Geschichte für dich, kann ich mir denken. Frauensleute sind Frauensleute, das ist schon immer so gewesen. Gut ausbewahrt wirst du das Paket ja 1)abC3a siehst du, Krick", antroortete Lars, verwirrt und unglücklich. „Du mutzt da ein wenig in die Gelegenheit sehen. Ich meine, ich habe dir doch einen Dienst erwiesen, damals, als ich es in Verwahrung nahm, nicht wahr, das muht du zugeben. Siehst du, und nun PNgendie Jahre hin, immer eins nach dem anderen, und du liebest nicht ein einziges Mal auch nur ein Sterbenswörtchen von dir hören.'
„Was hat das damit zu tun?^ fragte Krick unwirsch
„Nicht viel, das gebe ich zu", antwortete Lars. „Aber es war nicht so einfach, das Paket aufzubewahren, wie du vielleicht glaubst. Vor Lena
bringen zu müssen. , „
„Nun haben wir bis jetzt immer nur von mir gesprochen , sagte er. „Willst du nicht einmal von dir erzählen? Du muht ja ein gutes Stück in der Welt herumgekommen sein in den neun Jahren, die du unterwegs gewesen bist." , , , „
„So, waren es neun Jahre? Du hast sie ja gut gezahlt, wie ich merke.
„O, ich erinnere mich noch gut, dah du damals plötzlich auf und davon gingst. Du hast mir nicht gesagt, wohin du wolltest. Es ging mich auch nichts an. Es waren meine Sachen ^nickst, siehst du, ich sagte mir, was du nicht weiht, macht dich nicht heih."
„Richtig, nickte Krick. „Aber dann wirst du dich ja auch daran erinnern, dah ich dir an dem Abend, als wir das letzte Mal zusammen waren, ein kleines verschnürtes Paket Übergab, und du mir versprachst, es für mich aufzuheben?"
„Jawohl", bestätigte Lars und gab sich Mühe, datz Krick seiner Stimme kein Beben anmerkte. „Das weih ich natürlich noch sehr genau."
„Na, dann ist ja alles in Ordnung", sagte Krick und sank aus der gespannten Haltung, aus der heraus er Lars angeblickt hatte, wieder an die Stuhllehne zurück. „Denn darum bin ich gekommen, um es gerade heraus zu sagen. Du hast es dir wohl gleich gedacht, nicht wahr?"
„Es war nicht schwer zu erraten", erwiderte Lars. „Aber es ist gut, dah d» erst jetzt die Rede darauf bringst. Denn Lena weih nichts von der Sache, und ich meine, es ist besser, wenn auch alles zwischen uns beiden bleibt."
„D, was das betrifft", sagte Krick, als lege er weiter keinen Wert darauf. „Aber es kann (ein, dah du Recht haftl Es wäre eine dumme
nicht leugnen."
„Eine Belohnung, sogst du?" unterbrach ihn Krick. „Nee, die Halste von dem, was darin war! Wenn du das eine Belohnung nennen willst? Denn die Hälfte stand dir zu, das war doch Har, und was ich gesagt habe, habe ich gesagt."
„Na gut, es ist ja gleichgültig, wie wir es nun nennen wollen. Aber es freut mich, dah du dich daran erinnerst, da werden wir schon auseinander kommen", fuhr Lars fort, und atmete auf, wenn ihm auch das Schwerste noch bevorstand.
(Fortsetzung folgt.)
Und hier ist die Kuh. Wir haben nur erst die eine, ja. Bis Weih- nackiten steht sie noch trocken. Aber gegen Neujahr muh sie falben, unb menn es ein Kuhkalb wird, wollen wir es aufziehen. Wir haben dann in ein paar Jahren zwei. Das hilft dann schon besser.. Wir können die Milch bann an die Molkerei liefern und werden ^^^ue Einnahme dadurck haben. Zuerst wollten wir nur ein paar Ziegen haben. Aber es ist nichts Rechtes damit, weiht du, und am besten wäre es gewesen, ich Hütt gleich zwei Kühe ausgestallt. Aber nun wir noch keine Ernte hatten, nicht wahr? Und wer langsam fahrt, kommt auch hin,
Ein schönes Tier", lobte Krick, und es klang, als verstände er ein Stück Vieh zu beurteilen. „Und ein paar Speckseiten habt ihr ja auch (djen im haben wir verkauft. Lena hätte sie gerne behalten,
aber es ging nicht, siehst du! In der ersten Zeit muh man natürlich alles zu Selbe machen, was nur möglich ist." ... . .. .
Versteht sich" nickte Krick anertennenb unb schob seine Hanbe tiefer in die Taschen. „Du bist ein Teufelskerl, Lars, bas muh man sagen. Ich traute meinen Obren nicht, als ich in ber Stadt nach bir fragte unb hörte, bah bu aufs ßanb gezogen wärst. Aber ich sehe, bu verstehst bie @C*t$Jenn du auch das Schwein einmal sehen willst?" fuhr ßqrs fort. — Cs waren drei, weiht du. Mit einem anzusangen lohnt sich nicht recht'. Eins haben wir für uns geschlachtet, eins verkauft und das dntte haben wir zur Zucht behalten. Wir hätten sie alle drei gern em bißchen schwerer gehabt, aber die Mehlrechnung stieg so an, dah w,r froh waren, als wir zwei von den Fressern los waren. Im nächsten Herbst können wir aus eigenem Vorrat füttern, bas ist bann schon eine anbere Geschichte. Dies hier - „na steh mal auf, Ganntje" - unterbrach sich ßars unb stieß bas fdjlafenbe Tier mit bem Fuß an chies hier war bas beste von ben dreien. Gute Rasse, weiht du, sieh mal den Rucken!, Es sott im Februar Ferkel kriegen. Hoffentlich haben wir Glück damit.
Grunzend hatte sich die Sau erhoben und senkte schnaufend den Rüssel in die Streu.
„Was meinst du, schon ein schöner Brocken, was?
„Das muh man sagen", nickte Krick.
„Dazu haben wir ein Dutzend Hühner und neun Küken von diesem Jahre. Sie sind ein wenig spät ausgekommen, sonst hatten sie gewih schon gelegt Aber keins von ben Aesern wollte glucken. Na, vielleicht haben wir im nächsten Frühjahr mehr Glück damit. Du siehst sie dir besser morgen an, nicht wahr? Sie sitzen da oben über dem Kuhstall. Da ist es warm unb ber beste Platz im Hause für sie." . .
ßars sprach unausgesetzt, als hätte er Furcht, eine Pause eintreten 3U ' Unb morgen früh kannst bu bir auch einmal bie Felber ansehen, bie zum Hofe gehören. Ich hätte gerne etwas mehr ßanb gehabt, aber man muh zufrieden sein, vielleicht kann ich später einmal ein paar Stucke in Pacht nehmen." . '
Er blies bie ßaterne aus unb nötigte seinen Gast roieber an bas Acrbfcuer.
„Wie ist das", fragte Krick, „ihr habt doch ein Bett für mich, nicht , . t. u 44
„Das hilft sich", sagte ßars. „Wir haben zwei Zimmer und in jedem ist ein Wandbett. Es ist ja ein altes Haus, nicht wahr? Immer wollten wir schon die Wandbetten herausreihen, aber es war jeden Tag so viel anderes zu tun, dah ich noch nicht dazu kam. In dem einen hat der Kleine sonst geschlafen. Wenn du also vorlieb nehmen willst, können wir Jan mit zu uns ins Bett nehmen. Was meinst du, ßena?"
„Ja, ja", antwortete bie und beugte sich über ben niebrigen Herb, „das muß sich helfen, nicht wahr?"
Nach dem Abendbrot steckten sich beide ihre Pfeifen an und setzten sich wieder an bas Torffeuer, bas auf bem Herde qualmte.
ßars hatte ßena heimlich einen Wink gegeben, unb als er mit Krick allem geblieben war, hörte man nur bas Rauschen des Windes unb bas Knistern bes Regens an ben kleinen Fensterscheiben im Unterschlag zu beiben Seiten bes Herdes.
„Besser drinnen als draußen", sagte Krick und spuckte ms Feuer.
ßars nickte. Er tat gleichmäßig und unbekümmert, aber trotz feiner Ermüdung blieb er wach und gespannt. Er hatte ja Zeit und wollte in Ruhe abwarten, daß Krick von dem beginne, was zwischen ihnen zu bereden war. Aber nach einer Weile meinte er doch, ihn in Gang
2IdHu mir nicht leid! Du hast es vor meinen Augen in die Kommode geschlossen, in ben untersten Kasten. Es war bem Schubkasten, wie bu sagtest, unb es lag ba gut und ungesehen, sollte ich meinen.
Das ist richtig", nickte ßars. „Aber du kannst es mir glauben, es war nicht immer ganz einfach, den Kasten vor ßena verschlossen zu halten und jedesmal eine Ausrede bei ber Hand zu haben. Du kannst dir das vielleicht nicht fo denken, wie das ist, wenn man ben ganzen Tag in einem kleinen Zimmer beieinanber hockt."
„Ich begreife nicht", sagte Krick, „warum du mir solche Ding« erzählst? Du hattest es jedenfalls übernommen, bas Paket aufzubewahren, baoon beißt nun keine Maus einen gaben ab."
„Ich mochte es bir nicht abschlagen, siehst bu. Hinterher hat es mir allerbings leib genug getan." „
„So? Sieh doch an, was du nicht sagst, ßars Hullmann.
„Das ist ja wohl auch fein Wunder. Nun ich doch hinterher auf ben Gedanken kommen muhte, daß du es wohl nicht auf ehrlichem Wege bekommen hattest. Gesagt hast bu bamals allerbings kein Wort davon. Aber ich dachte mir so mein Teil."
„Ah,' wirklich? Du docktest dir dein Teil? Nein, was für einen Kopf du hast, Lars Hullmann!"
„Ich bin dann lange so darüber hingegangen", fuhr ßars mit leiser Stimme fort. „Du kannst es mir glauben, dah ich nicht einmal daran dachte, nachzusehen, was darin war. Was geht es dich an, dachte ich. Da im Auszug liegt ein Paket in grauem Papier, was weih ich, was darin ist? Mag es ba liegen, bis es schwarz wird. Aber als du dann nie wieder von dir hören liehest, hat es mich eines Nachts doch fo aepackt, daß ich nicht anders konnte, ich muhte es herausnehmen unö nachsehen. Ich sage bir, Krick, der falte Schweiß brach mir aus
Krick lachte laut auf unb schlug sich vor Vergnügen auf die Schenkel.
„Na, unb wieviel zähltest bu, ßars Hullmann? Es ging wohl über deinen Verstand, wie?"
, Ja", nickte ßars, denn ich sah, daß Geld darin war und fremdes Geld dazu, und ich muhte erst hingehen und einen der Scheine ein- wechseln, um zu wissen, wie viel er wert war. Ich fann dir sagen, dah mir der Atem ausblieb, als ich bann anfing zu rechnen. Ich war ganz benommen baoon, um es offen zu sagen. Denn nun begriff ich ja erst recht, bah bu es nicht geschenkt bekommen hattest, rote bu nur gejagt hast.
„Habe ich bas gesagt?" lachte Krick. „Hab' ich bas wirklich gesagt?
Ich begriff, daß bu deinen Spaß mit mir gemacht hattest, als bu so sprachst, unb es ist ganz richtig, wenn bu mich heute bafur auslachst, dah ich nicht gleich wußte, um was es sich handelte, als du mir bas verdammte Paket übergabst."
„So, fo", lachte Krick wieder. „Na ja, Spaß muß feinl Aber nun komm endlich mit bem heraus, was du sagen willst.
„Ja", antwortete ßars, „es ist nicht fo leicht zu sagen, wie bu viel- leicht meinst. Wo war ich boch stehen geblieben? Ach so, richtig. Na, nun schloß ich bas Gelb noch ängstlicher ein als vorher, das kannst du dir wohl denken, wollte nichts damit zu tun haben. Nichts, gar nichtsI Möchte es in des Teufels Namen liegen und verschimmeln, meinetwegen. Was ging es mich an? Ab! Fertig! Aber du magst es nun glauben ober nicht, ich war durchaus nicht damit fertig. Im Gegenteil. Beinahe tief- finnig bin ich darüber geworden. Da, hinter der dünnen Holzwand lag es ein Stück Geld, wie ich es noch nicht auf einem Haufen gesehen hatte.
Du guckst noch ein ßoch in bie Kommode, sagte Lena eines Abends. Genau wie ich es jetzt sage. Du guckst noch ein Loch in die Kommode, jawohl. Ich bin einfach nicht mehr davon losgekommen. Denn es war ja in der Zeit, als das Geld hier bei uns vor die Hunde gegangen war. Das host bu nicht mit erlebt unb kannst birs darum nicht so vorstellen, wir es war Alles, was man verdiente, war im Grunde einen Dreck wert. Weiht du, man bekam einen Lohn, dah einem ganz schwindelig wurde bei den Zahlen, aber man konnte kaum ein Pfund Margarine dafür kaufen. Ich wundere mich heute noch, dah man überhaupt burchgekvm- men und bei den Taufendem in der Lohntüte nicht verhungert ist. Nun, und in der Zeit habe ich es dann eines Tages wirklich nicht mehr aus- gehalten unb einen Schein baoon eingewechselt und verbraucht. Man gab mir so viel Gelb, daß wir länger als vierzehn Tage davon leben konnten. Es war unglaublich, und richtig begriffen habe ich es auch beute noch nicht! Aber das tut ja nichts zur Sache, nicht wahr, denn was ich sagen wollte, ist, daß bu mir bamals ja eine Belohnung für bas Auf- bewahren zugesagt hast. Denn das hast du getan, Krick, bu kannst es


