Oie Musis kommt.

Von Detlev von Liliencron.

Klingling, bumbum und tschingdada, zieht im Triumph der Perserjchah? Und um die Ecke brausend bricht's wie Tubaton des Weltgerichts, voran der Schellenträger.

Brumbrum, das große Bombardon, der Beckenschlag, das Helikon, die Pikkolo, der Zinkenist, die Türkentrommel, der Flötist, und dann der Herre Hauptmann.

Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn, die Schuppenketten unterm Kinn, die Schärpe schnürt den schlanken Leib, beim Zeus! Das ist kein Zeitvertreib, und dann die Herren Leutnants.

Zwei Leutnants, rosenrot und braun, die Fahne schützen sie als Zaun, die Fahne kommt, den Hut nimm ab! der bleiben treu wir bis ins Grab! Und dann die Grenadiere.

Der Grenadier im strammen Tritt, in Schritt und Tritt und Tritt und Schritt, das stanrpst und dröhnt und klappt und flirrt, Laternenglas und Fenster klirrt, Und dann die kleinen Mädchen.

Die Mädchen alle, Kops an Kopf, das Auge blau und blond der Zopf, aus Tür und Tor und Hof und Haus schaut Mine, Trine, Stine aus, vorbei ist die Mufike.

Klingling, tschingtsching und Paukenkrach, noch aus der Ferne tönt es schwach, ganz leise bumbumbumbum tsching, ,og da ein bunter Schmetterling, schingtsching, bum, um die Ecke?

Paule auf dem Lande.

Bon Görge Spervogel.

Paule" sagt Petra eines Tages,ich fahre heute nachmittag zu meinem Onkel aufs Dorf. Willst du hinten auf mein Rad?"

Ich?" fragt Paule.Auf deinem neuen Rade?"

Um fünf Minuten vor drei ist Paule noch fest überzeugt, Petra hatte das so als Mädchen gesagt, das nun einmal vor allen anderen ein Rad besitzt und einen Onkel auf dem Lande obendrein, und fahren wird sie doch nicht mit ihm, niemals, Petra kann mit Heinie fahren, der ein Eichhörnchen und weiße Mäuse besitzt, oder mit Karel, der die besten Drachen zu bauen versteht, nee, Paule bleibt zuhause und macht das Rechnen fertig. , n ,

Um drei Uhr läßt Petra unten auf der Straße die Lausglocke klingeln. Ich komme!" schreit Paule aus dem Fenster und rennt die Treppe hinab.O Mensch", sagt er atemlos,Petra! Mann, was bist du in Drb"ßos9,! zur Straßenbahn", sagt Petra,Laufschritts und fährt neben­her.Fährst bis zur Endstation. Hier ist Fahrgeld. Da kommt sie! Run türme doch!" . . ..., . ...

Das ist ja ... muh Paule denken. Das ist ja wirklich ..., da über­holt Petra die Bahn. Paule geht durch zum Fuhrerstand. Ha Petra fällt zurück, die Bahn hat freie und gerade Strecke. Hach, Haltestelle. Petra führt. Hilfe, wie bummelig sind die Leute beim Einsteigen. End­lich, los, weiter! Ach, wie langsam der Fahrer Zahn um Zahn dazugibt, was für trübe Maschinen sitzen doch in diesen Bahnen, Gas Herr, noch einen Zahn! Gucken Sie mal, wer uns alles überholt! Da, schon wieder Haltestelle. Paule zappelt, Petra ist ganz verschwunden, o du dicke ^'^Aber°jetzt, aber jetzt! Die Bahn hat weit und breit freies Feld, die letzten Häuser bleiben zurück, voraus erscheint Petra strampelnd und mit fliegenden Zöpfen, Petra! Petra, sie liegt mit der Bahn auf eirwr Hohe, fällt zurück, Petra! Gib ihm! Da bremst der Fahrer, Petra fchieht im "^,Grob","°agt^Paule'°strahlend,ganz große Klasse, wahrhaftig! Hatte * P«°. ..te-il »irr

Paule sitzt auf dem Gepäckträger und laßt die Beine baumeln. ,/Bin ich dir auch nicht zu schwer?" fragt er.Du Her.ngsknochen , sagt Petra. "^Paules?Achterstück ist vom langen Sitzen auf dem Gepäckträger ein­geschlafen es ist geradezu abgestorben.Ra, Petra, wen bringst du uns denn da mit?" fragt der Onkel.Das ist Paule, em Freund von mir. - Junae Junge", sagt der Onkel,du siehst mir aus, als ob wir jetzt mol" ganz schnell0 und kräftig Kaffee trinken sollten. Denn man los!

Das Gehen geht nicht gut, auch nicht das Sitzen. Paule fährt beim ersten Sitzoersuch vom Stuhle auf und hoch und denkt, er habe sich auf ein Brett voller Stecknadeln gesetzt. Aber nein, es ist das Achterstück, das langsam wieder zu sich kommt.

Mensch, Paule", sagt Petra,wenn du eben nicht ausgehört hattest, würdest du mir für die Rückfahrt doch zu schwer geworden sein." Habe ich zuviel gegessen?" fragt Paule und steckt sich rot an.Ach was", sagt Petra,paß mal auf, was du erst heute Abend alles ißt." Zuviel ist in deinem Alter nie genug", sagt der Onkel.Wie alt bist du benn?;'Ich werde acht."Was, acht?" sagt der Onkel,Junge, als ich alte Jahre alt war, habe ich nochmal so viel gegessen wie du. Run aber noch einmal ordentlich zugepackt!" Ho, Paule packt zu.

So, jetzt gehen wir in den Kuhstall", sagt Petra.Ich platze", sagt Paule,du ahnst es nicht, o, ich platze bestimmt."Dann aber lieber im Kuhstall, dann kommst du gleich unter den Mist", sagt Petra.

Eine Magd geht über den Hof mit einer großen Blechdose hn Arm.Kooomm Pilepile", ruft sie,kooomm Hulehule, kooom Ratnat- nat, kooomm Tuckkucktuck! Kooomm Hulehulehule!"

Läuft die nur auf drei Zylindern oder was ist mit der?" fragt Paule. Petra braucht nicht zu antworten, denn es federt, flügelt und stürzt herbei, die Tauben aus der Luft, die Gänse von der Straße, die Hühner vom Acker, die Enten aus dem Tümpel, die Puten und Perlhühner aus dem Gemüsegarten.Hin!" sagt Petra und reißt Paule mit, der alles Platzen vergessen hat.Hier! sagt Petra und reicht Paule die Dose mit den Körnern, mit goldenem Mais für die Ganje, schwarzen Wicken und gelben Erbsen für die Tauben, Reis und Grau- penfchrot für die Puten, Weizen für die Hühner und Roggenschrot für die Enten. Paule streut mit vollen Händen, ein Hahn setzt sich auf feine Schulter, flatternd versuchen Tauben auf seinem Haupte zu landen, der Hahn schlägt die Flügel und ohrfeigt Paule dabei. Ho, das kakelt und schluckt und schnattert und gurrt und piept, das flattert und scharrt und pickt, und Paule streut und ruft:Kooomm Hulehulehule, kooomm Pile- pilepile, kooomm Natnatnat!"

Jetzt ist die große Dose leer, Paule zieht sich aus dem Schwarme zurück und baut sich stolz neben Petra auf.Nun sieh sie dir an, lagt Petra,keiner gönnt es dem andern."Ja , sagt Paule nach­denklichund es ist doch für jeden ein besonderes Leibgericht dabei! Aber nein, die Hühner stehlen den Gänsen die Maiskörner, die Enten schlagen die Tauben um ihrer Erbsen willen in die Flucht, die Ganse verscheuchen alle Nachbarschaft, und die Hühner picken jedem Kleineren einen Schnabelhieb auf den Kopf. Der Truthahn aber ist so aufgeregt, daß er vor Kollern zu gar nichts kommt.Tja, so ist das Leben , sagt Petra,laß uns in den Kuhstall gehen."

Kühe, Kühe, Kühe, schwarzweiß, glanzend und blank stehen sie da und kauen, trotzdem sie nichts ins Maul nehmen. Die Lust tm Stalle ist satt und warm, heudustend und sliegendurchsummt. ®rrb, grro, kauen die Kühe, schnaufen durch ihre großen, schwarzfeuchten Naslocher und schlagen unablässig mit den Schwänzen. Sie wenden die Kopfe und blicken die Kinder mit großen Augen an.Komm, hier wird gerade eine gemolken", sagt Petra. Paule verschlägt es die Sprache. Paule, ein Junge aus der Stadt, beinahe acht Jahre alt, noch niemand hat ihm gesagt, aus welche Weise Kühe Milch von sich geben.

Die Magd geht mit Eimer und Schemel zur nächsten Kuh.Und der Quark und die Butter", fragt Paule stockendwie zieht man die her- aus?"Mensch, die sind doch in der Milch drin!" sagt Petra. Paule blickt sie zweifelnd an.Du willst mich doch nicht auf ben 2lrm nehmen, nicht?" Wieso?"Quark unb Butter in ber Milch, wie man fie morgens gebracht kriegt? Ober ist bas roieber was anberes?

Pah auf" sagt Petra.Die Kuh entsteht aus Gras, Heu unb Kraft­futter Ans ber Kuh entsteht Milch. Aus Milch macht man Quark Man kann bie Milch auch in Sahne und Magerinilch zerlegen, aus ber Sahne macht man bann Butter unb Buttermilch. Aus Quark macht man Käse unb aus Sahne auch Schlagsahne.Unb Buchsennnlch. fragt Paule. ,Das ist sterilisierte unb evaporierte Milch, steht ja auf ben Dosen braus, aber was bas ist, weiß ich nicht genau, vielleicht ist es überhaupt künstliche Milch."Mensch, ich weiß was", sagt Paule,ich habe gesehen, wie aus einem Glas Wasser ein ©las Eis geworden ist. eine Nacht hat es nur gedauert, und genau so kann aus Milch auch Butter werden. Nicht?" -Klar", sagt Petra,ober Büchsenmilch.Mit bem Quark habe ich mich eben ja wohl ziemlich schwer blamiert , tagt Paule aber bas kommt von einem Bilderbuch mit Tieren und Sprüchen darunter, davon habe ich den SBers gelernt: Was Wunder diese große Kuh gibt weiße Milch, Quarkkäs dazu. So bin ich auf den Quart gekommen."Ueberhaupt", sagt Petra,wird uns Kindern zu wenig beigebracht. Das Wichtigste muh man sich selbst beibringen.

3aaa", sagt Paule langgezogen,aber was sind h'°r denn mich für Tiere?" , Pferde und Schweine und Schafe.Milch geben doch aber nur Kühe, nicht?" -Schafe kann man auch melken, Ziegen auch. Wir haben die Schafe aber nur wegen der Wolle. ,Fat man , fragt Paule,eigentlich alle Tiere wegen irgend etwas? Ich meine, wegen einer Nützlichkeit?"Klar", sagt Petta, Schweine werden geschlachtet, Kühe geben Milch oder werden verkauft, Pferde ziehen oder merben verkauft, Schafe geben Wolle ober werben geschlachtet ober auch verkauft. Und das Geflügel legt Eier und wird auch geschlachtet ober verkauft."Daß alle Tiere geschlachtet werden , sagt Paule das ist eigentlich gemein. Es werden doch wirklich alle geschlachtet, nicht? Ob sie bas wohl wissen?"Dumm sind sie ja nicht aber fte wissen es wohl boch nicht."Ja, sonst wären sie wohl auch nicht so heiter unb vergnügt, alle. Es geht ihnen ja auch gut. Draußen auf ber Weibe finb sie oft richtig übermütig. Im ©runbe , fügt Petta, gebt es ihnen nicht besser unb nicht schlechter als den Menschen.

Wieso?" sagt Paule.Na, weißt du benn, wie es spater mit dir wird?"Nee".Na also. Und bist ttotzdem munter "Ja , jagt Paule strahlend.

Petra seufzt.Wollen mal nach ben Aepseln sehen , jagi ,ie.Es I gibt auch halb Abenbbrot."