder bog einer von ihnen in eine Seitenstraße ein. Franz und Johanna gingen weiter. Es regnete nicht mehr. Ein warmer Wind wehte, und di« Häuser der nächsten Straße waren dunkel und nahe.

Wo wohnen Sie?"

Am Rittertor."

Sie wandten sich um und gingen zurück.

Wo arbeiten Sie?"

In der Wäschefabrik", antwortete Johanna.

Und Sie?"

Bei der Eisenbahn", antwortete Franz.

Am Rittertor gab sie ihm die Jacke wieder. Er zog sie an, und als er allein weiter ging, spürte er darin noch lange die Warme ihres

Am^nächsten Tag sagten die Mädchen, die im Packraum der Wäsche-

fabrik sahen:

Draußen geht ein Mann auf und ab.

Er wartet auf mich", sagte Johanna.

Erst als alle fort waren, ging Johanna hinaus. ___

Ich hab' mir gedacht, ob Sie in den Park wollen , fagk Franz.

Ich geh' gern in den Park am Abend nach der Arbeit. Die Wege sind dort schön angelegt, man kann sie immer

verkäme

Sie ainaen in die Stadt zuruck.

Es ist spät geworden", sagte Johanna,unb gute Fahrt für morgen.

Franz drehte seine Mütze in den Händen. Doch als Johanna nichts

wandte sich nicht mehr um. Sie ging ins Haus und schloß die Tur "'"Amdarauffolgenden Tag sagten die Mädchen in der Fabrik-

$5eut ist feiner zu sehen, der drauhen aus und ab Qegt.

Es war Samstag, und die Mädchen mußten nach ider' Arbeit ihren Lohn abholen. Johanna stand als letzt« vor dem Schalter. Sie horte, was die Mädchen miteinander redeten.'

der

und

Ar-

ihr die und

Io- sein

die- ben

Vater war", sagte Johanna.

Am Bahnhof zeigte Franz Johanna ben Zug. Er staub bunkel verlassen auf dem Nebengleise. Franz sah aus bie Uhr.

Als sie ausstieg, ging eine Frau mit einem kleinen Jungen an vorüber. Das Kinb streckte seine Arme ber Eisenbahn enkegen; Mutter hielt ihren Kopf bem Kinbe zugeneigt', sie blickte es glücklich

Johanna lag nachts in ihrem Bett unb meinte.

Dann schlief sie ein. Sie erwachte erst, als es Zeit war, in bte Fabrik SU gehen. Dort legte sie, wie an allen Tagen, weiße Leintücher in gleich­mäßige Falten, und die Mädchen neben ihr banden die Leintücher mit schmalen roten Bändern zusammen.

Am Abend sagten die Mädchen, bie in ber Nahe bes Fensters faßen:

Man muß sich schon gut verstauben haben, wenn einer am Montag roiebertonun£n lall."

Wenn es abend wird, stehen sie draußen und warten auf uns."

Und wenn wir kommen, fragen sie uns, ob wir in ben Park wollen."

Und am nächsten Tag kommen sie nicht wieder."

Wir wissen nichts von ihnen."

Und sie wissen nichts von uns.*

Wir sollten ihnen einmal fugen, daß wir tagtäglich damit befaßt sind, bas Leinengut ber Bräute zu säumen unb in Falten zu legen." Ach, auch bas wirb sie nicht rühren!"

Am Schalter bekam Johanna ihr Lohntäschchen. Sie verlieh eilig ben Kassenraum. In der Nähe ber Fabrik war ein Schuhladen. Johanna blieb vor dem Schaufenster stehen. Ihre Gestalt spiegelte sich im Fenster­glas.

Als sie weiter gehen wollte, stand Franz neben ihr.

Ich hab' mir gedacht, ob Sie ben Zug sehen wollen, ben ich ht bte Hauptstabt fahre, heute nacht."

Johanna antwortete nicht. Franz nahm ihre Hanb unb legte sie tn seinen Arm. Sie berührt« mit ben Fingerspitzen ben lebernen Riemen seiner Uhr am Handgelenk. Sie gingen dicht nebeneinander. Der Bahn­hof lag in einiger Entfernung vor ihnen. Auf dem Weg dorthin sagte

unverwandt an. .

,So hol ich den Franz einmal ab, wenn er heimkommt, dachte Hanna, ,unb trotzdem er müde ist von der langen Fahrt, trägt er Kind dann den ganzen Weg bis nach Haus.'

Die Frau war mit dem Kind bis sur Lokomotive gegangen. In lern Moment stieg Franz von der Maschine herunter. Er nahm kleinen Jungen aus seinen Arm unb küßte ihn. Der jungen Frau nickte er zu Johanna sah in seinem Gesicht unb in bem Gesicht ber jungen Frau ben gleichen Ausdruck tiefer Verbundenheit. Johanna ging davon.

An ber Sperre gab sie ihre Fahrkarte ab. Am Schalter erfuhr sie, baß sie in fünfzehn 'Minuten zurückfahren konnte. Sie wusch ihr Gesicht und ihre Hände mit kaltem Wasser und kämmte sich sorgfältig das Haar, ehe sie in den Zug einstieg.

zählen, wenn Sie wollen."

Ich möcht gern", sagte Johanna.

Als Johanna allein vor bem Bahnhof stanb, konnte sie sich nicht ent­schließen, nach Hause zu gehen. Sie setzte sich auf eine Bank vor bem Stationsgebäube. Dort wollte sie bleiben, bis Franz abgefahren war. Nach einiger Zeit setzte sich ein Mann neben sie. Johanna bemerkte es erst, als ihr ber Winb ben Rauch seiner Zigarette ins Gesicht wehte. Sie stanb auf unb ging in die Bahnhofshalle. Und da sie sich sehr wünschte, Franz noch einmal zu sehen, ging sie zum Billettschalter unb holte sich eine Bahnsteigkarte. An ber Sperre sah sie, bah bie Türen ber Wagen bereits geschlossen wurden. Trotzdem sie sich sehr beeilte, konnte sie die Maschine nicht mehr erreichen. Das Abfahrtssignal ertönte. Ein Schaffner öffnete nochmals eine ber Türen unb wollte Johanna beim Einfteigen helfen. Johanna zögerte, doch als sie sah, wie bie Loko­motive sich langsam in Bewegung setzte, stieg sie in ben sahrenben Zug ein.

Die Fahrkarte." .

Johanna erschrak. Sk roanbte sich um. Ein Mann mit einer Schaffner­mütze staub neben ihr.

Ich habe keine."

Das ist nicht erlaubt."

Ich weiß."

Sie müssen nachzahlen.

Ja."

Wo finb Sie eingestiegen?"

Am Anfang."

Unb wo wollen Sie aussteigen?"

Am Enbe."

Johanna öffnete ihre Hanbtasche unb nahm das Lohnsackchen heraus. Sie bekam ein Billett britter Klaffe unb einen Platz in einem Abteil, worin bereits viele Menschen saßen.

Erst jetzt fühlte Johanna, baß sie mübe war. Sie lehnte ben Kopf zurück und schloß bie Augen. Das Geräusch ber Räber würbe leiser.

,Der Zug fährt über verschneite Wiesen', bachte Johanna an ber Grenze bes Traums.

Als sie erwachte, war es hell braufjen geworben. Johanna öffnete bas Fenster Ein frischer Morgenwinb wehte ihr entgegen. Sie hörte bas Pfeifen ber Maschine unb sah ben weißen Dampf in der Lust schweben. Eine Minute später fuhr ber Zug in bie Bahnhofshalle ber Hauptstabt

Franz:

Seit brei Monaten fahr ich ben Zug. Cs vergeht viel Zeit, bis man fo weit ist. Man muß viele Proben bestehn Aber es ist ber schönste Berus. Mein Vater war auch Lokomotivführer. Er hat mir bie Ma­schine und die Signale erklärt wie ich noch ein Junge mar."

Es ist schon, wenn ber Sohn einmal bas gleiche wirb, was

Jetzt beginnt mein Dienst. Bor ber Abfahrt gibt es wichtige beiten zu tun. Wenn ich zurück bin, werbe ich Ihnen mehr bavon er-