Ausgabe 
7.6.1935
 
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pfingstlicher Gesang.

Von Hermann Claudius.

Mensch, du wardst Herr von allen irdischen Dingen, aber den heiligen Geist kannst du nicht erzwingen. Du magst deine Tür ihm bereiten mit grünen Zweigen, aber dahinter mußt du in Demut dich neigen: ob er sie öffne, ob er zu dir eintrete oder ob er weiterfchreite trotz deiner Gebete.

Denn er kommt nicht auf unser Geheiß und Flehen, sondern er kommt aus einem andern Geschehen. Denn er meint nicht dein eigenes kleines Leben, sondern du sollst dich opfernd ihn weitergeben. Denn er sucht nicht die Lauten, sondern die Stillen. Denn er kommt aus Gottes ewigem Willen...

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Kettt-ichte vom untreuen Tot f/chiffer und den Holzweibern

Ein Pfingstmärchen von HansFriedrichBlunck.

In der letzten Psingstnacht, so erzählte Doddepott mir die Geschichte, hatte Schisser Bruhn von feinem Torftahn aus ansehen müssen, wie die Hasel- und Cllerfrauen mit dem alten Weidenkops unterm Hornhos, einem eisgrauen, ausgehöhlten Gesellen, der sich nicht rühren und regen konnte, verfuhren. Als der Nebel vom Kanal aufstieg und der Mond ihn von oben wie Leintuch glänzen ließ, fingen fie an, sich bei den Händen zu fassen und rundum zu tanzen, dem Alten den Bart zu zupfen und ihm viele Lieder aus seiner besseren Zeit ins Ohr zu singen.

War es nun Neugier oder war es ausrichtiges Mitleid, der Schisser hatte die Geschichte nicht vergessen. Als er in der nächsten Psingstnacht bei gutem Mondwetter wieder unter den Hornhof kam, lieh er Stiefel und Strümpfe an Bord, kroch in den ausgehöhlten Stamm der alten Weide, aber so, daß er zur Not beide Arme frei hatte, und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Als er schon am Einnicken und der Sache fast überdrüssig war, begann es wieder rundum zu rummeln und zu haspeln: der alte schnarchende Weidenbusch fuhr aus dem Schlaf, sie waren dabei, ihm in den Rock zu klettern. Fragten ihn auch mitleidlos, wieviel Jahre er an sich hätte, und als er es gutmütig berichtete, rauschten sie ihn an vor Lachen und huschten, Hasel- und Ellerweibsen, in verdrehtem Tanz um seinen grauen Bart. Wäre Hinnerk Bruhn nicht gewesen, der arme Weiderich hätte wieder die ganze Nacht hindurch keine Ruhe bekommen. Aber der Schisser wartete nicht lange, obschon's ein drolliger Anblick war, schob plötzlich beide Schultern zugleich aus dem Saum, langte zu und hatte die Rechte und Linke voll krabbelnder, zappelnder Unholdinnen.

Mit ein paar Sprüngen war der Schiffer wieder an Bord, und dann, hast du nicht gesehen, vom Land abgestoßen.

Eine gute Zeit begann nun für Schiffer Bruhn, eine verwünscht gute Zeit. Als sie sich in ihr neues Schicksal gesunden hatten, begannen dieEller- und Haselfrauen nämlich von selbst den Kahn zu scheuern und zu säubern, bas Lager zu machen, Sand in die Kammern zu streuen und den Mann zu bedienen und zu betreuen, dann auch, als er es ihnen einmal gezeigt hatte, Hilsssegel zu basteln und, sieben auf einmal, an den Stangen zu staken. Ein Vergnügen wurde die Arbeit: der Schiffer wußte sich kaum zu lassen vor Hochsahrenheit und Bequemlichkeit gegen die armen dienst­eifrigen Holzweiber. Um fie für den armen Weidenkerl zu strafen, wie er sagte; aber das war wohl nur ein Vorwand.

Dann begab es sich eines Tages, daß der Schiffer zur Storsahre kam, wo er jedes' Jahr ein paar Tage auszuruhen pflegte, wegen bes guten Bieres und auch wegen des Frauleins, das es ausfchenkte. 2]" im warmen Abend an Deck lag, sich von zwei Weibchen "Uterm Kinn und von einem andern am Genick streicheln ließ kam ihm der Gedanke ob ein wirkliches Jüngserlein nicht besser dazu passe. Und als er nun chon einmal aus den lästigen Gedanken gekommen, konnte er ihn nicht roieöer loswerden Es quälte ihn sehr, daß er just beim Fahrkrug mar, unb ob- schon's gefährlich wegen ber Elbischen war, vermeinte er, bas Schank- fräulein einmal wieder sehen zu müssen. ... . ;s

Er legte sein Boot also bichter ans Ufer unter em uberhangenbe Weibe. Aber au, drei Fuß Abstanb, versteht ihr, bamit k^n Holzweid entsch upfen könnte Dann pfiff unb rief er wohl eine halbe Stunbe lang, bis sich überm Deich das Fährhaus öffnete unb eine hübsche Dirn nag) seinem Seaehr fragte. Als sie aber just biesen sah, würbe sie gefälliger, winkte unb lachte ihm zu unb war sehr verwundert, daß der Schiffer darauf de- harrt0 feinen Xrunt ins 93oot zu befommen. s

Immerhin ging fie gern zum Fluh hinunter °^as mißtramsch^und fröhlich zugleich daß ein Schatz gekommen war, lehnte sich an bie Weioe Äitf bem Mann bas Bi^hinÜber. Aber ben tarn (bas lieber e so veignüglich an, er verlangte mehr, hielt bes Fräuleins Hund fest an (terfte ben Kovf tief in bie Zweige; er meinte wohl, bie Duschweiber sähen ihn nich/unterm Blattwerk. Unb auch bas Mädchen war voll Leicht­fertigkeit unb Freube unb hielt bem Schiffer gegen alle strengen Sitten feinen Mund hin. Auf bie äußerste Fußspitze stellten sich beibe, hielten alles Laubwerk um ihre Kopfe unb taten Schnauzbart unb Jungfernlippen

^Jn>o Augenblick nun, wo die beiden aneinander rührten, gab es ein erbärmliches Kreischen und Zetern ein Schreien u"d Purzelm Poltern unb Krabbeln. Und als sich ber Schstfer umschaute waren Ae Hasel- mb Ellerweibfen in einem Husch mit Sunbeln unb Tuchern wmdich ic11 a 1 La ib gehupft, liefen unb trabten unb purzetten unb jagten unb ruberten, so rasch sie konnten, unter bie Wilbdusche am Abhang, ... hac.

Das Fräulein aber hat sich über ben Lärm dermaßen erschrocken, baß es kopfüber in Hinrich Bruhns Kahn gefallen ip- - ... ( . h.r

Heute fährt ber Schiffer mit Weid unO Kind. D'« Kammer ist sauber und Deck unb Raum werben gefegt, wenn bie Ladung von Bord ist. Er Tagt, er hätte einen guten Tausch getan. Wenn bie und Eller- wiwcken bas hären, aber nun habe ich vergessen, was die Unholdmnen dazu sagen, und sie haben obendrein Unrecht. Das meint auch Doddepott.

LMut, daß Du da bist:

ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR

Copyright 1933 by August Scherl G. m. b. Äerlin

(Fortsetzung.)

Billy war feuerrot geworden. Sie erhob sich rasch und wollte fort Doch Elisabeth hielt sie nochmals fest.

Sei nun nicht böse, daß ich das einfach so ausgesprochen habe. Ich mußte es einmal sagen. Und du hast dich großartig gehalten. Gerade darum mochte ich, daß wir endlich wirkliche Freundinnen werden, die nichts voreinander geheimhatten müssen. Ist es gut so, Billy? Dann komm her und gib /nir einest Kuß!"

Seit ihrer Kindheit hatte Billy keine Freundin mehr gehabt. Für Elisabeth hatte sie immer eine viel zu große Bewunderung gefühlt, um ihr menschlich ganz nahezukommen. Sie hatte sich heimlich zwar immer zu ihren Freundinnen gerechnet, aber an letzter Stelle, wie sie es in ihrem schweren Leden immer gewohnt war. Als Elisabeth anfing, von dem Gehalt zu sprechen, war eine Bitterkeit in ihr aufgeftiegen, die ihr zuraunte, nun wolle man sie endgültig von sich wegschieben und zu einer Angestellten machen, die man bezahlte. Das war es auch, was sie in ihrem überempfindlichen Stolz ausgesprochen hätte, wenn Elisabeth sie nicht rechtzeitig daran gehindert hätte.

Um so jäher unb heftiger kam jetzt der Rückschlag. <$ie fühlte sich schul- big wegen ihrer Gebanken, die sie böse unb häßlich nannte, namentlich ba Elisabeth auch ihr tiefstes unb schmerzlichstes Geheimnis kannte und ausgesprochen hatte. Aber sie fühlte zugleich, bah biefe geheime Wunde sich jetzt ganz schließen würbe, nachdem sie bas Schlimmste allein und tapfer überwunden hatte.

' Sie empfing ben Kuß Elisabeths unb gab ihn mit überftrömenber Zärt­lichkeit zurück, war aber noch nicht fähig, zu sprechen. In ihren bunklen Augen lag eine so heftige Bitte, baß Elisabeth fie nicht länger zurückhiell. Sie lief bauen, in ben Garten hinaus, zu Pitt unb Fox, zu benen sie sich niebertniete und denen fie in die gespitzten Ohren hinein mit schwankender Stimme alles erzählte, was sie drinnen erlebt hatte.

23.

Auch Doktor Hartl machte sich sehr viel Arbeit. Bald nach Ludwigs Abreise, die natürlich durch zahlreiche Pressenotizen und Photos der breitesten Deffentlidjteit bekanntgegeben worben war, liefen im Haus am See bie ersten größeren Rechnungen ein. Hartl war barauf vorbe­reitet unb setzte sich mit ben Leitern ber Firmen, die sie geschickt hatten, persönlich in Verbindung. Durch ein privates Abkommen mit Billy erreichte er es, daß Elisabeth davon verschont blieb.

Gleich bei seinem ersten Besuch in der Stadt brachte er in Erfahrung, daß Ludwig viel größere Schulden hatte, als er vermutete. Ein Teil da­von mußte wohl noch aus den letzten Jahren stammen, und Doktor Hartt glaubte, annehmen zu müssen, daß da noch andere, unbekannte Posten vorhanden wären.

Er beschloß also, zunächst einmal eine genaue Aufstellung aller Ver­bindlichkeiten Thieles anzufertigen, um eine Uebersicht zu bekommen, und sich bann mit ben einzelnen Gläubigern zu verstänbigen. Er war über­zeugt, bah es ihm gelingen würbe, biefe ganze Schulbenlast zu orbnen und ihre Tilgung zu vertagen auf einen späteren Termin, an bem bie Ein­nahmen aus Hollywood begonnen haben würben, reichlich unb regelmäßig fließen.

Mit Elisabeths Einoerftänbnis richtete er sich an Thieles Schreibtisch ein und fing an, aus einem Hausen von Papieren, ber beim Umzug wahllos zu einem bieten Bünbel verschnürt worben war unb in einer Schublabe des neuen Schreibtisches fein vorläufiges Grab gefunden hatte, die unbezahlten Rechnungen der einzelnen Lieferanten zu notieren, die Posten in ein Buch einzutragen unb biefe Schulben nach ihrer Größe unb Dringlichkeit zu numerieren. Er ging mit ber ihm eigenen Peban- terie zu Werke unb fanb in biefer Arbeit auch bie notwenbige Ablenkung für feine Empfindungen und Gedanken.

Doch er hatte feine Aufgabe gewaltig unterschätzt. Thieles finanzielle Verhältnisse waren so undurchsichtig und seit vielen Jahren derart ver­nachlässigt und verworren, daß Hartl bald verzweifelt aufftöhnte. Immer, wenn er glaubte, einen gewissen Ueberblick gewonnen zu haben, tauchten neue Berwicklungen auf. Seine Besuche bei ben einzelnen Firmen in ber (Stabt sprachen sich herum, unb so entstand das Gerücht von einer allgemeinen unb großzügigen Sanierungsaktion. Daraufhin melbete sich eine Menge Gläubiger mit kleinen unb kleinsten Forberungen, bie im Saufe ber Zeit unb nach vergeblichen Anstrengungen bie Hoffnung auf Bezahlung eigentlich aufgegeben hatten, jetzt aber mit erneuter Energie beranbrängten. , .... .

Eine Sisyphusarbeit! buchte Hartl unb war manchmal bidjt baran, alles hinzuwerfen unb gehen zu lassen, wie es gehen mochte, wie es seit 3abren eben gegangen war. Dann aber buchte er an Elisabeth, unb baß auch er jetzt mit ber Anlaß war, daß es so weit gekommen war, und setzte sich wieder hinter fein Hauptbuch.

Elisabeth tat in diesen ersten zwei Monaten so, als merke fie nichts von seinen Anstrengungen. In vielem ahnte sie auch nicht, wie es tat­sächlich stand. Sie wußte, daß er Ludwig versprochen hatte, sich darum m kümmern, und war im Grunde froh, daß endlich jemand mit der nötigen Geduld unb Gewissenhaftigkeit barangmg, einige Ordnung zu schaffen Sie hatte es in ben vergangenen Jahren öfters selbst versucht, hatte cs aber immer mieber aufgeben müssen, solange eben Ludwig ba war unb burch feine spontanen Einfälle alles mühfam Erreichte immer roieber umwarf. Sie glaubte fest baran, baß Hartl, besten geistige lieber« segenheit unb stille menschliche Sicherheit in bem engen Zusammenleben einen