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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1935 Freitag, den 7. Juni Nummer
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Pfingsten.
Von Maria Kahle.
Wie die Drosseln in den dunklen Tannen rufen! Aller Frühling will so hold mich locken, Sehnend schwillt es durch die Abendtäler, Alles Blut will mir im Herzen stocken.
Herz, du solltest wie der Weißdorn quellen, Blütenüberschwellend selig prangen, Herz, du solltest wie der Ginster leuchten, Von der Sonnenschönheit goldumhangen!
Herz, du solltest wie die hellen Wiesen Weit dich auftun vor dem Licht und Wehen, Herz, du solltest wie die schlanke Birke Demutinnig unter Schauern stehen!
Wie die Drosseln in den dunklen Tannen rufen! Wie von Wald zu Wald die Stimmen schwingen! Laß mich blühen, Weißdorn, goldner Ginster, Laß mein Herz im Blütenrausch zerspringen!
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Die weiße Taube.
Erzählung von Johan Luzian.
Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig beieinander. 2lpg. 2,1-
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Drei junge Männer, die gemeinsam studiert hatten, wenn auch jeder stich eine andere Wissenschaft erwählte, der eine die Medizin, der andere Die Staatswissenschaften und der dritte die Philologie, waren durch das Leben über ein Jahrzehnt lang auseinander gekommen. Aber trotz aller räumlichen und zeitlichen Entfernung verband sie immer noch me Freimd- ffchaft der Jugend, und wenn sie von reinen und schönen und harmonischen feiten ihres Lebens mit den ersten Seufzern des Aelterwerdens sprachen, 'io meinten sie alle drei jene Jahre.
Zu Pfingsten war nun eine große Tagung des Bundes der das 'Deutschtum im Ausland betreut und vereinigt, in Mainz angesagt. Karl, Äer Wirtschaftler, mußte gerade um diese Zeit von Südamerika, wo er Deutsche Firmen und Erfindungen vertrat, zurückkehren, um über neue Aniernehmungen zu verhandeln, und benützte diese Gelegenyeit zu Rheinreife und zum Besuche von Mainz. August, der Ph'wloge, war als Lehrer in Königsberg ansässig, kam aber nun auch nach MEZ, well er 'in der Bewegung des Bundes führend tätig w°r und d,e festliche Gemem- ifchaft für seine Stadt miterleben sollte, um spater darüber i>u ber chsten lUnb Wilhelm, der Arzt, war in Bingen ansässig und also gar nicht well «entfernt von dem Treffpunkt der beiden Freunde, die nun nach so langer tZeit wieder zusammengeführt wurden. .
Am Nachmittag des Pfingstsonntags fuhren mehrere Rhe,ndampfer $ie vielen Zusammengeströmten an den Nebenhangen Hrfiten
idahin, die ihr erstes Grün erhalten hatten und überstrahlt von den lichten Laubwolken der Taunuswälder und urn?la"^ von ittc 3 nfinaft*
»raunen Landes, der weißen Dörfer, der blühenden Stabtn^den pfmgst »'chen Wundern prangten. In Bingen fliegen bie brei 3«unbe fiepten sich unter die Kastanienkerzen eines schädigen Uf g ^ein tbrm Arzte zu eigen roar; die junge Frau brachte den g ben'
»«grüßte herzlich die beiden Freunde aus der Ferne, die h ^^^n «Erzählungen ihres Mannes längst vertraut waren u 9 ■' rjc=en •einer freundlichen Entschuldigung roieber fort, weil ihr ®ieber=
«n biefem lärmfrohen Tag, in Wirklichkeit aber nu , qeliören
lehensstunbe ber Drei, bie ihnen ohne Zeutzenschaft eine 9 ’
Zellte, nichts zu rauben, bas ihr nicht gehörte benn das L den mit ihrem Mcmne hatte erst dort begonnen, wo das Leden nut fernen tfreunoen in" "'M ff faf,en °uf bie fingenben Schiffe, bie D°r“^^
1 ^fröhliche, wimpelbunte, menfchenwogenbe Rheun PI glänzende
Regler, Kajak/ Sie summten bie Melobie m.t unb hatten glanz
mi ^gen, unb sie hoben bie Gläser immer von neuem und erjäf)(ten>
Silber aas sie auch sprachen, was sie auch> von Y unb Abseitiges, *5 glitt alles an ihnen dahin, es war noch etwas F laae, bie sie
wnb wichtig waren ihnen nur bie alten b (äf*ern9 hervorzuschälen
mun hinter Fältchen unb Bärtchen und Augenglasern ge
suchten, und bie sie boch nicht mehr fanden. So entstanden denn immer längere Pausen in ihren Gesprächen, bis sie schließlich eine Weile allesamt schwiegen unb nur bem Duft unb ber Melobie unb bem Glanz bes Pfingsttages sich Hingaben, lauschenb, fühlenb, schauenb.
Karl, ber Sübamerikafahrer, war hager, braun verbrannt, bartlos; ein Gesicht, bas nüchtern unb streng erschien, es war gewohnt, die Wirklichkeit zu schauen unb mit ihren Tücken unb Härten zu rechnen. August, ber Lehrer aus Ostpreußen, war buntel von Haar unb Augen, eine Kämpfernatur, voll Unruhe unb Tatenbrang, immer auf bem Sprunge zu lehren, zu überzeugen ober enblos zu streiten. Wilhelm, ber Arzt unb Hausherr aber war bärtig, rotblond, lächelnd und gutmütig behäbig, ein Lebensgenießer, weil er oft mit bem Tode um bie Wette fahren mußte nach ben Dörfern unb Weinbauernhöfen im Tale, unb ber barum einen guten Tropfen nicht weniger liebte als eine gute einträchtige Stunbe bes Plauderns unb roärmSnben Lachens. Ihn verbroß daher bas Schweigen, unb er schlug feinen Freunden mit ber Linken unb Rechten auf bie Schultern, zog sie liebevoll berb an sich unb rief, nach feinem Glase mieber greifeftb: „Prosit, Kinber! Ach, ist bas schön! Ist bas schön, bah ihr hier selb, bei mir, in meinem Garten, an meinem Strom!"
Die andern beiden stießen mit ihm an und tranken aus, aber als August bas Glas hinfetzte, sagte er, währenb Wilhelm schon roieber nach ber Flasche griff: „Alter Freunb, b e i n Strom ist bas nun ja nicht ..."
„Ach, Pebant, laß boch bie Golbroaage stehen!" rief Wilhelm lächelnd.
Augult aber fuhr fort: „Der Rhein, bie Weser, die (Elbe, bie Ober, die Weichsel unb Saar unb Memel unb Donau unb Ems, bas Gebirge unb bas grüne Lanb, ber Himmel darüber und sogar die Sterne, bas ist doch jetzt alles eins geworden, nicht wahr? Und, Wilhelm, Barbar, .mein Rhein' sagst du? ... Wenn ich auch hier bei dir zu Gast bin, unb wenn du auch sagen kannst, mein Tisch, mein Haus, mein Wein — .mein Rhein' kannst du doch nicht sagen. Rein, Wilhelm! Einen Freund haben irgendwo auf der weiten Welt, das ist schön, Wilhelm, dich hier zu haben, ist schön, glaub’s mir, alter Freund, Prost!" Er stieß fein (Blas an das des Arztes. „Aber fei mir nicht böse, Wilhelm, alter Kerl, schöner ist, ja tausendmal herrlicher ist: auch ohne Freund, auch ohne einen Menschen mit Namen zu kennen, von der Memel unb vom Haff unb von ber Nehrung, von Stallupönen ober Insterburg hierherkommen zu können, hier an .deinen' Rhein, du Himmelhund, Wilhelm! Und sagen zu dürfen: Unser Land! Unsere Heimat! Hier wie dort! Ich, Augult WUkuweit, aus Stallupönen gebürtig, ich komme hierher, ich fahre eine Nacht, zwei Nächte lang durch Ebenen, durch Felder, durch Wald, über viele Ströme hinweg, und es scheint mir wie dem ollen Griechen: irgendwo muß doch die Welt zu Ende fein nach so langer Fahrt, irgendwo muß ich doch in einen Abgrund fallen, aber nein, Kinder, Kinder! Nach der endlosen Fahrt ist immer noch Deutschland da, und ich darf durch die Tore von Mainz gehn, als wenn ich da zu Hause wäre, und es grüßen mich die Menschen, mich, den August WUkuweit aus Ostpreußen, so als wäre ich ihr Nachbar, und sie tun mir die Türen auf, nehmen mich bei sich zu (Saft, füttern mich, ertränken mich im Rheinwein aus ihrem Keller und sagen, als ich überwältigt danken will, sagen nur mit ein bißchen anderem Klgng in ber Sprache: Aber wir gehörn boch all zusamm! ... Kinber, Kinber, so groß, so riesengroß, unb so voll Unterschiebe ist bas Lanb von ber Memel bis -um Rhein unb boch alles eins, alles eins, alles unser, Wilhelm, unser, nicht mein, nicht bein, nein unser. Wilhelm, Karl, kommt einmal zu mir nach Ostpreußen, auf unsere Insel, ja, bann versteht ihr es vielleicht ..."
Er schwieg unb wischte sich mit bem Tuche über bie gerötete Stirn.
Jung reden kannst bu", sagte Wilhelm, „reben kannst bu, ganz wie damals .!. Prosit, August, er soll leben: unser Rhein! Prosit, Karl, oller Globetrotter, was sagst denn du dazu, du Buschräuber, bu Jnbianer- ^“/Brofit sage ich erst einmgl!" Unb sie tranken ihre Gläser leer, unb Wilhelm schenkte hastig unb freubig wieder ein. So war es richtig, Eintracht und Freude und Wein!
August, bu hast uns eben erzählt, wie groß Deutschlanb ist, unb welch ein Wunber baß sich bie Leute in biefem großen ßanbe alle kennen unb brüberlich zueinanber finb", tagte Karl unb schnitt sich eine neue Zigarre ab ließ sich Feuer geben unb paffte bie ersten Wolken genußreich in tue Sanne. Die beiben anberen Freunbe rogrteten inbes auf bie Fortführung des Gebankens, ber Karl bewegen mußte, benn bie Umstänblichkeit mit ber Zigarre, bie kannten sie von früher unb freuten sich, sie als einen alten irrig an bem Bilde roieberjufinben.
„Na, unb? Schieß los. Was willst bu benn sagen?" brängte August enblid). fagen, baß Deutschlanb ganz klein ist. ja, fo’ klein wie
eine'iräube ober ein Herz. Ich bin kein Dichter wie du. aber ich habe es boch einmal so gesehen, wie ich bir sage: eine Taube kam zu mir geflogen Ich lag im Fieber in einer elenden Hütte am Parana, im Ürroalb Affen schrien, Moskitos summten, Papageien lärmten, bie Luft


