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Hei^e im Herbst.
Von Detlev von Liliencron.
In Herbstestagen bricht mit starkem Flügel der Reiher durch den Nebeldust.
Wie still es istl Kaum hör' ich um den Hügel noch einen Laut in weiter Luft.
Auf eines Birkenstämmchens schwanker Krone ruht sich ein Wanderfalke aus;
doch schläft er nicht, von seinem leichten Throne äugt er durchdringend scharf hinaus.
Der alte Bauer mit verhaltnem Schritte schleicht neben seinem Wagen Torf.
Und holpernd, stolpernd schleppt mit lahmem Tritte der alte Schimmel ihn ins Dorf.
Das Gesicht Chinas.
Von Lothar v. Reppert.
Vor einiger Zeit wanderte ich im Hafenviertel von Marseille umher. Durch enge, verschmutzte Gassen, in denen die Luft von strengen, ätzenden Gerüchen geschwängert war, in denen Laute häßlicher Leidenschaft gegen mein Trommelfell klatschten, gelangte ich schließlich aufatmend an den Kai. Hier mischten sich Oel- und Fischdüfte, in die bisweilen betäubende Wellen von Zimmetgeruch einflossen, doch immerhin mit dem Salzwinde des Golfs, dessen lebendige Wogen ich ferne an der großen Hafenmole im Sonnenlicht aussprühen sah. Unzählige, teilweise grell bewimpelte Schiffe verschiedenster Größe und Bauart lagen vor mir, schwer ausruhend in den bunt schillernden Hafenwassern. Seltsames Schifssvolk aller Nationen der Welt schlenderte in eigentümlich schlingerndem Seemannsrhythmus an mir vorüber. Gesprächsfetzen der verschiedenartigsten Zungen berührten mein Ohr.
Ich überlegte gerade, welcher meiner Sinne in diesem verwirrenden Getümmel von Gestalten, Lauten und Gerüchen wohl am meisten in Anspruch genommen würde, als ich dicht hinter mir eine leise, doch auffallend harte Stimme vernahm.
„Sir, you want see silks?"
Ich wandte mich um und erblickte einen mittelgroßen hageren Chinesen, in dessen Zügen jenes starre geheimnisvolle Lächeln Asiens stand, von dem wir Europäer niemals wissen wachen, ob es Höflichkeit oder Grausamkeit bedeuten will. .
„I h’ve wonderful old silks, Sir“, wiederholte er, ohne seine Worte mit' der geringsten Geste zu begleiten, indem er mich mit seinen geschlitzten, dunkeln Augen unverwandt ansah.
Da ich in meiner Zeit unbeschränkt war und mir zufällig gerade an diesem Morgen überlegt hatte, was ich wohl von meiner Reise Absonderliches in die Heimat mitbringen könnte, erklärte ich mich sofort einverstanden. Jawohl, ich hätte große Lust, gute chinesische Seide anzusehen, würde sogar nicht anstehen, mich einmal regelrecht — wie man so sagt--— in Seide zu betten, sei jedoch keineswegs in der Lage, etwa außergewöhnliche Preise zu zahlen. . .
Der Chinese winkte mir nur kurz, zu folgen. Dann ging es in raschem Tempo eine gute Weile hart an der Kaimauer entlang. Ich hatte vollauf damit zu tun, nicht über bie zahlreichen Schiffstaue, die Befesti- gunqsringe und Eisenstäbe zu stolpern, die einen Hafenrand zur Hindernisbahn macl'en, so daß mir keine Zeit blieb, intensiver nachzudenken oder den mit katzenartiger Sicherheit vor mir einhergleitenden Mann genauer zu betrachten. Ich bewegte mich gleichsam von einer fremden magischen Kraft gezogen, voran, kletterte eine schmale, steile Treppe hinab und befand mich unversehens in einem breiten niederen Nachen, der bereits vom Quai ckbgestoßen war und mit unglaublicher Geschicklichkeit zwischen all den riesenhaft über mir drohenden Schiffsrumpfen hindurchgelenkt wurde. Auch hierbei zeigte mir der Chinese seinen Rücken. 'Wortlos trieb er das Boot mit nur einer Ruderstange.
Seine Kleidung bestand aus einer schmutziggrauen Leinenhose, über die eine hellblaue Jacke mit weitgeschweisten Aermeln herabhing. Aus dem Kopfe trug er eine Art Ohrenmütze.
Ehe ich genaue Erwägungen anstellen konnte, lagen wir breit|cit eines düsteren Schiffes, an dessen Vordersteven ein ehemals wohl vergoldeter Drachenkopf seine Zähne bleckte. Auch die ganze Bauart des plumpen Dreimasters verriet unzweifelhaft den schwerfälligen Charakter der Chinesendschunke. — Mein Führer zog sich indessen bereits muhelos an einer über Bord hängenden Strickleiter empor; ich beeilte mich, ihm nachzukommen, was mir an dem schwankenden Ding nicht ohne Muhe gelang. Auf Deck des Schiffes war ein kleines Häuschen aufgesetzt; ein paar Tonnen und (Segcltaue tagen herum; ich sah wie die Spitzen der Maste sich leise gegen den hellen Himmel bewegten.
Mir gegenüber stand der Chinese mit dem Lächeln Asiens auf den Sippen. Bis dahin hatte mir die ganze Geschichte einen Zwar etwas abenteuerlichen, doch recht amüsanten Eindruck gemacht. Das Gefühl, mich dem Ungewiffen auszuliefern, aller Bindungen und Sicherheiten der menschlichen Gesellschaft ledig zu fein, nur auf die Aufforderung eines fphinxhaft lächelnben Chinesen hin, wundervolle Silks in Augenschein zu nehmen, übte einen starken Reiz auf meine, von einer gewissen Reife- faulheit eingeschläferten Sinne aus. — .
Jetzt wandten wir uns nach einer kurzen Geste meines Führers Dem Innern des Schiffes zu, einem engen, sich steil und treppenlos über glitfrhige Planken senkenden Hang hinab. Außer uns schien sich niemand an Bord des Seglers zu befinden. Der Chinese vor mir hatte ein kleines Licht entzündet: über mir entschwand der letzte Streifen südlichen Himmels, dessen helle Kraft mir noch niemals so deutlich zu Bewußtsein gekommen war als gerade in diesem Augenblick. Ein Rus wollte sich mir
auf die Lippen drängen, ein Wort der Abwehr, doch meine Stimme vermochte die Kehle nicht zu verlassen; gezwungen von jener geheimnisvollen Macht, die mich bereits kurz nach dieser Begegnung gepackt hotte, tastete ich mich hinter dem zitternden Lichtschein her durch den gewundenen, stickigen Gang. Eine Tür wurde aufgestoßen.
„Allright", knurrte der Chinese. Ich sah, wie er mit eigentümlich schwebenden Bewegungen einige mit Schriftzeichen bemalte Papierlaternen in Brand setzte und erkannte einen viereckigen Raum, aus dessen einer Ecke mir die mannshohe Statue eines goldbronzefarbenen Buddha gespenstisch entgegenleuchtete. Daneben unterschied ich eine Truhe aus dunkelm Holz, die der Chinese unverzüglich öffnete.
Wortlos und ohne den Ausdruck feiner Miene irgendwie zu verändern, rollte er aus dem Schrein durch geheimen Mechanismus einen breiten Streifen schwerer Seide bis zur Decke des niedrigen Gelasses empor, -trofc der spärlichen Beleuchtung durch wenige Lampions lag seltsam glühendes Licht über dem Gewebe. Auf blutrotem Grund war die Figur einer Chinesin gestickt. Ich hatte das Gefühl, als bewege sich die ruhende Gestalt unter einem stillen Atem; doch es war wohl nur das ktfe Schwanken des Schifssrumpfes, das diese Täuschung hervorrief. Das Gesicht des mir zugewandten Weibes hatte trotz seiner Starre einen tiqerhasten, grausamen Ausdruck, und in den sanften Augen erkannte ich den gleichen, unerklärlichen Schein, der in dem seitlich des Seiden- Hildes mich anblickenden Antlitz des Schiffers stand.
Das Bild verschwand. Es folgte ein Zug frei im blauen Raum auf« wärts ziehender reiherartiger Vögel mit hell leuchtendem Gefieder. Auch bei diesem Bilde hatte ich den Eindruck der Bewegung, einer Bewegung, die einem in ferner Höhe schwingenden Licht zustrebte. Ich selbst stihtte mich emporgehoben, lichtwärts schwebend gleich den von blauer Luft getragenen Vögeln. — An eine wundersam in die Weite gehende Küsten- andschast, an deren von Bergen gesäumten Strand silberne Wellen pülten, schloß sich daraus die Wiedergabe eines Tempels einer großen goldenen Katze und endlich die Gestalt des sitzenden Buddhas, der dem in der Ecke auf einem Sockel thronenden vollkommen glich und meine Gedanken durch seine Doppelheit derart verwirrte, daß ich die beiden nicht mehr auseinander zu halten vermochte. Dazu kam die Grabesstille des Raumes, in dem ein merkwürdiger, süßlicher Raucherdust aufzusteigen begann. Der Besitzer des Schiffes selbst war verschwunden. Das Letzte, wa« ich von ihm gesehen hatte, waren feine langgliebrigert fjänbe, bie sich in ber Dunkelheit geisterhaft hin und her bewegten. Auch die Papierlaternen waren erloschen, das Licht schien von den beiden Buddhafiguren selbst auszugehen.
Wehrlos und nahezu betäubt hatte ich mich an die der Truhe gegen- überliegende Wand gelehnt. In schnellem, einsörmigen Rhythmus gehaltenes Flüstern drang an mein Gehör. Die Doppelbuddhagestalt verschwamm in goldstaubigem Dunst, der sich langsam zu einem seinen weitmaschigen Goldgitter zusammensugte. Durch dieses ®itter nun blickte ich zunächst in eine unbeschreibliche Leere, ins Nichts ... Was in diesen Augenblicken — ober waren es Minuten, Stunben, vorging, vermag ich nicht wiederzugeben. Es glich der Auslösung meines Jchs, der Wanderung aus einer in Atome zertrümmerten Vergangenheit in eine unfaß- ttche, endlose Zukunft, der Zusammenballung des Alls zu einem, Himer bem Gitter sich formenben, grellen Punkt, ber sich mit wachsenber ®e« 'rf>'Allnnchliich"gewahrte ich ein, sich schwerfällig auf bas Golbgitter zu beroegenbes Wesen, besten Rumpf aus einer irbenen, gleichmäßig geschwungenen Vase beftanb; über ben Hals bes heranrollenben Gefäßes raate ein greisenhafter, kahler Schöbel. Die Physiognomie Reser Fratze war gleichzeitig grauenerregenb unb hilflos. Ein bumpfer Schlag ertönte. Die Vase zersprang unb lieh einen taschenkrebsartig verkrümmten, entsetzlichen Körper 'frei werben. . .
Blitzartig burchzuckte mich bie Erinnerung, baß bei den Chinesen derartige Verbildungen tatsächlich auf die grausamste Weise heran« gezüchtet werden sotten. Ehe ich mich jedoch weiter mit diesem Gedanken abgeben konnte, war der Abscheu erregende Gnom verschwunden- ich sah mich einer lachenden Sonnenlandschaft gegenüber, bie sich ms Endlose au verlieren schien unb bie heitersten Empfinbungen in meinem, noch soeben auf bas roilbefte gepeinigte Gemüt hervorrief. Nie gekanntes Lustgefühl, berüdenbe Leichtigkeit burchflutete mein Blut, ber Zusammenhang mit meinem eigentlichen Leben kehrte im Fluge roieber. alles war mir mit einem Schlage erklärlich, fpielenb entwirrbar; ich spurte mich in einen erhebenben Taumel glücklichster Zukunft versetzt.
Mit der Zeit bemerkte ich, daß diese seltsame Verwandlung meiner Empfindungen von einer Gewellt ausging, die sich aus der Tiefe Der besonnten Landschaft lanafam heranbewegte. Unter wiegenden Baumen, an klaren Wassern vorüber, von bem schmiegsamen Boben gleichsam getragen, nahte ber Strahlenbe, Lichtströmenbe, eine golbene Kugel in seiner Rechten tragenb; wuchs, wuchs über ben Raum hinaus ein zeitloser, gewaltiger Traum ...
- Das golbene Sitter zerriß. Aus ber Weite ber Lanbschaft zusammen- geflossen machte sich über schleiernen Wogen feibiger Dämpfe bas flächige Antlitz bes Verschwunbenen frei. Wieberum blickte ich in ben unergründlichen Spiegel asiatischer Augen, fühlte aus dem versunkenen drohenden Emst seiner Züge das Lächeln des ewigen Geheimnisses erstehen. Unter seiner mystischen Kraft, die dem Zeugungsbett der Auslosung alles irdischen Seins entstiegen schien, versank ich ins Dunkel der Bewutzt- 'o^Jch'erwachte von einem festen Druck, den ich auf meiner Schütter verspürte, blickte auf und bemerkte einen baumlangen französischen Makro en, ber sich mit gutmütigem Grinsen zu mir herabbeugte
Das Gesicht Chinas ..." murmelte ich verstört, erhob mich von einem runden Stein Hart an der Kaimauer und taumelte meinem Quartier zu. Als ich mich noch einmal umroanbte, sah ich «eit draußen Re geheimnisvolle Silhouette eines Dreimasters, dessen durchsichtige Segel mit der Himmelsbläue verschwommen still dahinziehen ...


