verrät, werden es
ihre Türme, in denen die Glocken hingen, ebenfalls mit solchen Wino- anzeigern verzierten, kam der Wetterhahn auf. Schon auf dem Glockenturm' des Klosters von St. Gallen aus dem 10. Jahrhundert war em solcher Turmhahn angebracht, der als Snmbol der Wachsamkeit mit der Geschichte von der Verleugnung Christi durch Petrus in Zusamenbang gebracht wurde. Ehe man überall Uhren hatte, galt der Hahnenschrei als Zeichen für die Stunde des Frühgottesdienstes, und so sollte der Hahn den Weg der Winde Gottes und gleichzeitig die Messe anzeigen. In der Renaissance wurden von Gelehrten genauere Windfahnen her- gestellt- so wird besonders eines Werkes von dem Bologneser Egnatia Banti ’um 1578 Erwähnung getan. Bald traten an die Stelle des Hahnes bei kunstreichen Uhren alle möglichen Figuren. So zeigte ein öffentliches Gebäude in London eine über drei Meter hohe Heuschrecke: dies Wahrzeichen befand sich ' nämlich im Wappen des Sir Thomas Grefham, der als Kind schlafend in einer Wiese im hohen Gras lag und dort von einem Knaben, der eine Heuschrecke jagte, gefunden und gerettet worden fein soll. Daneben finden sich auch Drachen und Schiffe mit voller Takelage als Windzeichen. Sogar der Rost des heiligen Laurentius ist schon als Wetterfahne verwendet worden. Auf dem St. James-Palast steht als Wetterfahne die fast lebensgrohe Figur eines Admirals mit einem Sextanten. König Jakob, so wird erzählt, ließ diese Fiaur anbringen um stets über die Windrichtung unterrichtet zu sein: er fürchtete nämlich daß die holländischen Schiffe sonst eines Tages unbemerkt die Themse' hinaufsegeln könnten. Ja, sogar der große Schriftsteller Thomas Carlyle ist aus der Bibliothek von Battersea lesend als „Turmhahn" bar-
Oer Tu nitzahn.
Aus der Geschichte der Windzeiche.:.
Von Dr. Jürgen Schäfer.
Jetzt haben wieder die Winde das Regiment an sich gerissen, und in unumschränkter Herrschaft streifen sie übers Land, die bunten Blätter vor sich herjagend. So fahren die Winde aus vier Himmelsrichtungen in stetem Wechsel über die Fluren, sie schütteln die Wipfel der Bäume hoch oben in den Wäldern und fahren dann wie die wilde Jagd ins Tal hinab. Da ist keine Zeit mehr, an den Ecken zu stehen, und selbst wer in die Häuser slüchtet, muß gewärtig sein, daß der Wind durch die Angel der Türen und die Ritzen der Fenster folgt. Ist ihm aber der Durchgang verwehrt, dann eilt er um den Marktplatz und quirlt um die Türme, daß dem Wetterhabn da oben Hören und Sehen vergeht und er nicht weih, wohin er sich wenden soll. Da wird nicht Rücksicht daraus genommen, daß er ein altehrwürdiges Zeugnis handwerklicher Schmiedekunst ist. Will er nicht als Museumsstück in den Ruhestand ziehen, bann muß er seine Pflicht erfüllen, fo gewissenhaft wie bamals, als er zum ersten Male in schmuckem Glanz auf der höchsten Kirchturm- spitze mit kühnem Schwung verkündete: So weht hier der Wind!
Hat man den Wetterhcchn nur aus Mildherzigkeit an seinem Platz gelassen und braucht man ihn denn heute gar nicht mehr zur Bestimmung der Winde? Freilich hat man im 20. Jahrhundert andere Mittel und Wege gesunden, um zu erfahren, wie der Wind weht und wo er hin will, und man braucht nicht mehr nach der knarrenden Wetterfahne zu sehen. Aber wer es nicht gar so genau wissen will, was Windmesser und Barometer sagen, ftmbern sich, bamit begnügt, ob es der West ober ber Ost, ber Nord ober ber <5üb ist, ber burch bie Straßen fährt, ber ichenkt gern auch noch bem Turmhahn ober ber
gestellt worben. .
Der Turmhahn hat aber unter all biefen Winbzeichen boch sein Recht als erster Wächter über Stabt und Dorf behauptet. M ö r i f e hat ihm dafür in unser aller Namen einst seinen Dank ausgesprochen.
„Auf dem Kirchturm ein guter Hahn, Als ein Zierat und Wetterfahn.
In Sturm und Wind und Regennacht Hab' ich allzeit das Dorf bewacht. Manch falber Blitz hat mich gestreift, Der Frost mein' roten Kamm bereift. Auch manchen lieben Sommertag, Da man gern Schatten haben mag, Hat mir die Sonne unverwandt Auf meinen goldigen Leib gebrannt.. .*
D.rantvortlich: 0r. Kans Thtzrin t. - Druck und »erlag: Brühl',che Antverlitäts-Buch. und ©teinöiuderet. X. Sange. Sieben.
Wetterfahne einen Blick. So hat dies älteste Instrument der Wetterkunde auch heute durchaus nicht feinen Zweck verfehlt, und es »füllt ihn fo zuverlässig wie seit Jahrhunderten. Zugleich aber kann der Wetterhahn ich rühmen, ein wenig Glanz und Poesie zu wahren die auch in der Hast des modernen Lebens nicht ganz überflüssig sind. Wer der Er- sinder der ersten Windfahne war, das wird wohl kein Forscher mehr ermitteln können. Er müßte bei seinen Forschungen bis m die graue Vorzeit zurückgehen. Jeder windbewegte Rauch und jebes stotternde Tuch zeigte die Windrichtung an. So wäre es verwunderlich, wenn der Mensch nicht schon sehr srüh auf den Gedanken gekommen wäre, sich aus solchen Anzeichen über bie wechselnbe Gunst der Winde belehren zu las en und bestimmte Wetterregeln aus ihnen abzulesen. So wird auch bald chon der Schritt getan worden sein, einen eigens für diesen Zweck hergestellten, leicht beweglichen Gegenstand, seines nun ein Fahnentuch oder ein anderes Gerät, an besonders dazu geeignetem Ort, zu befestigen. Dort wo die Winde ungestört brausen können, also auf der Hohe eines Berges ober auf ber Spitze bes Daches, dort wurde wohl die erste Windfahne errichtet und da sie wie ein treuer Diener, gehorsam jeder Wind- regung, ihre Pflicht erfüllt, fo gab man ihr zuweilen eine ansehnliche Gestalt von symbolischer Bedeutung. . .
Die erste Kunde von einer Windfahne stammt aus einer verhaltms- mäßig späten Zeit. Dafür handelte es sich dann aber um ein berühmtes Werk der Baukunst, das sicher schon eine lange Reche von Vorgängern gehabt hat, nämlich um den „Turm ber Winde" zu Athen, der um das Jahr 100 vor Christus von einem mazedonischen Baumeister geschaffen worden ist. Dieser Turm besteht noch heute, die Wettersahne, die ihn zierte, aber ist längst zerstört worden. Doch kann man den Aufzeichnungen der antiken Schriftsteller entnehmen, daß es ein wahres Wunder- werk gewesen sein muh. Sie bestand aus Erz und stellte ein iDicer- unqeheuer dar, das mit einem Stad auf die unter ihm befindliche Darstellung der verschiedenen Winde wies. Je nachdem, ans welcher Richtung der Wind kam, drehte er sich und feinen Stab, um etwa auf den Nordwind Boreas zu weisen, der als ein alter bärtiger Mann in warmer Kleidung dargestellt war, ober auf ben Weftwinb Zephyros, ben ein schöner Jüngling verkörperte, ber mit einem Blütenkranz unb einem wallenden Mantel geziert war. So großartig diese Windfahne auch gewesen sein muß, o will es uns doch scheinen, daß sie ihren Dienst nicht mit allzuqroher Genauigkeit erfüllen konnte. Nicht durch ihre Schuld! Aber sie bekrönte den „Turm ber Winbe" in einer Höhe von nur etwa breizehn Meter, unb ba bie Akropolis nicht weit bavon gelegen war unb andere Höhen' die Winde auffingen, so hatte er nicht eben viel zu berichten. I Späterhin hat man genauere Windfahnen hergestellt: so wird von Teren- tius Varro berichtet, daß er auf feinem Landhaus eine Fahne besetzen habe, bie jebe Schwankung bes Winbes genau anzeigte unb bie vom Innern des Hauses aus beobachtet werden konnte. So hat man sich auch nicht mehr mit der Bestimmung von vier Windrichtungen begnügt: Aristoteles waren schon acht Richtungen bekannt, und römische «chrift- steller berichten von zwölf Winden, wobei sie jedem der vier Hauptwinde je zwei Nebenwinde zuteilten. Karl ber Große veranlaßte späterhin nach bem Bericht Eginharts, biefen zwölf verschiedenen Winbrichtungen
reich ganz gewiß auch nicht, denn er sei ber Bürge für einen bau- i ernben Frieden „Lasten Sie uns doch offen reden, meine Herren: Wenn es hier immer noch .verbündete Mächte gibt, fo bin ich fehl 0m2ie anderen Minister wußten darauf nicht viel zu antworten. Sie hätten sagten sie, das beanstandete Wort nicht gebraucht, um damit irgendeine böse Absicht auszudrücken: es fei nur der Bequemlichkeit unb der Kürze halber angewendet worden. „Kurze , erwiderte Talley- ranb, „sollte niemals auf Kosten ber Richtigkeit erstrebt werben. Unb er versenkte sich abermals in bie Betrachtung bes Protokolls. Gleich darauf legte er es aus der Hand und sagte: „Das verstehe ich md)t. __ nahm es wieder auf und tat, als bemühe er sich angeftrengt, feinen Sinn zu erfassen. „Ich verstehe immer noch nicht! rief » W'eßlich.
Für mich gibt es zwei festgelegte Tage, und dazwischen ift gar nichts. Der eine ist der 30. Mai, an dem beschlossen wurde, diesen Kongreß zu veranstalten: der andere ist der 1. Oktober an dem der Kongreß eröffnet werden soll. Alles, was in der Zwischenzeit stattgefunden hat, ist, soweit ich damit zu tun habe, nicht vorhanden."
Abermals mußten die anderen Minister sich geschlagen bekennen. Sie ■ legten, sagten sie, bem Schriftstück wenig Bebeutung bei, unb waren bereit, es zurückzuziehen. Tatsächlich wurde es zurückgezogen, und es war niemals wieder die Nede davon. .
Sodann aber tarn ein bedeutsameres Schriftstück zum Vorschein: es enthielt den von ben Mächten gefaßten Beschluß über bas von ihnen gewünschte Verhanblungsversahren. Die Mächte schlugen vor, baß alle Gegensiänbe, mit benen sich ber Kongreß zu befassen hatte, in zwe, Gruppen eingeteilt würben; jebe biefer Gruppen sollte bann einem ober zwei Ausschüssen überantwortet werben, und erst wenn diese Aus- schüste ihre Arbeit beendet hatten, sollte der eigentliche Kongreß beginnen. Der wahre Zweck dieses Vorschlages war, daß die Großmächte sich die Regelung aller bedeutsameren Fragen vorbehalten wollten. Talleyranb erkannte sogleich die Gefahr. Solange die früheren Verbündeten einträchtig zusammenarbeiteten, muhten er und sein spanischer Amtsqenosse immer in einer Minderheit von Zwei zu Vier bleiben unb bei jeder Gelegenheit überstimmt werden. Deshalb sagte er, das fei ein völlig neuer Vorschlag? und er müsse Bedenkzeit haben. Wenn man alles schon vor Eröffnung bes Kongresses regeln wolle, so heiße bas nach seiner Meinung ans Enbe setzen, was an ben Anfang gehöre. Castlereagh gab Talleyranb recht ober vielmehr nicht ganz unrecht, und es setzte eine allgemeine Erörterung ein, ohne baß man zu einer Entscheidung ^Irgend jemanb erwähnte ben König von Neapel unb meinte TOurat „Von welchem König von Neapel sprechen Sie?" fragte laUetjranb kühl unb fügte hinzu: „Der fragliche Herr ist uns nicht bekannt. Die Unverfrorenheit biefer Behauptung aus bem Munbe eines Mannes, der jahrelang in den Diensten Napoleons gestanden hatte, muß selbst die abgebrühten Diplomaten dieser Tafelrunde verblüfft haben. Und doch war der ganze Vorgang dermaßen gesättigt mit Ironie der Weltgeschichte, daß außer dem englischen Vertreter keiner von den Herren es sich hätte leisten können, Talleyrand an die Vergangenheit zu erinnern. Der Preuße muhte daran denken, dah sein König sich einmal sehr artig bei Napoleon bedankt hatte, weil ihm immerhin ein Bruchteil seines Königreichs gelassen worden war; der Russe hatte es miterlebt, daß fein Landesvater in Tilsit Napoleon mit inbrünstigen Lobpreisungen geradezu überschüttete: der Oesterreicher war stolz daraus gewesen, daß er die Tochter seines Kaisers an Napoleons Ehebett geleiten durste. Wie hätte es ihnen ba zu Gesicht geftanben, ben guten Glauben bes Mannes anzuzweifeln, ber Seine Allerchristlichste Majestät vertrat — den einzigen Herrscher also, ber kein Eroberer gewesen war? Als bei einer anberen Gelegenheit Zar Alexander mit Beziehung aus ben König von Sachsen bitter von ben „Verrätern an ber Sache Europas" sprach, antwortete Talleyranb mit Recht: „Das, Sire, ist nur eine Frage bes Datums "
beutfche Namen zu geben.
Bei ber Vorliebe bes beutfchen Mittelalters für Turme unb hohe Giebel unb für ihre Ausschmückung war es begreiflich, bah Wmb- richtungszeiqer nicht fehlen durften. Wie der alte Name Windfahne
■' ? zumeist Fahnen gewesen fein. Als die Kirchen dann
nen die Glocken hingen, ebenfalls mit solchen Wind-


