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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Jahrgang 1935 Zreitag, den 5. Juli Kimtmcr 51
nicht den
agen und warte ein paar
bezahlen, kann da
mit nach übrigens
ut, daß Du da bist
ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR
„Ich dachte, du schwimmst im Gold!"
„Durch deine Billy müßtest du wissen, wie es in dieser Hinsicht bei uns steht! Aber sie scheint auch vor dir dicht zu halten! lachte Ludwig.
flächigen Gesicht.
Martin stand aus und stöberte in allen Winkeln seines Ateliers herum bis er gefunden hatte, was er suchte. Er kam mit zwei staubigen, mnfrhsn mriirf die keinerlei Etikett trugen. Aus der Ho en-
in seinen Stuhl zurück, schloß ;ug erschien auf seinem breiten.
Copyright 1933 by August Scherl G m. b. «5.f Berlin
(Fortsetzung.)
„Was ist mit Steinlen?" fragte er.
„Er hat keine Rolle für mich bis Weihnachten und auch guten Willen, der dazu nötig wäre!"
„Das ist ärgerlich!"
.Mehr als ärgerlich! Denn er wird mir natürlich nichts bis ich wieder bei ihm spiele. Trotz unseres Vertrages. Ich nichts machen. Und ich brauche dringend Geld!"
Kern zog die Augenbrauen hoch in die Stirn.
kommt mir selbst jetzt dumm und überflüssig
es nur die Nerven! — Setz dich m den W^... _• -
Minuten! Ich lasse mir nur den Bart abnehmen. — Vorwärts! -Zu
ansehen!"
„Gut, ich komme mit!" antwortete Kern.
Sag bitte, draußen nichts davon, warum ich bei dir war! Es fnmmf mir selbst jetzt dumm und überflüssig vor. Selbstverständlich sind
„Dann mußt du sie endlich lernen!"
„Kann ich nicht!" Ludwig lehnte sich die Augen, und ein müder, leidender Z
herum bis er gefunden hatte, was er suchte. Er kam mit zwei staub,c bauchigen Flaschen zurück, die keinerlei Etikett trugen. Aus der Ho! tasche zog er ein starkes Messer mit Korkzieher und öffnete beide. Auf einem Regal über ihren Köpfen stand eine Reihe verschieden geformter Gläser. Er holte zwei herab und füllte sie bis zum Rand mit dem rubin
farbenen Wein. . ...
Wir haben immer etwas zu meckern, rote du vorhin ganz richtig bemerktest.- Aber es hat keinen Sinn. Das da ist besser. Unser Wohl, ^Mechanisch griff Ludwig nach dem angebotenen Glas und schlürfte langsam, genießerisch den schweren, kostbaren Wein, der ihm sofort ins Blut ging. Seit seiner Rückkehr nach Nikolassee hatte er kaum einen Tropfen getrunken.
,Zch habe Pech gehabt drüben. Menschlich, meine ich. Sonst ist alles ganz^gul segangen^^ mira haben wir immer Pech. Du brauchst mir" nichts zu erzählen. Daß sie mit dir drüben war, weiß ich. Wie übrigens jedermann!" „ ,
„Du hast ganz recht. Ich hätte vorher wissen können, wer sie in Wirklichkeit ist und was sie wollte!"
„Wozu das? — Was man weiß, erlebt man nicht mehr! Und auf das Erleben kommt es schließlich an. Immer!' .
Ludwig hob sein Glas und trank ihm zu. Der Bildhauer schenkte von neuem ein, und sie tranken eine Weile schweigend.
Willst du mir einen Gefallen tun, Franz? Dann rufe 'N Nikolassee an und sage, daß ich später komme, vielleicht erst morgen Es ist nett bei dir und tut mir gut. Irgendwie hab' ich das geahnt. Aber man erwartet mich draußen. Die kleine Billy wird am Apparat sein. Sie soll es Lisa ausrichten."
Ateliers, Im Parterre eines Gartenhauses, stand offen. Als Ludwig eintrat, wurde er von einem mißtrauischen, verärgerten Blick des Bildhauers empfangen, dessen Gesicht sich aber glättete, als er den Freund erkannte.
„Gut, daß du kommst, Ludwig!" rief er ihm entgegen und wischte die "von' braunem Ton befleckten Hände an feinem Kittel ab. „Es ist scheußlich, was ich mir da aufgeladen habe!"
Ludwig stellte sich neben ihn und legte ihm den Arm um die Schul- - ter, während er die fast vollendete Figur betrachtete. „Mir gefällt das ausgezeichnet. Meiner Meinung nach hast du keinen Grund, zu meckern!
Daß das gut ist, weiß ich selber. Aber warum lassen sie mich das nicht gleich in Stein hauen, wie es sich gehört?! Bronzeguß wollen sie und bleiben dabei, obgleich ich ihnen zehnmal erklärt habe, daß meine Ueberzeugung wichtiger ist!"
„Wer sind deine Auftraggeber?"
„Zwei reiche Mäzene aus dem Vorstand einer Sportvereinigung. Die beiden Dinger hier sollen ins neue Stadion. Dieser Läufer hier und dort drüben der Boxer. Das hat mich natürlich gereizt. Außerdem zahlen sie anständig. Darum hab' ich auch nachgeben müssen. Aber es ärgert mich jeden Tag, daß ich sie nicht direkt in den Stein gehauen habe. Sie hätten sie auch in Stein abgenommen!"
Thiele sah sich auch das Modell des Boxers an, das fertig in einer Ecke stand, von feuchten Tüchern umhüllt.
, Du darfst dich beruhigen, mein Lieber. Sie machen dir auch in Bronze keine Schande! Im Grunde beneide ich dich. Du hast immer
Martin lachte und warf sich in einen Korbsessel. „Das sagst du, der du soeben als Star aus Amerika zurückkommst!"
Auch Thiele holte sich einen Stuhl, wischte ihn ab und setzte sich zu ihm in die Wohnnische des Ateliers. „Ich habe sechs Monate nicht auf der Bühne gestanden. Film ist etwas ganz anderes. Davon habe rch vorläufig genug. Hier aber gibt man mir nichts zu tun!"
„Hoho!" machte der Bildhauer ungläubig.
, Es ist so. Ich bin zu spät gekommen. Davon verstehst du nichts. — Aber ich muß jetzt auf die Bühne, sonst gehe ich ein oder mache irgendeinen anderen Unfug!"
„Ihr Komödianten!" sagte Martin und zuckte die Achseln. „Du hast den größten Erfolg gehabt, den ein Schauspieler haben kann, und sitzest da wie ein Anfänger, der nichts zu tun hat. Ein bißchen Geduld ist alles, was dir fehlt!"
„Die habe ich nie gehabt."
„Das ist ein fchöner Zug!"
„Wenn nicht bei Steinten, spielst du eben irgendwo anders! Das ist doch jetzt für dich eine Kleinigkeit!"
„Ich muh zu Henschke in diesen Tagen. — Kommst du Nikolassee? Ich habe den Wagen unten. Den muht du dir
Billy!"
Kern muhte eine halbe Stunde warten. Dann fuhren sie zusammen nach Nikolassee hinaus. Obgleich Ludwig nichts mehr anzumerken war, er wieder ganz der alte, ungestüme, kraftvolle Draufgänger fd)ten, lieh Kern sich nicht täuschen. Er muß irgendeinen heftigen Stoh bekommen haben innerlich mit dem er nicht fertig werden kann! dachte er wahrend der Fahrt. Ludwig erzählte lebendig und anschaulich von seinem Leben und Arbeiten in Hollywood.
36.
In einer Unterhaltung mit dem Agenten Henschke, die E Ende der Wocke ftattfanb erhielt Ludwig die Bestätigung, daß jetzt in Berlin nichts für ihn zu tun war. Die Theatersaison hatte gerade begonnen Die Stücke waren besetzt, und die Prominenten, die sie, zum Ersolg zu tragen hatten, waren im Besitz ihrer Vertrage. Das wurde sich m öer nächsten Zeit kaum ändern. Thiele war um eine Kopfeslänge zu spat gekommen. , .. ... , ...
mig Weibnackten untätig zu warten, war ihm unmöglich. Henschke sah das ein Ludwig konnte seststellen, daß der Agent der einzige war, der seiner Situation volles, freundschaftliches Verständnis entgegenbrachte und auch etwas für ihn zu tu"...Der’Pra^rl?55nQb/Jeünh^C^X: ©aftfpieltournee zu arrangieren als „Gotz von ®crIlc?)l"9en( mann Henschel", den beiden Rallen, in denen er bisher Ume ftarf ten Erfolae erzielt hatte. Thiele war einverstanden und gab ihm den Auf trag ^Henschke versicherte, dah sich das machen liehe, da schon 'M Sommer Anfragen danach aus der Provinz bei ihm emgelaufen waren.
ßubroia verlieh den Agenten in einer merkwürdig schwebenden, unklaren Sllmmun! Da er gleich nach der Untersuchung mit dem von Kern vorgeschlagenen Training und der Diät begonnen Hatte, suhlte er sich körperlich schwach, unzufrieden und reizbar. Seme Nerven drohten zu streiken. Er hatte das steigende Bedürfnis nach irgendeinem kräftige
Stimulans... , , „ ,.
Es roar sechs Uhr vorbei. Als er in feinem Wagen faß — Konstantin
Ä a. Ä
Uch schlug er diese Richtung ein.
Martin stand in einem langen, beschmutzten Arbeitskittel oor einer niederen, drehbaren Scheibe, auf der das Tonmodell emes laustnd n | Athleten in halber Lebensgroße montiert roar. Die Tur des weiten


