eto<6oqen9sie nun endlich, was Sie wollen', ruft Barbara ungeduldig, sprechen Sie nun endlich! Ich bin gekommen, damit wir endlich fertig werden. Verstehn Sie das?"

Sie wollten nicht kommen", sagt Rauthammer,und find doch gekommen. Sie wollten mich auslöschen, und es ging doch nicht.

Barbara schüttelt den Kopf.Ich wollte Sie nicht auslöschen und will Sie nicht auslöschen. Das habe ich Ihnen schon bei unserem Zusammen­treffen in Berlin gesagt. Und habe nun erfahren, wie gefährlich es war, das zu sagen. Sie verstehn es ganz falsch. Trotzdem habe ich keine Angst, es noch einmal zu sagen: Ich habe Sie geliebt, und wenn ich nicht in andere Dinge hineingekommen wäre, so würde ich Sie noch heute lieben ..."

Ich danke Ihnen", sagt Rauthammer,Sie sind eine mutige Frau. Das ist einer der Gründe, aus denen ich Sie liebe. Es gibt so selten eine mutige Frau. Deshalb laufen die Männer von einer Frau zur anderen oder vergraben sich in ihre Berufe und Aufgaben und haben auch keim-, Gedanken mehr für ihr eigenes Leben übrig.

Mein Leben, verstehen Sie, Hai sich geändert als ich erkmnte, daß Sie mutig sind und stolz und selbständig. Daß Sie also unbesieg ich sind Mit einer Frau leben, die selbständig ist, die mutig d.e unbesiegt,ch ft ... das müßte das Leben ganz und gar andern, nicht wahr . ?

Barbara lächelt. Was für große Worte! Mut und Selbständigkeit und Unbesiegbarkeit. Und wie klein fühlt sie sich dagegen, rote oerroirrbar wie ja wie verführbar. Ist sie denn etwa nicht eitel daraus, daß Rauthammer sie liebt, daß er ihretwegen hergekommen ist, daß ihm an nichts mehr zu liegen scheint außer an ihr? Roch vor vierzehn Tagen, das spürt sie setzt, noch kurz vor der fieirnt hatte eme solche Stunde ihr Leben umstohen können, obwohl sie doch damals Alfred zu heben glaubte und bestimmt schon ihn sehr, sehr gern hatte.

Denn hier ist die in einem ganzen Leben gesammelte Kraft.in» Einsicht daraus gezielt, Liebe zu erobern. Welche Frau hat das Gluck, das ihr zustöht, und welche Frau kann dem widerstehn?

Ich habe drei Jahre auf Sie gewartet", sagt sie,bas vergißt man nicht. Richt Tag und Nacht gewartet. Nein. Aber doch immer wieder. Man arbeitet, aber darunter wühlt es und schmerzt es. Daß Sie mir Ihre Frau verschwiegen hatten, daß Sie also eigentlich gelogen hatten . das hatte ich Ihnen verziehn. Daß Sie mich nicht nach China Mit­nahmen, in Ihre Welt, das mußte ich Ihnen verzeiht, ... *

Wenn ich Ihnen von den fünf Jahren erzählen könnte", lagt Raut- Hammer,ich war fast die ganze Zeit völlig allein. Wenigstens habe ich keine Frau angefehn. Ich wollte erst m>t der Welt mal fertig werden. Ich war in einem Krieg mit der ganzen Welt. Unb in den Krieg das müssen Sie boch verstehn ... kann man keine Frauen Mltnehmen

Wir haben nun genug bavon gesprochen', lchließt Barbara,wir haben genug verstauben. Ich verstehe alles, was Menschen aus b eser Welt tun. Aber was ist damit geholfen? Der Fluß ist wertergelaufen. Die Zeit ist weitergekommen. Das, was wir damals waren, ist langst davongeschwommen." .

Sie sieht das bildhaft vor sich. Aber es ist nicht das Bild eines sommerlichen Flusies,'sondern das Bild eines großen winterlichen Flusses in einer Landschaft, die ganz verschneit ist. Em Eissci)ollenfluß ist es und auf den Eisschollen stehn Menschen, stehn die Schattenbilder der Dergangenheit, steht jenes Krankenzimmer aus dem Krankenhaus Broses- [or Schreiners, bas die Kulisse dieser Liede war, stehn die Schattenbilder Rauthammer unb Barbara.

Es ist unmöglich, bas unbeenbet zu lassen, was einmal angefangen hat", sagt Rauthammer wie von fern.

Barbara hat sich auf ben Holzstuhl neben ben tiefen Stuhl Raut- Hammers gesetzt. Sie fühlt sich jetzt sicher genug Da sie ganz gewiß gehn wirb, kann sie noch einen Augenblick bleiben Sie hat m ber Art ihres Vaters bie Hände zusammengelegt, Handslache in Hsi^ftache gefugt (so wird man stark, hat ber Vater einmal gesagt, als sie klein war, so weiß man doch, daß man da ist). Sie spürt mit e-nem heraufdammernden Glücksgefühl, dah sie da ist, mögen noch so viel Eisschollen den Fluß binuntergetrieben sein, mag noch so viel von dem vergangen sein, was sie lebte. Hier sitzt sie jetzt und handelt nach ihrer Lebenseinsicht und nach ihrem Gewissen.

Wir sind keine kleinen Kinder, Rauthammer , sagt siewir brauchen, nachdem wir so viel gesagt haben, nicht mehr Versteck vo < einander zu spielen. Also sagen Sie, was ich Ihren Wünschen nach tun soll Soll ich von Alsred Meimberg weggehn? Das kann ich nicht. Soll ich ihn betrügen? Das kann ich auch nicht. Also sagen Sie selbst - - -

Rauthammer antwortet:Ich weiß, daß ich Sie heute nicht zurück- gewinnen kann. Aber ich will Sie gewinnen. Ganz gewinnen. Ich w U mein Geben mit Ihrem Leben zusammentun. Wie .. das ist einerlei. Hier oder in China oder in Mandschukuo. Wie Sie wollen. Ich bin kein reicher Mann mehr. Denn ich habe keinen Spaß mehr baran, immerfort Geld zu verdienen. Aber ich habe vorläufig noch genug Geld unb kenne bas Rezept, Gelb zu oerbienen. Ich ..."

Bielen Dank", unterbricht Barbara,vor fünf Sichren wäre ich glücklich über Ihre Worte gewesen. Vor vier Jahren ober vor dreien, einerlei, habe ich geträumt, Sie würben kommen unb so sprechen.

Bor einem Jahr noch konnte ich mich nicht entschließen, mich ganz von Ihnen zu entfernen. Ich habe gezögert unb gezögert ... Dann Din ich fortgegangen. Unb nun ..."

Run werben Sie roiebertommen!" ruft Rauthammer.

... nun bin ich glücklich, bah ich gegangen bin", enbet sie.

Sie ist aufgeftanben. Sie hat ihr Tuch fest um bie Schultern genom­men. Sie friert ein bihchen. Hergeben ist nicht leicht, unb bie Trennung ist auch bann schwer, wenn man sich schon lange getrennt hat.

Leben Sie wohl, Rauthammer", sagt sie,nein, bleiben Sie, bitte, sitzen! Sie sollen nicht mitgehn."

Ich lasse Sie nicht", antwortet Rauthammer leise unb stimmlos aus seinem Stuhl,ich lasse Sie nicht. Das müssen Sie wissen. Ich wer« 1 niemals von Ihnen lassen haben Sie gehört? Niemals, solange <9

verwandelt sich nicht plötzlich von einem Menschen In einen anderen, (onb^n ^g^Ihnen sagen", spricht Rauthammer,warum bas bamals n'^Es" haft 'feinen Zweck, darüber zu sprechen", antwortet Barbara man kann es nicht beenden ..."

.Sie werden mich schon verstehn", versucht Rauthammer eifrig, ich kann es Ihnen genau erklären. Haden Sie gehört, was ich heute abend mit Gericke sprach? Sehn Sie: Damals im Krankenhaus konnte ich zum erstemnal diese Dinge bedenken. Zum erstenmal fand ich eine Frau die meine heimlichen Gedanken, meine wirklichen Gedanken mitdachte. Haben Sie verstand/n, wie ich da unten unsere Gedanken bestätigt fand unb wie ich unsere Welt weitergebaut habe?"

Unsere Gebauten", widerspricht Barbara,unsere Welt? Nein, es war Ihre Welt, obwohl ..."

Obwohl?" drängt Rauthammer. ,

"Obwohl ich gern in Ihrer Welt lebte unb weitergelebt hatte , schließt ^aSie'Cfinb bei biefen Worten an ber Laterne vor Rauthammers Haus am Hang angekommen. Sie können sich endlich in bie Augen sehn. Sie ite^2Basb l'Xn'su^ nun davon?" flüstert Barbara. Er antwortet nicht. Er 'sieht sie ruhig, gesammelt an. . .

Was haben Sie davon?" wiederholt Barbara.Es ist nun vorbei

Kommen Sie", antwortet Rauthammer und hat die Pforte geöffnet, und" es ist rote damals in dem Cafe, und es ist wie ehemals in dem Krankenhaus: Dieser Mann hat Macht über Barbara. Warum? Weit­er nicht anders denkt als: Sie soll hereinkommen sie soll nicht weg- gehn. Alles andere ist einerlei: Sie soll nicht weggehn. Darum geht sic nicht weg. Und, ja: weil sie endgültig weggehn will, endgültig die Kraft außer Kraft setzen, die sie zurückzwingt.

Sie stehen in Rauthammers Zimmer. Man hat eine Tur leise gehn I '^Sophie Wahnkes Tür natürlich. Das Deckenlicht blendet beide.

Setzen Sie sich!" sagt Barbara streng.Sie sehen sehr angegriffen aU5®r setzt sich gehorsam. Er wagt es auch nicht, sich eine Zigarette zu nehmen. Keine Ablenkung! Vorsicht! Kein falsches Wort!

Setzen Sie sich doch auch!" sagt er. Nein, sie schüttelt ben Kopf.

Sie will siA nicht setzen. Sie beginnt, hin unb her zu gehn.'Sie steht einen Augenblick am Fenster. Ein Auto blendet über die Chaussee. ^Nein, ee ist noch nicht Alsred. Er fährt noch eine Stunde entfernt mit verbissenem Gesicht. Er rast durch einen Wald. Der Fahrwind fegt um seine Ohren, warmer Wind, kühler Töind abwechselnd, Sonne vom Tag und Schatten vom Tag.

Er weiß jetzt, daß er Barbara liebt. So liebt, daß er sie nicht verlieren darf. Noch nicht so liebt, daß er sie nicht verlieren konnte. Er weiß jetzt, daß er sich nicht von anderen Menschen dazwischenreden lassen darf, daß er alle seine Kräfte zusammennehmen muh, um Barbara zu gewinnen. Daß er noch nie alle Kräfte auf ein Ziel eingesetzt hat. *

Ich habe Ihnen noch nicht gesagt, daß ich Alfred Meimberg hebe", sagt Barbara jetzt vom Fenster her im Haus am Hang.

Rauthammer antwortet nicht.Hören Sie?" fragt Barbara.Ver­söhn Sie? Wenn wir schon miteinander reden, wollen wir uns auch verstehn."

Sie haben mich damals geliebt, weicht Rauthammer aus,ich bin damals noch nicht fähig gewesen, es zu verstehn. Ich war damals mtt dem größten Teil meiner Kräfte auf Erfolge aus. Deshalb konnte ich nicht erfahren, was Liebe ist."

Barbara ist ein paar Schritte auf ihn zugegangen. Nun bleibt sie stehn. Das ist richtig, was Rauthammer sagt. Wer siegen will, liebt nicht. Wer siegen will, will den anderen unterwerfen. Die alte Sache unter Liebesleuten. Das, was alle unglücklich macht. Das, was zwischen Alfred und ihr auch noch nicht zu Ende gebracht ist. Einer muß siegen und der andere unterliegen. Ist aber ein großer Unsinn. Grit nicht im Gebiet der Liebe. Das haben sich die Männer nur ausgedacht. Weil sie immer kämp­fen, glauben sie, auch in der Liebe kämpfen zu müssen. Und die Frauen lassen sich in den Kampf hineinzerren und kämpfen mit.

Warum antworten Sie nicht?" fragt Rauthammer.

Es ist wahr", jagt Barbara,Sie konnten deshalb damals nicht erfahren was Liebe ist. Aber es ist jetzt nicht anders. Sie wollen immer noch siegen, lieber mich ... über Alfred Meimberg ... einerlei ..

Ich will nicht liegen", sagt Rauthammer zögernd.Ich mill . Er macht eine unbestimmte Bewegung mit der Hand, als wollte er

Barbara nickt abwesend. Gewiß, sie hat es gehört. Aber das gehott nicht mehr in ihr Leben. Das ist seine Sache.

Ich werde nie wieder zu Ihnen kommen", sagt sie, «nie. Niemals. Und ich wäre sehr froh, wenn Sie recht bald abreifen wollten. Gl <v morgen früh, am besten." .

Rauthammer erhebt sich. Er steht ein wenig wankend. Jetzt nur mch schwach werden! denkt er.Ich werde nicht abrei(en , sagt er.Das ganz ausgeschlossen. Ich werde ..." . .

Aber er kann diesen Satz nicht zu Ende sprechen. Barbara ist emsoq aus dem Zimmer gegangen, grußlos, ohne Abschiedswort.

Sie geht schnell durch den Flur. Die Haustür ist abgeschlossen. Sir rüttelt. Es nützt nichts.

(Fortsetzung folgt.)