Ausgabe 
1.11.1935
 
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Jahrgang 1935

Hreitag, -en November

Nummer 85

flußaufwärts. Sie fchurrt mit findet sie das Herz leichter

0ie8{11

Liebesroman

GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE Von Walther von Hottanöer kopgrlght 6g August Scherl S.m.d.y., Berlin < 12. Fortsetzung.

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rechten und zu kämpfen? Nun dann liegt es --------, ,

schon so alt war. Daß sie schon ein ganz selbständiger Mensch war. Sie hat es doch ihrem Alfred immer wieder warnend gesagt. Sollt also die Ehe nichts mehr für selbständige Frauen sein? Sollen die allein bleiben?

Barbara schüttelt den Kopf. Nein, sie sollen nicht allein bleiben. Nein, sie wird mit Alfred noch ganz zusammenkommen. Sie liebt ihn jetzt ganz selbstverständlich. Sie hat ihn durch die körperliche Liebe wirklich erst ganz kennengelernt. Da ist er ganz klar, ganz selbstverständlich und ganz herzlich. Da erlaubte er seinem Herzen mitzuschwingeü, wahrend doch sonst, nicht wahr, ein Mann kein Herz haben darf.

Wohin käme der Mann, der ein Herz zeigte", hat er neulich nachts gesagt,ins Gefängnis ober ins Irrenhaus oder ... na ja ... ans Kreuz

GietzenerZaimlienblälter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

atmend im Grafe.Wo bleiben denn eigentlich alle Männer?" murrt er.Müssen am Abend so lange reden, bis sie am Morgen nicht auf» stehn können. Als ob jeden Tag Sonne wäre. Nicht wahr?"

Wo bleiben denn die Männer?" lacht Barbara, als sie die Hütte wieder betritt.Es ist Sonne, Heuernte und Floßbau angesetzt."

Meimberg sitzt und rasiert sich. Er nickt Barbara zu.Siehst schön aus", sagt er,man muß wirklich zufrieden fein mit dir."

Draußen trommelt Hauptmann Gericke an das Gong.Aufstehn, die Floßbauerl" schreit er.Antreten!" Und oben im Fenster erscheint Kör­ners Kopf. Die Backen hat er wie Meimberg eingeleist. Er schwingt ein Rasiermesser in der Hand.Antreten, die Floßbauerl singt er,alles an* treten, Mößbauer und Floßbäuerin ..."

Ich muß vielleicht doch nach Stuttgart heute", sagt Meimberg,ich habe schon ein Gespräch mit Berlin angemeldet. Die Sache scheint brenz­lich zu fein. Hier lies das Telegramm!"

Nimm mich doch mit", bittet Barbara,ich möchte so gern mit." Meimberg schüttelt den Kopf.Ich bin am Spätnachmittag wieder da. Oder am Frühabend. Bleib nur hier! Du würdest dich auch wieder über Fehr ärgern. Kannst ja an meiner Stelle das Floß rnitbaun."

Ich möchte doch mit", wiederholt Barbara. Aber Meimberg findet es Unfinn. Er muß beim Anwalt sitzen, bei der Arztfrau. Es ist sicher bullig heiß in der Stadt und außerdem doch nicht so schlimm, wenn man sich mal für einen Tag trennt.

Barbara gibt ihm recht. Es ist nicht so schlimm. Sie kann ihm auch jetzt nicht erzählen, daß sie nicht allein Zurückbleiben will, weil sie einen Rauthammer ähnlichen Mann gesehen hat. Das sieht wie ein Druck aus. Wenn es allerdings doch Rauthammer war ... bann ist bie Sache ret­tungslos schief. Sollte sie also boch lieber sprechen? Unfinn. Es ist boch nicht Rauthammer gewesen. Unfinn.

Währenb sie noch überlegt, kommt bas Gespräch aus Berlin. Weppen ist am Apparat.Hallo, alter Junge! Weiberknecht, Honigmonbler, Hoch- zeitsreisenber!! Müssen bald zurückkommen. Ist nichts hier mit bem Trio zu zweien. Kleesanb ist schon ganz mufflig."

Hallo", ruft Meimberg zurück,alte Asphaltknechte! Verbrennen euch bie Gummisohlen in ber Hitze? Schwimmt ihr Sonntags als Fett­augen auf ber Wannseebouillon? Mir geht's großartig. Gehe spazieren, esse Kuchen, tanze unb baue ein Floß. Wie? Ja ... ein Floß ..."

Jetzt kommt Kleesanb:... Wohl ins Gehirn geblasen? Macht mit eurem überflüssigen Geschrei bie Reichspost reich. Sinb 700 Kilometer Draht zwischen euch! Also können Sie bie Sache machen? Ja? Natürlich? Weppen meinte, wegen ber Hochzeitsreise könnten mir Sie nicht be­lästigen. Ist boch Unsinn. Selb ja schon ein uraltes Ehepaar. Zankt euch doch sicher schon. Also. Denn man los. Aber ein bißchen vorsichtig natür­lich. Kennen Sie nicht irgenbeinen Arzt ... Sie haben boch ba Ihren Freunb Fehr ... Kann vielleicht vermitteln. Also fahren Sie los! Baut euer Floß morgen fertig. Geht in Drbnung! Schluß ..."

Bald nach bem Frühstück rollt ber schöne graue Hochzeitswagen aus ber Garage. Alfreb sitzt brin, stäbtisch getleibet. Jetzt erst sieht man, wie unstäbtisch verbrannt unb gesunb er geworben ist. Seine Augen glänzen unb funkeln wie Filmaugen. Barbara fährt auf bem Trittbrett mit bis gur Chaussee. Springt kußlos, grußlos ab. Steht unb winkt. An ber Ecke hält ber Wagen. Alfreb steigt aus. Winkt mit bem Hut. Weg ist er.

Barbara mürbe gern ein bißchen meinen. Himmel, man gemöhnt sich aber schnell daran, immer jemanden zu haben, mit dem man sprechen kann. Den man streicheln kann. Dem man etroas Nettes sagen kann. Das ist ja greulich, so eine Ehe ... wenn man allein ist.

Unten am Haus hat bie Görnemitz schon auf sie gewartet. Lächelt ihr zu Zerrt ein Gespräch über bie Ehe an ben Haaren herbei. Erzählt von ihrer Ehe mit bem Maschinenfabrikanten Görnemitz, ber ein schöner unb reicher Mann mar. Nur leiber haltlos. Konnte ohne viel Alkohol unb Diel Frauen nicht leben. Wurde schließlich Morphinist. Die Fabrik ver- kam Dann kam ber Krieg. Alles schien besser zu roerben. Die Fabrik kriegte riesige Aufträge. Görnemitz muhte als Hauptmann ins Felb. Hielt sich sehr gut. Aber brei Monate später fiel er. Kurz bevor man ihn reklamieren konnte.Tragisch, wie?"

Barbara nickt, obwohl sie bas gar nicht tragisch fmbet, fonbern höch­stens traurig. Unb als Schicksal, trotz bes versöhnlichen Ausgangs, eher ein bißchen abstoßenb. Sie muß noch hören, wie Frau Görnemitz bie Fabrik währenb ber Inflation verkaufte unb alles verlor bis auf biefes Denfionshaus. Unb daß sie froh ist. nach soviel schweren Erinnerungen noch ein Stück von einem helleren Leben, wenigstens auf ber 3u|diauer» bank, zu erwischen. Unb wie bas Zuschauen weise macht unb friedfertig. Da ist sie also enbli4'. wo sie hin wollte. Sie bietet Barbara ihre Hilfe an. Barbara soll nur Vertrauen zu ihr haben, wenn sie in eine schwierige Lage kommt. Sie, die Görnemitz, hat für alles, aber auch alles Verständ­nis und meist meist einen Ausweg. Sie steht immer auf ber Seite ber Frauen bie als ber passive Teil ber Menschheit allzuviel zu le,ben haben. ° Barbara bebantt sich. Im Augenblick geht es ihr großartig. Sie kann

Barbara geht im Babeanzug ein Stück

ben Füßen burchs Taugras. Das macht , , ...

unb den Kopf klarer. Die Wiese ist schon ganz abgeheut. Aber weiter oben müssen noch Heumiesen liegen. Denn der Heugeruch ist saft so stark wie am Tage zuvor. Rechts am dunkelblauen Himmel entdeckt sie jetzt ben kalkweißen Mond. Schon halbiert. Eben war doch erst Vollmond. Immer wieder vergißt sie, wie schnell bas geht, immer wieder bekommt sie einen Schreck, wie schnell ber Sommer vergeht, das Leben. Sie ist jegt, warte mal, elf Tage, zwölf Tage verheiratet. Unterdes ist eine ganze Welt aufgegangen unb eine untergegangen. Er war, im ganzen betrachtet, unerwartet schon. Aber es war auch unerwartet schwer unb ganz anbers, als alle Menschen barüber sprechen unb schreiben. Wahr­scheinlich liegt bas, so bentt sie, auch an ihrem ganz befonberen Fall. Daß sie biesen Rauthammer getroffen hat. So etwas passiert ja wohl selten, aber haben anbere Frauen nicht mit vergangener Liebe zu 1 vielleicht boch baran, baß sie

CtOT,Dber", hat Barbara geantwortet,ober er könnte bie Welt umgestal­ten." Alfred bat gelacht. Die Welt umgestalten ... bas will er gerabe nicht. Er finbet sie ganz gut, so wie sie ist, unb vollkommen soll sie ums ! Himmels willen nicht werben.

!Ums Himmels willen ja!" hat Barbara geantwortet, unb bann ist das Gespräch nicht weitergegangen. Muß auch noch weitergefuhrt wer­den, wie so vieles, wie soviel Wichtiges.

Da ist sie also am Wehr. Sie balanciert über ein paar Steine bis in die Mitte bes Flusses. Sie muß an bas erste Fruhbab bentem damals vor bem Walbhaus. Sie setzt sich schnell unter den kstmen Wr alL Das Wasser springt kräftig auf den Nacken, auf bie <5rf)ultern_ 6-e laßt sich ganz in ben Fluß hineingleiten. Schwimmt ein paar Stoße Denkt. Man könnte sich ein bißchen unter ben Wasserfall stellen Vorsichtig halt sie Umschau, ob jemanb in ber Nähe ist. Aber es .st für Sommerfr, 4(er zu früh, unb bie Mäher sinb weit. Alfa ... !Rein ... halt ... ba |tebt zweihunbert Meter entfernt, brüben am ©albranb auf beih «nb«ren Flußseite ein Mann. Na gut, bann ist es eben nichts mtt bem »ab Schabe! Sie sieht hinüber. Ist übrigens komisch: Der Mann hat genau io einen Panamahut wie ... ja, wie Rau Hammer. Er hat nen Jo beli'i o'nzug wie er. Das besagt allerbings nichts. H'-r tragen alle Man­ner h (ie Anzüge. Aber jetzt hebt er bie Hand zum 6^. Grüßt. Wen grüßt er? Er steht, ben Hut etwas über bem Kops gehoben. Wie da­mals Rauthammer in Berlin. Er ... . ., mns.

Barbara steigt langsam aus bem Wasser. Sie nimmt ihren Babe­mantel. Sie geht ziemlich schnell fort. Rautbammer? Sie steht sich noch einmal um. Der Mann ist verfchwunben Sie schüttelt ben Kops. Das 'ammt bauon, wenn man eine Auseinanbersetzung "^ ^u Enbe fuhrst Warum hat sie nicht mit Allreb ben Fall fertig berebeL Jetzt W er fischen ihnen. Jetzt beschäftigt er sie betbe über Gebühr, unb sie wird «och unter jebem 'Panamahut Rauthammer suchen. Sie lacht Hellaus, unter jebem Panamabut Rauthammer suchen.

, Sie setzt sich in Trab. Sie läuft, ben Bademantel w e e m Fahne s»wmgenb, über bie Wiese. Jemanb ruft:Frau M«>erg! Frau , Meimbergi" Eine mertwürbig Helle Stimme. Es ist ber etfj hfl ' ,

d°r kleine Körner Er versucht auf ber Wiese ben SjanbftanbSu fo l mal Herkommen und ihm bie Füße f-sthalten, wenn er hmGchwingst So ... Achtung .. so ... sehr gut. Noch mal? Im noch mal. Shr-gut. Nun noch mal allein. Na ... es geht ja schon. Der Junge sitzt schw