Wieder ein gutes Lachen.Ja, glaubst du denn, setzt sei es vorbei? Jetzt fängt es doch erst richtig an mit dem großen Verdienen, meine ich. Laß nur erst meine Filme herüberkommen! Dann werden sie sich hier um mich reißen und mich mit Gold aufwiegen."

Wann kommen sie herüber? Ich freue mich so daraufl"

3n zwei bis drei Monaten."

Du gehst wirklich nicht so bald wieder hinüber?"

Nein. Vorläufig hab' ich von Hollywood mehr als genug. Es ist großartig, interessant, und ich habe dort auch so gut gearbeitet wie noch nie im Film vielleicht nur darum, weil ich gerade dort am deutlichsten gespürt habe, wo ich wirklich zu Haufe binl"

35.

Konstantin war sehr stolz, als er schon am nächsten Tag feinen Herrn in dem neuen Wagen zur Stadt fahren konnte. Ludwigs erstes Ziel war das Deutschs Volkstheater.

Steinlen überließ die Leitung einer Umbesetzungsprobe einem Hilfs­regisseur, als ihm Thiele gemeldet wurde. Mit einem etwas übertrieben kardialen,Hallo, alter Junge I" trat er in fein Direktionszimmer, wo Ludwig im Klubsessel auf ihn wartete.

Du siehst aus ... wie Rübezahl! Hollywood scheint dir glänzend bekommen zu fein!" fügte er in einiger Verlegenheit hinzu, nachdem Ludwig seine Begrüßung nur durch eine kühle Handbewegung erwidert hatte.

Laß das meine Sorge sein! Ich bin seit gestern zurück."

Und kommst gleich zu mir. Das ist sehr nett natürlich, um rtit mir abzurechnen. Uebrigens gehen die .Verräter' bis jetzt recht aut. Durch deine Frau weißt du ja..."

Wir haben noch einen Vertrag miteinander. Das scheinst du ver­gessen zu haben."

O nein. Aber den habe ich schon zweimal zu deinen Gunsten sagen wir mal modifizieren müssen."

Als ob ich nicht wüßte, was du daran verdient hast! Diesmal aber bist du im Unrecht, Steinlen. Die Rolle gehört von Rechts wegen mir. Du bist verpflichtet, mir wenigstens einen gleichwertigen Ersatz zu bieten."

Gern, lieber Ludwig sobald ich dazu in der Lage bin. Von einer Verpflichtung kann im Augenblick leine Rede sein. Du hast deinen Ur­laub um mehr als drei Wochen überschritten, ohne mich überhaupt zu fragen."

Quatsch, Steinlen! Du weißt genau, daß ich nicht anders konnte."

Kein Mensch außer dir wird mich dafür verantwortlich machen wollen."

Reden wir offen und vernünftig, Steinlen! Wann kannst du ein neues Stück ansetzen?"

Das kann ich jetzt überhaupt nicht beurteilen. Die .Verräter' gehen, wie gesagt, sehr gut. In sechs bis acht Wochen könnte ich vielleicht daran denken ..."

Thiele stand auf.Dann bist du vielleicht bereit, unseren Vertrag sofort und ganz zu lösen."

Ich denke nicht daran, lieber Thiele! Ich werde dich dringend brauchen."

Ich brauche ober jetzt eine Rolle, und zwar so bald wie möglich!" Kann ich verstehen. Vielleicht kann ich dich bis Weihnachten be­urlauben? Du bestandest doch mit deiner gewohnten Hartnäckigkeit darauf, bei mir dann den Wallenstein zu spielen."

Also setze einen Termin für den Wallenstein in unseren Vertrag, und gib mich bis Weihnachten frei!"

Ich werde es mir überlegen." >

Thiele fetzte feinen Hut auf.Da ist nichts zu überlegen, Steinlen. Es ist die einzig annehmbare Lösung. Mit den Schwierigkeiten wirst du fertig, ebenso wie ich. Das zählt nicht. Was mir nicht gefällt, ist der macht'" Öem bU fie °"'ührst. Ich fürchte, du hast zu gute Geschäfte ge-

Steinlen zuckte überlegen die Achseln.Du etwa nicht? Aber du bist auch drüben das gleiche naive Kind geblieben."

Das Schriftliche zwischen uns kann Henschke erledigen"

Einverstanden. Apropos, Ludwig, den Bart solltest du dir wie­der abnehmen lassen, möglichst gleich, und ein tüchtiges Training könnte ölr nicht schaden sagen wir mal für den Wallenstein!"

Ich finde^mich auch zu dick!" antwortet Ludwig mit einem düsteren Zug im Gesicht, der neu an ihm war.

nervös""" alle5 Ordnung. Auf Wiedersehen!" sagte Steinlen hinaus""'0 brumm,e no<$ etroa5' was wie ein Gruß klang, und ging

Gut, daß ich rechtzeitig meinen Jähzorn unterdrückte! dachte er. 5Be= merten5tDert' daß ich es konnte! Steinlen ist kein Freund mehr. Vielleicht war er es nie, unb ich habe es bis jetzt nur nicht bemerkt. 3et5t sollte ich eigentlich direkt zu Henschke. Sicher hat der etwas Gutes für mm> X»r vorher muß ich ... Ja, ich rnuß!"

Er gab Konstantin die Adresse des Doktor Kern. Es war sechs Uhr, u. b0V- Die Sprechstunde des Arztes war vorüber. Kern T ',an b*e Tur .lewer Wohnung entgegen und führte ihn im Inumph in fein Arbeitszimmer. In heller Aufregung lief er zwischen Gebraut und Schreibtisch hin und her, schleppte eine Flasche Kognak, ®!a(er und Zigarren herbe,, und bediente Ludwig wie eine verwöhnte

Du hast ein schlechtes Gewissen, alter Freund", begann Ludwig. t~n* Arn lachend und rückte feinen Zwicker zurecht.

m.ÄSyr,'! 3n m,in s'< -

Ȇ- lm

. Kommt nicht in Frage!"

Was soll bas heißen, Lubwig?"

Jetzt lachte Thiele über ben Ausbruck Kerns, der beinahe unglücklich

geworden war.Das heißt, daß Lisa deine kleine Billy noch dringend braucht. Und ich auch. Daß du sie nicht vor zwei Monaten bekommst."

Kerns Gesicht hellte sich auf.Darüber läßt sich reden."

Rein, gehandelt wird nicht! Uebrigens ein tolles Stück, daß tu es wagst, fie hinter meinem Rücken für dich zu beanspruchen."

Sie liebt mich eben."

Rätselhaft!"

Du bist einfach neidisch, Ludwig, weiter nichts!"

Lubwig streckte ihm bie Hanb hin.Du bist der gleiche alte Esel, was Frauen betrifft. So, nun trinken wir auf dein Wohl und auf Billys Wohl!" 1

Setz dich mal her, Kern! Ich bin nämlich aus einem anderen Grund zu dir gekommen."

Aus einem menschlichen oder ärztlichen?"

Einem ärztlichen!"

Es betrifft dich selbst?"

Ja. Woher weißt du?"

Ich seh' es dir an. Erstens hast du wieder mächtig zugenommen. Erinnerst du dich, was ich dir vor einem Jahr gesagt habe?"

Natürlich erinnere ich mich! Und zweitens?"

Zweitens siehst du irgendwie besorgt aus, trotz deinem Bark."

Kurz und gut, Kern, du sollst mich untersuchen."

Gut, später. Zuerst erzähl mir mal, was dich beunruhigt, außer deinem Gewicht, das wir bald wieder in Ordnung bringen können."

Ich habe manchmal Schmerzen hier!" Er legte die Hand auf bie rechte Seite neben der Hüfte.

Hm ... Du hast natürlich wieder tüchtig getrunken drüben? Rot" wein, wie immer?"

Unb Whisky!"

Damit hat es auch nichts zu tun. Hast du einen Arzt gefragt?"

Nein. Ich bachte, es geht vorüber. Das war auch ber Fall. Und bann habe ich nie ein Zutrauen zu Aerzten gehabt. Das weißt du."

Jetzt kommst bu zu mir! Ich bin aber nur Spezialist für Hals und« Nase."

Du verstehst viel mehr als bie andern. Das hat auch Lisa erlebt."

--Hast bu mit ihr über dich gesprochen?"

Nein."

Und dich natürlich an gar keine Diät gehalten. Das sieht man ja. Was waren denn das für Schmerzen? Kamen fie oft und hielten an?"

Zuerst war es nur ein Druck hier. Dann aber wurde ein Ziehen unb Brennen daraus. Es ging vorüber, kam aber immer wieder. Am schlimmsten auf der Uedersahrt. Zwei Tage habe ich in der Kabine gelegen. Dabei bin ich noch nie im Leben seekrank gewesen!"

Damit hat es auch nichts zu tun. Hast du einen Arzt gefragt?"

Warum nicht?" ,

Es kann ja nichts Schlimmes fein. Sie nimmt alles zu ernst. Wozu sie unnötig aufregen?"

Schön. Dann komm jetzt mal mit hinüber und zieh dich aus!"

Sie gingen in das Sprechzimmer, und Kern nahm eine Untersuchung vor, die fast eine Stunde dauerte. Er sprach dabei nur bas Nötigste, was Lubwig sehr irritierte.

»Nun ...?" fragte er endlich gereizt, nachbem Kern ihm erlaubt hatte, sich roieber anzukleiben.

Diagnose ist bei einer solchen Untersuchung leider nicht mög­lich , antwortete Kern nachdenklich.Es scheint bie Leber zu fein, wie id) gleich vermutete. Du scheinst bir ein bißchen zuviel zugemutet zu haben, trotz deiner robusten Gesundheit. Eine leichte Schwellung konnte ich feftftelten. Alles übrige scheint in Ordnung, auch bas Herz. Aber bas roill nicht viel sagen. Wir werben in ben nächsten Tagen einmal 3u Professor Althoff gehen. Der ist der beste Internist, den ich, kenne. Du bist doch einverstanden?"

Nee!" wehrte Lubwig ab.Ich habe schon genug. Wenn bu mir logst' daß ich in Ordnung bin, genügt mir bas. Und die Schwellung werden wir auch so wegkriegen. Nicht wahr?"

Hoffentlich. Trotzdem halte ich es für absolut notwendig ..."

Unfinn! Uebrigens fühl' ich mich wieder so wohl wie ein Stier auf.der Weide."

Ich werde auf gar keinen Fall zugeben, daß du dich mit biefer Untersuchung begnügst!"

Aber ich bin doch nicht krank!"

Du kannst es werden. Schneller, als du glaubst. Namentlich, wenn du so weitermachst!" '

Es wird nicht so weitergemacht. Es wird wieder trainiert und Diät gehalten, genau wie du mir vor einem Jahr verordnet hast", lachte Ludwig.Oder glaubst du vielleicht, ich kriege das nicht fertig ohne deinen Professor?"

Kern zuckte die Achseln.Manchmal kommst du mir vor wie ein Schuljunge, Ludwig. Kannst du diese Dinge wirklich nicht so ernst neh­men, wie sie es verlangen?"

Nein! Ich will auch nicht. Außerdem habe ich ja dich dafür!"

Das wird nichts nützen, da du mir keine Möglichkeit gibst, in ber richtigen Weise einzugreifen!"

Ich werde alles tun, was du willst!"

Dann komm morgen oder übermorgen mit zum Professor!"

Vielleicht! Aber nicht morgen und auch nicht übermorgen! Erst Kenn ich mit deiner Hilfe wieder abgeschwollen bin, außen unb innen!" Er ftanb auf unb schüttelte Kern die Hand.

Schönen Dank, alter Junge! Ich fühle mich jetzt wirklich wieder ganz aus der Höhe. Obgleich ich in vielen Dingen Pech habe in der letz­ten Zeit! Dieser verdammte Steinlen! Von ihm hätte ich das nicht er­wartet!"

Doktor Kern war besorgter, als er zugab. Aber er kannte Ludwig genau und wußte, daß er jetzt nichts mehr bei ihm erreichen konnte. Darum ging er auf seine veränderte Laune ein und beschloß bei sich, ihn unter allen Umständen zu der Untersuchung durch den Spezialisten zu zwingen wenn es sein mußte, mit Hilfe Elifabeths.

(Fortsetzung folgt.)