Zhrgang 1935
Nummer 35
Montag, den 6. Mai
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iefjenet tfamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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fie aufhalte! Es ist höchste Zeit, wie es scheint? Aber ich muh Ihnen igen, welchen Eindruck Ihr Mann mir heute gemacht hat, und nicht ur mir. Alle Welt ist begeistert und überzeugt, daß es ein ganz großer lrfolg sein wird. Und nur für ihn!"
Danke!" sagte Elisabeth leise und sah aus Miras Mund, der eine tibellofe Reihe schneeweißer Zähne sehen ließ und der ohne Pause weiter- s,rach, sließend, mit einer wohlklingenden, gedeckten Altstimme und mit :ner distanzierenden Höflichkeit, die unangreifbar war.
„Natürlich hätte ich mir die Freude gemacht, ihm das auch persönlich z: sagen, aber ich wußte nicht recht ... Ich habe ihn so lange nicht mehr ziehen, nicht einmal aus der Bühne. Ich war auf Reisen, in Sudfrank- r;id), beinahe ein halbes Jahr, und dann in Paris und Wien. Tat- jcchlich bin ich feit einem Jahr zum erstenmal wieder in Berlin. Und nun gleich dieser großartige Erfolg. Ich kann Ihnen nicht ausdrucken, me ich mich darüber freue!"
,Das ist sogar aufrichtig gemeint!' jagte sich Elisabeth und machte ohne Absicht einen kleinen Schritt vorwärts. Der Raum um fie hatte sich Kinahe geleert, und die Saaldiener begannen, die lüren zum ißartett : schließen. „Vielleicht sehen wir uns noch nach der Borstellung — ? tljr sie etwas hilflos fort und begann, sich darüber zu argem. „Es war yr liebenswürdig von Ihnen, und ich werde Ludwig sagen ... , fugte i noch hinzu und gab ihr die Hand zum Abschied wie einer Freundin.
Mira berührte sie flüchtig und sagte, während sie sich zur Seite wandte. ,^un Sie das, bitte — wenn ich nicht selbst noch den Mut finden sollte ...
Wieder senkte sie leicht den Kopf und kehrte zu ihrer Kusine zurück, de ein paar Schritte abseits ruhig wartend stehengeblieben war wie eine Schildwache. Als Mira sie wieder erreicht hatte, grüßte auch Aenne, en wenig steif, und sie gingen rasch davon. ... . ..
„Ich hoffte, sie wäre gestorben!" sagte Doktor Kern, wahrend sie ihre ^So°"hab^Sie sie auch behandelt!" gab Elisabeth nach einer kleinen Stille zur Antwort.
„Sie hätten das auch tun sollen!" .
„Vielleicht ... Ader ich bin im Grunde immer eine dumme fleme Bürgerin — wie Sie mich einmal ganz richtig genannt haben.
„.Summ’ habe ich nie gesagt."
„Ader .gutmütig’. Kommt das nicht auf das gleiche heraus ? „
„Nein Lisa — Die da aber besteht nur aus Eitelkeit und A-roganz. „Aber sie ist schön, und ihr Adel ist echt und alt.
„Das ist bürgerliche Romantik." „
„Das verstehen Sie nicht, Doktor! -
„Nein! - Aber am liebsten wurde ich sie jetzt vergiften.
„Merken Sie nicht, daß Sie „ein Diel größerer Phantast sind, Doktor, allem, was Ludwig betrifft?" .... , finrhcln
Aber Doktor Kern konnte das leise, ein wenig schmerzliche Lächeln
Elisabeths nicht mehr sehen, da das Haus sich verdunkelte.
4.
lieber den vierten Akt hinweg hielt sich die Anteilnahme des PuNv tuns auf der erreichten Höhe, obgleich nach der Hochspannung^wahrend dir großen Pause ein leichter Rückschlag »u erwarten gewesen wäre Die Szene im Rathaus von Heilbronn trug Thiele fogar st "‘ÄS"™'!*.« «. m°ch<« »J** n.ndig. Während das Haus halb hell wurde erhoben sich aus der ersim ^nrtettreibe zwei Herren im Smoking und veiliehen Z |a) '“jlas ist der Agent Henschke mit dem Direkt°r aus H°llyw°°d! Je^ g hen sie sicher zu ihm!" flüsterte Elisabeth Doktor Kern zu, Der neuen ilr in der vierten Reihe sah. . <T.ir.ttnr (grolman
Sie hatte sich nicht geirrt. Henschke führte „<>äufterten Wunsch ton der Gloria-Filrn-Corporation auf feinen soeben geäußerten -U5U ja? hn hinter die Bühne in Thieles Garderobe.
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Ut, daß Du da bist
ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR
(op^righl 1933 by August Scherl G. m. b. H., Berlin
(Fortsetzung.)
„Guten Abend, Frau von Alten!" sagte Elisabeth und sah ihr forstend in die Augen. „Sie kennen doch Doktor Kern?"
„Sicherlich!" antwortete Mira und senkte den Kopf auch ein wenig Nch der Seite des Arztes. „Verzeihen Sie, liebe Frau Thiele, daß ich
Thiele empfing sie in strahlender Laune. Die zweite Flasche Rotwein auf feinem Schminktisch war teer.
Henschke stellte ihm den Direktor vor, der erst seit wenigen Tagen in Berlin war, auf der Suche nach einem für feine diesjährige Produktion besonders geeigneten Darsteller.
„Ich habe Sie nun auf der Bühne und auch im Film gesehen, Herr Thiele", sagte Grolman in fließendem Deutsch. Er flammte aus Bremen und hatte in zwanzig Jahren Amerika seinen norddeutschen Akzent nicht verloren. „Ich würde mich gern noch persönlich mit Ihnen über ein Projekt unterhalten."
„(Bern!" antwortete Thiele. „Henschke hat es mir gestern schon an- geöeutet." „ , .
„In meinem Auftrag. Ich bleibe nur kurz in Berlin. Wurde am liebsten morgen zurückkehren und drüben mit meiner Produktion beginnen.
Da Thiele abwartend schwieg, griff Henschke ein. „Herr Direktor Grolman machte den Vorschlag, nach der Vorstellung gemeinsam zu speisen. Sie haben doch Zeit, Thiele?"
„Ja ... Natürlich habe ich Zeit. Allerdings ist sie beschränkt. Ich habe Gäste bei mir in Nikolassee. Aber das macht nichts ... da meine Frau..."
„Also abgemacht, Thiele. Ich werde mit Herrn Direktor nach der Vorstellung drüben im Rstaurant auf sie warten. Zwanzig Minuten nach Schluß können Sie doch dort sein?" fiel ihm der Agent ins Wort.
„Herr Henschke sprach mir von Ihrem Vertrag mit Herrn Steinten", fügte Grolman hinzu. „Ich würde mich freuen, auch seine Bekannschaft zu machen. Er hat einen ausgezeichneten Namen als Regisseur, auch bei uns. — Vielleicht gelingt es Ihnen, Herr Thiele, ihn für einen Augenblick mit herüberzubringen?"
„Es wird notwendig fein!" sagte Henschke.
„Ich glaube, daß er kommen wird, wenn ich ihm Ihre Worte wiederhole, Herr Direktor!" antwortete Thiele etwas geschraubt und dachte: Das hätte Elisabeth hören müssen. Sie wäre mit mir zufrieden! Doch es gelang ihm, sein aussteigendes Lachen zu unterdrücken.
„Ich verstehe, daß Sie nervös sind, so dicht vor dem Schluß. Und idj will ihn mir nicht entgehen lassen. — Auf Wiedersehen, Herr Thiele! Grolman gab ihm die Hand und ging zur Tür.
„Bis nachher!" rief Henschke und blinzelte dem Schauspieler triumphierend zu, bevor er Grolman folgte.
5.
Auch der Regisseur Steinten wurde am Schluß gerufen und immer wieder Ludwig Thiele. Nach den letzten Vorhängen auf dem gemeinsamen Rückweg in die Kulissen sagte Thiele zu ihm: „Der Mann vom Gloria-Film war vorhin bei mir. Es wäre vorteilhaft, wenn du ihn auch kennenlerntest. Er wartet mit Henschke drüben in der Weinstube auf uns. — Kommst du mit?"
„Hm!" machte der Regisseur und musterte Thiele mißtrauisch von der
Er kennt deinen Namen und sprach sehr gut von dir", setzte Thiele hinzu. Sie waren in dem schmalen Gang angelangt, an dem die Garderoben lagen, und blieben einen Augenblick stehen.
Du hast eine Absicht dabei. — Welche?" fragte Steinten.
"’Rein! — Er vielleicht! — Also ich hole dich ab, und wir gehen zusammen hinüber. Ich bin sehr schnell fertig."
Gut!" sagte Steinten. „Ich warte auf dich tm Büro.
Thiele wich allen Kollegen aus, die vorbeikamen, um ihm zu gratulieren dankte, winkte ab und verschwand hastig in seiner Garderobe. In ihm brannte eine wilde, zügellose Energie. Jetzt war der Gipfel erstiegen. Jetzt mußte er sich auf der endlich erreichten Hohe sichern, s°- ort in der nächsten Viertelstunde! Die Gelegenheit war da. Er fühlte mit'der gleichen untrüglichen Sicherheit, die ihn den ganzen Abend hindurch getragen hatte, daß er heute mit einem Schlag alles gewinnen würde um das er seit Jahren vergeblich gekämpft hatte, an das er schon -wei- oder dreimal ganz dicht herangekommen war, das ihm aber immer wieder in unbestimmte Fernen entschwunden war.
Er warf die Tür seiner Garderobe mit einem heftigen Schwung zu und begann sofort, sich abzuschminken und zu entkleiden. Er streckte von seinem Stuhl aus dem herbeieilenden Weidner beide Beine entgegen und rief ihm zu: „Vorwärts! Runter mit dem Leder! In zehn Minuten muß ich parat fein! — Schon gut, alter Junge. Es hat alles prachtvoll geklappt. — Ein frisches Hemd her! Ein weiches, nut Kragen! Das geht schneller. Und hol drüben einen Krug warmes Wasser! Es ist grotesk, daß es das hier immer noch nicht gibt! — Dann stellst du dich vor die Tür und sagst jedem: .Danke, nein, ich habe keine Zeit! — Dich kann ich jetzt nicht brauchen! Allein geht alles viel schneller. — Also rasch, ^Weidner gehorchte schweigend, brachte das heiße Wasser und bewachte von auften die Tür wie ein treuer Hund. Thiele war schon abgeschmmkt, halbnackt und beugte sich über das Waschbecken. Hemd und Krawatte,


