GiehenerKmMenblötter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Nummer 28
Montag, den 8. April
ahrgang 1935
mit und den Den oft.
“Ätann mar eines Morgens doch eins da. Au- einem eingedrückten Maulwurfshügel war der Keim gesprossen, ganz unverkennbar ein Gon »enblumenkeim, weil er die aufgeborstene Kernhulse a s
lefalteten Keimblättern trug; wie einen Helm h°"e p sie durch das Erdreich vor sich hergeschoben. Wahrhaftig, da war es nun doch geschehen,
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das Wunder, an das ich schon nicht mehr hatte glauben wollen: da war der Kern heraufgetaucht, den ich mit eigener Hand versenkt, von einer unbegreiflichen holden Macht heraufgezogen aus seiner Gruft, und da war nun ein rötliches Grün aus ihm gewachsen, ein Schaft, wie ein Wurm o lebendig, und zwei winzige Blätter hatte er auch schon angesetzt. Wenn ich den Arm in die Höhe reckte, so konnte ich die Länge gerade ermessen, die er am Ende erreichen würde, — nun bald schon, ein Löwen- haupt, in meinem Garten von mir selbst erweckt, oder eigentlich eine grüne Giraffe mit einem Löwengesicht.
Es sollte aber das einzige Wunder bleiben. Der April verging, kühlem Regen begann der Mai, das Gras wurde schon dunkelgrün reiste dem ersten Schnitt entgegen, aber ich mochte nur noch selten Zaun entlang gehen, wo sich keine Wunder mehr begeben wollten, einzigen Sprößling aber, der den Helm getragen hatte, besuchte ich Er war nun zur Höhe eines Bleistiftes aufgesprossen, und ein zweites Paar Blätter hatte sich dem ersten zugefellt. Eigentlich war er ein wenig schwächlich und blaß, doch vielleicht liebte ich ihn gerade deshalb um so mehr. Eines Morgens aber lag er auf der Erde, wie ein gefälltes Bäumchen. Der Stamm zeigte eine runde Kerbe, wie von einem, runden Mund, der dort gebissen hatte, und auch die Blätter zeigten solche Wunden. Die Tiere aber, die das getan haben mußten, waren nicht zu sehen. Ich
Oer geheimnisvolle Nachen.
Von Friedrich Nietzsche. Gestern nachts, als alles schlief, Kaum der Wind mit ungewissen Seufzern durch die Gassen lief, Gab mir Ruhe nicht das Kissen, Noch der Mohn, noch, was sonst tief Schlafen macht, — ein gut Gewissen.
Endlich schlug ich mir den Schlaf Aus dem Sinn und lies zum Strande. Mondhell roars und mild, — ich traf Mann und Kahn auf warmem Sande, Schläfrig beide, Hirt und Schaf: — Schläfrig stieß der Kahn vom Lande.
Eine Stunde, leicht auch zwei, Oder roars ein Jahr? — Da sanken Plötzlich mir Sinn und Gedanken In ein ero’ges Einerlei, Und ein Abgrund ohne Schranken Tat sich auf: — da roars vorbei!
— Morgen kam: auf schwarzen Tiefen Steht ein Kahn und ruht und ruht ... Was geschah? so riefe, so riefen Hundert bald: was gab es? Blut?--
Nichts geschah! Wir schliefen, schliefen Alle — ach, so gut! so gut!
Kleine Garienlust.
Von Paul Alverdes.
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sollte ihnen erst später begegnen.
Nicht lange danach besuchte mich der Freund, der im Oberland auf einem Bauernhof wohnte, und der sich auf die Gärtnerei verstand, wie er sagte. Ich zeigte ihm die anderen Beete, die ich inzwischen angelegt hatte, und in die ich Georgi, en und Rosen setzen wollte und Rittersporn, Phlox und Fingerhut. , .
Beete in meinem Gartenland werden so angelegt, daß man zuerst den Kiesgrund auflockert. Man findet ihn hier oben auf dem Hochrande der Isar'sehr bald. Schon in einer Tiefe von zwei bis drei Zentimeter beginnt er, und ich denke, daß er von da bis in die Mitte der Erde reicht. Diesen Ki'esgrund hackt man mit einem starken Pickel auf bis zu einer Tiefe von etwa anderthalb Fuß. Dann wirft man ihn, Schaufel für Schaufel gegen ein großes Drahtsieb, bis sich der Inhalt des ganzen Beetes ui zwei Teile geschieden hat. Sie verhalten sich der Menge nach, wie das Kalb zu der Kuh Der große Teil besteht aus Steinen von Nuhgröße bis zu dem Umfang eines Kinderhauptes Er besteht auf jungem Baugrund außerdem noch aus alten Maurerstiefeln, halben Bierflaschen, Tüncherbürsten, Zinkröhren Zimmermannsnägeln und Glas- und Tonscherben mannigfacher Art Diesen Teil fährt man in der Dunkelheit auf einer Karre fort und entleert sie auf ein noch unbebautes Grundstück in der Nachbarschaft. Der andere Teil besteht aus zarter, puderleichter Erde oon starkem Duft aus. rieselndem feuchtwarmen Humus, in welchem man so lange entzückt mit den Händen herumwühlt, bis sich zeigt, daß doch noch Glasfplitter und Nägel darin gewesen sein müssen. Natürlich reicht er auch nicht annähernd hin, um die Beetgrube wieder zu füllen. Man kauft nun beim Gartner die noch erforderliche Menge von Kompost und Gartenerde, und das Beet ist fertig. Wenn man diese Arbeit eine Zeitlang betreibt, so bemerkt man, daß man seine Hände hinfort zu nichts anderem mehr gebrauchen kann. Die Finger und die Handgelenke werden dann oon unsichtbaren Rohren fest umschlossen, und alles, was dünner ist als ein Schippenstiel, laßt sich nicht mehr damit festhalten. Daran erkennt man die Liebhaber der Garten- tUn5er Freund aber, dem ich die Beete zeigte, tat, als sei das alles ganz selbstverständlich. Er steckte, ohne ein Wort zu verlieren, ein Stöckchen trt eines der Beete und ließ es auf und nieder spielen, wobei er wie horchend in die Lust blickte. Dann zog er es heraus, besah es rote einen Thermometer und sagte, es könne eben angehen. Erst spater wagte ich beiläufig zu erwähnen, daß ich hier und da auch einige Sonnenblumenkerne gesteckt hätte, spaßeshalber, und nur einige wenigs um zu sehen, was daraus werden würde. Es sei aber gar nichts geworden.
Das gibt es nicht", sagte er bestimmt, „Sonnenblumen müssen kommen. Sie kommen immer. Sie werden zwei Meter hoch und tragen solche Scheiben! Das ist eine wunderbare Blume.' — „Natürlich , sagte ck und solche Stengel! Gar nicht.umzubringen! Aber meine werden nichts, das ist nun einmal nicht anders. Siehst du übrigens, solche Kerne besah^stch die restlichen Kerne auf der flachen Hand und blies darüber hin. Sie flogen weg. „Das ift Vogelfutter", sagte er, aber keine keimfähige Ware. Du mußt ausdrücklich keimfähige Kerne verlangen. Da ^Da* batte ich es. Denn wirklich waren die ausdrücklichen keimfähigen Kerne die ich noch am gleichen Abend pflanzte, nach sechs oder acht Tagen alle da. Ein ganzes Beet am Zaun stand voll davon em Pflänzchen neben dem andern, roie kleine grüne Händchen faltete es sich aus der Erde hervor. Manche hatten noch ihr Schalenmützchen auf, und manche standen schon frei und nackt über dem Grund, fette, grünglänzende Schauselhandchen, — und was für eine Kraft hatten die jungen Löwen! lieber manchen war die
Als ich einzog, gab es in dem Garten um das kleine Haus nur Birken tinb Gras, einen verwilderten Himbeerschlag und allerlei Unkraut. Eines Morgens im ersten April aber, den ich dort erlebte, las ich em Gedicht ies Dichters Georg Britting, der mein Freund ist. Gs heißt „Sonnen- iturne", „lieber den Gartenzaun erhob sie ihr gelbes Lowenhaupt , — o fängt es an, und mit einemmal sah ich eine ganze Herde von solchen öonnenlöwen über meinen Zaun blicken, Haupt an Haupt. Seitdem denke ch mir, daß Zauberer doch sehr erschrecken, wenn sie zum erstenmal inne Derben, daß sie wirklich die Macht zu zaubern besitzen. Mir war nicht «nbers zumute, als ich mir vorstellte, daß ich ja nur lauter Sonnenblumen- terne rings um den ganzen Zaun in die Erbe stecken mußte, — unb im 5u(i, im August allerspätestens, waren die Lowenhaupter da. Es war in meine Hand gegeben, und ich glaubte fest daran.
Der Blumenhändler verkaufte mir gern ein halbes Pfund Sonnen- : lumenferne. Er verkaufte mir noch zwanzig kleme Tuten mit »(umen <imen. Sie zeigten auf ihren Vorderseiten die Bilder der Blumen, die -Isbald schon daraus wachsen sollten, herrliche bunte Blumengesichter, ilkelei, Reseda, Türkenbund, Frauenschuh, roten, weißen und gerben Mohn, Löwenmaul und Kapuzinerkresse. Ich hatte auch noch einen vslanzer, einen Handspaten, eine Jatkralle, einen f lernen ^^11 eine Llumenschere, eine Dose Kunstdünger, und eine Rolle Gartenschnur bei mir, als ich wieder nach Hause kam. Noch in der Abenddämmerung habe Ich die Kerne rings um den ganzen Zaun gesteckt. Obwohl ich sie in zwei und drei Reihen steckte, blieben mir noch viele übrig, und ich oerfenfte Ite im Garten, wo nur Platz war, unter bie Birken, ?w'schen die Hnn^ leeren, in Maulwurfshaufen, mit dem Pf anzendolch Uef " ftemige Erbe zwischen bas nasse, sauere Gras Es konnte ,a E^ fch°^n, dachte Ich mir, ein paar würden nicht cmgehem em paar wurden auch wieder iingehen, damit mußten alle Gärtner rechnen. Em paar hob ich1 m.r/uch ouf, als mir der Rücken zu schmerzen begann und die Hand erlahmte vo lern Gebrauch des Steckers. „ _ gmin
Damals fing es an, daß ich jeden Morgen in aller Frühe den öaun rntlana strick, und dann zu den Himbeeren und unter die Birken und zu die jungen Nesseln, die nun zu sprießen begannen und daß 'F. nirgends, 1 nirgends einen Keim erspähen konnte. Zwar es sproß f ?s
mir Herzklopfen machte, weil ich es für junge 2°P?enf?°“p h Gauerflee >ich immer deutlicher zu Taubnesseln und Schierling und Sauer


